ÖFB-Gegner: Diese Ukrainer muss man kennen!

ÖFB-Gegner: Diese Ukrainer muss man kennen! Foto: © getty
 

Mit der Ukraine hat Österreichs Nationalteam im letzten EM-Gruppenspiel am Montag (18:00 Uhr im LIVE-Ticker) einen mehr als unangenehmen Gegner vor der Brust. Die Mannschaft von Teamchef und Stürmer-Legende Andriy Shevchenko verfügt im bevorzugten 4-3-3-System über eine explosive Offensive, welche die Ukraine durchaus lange im Turnier halten kann.

Bereits bei der am Ende unglücklichen 2:3-Niederlage gegen die Niederlande hat die Ukraine ihr Potenzial aufblitzen lassen. Das zweite Gruppenspiel gegen Nordmazedonien konnte mit 2:1 gewonnen werden. In der EM-Qualifikation beendeten Yarmolenko und Co. ihre Gruppe vor Portugal und Serbien. In der Nations League mussten die Schweiz und Spanien Niederlagen einstecken. Nun liegt es am ÖFB-Team, zumindest einen Punkt gegen die Ukraine mitzunehmen, um die Chance auf den Achtelfinal-Einzug am Leben zu halten.

Bei der Ukraine ist das Kollektiv der große Star, doch das bedeutet nicht, dass sich im Team der Blau-Gelben nicht genügend interessante Einzelspieler befinden. So kann es sich die Ukraine sogar leisten, den wahrscheinlich besten Verteidiger des Landes aus politischen Gründen zu vergraulen.

LAOLA1 stellt die wichtigsten Köpfe rund um das ukrainische Nationalteam vor.

Der Teamchef: Andriy Shevchenko

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"Sheva" ist der wohl beste und wichtigste Spieler, den die Ukraine nach dem Fall der Sowjetunion hervorgebracht hat. Der heute 44-jährige ehemalige Stürmer startete seine Karriere in der Jugend von Dynamo Kiev, ehe er nach seinem Wechsel zur AC Milan im Jahr 1999 zum Weltstar wurde.

Mit den "Rossoneri" gewann der 111-fache Nationalspieler je einmal die Serie A und die Champions League. 2004 wurde Shevchenko mit dem "Ballon d’Or" für den besten Fußballer der Welt ausgezeichnet. Bis zu seinem Wechsel im Jahr 2006 zu Chelsea, der seiner Karriere einen irreversiblen Knick geben sollte, erzielte Shevchenko in 296 Spielen für Milan 173 Tore.

Nach drei Jahren Chelsea, einer Leih-Saison beim AC Milan und drei Jahren zurück bei Stammverein Dynamo Kiev beendete Shevchenko seine Karriere nach der Heim-EURO 2012, bei welcher der Rekord-Torschütze seines Landes beim 2:1-Sieg über Schweden beide Tore erzielte.

Nach einer kurzen, erfolglosen Karriere als Politker wurde Shevchenko im Februar 2016 Assistent des damaligen Teamchefs Mykhaylo Fomenko. Nach der verpatzen Europameisterschaft im selben Jahr, welche die Ukraine mit drei Niederlagen und ohne erzieltes Tor beendete, wurde Shevchenko in die Chef-Rolle verfrachtet.

In dieser, seiner ersten Trainerrolle, blüht Shevchenko auf – die ukrainische Nationalmannschaft verbesserte sich in diesen fünf Jahren kontinuierlich. Sowohl spielerisch als auch ergebnistechnisch. Verpasste die Ukraine die WM 2018 hinter Island und dem späteren Vize-Weltmeister Kroatien knapp, gelangen in der anschließenden Nations League und der EM-Quali jeweils Gruppensiege.

Die Chancen auf den ersten Einzug in ein EM-Achtelfinale stehen nicht schlecht, doch Shevchenko denkt schon an die Zeit nach dem Nationalteam. Der 44-Jährige möchte eines Tages auch im Klub-Fußball tätig sein. Das Ziel ist natürlich Italien. Davor kann "Sheva" mit seiner hungrigen Truppe noch Geschichte schreiben.



Die Sturmspitze: Roman Yaremchuk

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Als Teamchef Shevchenko im März 1995 sein Debüt in der Nationalmannschaft gab, war Roman Yaremchuk noch nicht geboren, das passierte erst im November desselben Jahres.

Der 1,91 Meter große Angreifer verdient sein Geld in Belgien bei der KAA Gent und schoss Rapid zu Saisonbeginn aus der Champions-League-Qualifikation.

In der vergangenen Saison war der Ukrainer der einzige Lichtblick in einer mehr als verkorksten Saison. Yaremchuk erzielte 17 Liga-Tore, beinahe dreimal so viele wie sein erster Verfolger. Kein Wunder, dass Klubs aus England und Italien ein Auge auf den 26-fachen Nationalspieler werfen sollen.

In den bisherigen Gruppenspielen lies Yaremchuk schon aufblitzen, warum er unter besonderer Bewachung der ÖFB-Innenverteidigung stehen muss. Gegen die Niederlande gelangen je ein Tor und eine Vorlage, gegen Nordmazedonien ebenfalls ein Treffer.

Der Star: Andriy Yarmolenko

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Der in Österreich wohl bekannteste Ukrainer ist Andriy Yamolenko, der vor seinem Wechsel zu West Ham United im Jahr 2018 ein Jahr lang bei Borussia Dortmund unter Vertrag stand.

Der 96-fache Nationalspieler konnte beim BVB nicht überzeugen und auch die vergangene Saison bei den "Hammers" kann getrost als verlorenes Jahr abgestempelt werden. Zum starken sechsten Platz des Teams aus dem Osten Londons konnte der 31-Jährige nämlich kaum etwas beisteuern. Yarmolenko konnte verletzungsbedingt nur 15 Spiele, diese hauptsächlich in der Joker-Rolle, bestreiten – Tor gelang ihm dabei keines.

Doch Teamchef Shevchenko wird das nicht weiter stören, denn im Nationalteam läuft es 2021 richtig gut. In vier Spielen gelangen ihm vier Tore, bei der EUO erzielte er je ein Tor gegen die Niederlande und Nordmazedonien. Gegen das Gruppenschlusslicht gelang sogar ein Assist zum Tor von Yaremchuk.

Dass Yarmolenko über große Qualität verfügt, werden auch dessen ehemalige Teamkollegen Marko Arnautovic und Aleksandar Dragovic wissen. Letzterer, der mit dem Angreifer zweimal ukrainischer Meister wurde, sprach bereits über den Spielstil des Flügelangreifers. Das ÖFB-Team ist also gewarnt.

Der wirkliche Star: Oleksandr Zinchenko

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Der 24-Jährige von Manchester City findet sich im Nationalteam in der ehemaligen Rolle von David Alaba wieder. Während Zinchenko von Pep Guardiola auf seiner Stammposition in der Linksverteidigung aufgeboten wird, agiert Zinchenko im Nationalteam unter Andriy Shevchenko beinahe ausschließlich im zentralen Mittelfeld.

Anders als beim künftigen Real-Madrid-Legionär ist dieser Ansatz bei Zinchenko meist zielführend.

Der 24-Jährige verfügt über ein hohes Maß an Spielintelligenz, was bei Klub-Trainer Pep Guardolia natürlich gut ankommt. Der 41-fache ukrainische Nationalspieler sei ein "außergewöhnliches Talent", das auf mehreren Positionen eingesetzt werden kann und keine Fehler mache, adelt der Spanier seinen Schützling.

Einer Muskelverletzungs folgte eine Corona-Quarantäne, was Zinchenko den Großteil der ersten Saisonhälfte kostete. Danach kam der 24-Jährige in Fahrt: Insgesamt stehen 32 Pflichtspiele für den englischen Meister zu Buche.

Österreichs Defensivbemühungen sollten sich daher auch gegen die kreative Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld richten, in dem Zinchenko seinen Stammplatz hat. Doch ihn alleine aus dem Spiel zu nehmen, wird nicht genügen. Denn neben ihm steht ein weiterer begnadeter Kreativspieler.

Der Spielmacher: Ruslan Malinovskyi

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Neben Zinchenko zieht Ruslan Malinovskyi die Strippen im Offensivspiel der Blau-Gelben. Der 28-jährige von Atalanta kommt in blendender Form zur Europameisterschaft. Seine zehn Spiele umfassende Scorer-Serie (sechs Tore, neun Assists) riss erst am letzten Serie-A-Spieltag gegen Milan.

Malinovskyi spielt seit 2019 für "La Dea", davor absolvierte er vier Spielzeiten mit dem belgischen Klub Genk. Möglicherweise verändert sich der 38-fache Nationalspieler im Sommer, Interesse sollen Chelsea, Inter und PSG haben.

Teamchef Andriy Shevchenko ist jedenfalls verzückt vom zentralen Mittelfeldspieler. "Er ist ein echter Anführer gewonen, die italienische Presse schwärmt von ihm. Dieses Turnier ist für Ruslan eine wirklich schöne Auslage", frohlockt der Rekord-Nationalspieler.

Gegen die Niederlande schoss Malinovskyi den Freistoß, den Yaremchuk per Kopf zum zwischenzeitlichen Ausgleich versenkte. Im anschließenden Duell gegen Nordmazedonien scheiterte der Italien-Legionär vom Elfmeterpunkt an Nordmazedoniens Goalie Stole Dimitrievski.

Der Verstoßene: Yaroslav Rakitskiy

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Der 31-Jährige ist seit seinem Wechsel zu Zenit St. Petersburg Persona non grata im ukrainischen Nationalteam. Der Transfer war einer mit Symbolkraft: Rakitskiy verließ seinen Jugendklub Shakhtar Donetsk im Jänner 2019 für den in Gazprom-Hand befindlichen Lieblings-Klub von Russlands Präsident Vladimir Putin.

Während des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine zu Zenit zu wechseln, hat man Rakitskiy nicht verziehen, der in der Heimat fortan als Verräter bezeichnet wurde. In einer Umfrage der ukrainischen Website "Tribune" sprachen sich 57 Prozent der Befragten gegen eine weitere Einberufung des Verteidigers aus.

Genau das ist passiert. Sein letztes Länderspiel absolvierte Rakitskiy, der schon vor dessen Verbannung von Teilen der Bevölkerung dafür kritisiert wurde, dass er vor Spielen die ukrainische Hymne nicht mitgesungen hatte, im Oktober 2018.

Den Schlussstrich unter seine Nationalmannschafts-Karriere zog Rakitskiy im November 2019 letztendlich selbst. "Vor zehn Jahren habe ich mein Debüt für das A-Team gegeben, heute sage ich lebewohl", so Rakitskiy in seinem Statement aus dem Jahr 2019. "Ich verlasse das ukrainische Nationalteam. Ich habe das ganze Jahr auf einen Anruf gewartet. Aber der große Fußball wurde zur großen Politik. Die Leute, die Einladungen verschicken, sind von Angst getrieben", konstatiert der 54-fache Nationalspieler.

Sportlich gesehen, ist der Verzicht und der darauffolgende Rücktritt von Rakitskiy eine Schwächung für die Ukraine. Der 31-Jährige ist absoluter Stammspieler beim Primus im russischen Klub-Fußball und tritt als einer der besten Innenverteidiger der Liga in Erscheinung.

Ganz sattelfest wirkt die Defensive der Ukraine nicht immer: In den Länderspiel-Jahren 2020 und 2021 blieb das Team von Andriy Shevchenko nur dreimal ohne Gegentor: In den Testspielen vor der EURO gegen Zypern und Nordirland sowie kurioserweise gegen Spanien in der Nations League.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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