Hjulmand: "So viel Respekt vor dieser Gruppe"

 

"Wir werden für Christian spielen", hatte Dänemark-Teamchef Kasper Hjulmand in der Pressekonferenz vor der Partie gegen Belgien angekündigt. Und der von ihm angesprochene Christian - gemeint ist natürlich Eriksen, der im ersten Gruppenspiel einen Herzstillstand erlitten hatte - wird vom Krankenhausbett wohlwollend zugesehen haben, wie sich seine Kollegen aufopferungsvoll in jeden Zweikampf warfen.

Gegen im zweiten Durchgang abgezockte Belgier reichte es trotz Blitzführung nur zu einer 1:2-Niederlage, Sympathien konnten Hjulmand und sein Team wenige Tage nach den tragischen Geschehnissen aber weiter gewinnen.

Leipzig-Legionär Yussuf Poulsen, nach nicht einmal zwei Minuten bereits Torschütze, sagte im ZDF-Interview nach dem Spiel: "Es war sehr emotional. Die Stimmung war brutal."

Der Kollege im Krankenbett sei natürlich dabei, man habe Eriksen dauernd "im Kopf, wir sind einfach froh, dass es ihm gut geht. Das ist das A und O."

Teamchef Hjulmand war nach der Partie vom Auftritt seiner Mannschaft begeistert: "Ich kann nicht beschreiben, wie viel Respekt ich vor dieser Gruppe und diesen Leuten habe. [In der Lage zu sein, zu spielen], das ist wirklich, wirklich stark."

"Hele Danmark er met dig, Christian"

Im Endeffekt war es nach dem so tragischen Auftaktmatch im Parken Stadion in Kopenhagen am Donnerstag ein Fußballfest, das die beiden Teams gemeinsam mit den Zusehern feierten.

Schon bei der Hymne war Kapitän Simon Kjaer, ein enger Freund Eriksens, die Emotionalität des Moments ins Gesicht geschrieben. In der 10. Minute kam es dann in Anlehnung an die Rückennummer des Mittelfeldspielers von Inter Mailand zu einer einminütigen Klatsch-Pause. Beide Teams hatten sich schon vor Beginn auf dieses Szenario geeinigt.

Außerdem wurde von den dänischen Fans ein Spruch mit der Aufschrift "Hele Danmark er met dig, Christian", zu Deutsch: "Ganz Dänemark ist bei dir, Christian", enthüllt.

Ob Eriksen, wie von Hjulmand vor der Partie angekündigt, das Spiel wirklich mit seinem Nationaltrikot verfolgte, bleibt nicht überliefert, ganz ohne Träne dürfte der frühe Abend aber nicht an ihm vorbeigegangen sein.

Dänemark weiter im Rennen um Platz zwei

Und weil trotz zwei Niederlagen der Aufstieg ins Achtelfinale noch im Rahmen des Möglichen liegt, war die Stimmung nach Abpfiff ob der knappen Niederlage zwar getrübt, das Team auf die gezeigte Leistung aber durchaus stolz.

Poulsen: "Wir haben eine super Leistung abgeliefert, es ist schade, dass wir nichts mitnehmen."

"Wir können viel aus diesem Spiel mitnehmen", sagt Teamchef Hjulmand. "Jetzt lassen wir diese Partie hinter uns. Ich denke schon an die Russen. Wir sind bei diesem Turnier noch nicht fertig. Wir werden alles tun, um die Russen zu schlagen".

(Text wird nach dem VIDEO fortgesetzt)

Die Highlights der Partie Dänemark gegen Belgien:

Belgier bestanden "harte Probe"

Dass die Atmosphäre in Kopenhagen nicht spurlos an Belgien vorbeiging, zeigten die ersten 45 Minuten, in denen das Team von Roberto Martinez sprichwörtlich kein Bein auf den Boden bekam.

Die furiose Anfangsphase der Dänen, die vom Publikum nach vorne gepeitscht wurden, und das anfängliche Fehlen der Stars Kevin De Bruyne, Eden Hazard und Axel Witsel macht sich deutlich bemerkbar.

Auf die Reaktion seiner Elf in Durchgang zwei, dann mit De Bryune und später auch Hazard und Witsel, war Martinez aber dementspechend stolz: "Es ist schon eine Weile her, dass wir das letzte Mal so auf die Probe gestellt wurden. In der ersten Halbzeit schienen die Spieler beeindruckt zu sein, aber sie haben die Erfahrung, um ein Spiel zu drehen."

Auch Verteidiger Vertonghen machte die Einwechselungen für die Leistungssteigerung verantwortlich: "Die Dänen haben uns mit ihrem System überrascht und wir waren in der ersten Halbzeit nicht wiederzuerkennen. Wir waren immer einen Schritt zu spät. Aber dann kamen De Bruyne, Witsel und Eden Hazard ins Spiel und das hat das Spiel einfach verändert. Sie bringen zusätzliche Qualität in unser Spiel."

Belgien auch ohne Lukaku-Tore eine Runde weiter

Romelu Lukaku, zum Auftakt noch doppelter Torschütze, blieb dieses Mal torlos, hatte aber immerhin beim ersten Treffer seine Beine mit im Spiel. Lob hatte er sowohl für Dänemark als auch für seine eigene Mannschaft parat.

"Wir haben zu Beginn ganz schlecht gespielt, mich eingeschlossen. Da müssen wir ehrlich sein. Wir haben nicht die Qualität gebracht, die von uns erwartet wurde, aber wir sollten auch nicht zu negativ sein. Dänemark hat ein sensationelles Spiel gemacht. Das war ein guter Test und wir haben uns qualifiziert."

Qualifiziert hat sich Belgien nämlich schon vorzeitig für die Runde der letzten 16. Am letzten Spieltag geht es für Lukaku und Co. noch um den Gruppensieg bzw. mögliche Schützenhilfe für Dänemark. Die können nämlich sogar den direkten Aufstieg noch schaffen, wenn Belgien Finnland schlägt und Dänemark so hoch gegen Russland gewinnt, dass man den Dreier-Vergleich mit der besseren Tordifferenz für sich entscheidet.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..