Alles eine Frage der Effizienz?
Angetrieben von den eigenen Fans kamen die Grazer zu deutlich mehr Abschlüssen. Was allerdings fehlte, war der letzte Nachdruck: Seedy Jatta köpfte drüber (28.), Emran Soglo schlenzte vorbei (30.) und Kapitän Jon Gorenc Stankovic brachte zu wenig Druck hinter einen Kopfball (38.).
"Die Chancen waren da, dann müssen wir sie aber auch nützen. Das war heute das Hauptthema", strich Malic die eigene Chancenverwertung heraus.
Auch nach Seitenwechsel war man zu Beginn spielbestimmend. Zwei Mal verpasste Kayombo im letzten Moment gute Hereingaben (48./51.).
"Wir hatten das Momentum eigentlich auf unserer Seite", lobte Ingolitsch den Auftritt seiner Mannschaft.
Talisca zerstört jegliche Hoffnungen
Doch genau dieses Momentum kippte in Minute 65. Der bis dahin fehlerfreie Petrovic traf Stürmer Anderson Talisca bei einem Klärungsversuch und so gab es Strafstoß für die Gäste. Der Gefoulte trat an und blieb cool.
"Der Elfmeter hat uns den Stecker gezogen. Deswegen sind wir raus. Aber ich bin richtig stolz auf meine Mannschaft. Ich kann ihr nichts vorwerfen, ganz im Gegenteil", hob der Trainer die Leistung hervor.
Wir haben alles versucht. Da geht es nicht um fehlende Entschlossenheit. Fußball ist auch ein Stück weit Zufall, manchmal fällt der Ball zu dir und manchmal eben nicht.
So brachte der Favorit das Ergebnis am Ende souverän über die Zeit. Joker Belmin Beganovic hatte noch eine gute Gelegenheit, aber auch er scheiterte an Torhüter Mert Günok. Der türkische Schlussmann brachte die Sturm-Offensive ähnlich zur Verzweiflung wie das ÖFB-Team bei der EURO 2024 im Achtelfinale.
"Wir haben alles versucht. Da geht es nicht um fehlende Entschlossenheit. Fußball ist auch ein Stück weit Zufall, manchmal fällt der Ball zu dir und manchmal eben nicht. Fakt ist, sie haben ein Tor gemacht und wir nicht. Das war schon im Hinspiel so", so der Chefcoach.
"Wenn man beide Spiele ansieht, war der Aufstieg von Fenerbahce auch verdient", lobte Ingolitsch den Gegner, der im Playoff nun auf Olympique Lyon trifft.
Sturm hingegen wird im Herbst in der Ligaphase der UEFA Europa League spielen und kann dort dennoch auf Kaliber wie AC Mailand, Juventus Turin oder Bayer Leverkusen treffen.
Die jungen Wilden
Für Ingolitsch ist das kein Trostpreis, sondern eine Chance für seine junge Mannschaft: "Wir als Verein passen auch gut in die Europa League. Das ist nicht einfach für einen österreichischen Verein. Wir hatten einen Altersschnitt von 21,5 Jahren. Ich weiß nicht, wann Sturm jemals eine jüngere Mannschaft auf dem Feld hatte."
Und genau diese Jugend machte gegen Fenerbahce Hoffnung. Luca Weinhandl agierte mit seinen 17 Jahren im Mittelfeld ruhig und fehlerfrei – und das gegen Spieler wie N'Golo Kanté oder Matteo Guendouzi.
"Die Europa League ist was Schönes. Das wird eine coole Saison mit der Mannschaft", so der Youngster.
Zurück in den Liga-Alltag
Auch Jacob-Peter Hödl hat gegen Fenerbahce gezeigt, dass er vor großen Namen nicht zurückschreckt. "Mir ist es egal, wer vor mir steht. Egal wie oft ich falle, ich werde weiter ins eins gegen eins gehen und meinen Gegner im Dribbling kaputt machen", zeigte sich Hödl selbstbewusst.
Aber jetzt wartet erstmal wieder das "täglich Brot" mit der ADMIRAL Bundesliga. Am Samstag kommt der SCR Altach nach Graz-Liebenau. Ein Gegner, gegen den das Spiel wohl ganz anders aussehen wird als gegen Fenerbahce.