Kritik trotz Rapid-Sieg: "War einfach kein gutes Spiel von uns"
Das zweite Spiel gegen Paide lief zäh, obwohl Rapid alles unter Kontrolle hatte. Auch mit sieben Siegen aus sieben Spielen bleibt genug Raum für Fortschritte.
von Johannes Bauer
In den obersten Reihen der Längstribüne im Allianz Stadion war die beginnende Sonnenfinsternis noch zu erhaschen.
Eine Schar von Fans wagte diesen Spagat, der Großteil der 13.705 Anwesenden verzichtete komplett auf das Naturspektakel zugunsten Rapids Rückspiel gegen Paide Linnameeskond.
Ob das ein guter Tausch war? Mit dem 2:0 (Spielbericht>>>) wurde das Gesamtergebnis gegen die Esten nach dem 4:1 auswärts in seiner Deutlichkeit unterstrichen, ansonsten war es das weniger spektakuläre Zusammenspiel von Licht und Schatten an diesem Abend und wird kaum so lange in Erinnerung bleiben.
Außer den Spielern des Kontrahenten vom Baltikum, die sich für die Kulisse sogar beim Block West bedankten. Ein seltener, aber sympathischer Ablauf nach Spielende.
Johannes Hoff Thorup gab einigen Spielern Minuten, die zuletzt außen vor waren. Louis Schaub etwa. Zwar besserte "Euro-Louis" seine internationale Statistik mit einem Treffer vom Elferpunkt weiter auf, erwartet hatte er sich aber mehr.
"Über 90 Minuten war das kein gutes Spiel von uns", bescherte ihm der Sieg keine Zufriedenheit. "Es sollte für alle, die reinrotiert sein, eine Chance sein, dem Trainer zu zeigen, dass man in die erste Elf gehört. Das haben wir nicht hundertprozentig geschafft."
Mehr Tempo und Abschlussqualität gewünscht
"Es kann schwierig sein, wenn Spieler reinkommen und zeigen wollen, was sie können", war Johannes Hoff Thorup bewusst.
Er war mit der souveränen Erledigung der Aufgabe "Aufstieg" happy, vom Rückspiel hätte er sich "etwas mehr Tempo und etwas mehr Qualität im Abschluss" gewünscht. Dann wäre der Ausgang der 90 Minuten auch früher unmissverständlich gewesen.
"Es war wichtig für uns, mehr Kontrolle über das Spiel zu haben. Aber von manchen Spielern war es zu langsam und die letzten 10-15 Prozent an Intensität beim Pressing und mit dem Ball haben gefehlt", bekrittelte der Däne.
Zu wenig Output
Schon in anderen Spielen dieser Saison war ein Problem, das Ergebnis nicht so schnell wie möglich zu untermauern.
"Wir hatten schon in vielen Spielen viel Kontrolle, aber es ist einfach zu wenig rausgekommen. Etwa im Heimspiel gegen Altach haben wir verabsäumt, das 2:0 zu machen. Wir müssen schauen, dass wir jedes Spiel an unsere Leistungsgrenze kommen, sonst wird es gegen jeden schwierig. Man hat ja auch heute gesehen, dass wir uns über lange Zeit sehr schwer getan haben", bekräftigte Schaub.
Sieben Siege, ja eh
Zumindest an der Bilanz der ersten Saisonwochen gibt es wenig zu bemängeln, wenn man die Ergebnisseite des Ergebnissports Fußball betrachtet.
"Gewinnen muss man es am Ende trotzdem erstmal", blickte Louis Schaub vorsichtig auf die bestandenen Aufgaben zurück. "Aber natürlich wissen wir auch, dass die Gegner noch nicht alle auf einem Top-Top-Level waren und wir uns noch steigern müssen."
So sah es auch "JHT": "Wir sind glücklich über die sieben Spiele, haben alles erfüllt, was wir uns erwarten durften und vielleicht ein wenig mehr. Aber wenn wir damit nicht weitermachen, ist das absolut nichts wert."
Die Aufgaben wachsen, spätestens nächste Woche - höchstwahrscheinlich mit den Hearts in Edinburgh.