Kann Oscar Barcelona?

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Der FC Barcelona ist auf der Suche nach einem neuen Trainer, der ab Sommer das Zepter schwingt.

Luis Enrique hat am Mittwochabend das letzte Mal die "Blaugrana" in der Champions League betreut, ein 0:0 im Viertelfinal-Rückspiel zu Hause gegen Juventus Turin reichte nach dem 0:3 in Turin nicht (Spielbericht).

Ein Name, der immer wieder als sein Nachfolger fällt, ist Oscar. Doch die Öffentlichkeit räumt dem aktuellen Salzburg-Trainer mit Barca-Vergangenheit kaum gute Chancen ein.

Doch was spricht gegen den 43-Jährigen? Und was für ihn? Kann Oscar Barcelona?

Die "Marca" hat im März eine Barcelona-Checkliste veröffentlicht, nach deren Kriterien der neue Trainer ausgesucht werden soll. LAOLA1 macht den Oscar-Check für Barca:

  • Profunde Kenntnis des Vereins und seines Umfelds

Oscar spielte im Nachwuchs für den FC Barcelona, spielte für die zweite Mannschaft und absolvierte auch 56 Partien für die Kampfmannschaft. Er kennt den Verein bestens.

  • Auf den Nachwuchs setzen

Als würde Oscar den Barca-Bossen geradezu zeigen wollen, dass er auf den Nachwuchs setzt, durfte zuletzt "Bullen"-Juwel Amadou Haidara (19) drei Mal in Folge ran. Auf die Österreicher Konrad Laimer (19) und Xaver Schlager (19) hält der Katalane bekanntlich große Stücke, Dayot Upamecano (18) entwickelte sich unter ihm so gut, dass er bereits im Winter zu Leipzig wechselte. Pluspunkt: Das Know How aus der Lieferinger Akademie wäre sicherlich auch etwas für die Verantwortlichen von "La Masia".

  • Erfahrung und Kenntnis der spanischen Liga

Oscar hat zeit seiner Karriere in Spanien gespielt. Neben Barca schnürte sich der zweifache Familienvater auch für Albacete, Valencia, Espanyol (dort im Kader mit Jonatan Soriano) und UE Lleida die Schuhe. Oscar schaut viele Spiele in Spanien, vor allem natürlich jene von Barca, wenn es ihm zeitlich möglich ist. Vergangene Saison überließ LAOLA1 ihm einen Premium-Account, um Barca-Spiele in Österreich zu sehen. Bislang war er nur Trainer im Ausland, aber Barca wäre natürlich eine Adresse zum Heimkehren.

  • Umgang mit Messi, Iniesta und Suarez im Spätherbst ihrer Karriere

Das größte Fragezeichen, das keiner beantworten kann. Oscar hat bislang keine großen Stars trainiert, schon gar keine Superstars wie Lionel Messi. Jonatan Soriano war das Höchste der Gefühle und hier war ein professionelles Verhältnis zu beobachten. Salzburgs Spieler schätzen seine Art, zuletzt meinte Schlager im LAOLA1-Interview: "Er kann ein großer Trainer werden und jedes Team auf ein gutes Niveau bringen. Da mache ich mir keine Sorgen. Er versteht uns, weil er selbst Fußballer war und weiß, wie er mit uns umzugehen muss. Er ist ein ruhiger Typ, aber wenn etwas nicht passt, wird er auch lauter. Taktisch bringt er dich ordentlich auf Vordermann, da wirst du richtig gut im Kopf. Du lernst von ihm, wie Fußball funktioniert. Da gehst du nicht nur raus, sondern hast eine Taktik." Das dürfte die Herren Messi oder Iniesta nicht stören.

  • Verbindung zum Klub

Siehe Punkt 1 und 3. PLUS: Zuletzt berichtete "Diario Sport", dass die Führungskräfte des spanischen Spitzenklubs überzeugt sind, Oscar habe die "richtige DNA" für den Job...

  • Stil und Spielphilosophie treu bleiben

Auch wenn in Salzburg viel Pressing gefragt ist, hält Oscar auch viel von Ballbesitz-Fußball. Das hat er auch schon hierzulande gezeigt. Oscar ist taktisch höchst flexibel und ist als Barca-Fan sicherlich auch daran interessiert, Stil und Philosophie beizubehalten. Flexibilität ist aber überall willkommen. In Salzburg ließ Oscar auch schon mehrere Systeme spielen, etwa in Altach auch eine Dreierkette. Oscar lebt und denkt Fußball.

  • Weitere Zusammenarbeit mit aktuellen Klubangestellten (Ärzte, Physios, usw.) akzeptieren

Das dürfte Oscar nicht schwer fallen, zumal er in Salzburg auch diesbezüglich nichts über den Haufen geworfen hatte.

  • Gepflegter Umgang mit der Presse

Aus eigener Erfahrung ist dieser Umgang ein absolut gepflegter. Oscar ist weit weg von Canadi-esken Verhaltensformen bezüglich der Medienvertreter, ganz im Gegenteil, er ist höchstprofessionell. Seinen Ärger nach dem Bernardo-Transfer im August konnte der frühere Mittelfeldspieler zwar nicht verhehlen, er hat aber dadurch gelernt, sich auch öffentlich gegenüber dem Verein loyal zu verhalten. Barcelona ist nicht Salzburg, aber hier gibt es nichts zu befürchten. Ein Beispiel aus dem Dezember:

  • Das – auch durch Klublegenden – gesammelte Know-How im Verein respektieren

Um das mit einem Beispiel zu beantworten: Johan Cruyff, eine der größten Klub-Legenden Barcelonas, war Oscars Mentor. Über ihn sagte er in einem LAOLA1-Interview: "Er hat uns gelehrt, wie wichtig es ist, auf dem Feld zu denken. Nicht nur, was der Trainer einem sagt, ist wichtig, sondern selbst Entscheidungen zu treffen und wie ein Coach zu denken. Ich habe viel von ihm gelernt. Nicht nur ich, er hat viele Trainer auf hohem Level gelehrt." Es wäre wohl Oscars größte Ehre, in die Fußstapfen von Cruyff zu treten.

  • Barca nicht als Zwischenstation ansehen

Wer sieht Barca eigentlich als Zwischenstation? Oscar sicher nicht. Vielleicht käme dieser Spitzenklub etwas zu früh, aber auf der anderen Seite war Pep Guardiola bei seinem Amtsantritt als Cheftrainer 37 Jahre alt und trainierte davor "nur" Barca B. Oscar wäre 44 (er feiert in einer Woche Geburtstag), sollten ihn die Katalanen auswählen. Was sagt er selbst zu dem Interesse? "Es macht mich stolz und ich denke, dass es ein gutes Zeichen für den Verein und für mich ist, dass ich möglicherweise in Zukunft den FC Barcelona trainieren werde", meinte der Salzburg-Trainer Ende März gegenüber dem ORF. Kurzum: Er wäre bereit dafür. Sein Vertrag in Salzburg bis 2018 wäre auch kein Problem...

FAZIT: Favoriten sind auf dem ersten Blick natürlich andere. Immer wieder wird Jorge Sampaoli (Sevilla) genannt, Enriques Co-Trainer Juan Carlos Unzue sowieso und auch Ernesto Valverde, der in Bilbao nicht verlängern wird, ist jemand, der als Kandidat offenbar in Frage kommt. So unrealistisch es auch erscheinen mag, dass ein Trainer von Salzburg nach Barcelona wechselt, so unwahrscheinlich ist diese Variante gar nicht. Zumal ganz starke Konkurrenz auch anders klingt. Oscar erfüllt zudem viele Kriterien und hat vor allem bei Maccabi Tel Aviv (Punkteschnitt: 2,22) sowie RB Salzburg (2,23) gezeigt, wie erfolgreich er als Trainer sein kann. In Salzburg hat er bewiesen, Titel mit einem Spitzenteam holen zu können, unter schwierigen Bedingungen (Verlust einiger Schlüsselspieler) das Niveau zu halten sowie junge und ältere Spieler dabei noch besser zu machen. Oscar wäre natürlich die überraschende Lösung schlechthin - aber warum nicht?


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Textquelle: © LAOLA1.at

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