Wir waren von Anfang an sehr aggressiv und dann gewinnst du eben so ein Spiel.
Der Plan geht auf
Trotz der spontanen Änderung agierte Sturm von der ersten Minute an bissig, klar strukturiert und voller Elan. Vor allem mit dem hohen Anlaufen im flachen 4-4-2 bereitete die Ingolitsch-Elf dem Gegner enorme Probleme.
"Wir waren von Anfang an sehr aggressiv und dann gewinnst du eben so ein Spiel", analysierte Simon Seidl.
Ähnlich sah das auch Valmir Matoshi: "Wir waren in den Duellen viel griffiger. Ich habe auf dem Platz gespürt, dass wir es mehr wollen. Auch durch die Unterstützung von den Fans."
Pressing als Schlüssel - Erneut Diakité
Nach 13 Minuten führte genau diese Ausrichtung und das hohe Mann-gegen-Mann-Pressing zum Erfolg: Luca Weinhandl eroberte den Ball in der gegnerischen Hälfte, schickte Oumar Diakité direkt tief und dieser schob eiskalt zur Führung ein.
"Das Umschalttor war genau so, wie wir uns das vorgestellt haben", gab der Coach Einblicke in den Matchplan gegen die Franzosen.
Für den Ivorer ist das bereits Treffer Nummer sechs aus den letzten vier Partien. Einzig in Bournemouth netzte der 22-jährige Leihspieler nicht. "Er hat momentan einen unglaublichen Lauf. Bei seinem Tor war nicht viel Platz, aber er hat ihn dennoch reingebracht", so Ingolitsch.
Matchwinner Diakité war nach Schlusspfiff bestens gelaunt: "Ich habe im Moment einen guten Lauf. Zurzeit fliege ich, wenn man das so sagen kann. Ich versuche aber einfach Sturm zu helfen."
Zweites Tor verpasst
Auch danach blieb Sturm tonangebend. Marseille, das im Vergleich zum Wochenende auf acht Positionen verändert war, wirkte phasenweise neben der Spur. JP Hödl (31.) und Simon Seidl (38.) ließen die besten Chancen auf das 2:0 aber ungenutzt.
"Das Einzige, was wir uns vorwerfen können ist, dass wir die Partie nicht früher entschieden haben", sagte der Chefcoach.
Seidl ärgerte sich nach der Partie über seinen Lattentreffer: "Dass ich ihn nicht mache, ist bitter. Der Lupfer war aber dennoch die richtige Entscheidung, glaube ich. Nächstes Mal geht er dann rein."
Erst in Durchgang zwei wurden die Gäste etwas stärker, Sturm ließ aber defensiv kaum etwas zu. Immer wieder sorgte man vor allem über den zur Pause eingewechselten Belmin Beganovic und Seidl für Kontersituationen.
Blick geht nach vorne
In den Schlussminuten erhöhte Marseille dann doch nochmal den Druck, Sturm stand tief, fiel aber nicht und holte so absolut verdient den Heimsieg.
"Wenn unser Torhüter Ammar Helac gegen so einen Gegner nur einen Schuss aufs Tor bekommt, dann spricht das für sich", hielt Ingolitsch fest.
Nach dem Sieg gegen Marseille stehen die "Blackies" nach drei Spielen nun bei vier Punkten und dürfen damit weiter von der K.o.-Phase träumen. Die Chancen stehen nicht schlecht.
Ziel: Top 24
Bereits vor der Saison setzte man sich die Top 24 als Ziel. "Wenn wir voll performen oder sogar überperformen, ist es möglich. Vor der Ligaphase haben wir uns zehn Punkte als Ziel gesetzt."
Der nächste Gegner ist NK Celje, die am 7. November nach Liebenau kommen. Die Slowenen haben gegen den FC Salzburg am Donnerstag ein 2:2-Remis geholt.
Bis zum Duell mit Celje warten auf die Ingolitsch-Elf aber noch Ried und der WAC in der Liga und Lustenau im Cup. Das Programm ist dicht, die Beine werden aber wohl nicht schwer, wie der Coach schmunzelnd anmerkt.
"Wir hoffen, dass uns der Tank nicht ausgeht. Es macht momentan viel Spaß. Aber wenn ich sehe, wie die Jungs in der Kabine hüpfen, dann glaube ich nicht, dass sie müde sind."
Beim SK Sturm wächst aktuell etwas zusammen. Vor allem Graz-Liebenau wird immer mehr zur Festung.