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Timothy Weah: Mehr als der Sohn einer Legende

Sein Vater wurde Weltfußballer, er selbst musste seine Rolle erst finden. Heute führt Timothy Weah Olympique Marseille als Kapitän aufs Feld – und hat sich längst aus dem Schatten seines berühmten Vaters gelöst.

Timothy Weah: Mehr als der Sohn einer Legende Foto: © IMAGO / PRESSE SPORTS

Die Fußstapfen, in die Timothy Weah eines Tages treten sollte, hätten kaum größer sein können.

Sein Vater George Weah ist bis heute der einzige Fußballer aus Afrika, der mit dem Ballon d'Or (1995) ausgezeichnet wurde. Der Angreifer aus Liberia war einer der besten Spieler seiner Generation und spielte unter anderem für PSG, Chelsea und die AC Milan.

Sohn Timothy bekam das Fußballtalent also in die Wiege gelegt. Doch anders als sein Vater konnte sich der heute 26-Jährige nicht dauerhaft als Stürmer durchsetzen.

Stattdessen nahm seine Karriere eine überraschende Wendung: Aus dem Offensivspieler wurde ein vielseitiger Außenbahnspieler, der sich in den letzten Jahren als Rechtsverteidiger etablierte. Mittlerweile führt Weah Olympique Marseille sogar als Kapitän aufs Feld.

So wohl auch am Donnerstag in Graz-Liebenau, wenn Marseille in der UEFA Europa League beim SK Sturm Graz gastiert (ab 18:45 Uhr im LIVE-Ticker >>>).

Die ersten Schritte

Als Timothy Weah am 22. Februar 2000 in New York City geboren wurde, spielte sein Vater auf Leihbasis beim FC Chelsea in der Premier League.

Während George Weah also auf den großen Bühnen des europäischen Fußballs unterwegs war, wuchs sein Sohn gemeinsam mit seiner Mutter und den älteren Geschwistern im New Yorker Stadtteil Queens auf.

Auch sein älterer Bruder George Jr. versuchte sich als Fußballer, blieb jedoch überwiegend im unterklassigen Bereich in der Schweiz und Frankreich. Timothy sollte es später deutlich weiterbringen – doch sein Weg begann fernab der großen Stadien.

Die ersten Schritte im Fußball machte er mit seiner Mutter und seinem Onkel Michael Duncan, der den Rosedale Soccer Club in Queens seit 1999 leitet. Noch heute kehrt er regelmäßig dorthin zurück, um mit jungen Spielern zu sprechen und seine Erfahrungen weiterzugeben.

Es ist ein Kreis, der sich für den Profi inzwischen schließt: Dort, wo seine Geschichte begann, ist er heute selbst ein Vorbild.

Der berühmte Vater

Der berühmte Vater
Vater George Weah mit dem Ballon d'Or 1995.
Foto: ©IMAGO / PRESSE SPORTS

Dass sein Vater eine weltbekannte Fußball-Legende war, begriff Timothy erst nach und nach. In einem Gespräch mit der "Sports Illustrated" vor der Weltmeisterschaft 2026 erzählte er, dass er bis zu seinem neunten oder zehnten Lebensjahr gar nicht gewusst habe, wie berühmt George Weah war.

In Einkaufszentren seien die Menschen ständig auf seinen Vater zugegangen, hätten um Fotos und Autogramme gebeten. Für Timothy war das zunächst vor allem eines: seltsam. Erst als er sich Videos ansah und die Fotos an den Wänden zu Hause genauer betrachtete, begann er zu verstehen, welche Bedeutung George Weah für Millionen Menschen hatte.

Für ihn selbst blieb der ehemalige Weltfußballer aber vor allem das, was er auch abseits des Rasens war: sein Vater. "Mein Dad", wie Timothy es ausdrückte.

Von Queens nach Paris

Über die Jugendstationen in den USA führte Weahs Weg schließlich nach Europa. Nach seiner Zeit bei Blau-Weiss Gottschee, einem 1951 unter anderem von österreichischen Einwanderern gegründeten Verein in Queens, und der Akademie der New York Red Bulls wechselte er mit 14 Jahren zu Paris Saint-Germain.

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Weah jubelt über sein erstes und einziges Tor in der Ligue 1 für PSG.
Foto: ©imago / IP3press

Damit landete er ausgerechnet bei jenem Klub, für den sein Vater einst 96 Spiele absolvierte. Im März 2018 feierte Timothy unter Trainer Unai Emery sein Debüt in der Ligue 1. Zwischen dem letzten PSG-Einsatz seines Vaters und seinem eigenen lagen fast 23 Jahre.

"Es war toll, mit Spielern wie Neymar, Mbappé und all diesen anderen großen Namen zu spielen", blickte Weah später auf seine Zeit in Paris zurück.

Das schwere Erbe

Doch der große Name allein verschaffte ihm keinen Stammplatz. Nach wenigen Einsätzen verließ der junge US-Amerikaner den Prinzenpark und begann sich außerhalb des väterlichen Schattens zu behaupten.

Während George Weah als Präsident Liberias ein neues Kapitel aufschlug, musste auch sein Sohn seinen Platz im europäischen Spitzenfußball erst finden.

Nach einer kurzen Leihe zu Celtic Glasgow wechselte Timothy 2019 für rund zehn Millionen Euro zum OSC Lille. Dort wurde er Teil einer Mannschaft, die 2020/21 überraschend die französische Meisterschaft gewann und die starbesetzte Konkurrenz aus Paris hinter sich ließ. Weah steuerte drei Ligatore zum Titelgewinn bei.

Der Meistertitel war ein großer Erfolg, eine feste Rolle fand Weah in Lille zunächst nicht. Er kam als Mittelstürmer und auf beiden Flügeln zum Einsatz, pendelte zwischen Startelf und Ersatzbank. Seine Vielseitigkeit war ein Vorteil – zugleich blieb lange offen, auf welcher Position er seine Stärken am besten einbringen konnte.

Ein Traum wird Wirklichkeit

Ein Traum wird Wirklichkeit
Bei der WM 2022 in Katar erzielte er gegen Wales sein erstes WM-Tor.
Foto: ©IMAGO / Shutterstock

Auf der größten Bühne des Weltfußballs erlebte Weah dennoch einen besonderen Moment. 2022 in Katar erfüllte sich für ihn ein Traum, der seinem Vater verwehrt geblieben war: die Teilnahme an einer WM.

George Weah hatte Liberia als Spieler nie zur Endrunde einer Weltmeisterschaft führen können. Sein Sohn, der auch für Frankreich, Jamaika oder Liberia spielen hätte können, lief dagegen für die USA auf – und das vor den Augen seines Vaters.

Timothy stand in allen vier Partien der Amerikaner auf dem Platz und erzielte beim 1:1 gegen Wales sein erstes WM-Tor.

Damit schrieb er ein eigenes Kapitel in der Familiengeschichte. Nicht als Nachfolger, der die Karriere seines Vaters wiederholt, sondern als Nationalspieler eines anderen Landes, der sich auf seine Weise auf der größten Fußballbühne behauptete.

Plötzlich eine neue Rolle

Im Klubfußball blieb seine Rolle zunächst ungeklärt. Doch gegen Ende seiner Zeit in Lille sammelte Weah erste Erfahrungen als Rechtsverteidiger. Mit seinem Wechsel zu Juventus Turin im Sommer 2023 wurde diese Position zunehmend zu seiner neuen Heimat.

In zwei Spielzeiten absolvierte er 78 Pflichtspiele für den italienischen Rekordmeister, häufig als rechter Schienenspieler in einer Fünferabwehr. Aus dem einstigen Offensivspieler war ein vielseitiger Außenbahnspieler geworden, der seine Geschwindigkeit und Dynamik nun auch in einer defensiveren Rolle einbrachte.

Im Sommer 2025 führte ihn sein Weg zurück nach Frankreich. Olympique Marseille holte den US-Amerikaner zunächst auf Leihbasis, ehe der Wechsel für 14,4 Millionen Euro dauerhaft vollzogen wurde. Unter Ex-Coach Roberto De Zerbi etablierte sich Weah zunehmend als klassischer Rechtsverteidiger.

Auch bei der Heim-WM 2026 gehörte er zum Kader der USA, kam aber nur in zwei Partien zum Einsatz. Auf Klubebene übernahm er unterdessen eine neue Aufgabe: Seit Beginn der Saison 2026/27 trägt er bei Marseille die Kapitänsbinde. Trainer Bruno Genesio bestätigte ihn Anfang September in dieser Rolle.

Für einen Spieler, der einst vor allem über seinen berühmten Nachnamen definiert wurde, ist das ein weiterer Schritt. Weah hat sich nicht nur auf einer neuen Position etabliert, sondern übernimmt inzwischen auch Verantwortung.

Zurück zu den Wurzeln

Zurück zu den Wurzeln
Vater und Sohn bei der Vorstellung als Marseille-Spieler.
Foto: ©IMAGO / PRESSE SPORTS

Abseits des Platzes ist Weah längst nicht auf den Fußball beschränkt. Er interessiert sich für Mode und produziert Musik, insbesondere in den Bereichen Rap, Hip-Hop und Soul.

Wenn Timothy nach Queens zurückkehrt, schließt sich der Kreis. Dort, wo seine Fußballgeschichte einst begann, gibt er seine Erfahrungen an die nächste Generation weiter. Er weiß, wie es ist, mit großen Erwartungen aufzuwachsen und seinen eigenen Weg erst finden zu müssen.

George Weah wird für immer als einer der größten Fußballer Afrikas in Erinnerung bleiben. Sein Sohn musste nie dieselbe Karriere haben, um selbst erfolgreich zu sein. Timothy hat seinen Platz im Weltfußball gefunden – nicht in den Fußstapfen seines Vaters, sondern auf seinem eigenen Weg.

UEFA Europa League: SK Sturm Graz - Olympique Marseille, Donnerstag, ab 18:45 Uhr im LIVE-Ticker >>>

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