EM-Organisation "ein Witz"
Auch der kroatische Nationalspieler Andrej Kramaric sieht die Idee der EM in ganz Europa kritisch. "Um ehrlich zu sein, bin ich nicht der Fan von so einer Art Turnier mit vielen Reisen in viele verschiedene Länder", sagte er. "Zum einen spielt Corona eine Rolle, zum anderen fühlt es sich besser an, wenn das Turnier in einem oder zwei Ländern stattfindet, weil es für die Fans auch schöner ist."
Einige Teams fühlen sich durch den Spielplan, bei dem EM-Mitgastgeber wie Dänemark, Italien oder Deutschland ihre drei Gruppenspiele zu Hause austragen durften, benachteiligt. "Ihr und wir haben mehr verdient als diesen Witz einer Turnierorganisation. Aber wer sagt schon, das Leben sei fair", schrieb der walisische Nationalspieler Chris Gunter auf Instagram (Mehr dazu >>>).
Wales war durch ein 0:4 gegen Dänemark in Amsterdam ausgeschieden. Wegen der strikten Einreisebeschränkungen waren nur einige wenige Fans aus Wales im Stadion. Schon in der Vorrunde musste das Team zweimal in Baku und in Rom antreten.
UEFA kommt Versprechungen nicht hinterher
Auch Kroatiens Trainer Zlatko Dalic, dessen Team zwischen den Spielen stets ins EM-Quartier in der Heimat zurückgereist war, beklagte: "Wir reisen alle drei Tage, das sind keine guten Bedingungen." Österreichs Rekord-Nationalspieler Andreas Herzog kritisierte den Spielplan mit dem Heimvorteil für einige Teams als "total ungerecht".
Die Auswahl von Franco Foda hatte in der Gruppenphase in Bukarest und Amsterdam gespielt und war im Achtelfinale in London an den Italienern, die davor nur in Rom gespielt hatten, gescheitert.
Die Europäische Fußball-Union hatte erklärt, die CO2-Emissionen durch die Reisen während der EM mit mehreren Projekten kompensieren und unter anderem 600.000 Bäume in den Gastgeber-Städten pflanzen zu wollen. Am Montag teilte die UEFA mit, wegen der Pandemie hätten bisher erst 100.000 Bäume in Amsterdam und Baku gepflanzt werden können.
Fan-Reiserei "ein fatales Zeichen"
Vor allem die Reisen der Fans kreuz und quer durch Europa sehen Experten als Problem. "Das ist natürlich ein fatales Zeichen. Ich finde das Signal vor allem mit Blick auf die Pandemie verheerend, aber auch mit Blick auf die Klima-Belastung", sagte Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.
Tausende Kilometer im Flugzeug für ein Fußball-Spiel zurückzulegen, sei "einfach nicht mehr zeitgemäß". Dazu kommt in Pandemie-Zeiten die Sorge vor Ansteckungen bei Spielen vor Zehntausenden Fans etwa im Virusvariantengebiet London.