Thomas Janeschitz: Die erfüllte Trainer-Vision

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2009 hatte Thomas Janeschitz als Leiter der Trainerausbildung im ÖFB die Vision, den internationalen Stellenwert von österreichischen Coaches zu erhöhen und mehr Trainer ins Ausland zu bringen.

Ein Jahrzehnt später zieht er ob steigender Engagements rot-weiß-roter Übungsleiter vor allem in Deutschland ein zufriedenes Fazit.

Seit einem Jahr verdient der 53-Jährige selbst sein Geld im Ausland - beim FC Basel als Assistent von Ex-Teamchef Marcel Koller, dessen Co-Trainer er schon beim Nationalteam gewesen ist.

Vor dem Duell mit dem LASK in der Champions-League-Qualifikation (ab 20 Uhr im LIVE-Ticker) spricht Janeschitz im LAOLA1-Interview über Tipps von Oliver Glasner, die überstandenen Turbulenzen in Basel und seine Freude mit Österreichs Trainer-Legionären.

Wie sehr der LASK auf das "Karriere-Highlight" FC Basel brennt:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Wie groß ist der Vorteil, dass ihr den LASK sehr gut kennt?

Thomas Janeschitz: Im Fußball ist es ja mittlerweile so, dass man sich mit diversen Hilfsmitteln sehr gut auf jede Mannschaft vorbereiten kann. Also würde ich nicht von Vorteil sprechen, aber es ist für mich natürlich eine große Freude, wieder nach Österreich in die Heimat zu kommen. Das habe ich in diesem einen Jahr hier vielleicht zwei oder drei Mal für wenige Tage geschafft. Es freut mich auch für den österreichischen Fußball, dass der LASK die Möglichkeit hat, in der Champions-League-Qualifikation anzutreten. Bei aller Freude ändert das jedoch wenig an der Vorbereitung.

"Eindhoven hatte in der Vorbereitung ein Testspiel gegen Wolfsburg. Also habe ich natürlich mit Oliver Glasner telefoniert und versucht, so viel wie möglich rauszukriegen. Aber die Österreicher halten ja auch zusammen und werden nicht allzu viel verraten."

LAOLA1: Österreichische Stimmen haben Sie in den vergangenen Tagen aber vermutlich mehr als zuletzt gewohnt gehört. Ich nehme an, ihr habt diverse Quellen angezapft.

Janeschitz: Das tun wir im Grunde bei allen Gegnern. Ein Beispiel: Eindhoven hatte in der Vorbereitung ein Testspiel gegen Wolfsburg. Also habe ich natürlich mit Oliver Glasner telefoniert und versucht, so viel wie möglich rauszukriegen. Aber die Österreicher halten ja auch zusammen und werden nicht allzu viel verraten (lacht).

LAOLA1: Vor dem Duell mit dem LASK hätte sich ein erneutes Telefonat mit Oliver Glasner angeboten. Habt ihr diese Möglichkeit genutzt?

Janeschitz: Nein! Ich habe ihm nur nach dem Aufstieg gegen PSV per WhatsApp geschrieben: Vielen Dank für das Gespräch, das wir führen konnten, und über den LASK frage ich dich nichts (grinst).

LAOLA1: Allgemein gilt der FC Basel als Favorit in diesem Duell. Nehmt ihr diese Rolle an?

Janeschitz: Für uns ist das kein Thema. Es geht um die Champions League, und da ist bei allen vertretenen Mannschaften Qualität vorhanden. Wir sind auf zwei schwere Spiele, in denen es sehr eng werden wird, eingestellt.

LAOLA1: Was macht den LASK so schwer zu bespielen?

Janeschitz: Es ist eine gewachsene Truppe, die über mehrere Jahre zusammen ist und von Oliver Glasner sehr gut entwickelt wurde: Er hatte auch die nötige Zeit dafür. Diese Eingespieltheit ist sicher ihre große Qualität.

LAOLA1: Das Duell mit dem LASK wurde durch den Aufstieg gegen PSV Eindhoven ermöglicht. Wie groß war dieser Befreiungsschlag?

Janeschitz: Es war im ganzen Verein eine große Erleichterung zu spüren. Es war auch eine Bestätigung für die Schritte, die man gesetzt hat, und für viele eine Überraschung. Für uns intern natürlich nicht, aber ich denke, von außen betrachtet wurde es als Überraschung angesehen und hat auch Aufmerksamkeit erregt. Es ist schon eine Befreiung, weil dadurch einmal fixiert ist, dass wir bis Winter international spielen. Das ist für den Verein ganz wichtig. Jetzt wollen wir natürlich noch mehr.

LAOLA1: Der FC Basel war es über viele Jahre gewohnt, in der Champions League zu spielen. Merkt man dieses Selbstverständnis im Verein, dass man zumindest im Herbst zum Konzert der europäisch Großen dazugehört?

Janeschitz: Das ist ein spannendes Thema. Es ist ja bei vielen Vereinen so, dass einfach aufgrund der Vergangenheit viele Dinge als normal angesehen werden. Aber in diesem Verein hat sich in den letzten zwei Jahren sehr viel verändert. So gesehen war es für uns jetzt einfach wichtig, den Schritt zu schaffen, dass wir europäisch spielen. Es ist auch für den Schweizer Fußball bei weitem nicht selbstverständlich, dass man PSV Eindhoven ausschaltet oder sich fix für die Champions-League-Gruppenphase qualifiziert.

"Für mich bestand am Anfang der extremste Unterschied zwischen der Erwartungshaltung in Basel und der Realität."

LAOLA1: Marc Janko hat zuletzt bei LAOLA1 die Veränderungen beim FC Basel in den letzten Jahren und die dadurch resultierenden Turbulenzen erläutert. Er hat gemeint, dass der Verein ein unruhiges Schiff ist, das Marcel Koller und Sie in ruhige See geführt habt. Wie unruhig war es wirklich?

Janeschitz: Diese Metapher finde ich sehr gelungen. Wir haben die Mannschaft tatsächlich in unruhigen Gewässern übernommen und versucht, das Steuer in die Hand zu kriegen, die Mannschaft zusammenzuführen. Dass das gewisse Zeit braucht, ist für uns im Trainerstaff ganz logisch gewesen, schließlich sind wir erst nach der Sommer-Vorbereitung gekommen. Für mich bestand am Anfang der extremste Unterschied zwischen der Erwartungshaltung in Basel und der Realität. Dadurch ist natürlich viel zu beruhigen gewesen. Bis zum Winter haben wir es ganz gut in den Griff gekriegt, konnten Ruhe herstellen und waren auf die Mannschaft fokussiert. In der zweiten Halbsaison haben wir dann einfach die sportlichen Argumente gesammelt, um besagtes Schiff auf Kurs zu halten. Das war dann wahrscheinlich auch entscheidend. Wir haben unter großem Druck den Cup gewonnen und in der Meisterschaft ähnlich viele Punkte gemacht wie Meister Young Boys Bern. Es war bereits recht ruhig, als es am Ende schließlich nochmal turbulent wurde. Das war vielleicht auch nötig.. Jetzt schippern wir eigentlich ganz ruhig und recht souverän mit dem FCB. Es ist jetzt tolles Arbeiten möglich, was Freude macht.

LAOLA1: Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Er hat geheißen, ihr seid schon auf gepackten Koffern gesessen.

Janeschitz: Dazu will ich gar nicht mehr viel sagen, es ist vorbei. Ich war zu dieser Zeit auch auf Urlaub, also konnte ich es Gott sei Dank recht gelassen umschiffen. Ich war aber natürlich sehr froh, dass die Entscheidung so gefallen ist, wie sie gefallen ist.

LAOLA1: Marcel Koller meinte bezüglich der Turbulenzen im ersten Jahr, dass man sich nicht selbst kaputtmachen lassen darf und die Ruhe bewahren muss. Ihr seid beide eher überlegte Charaktere. Wie sehr hilft diese Charaktereigenschaft?

Janeschitz: Diese Erfahrung ist natürlich extrem wertvoll. Ich glaube einfach, dass wir zwei Menschen sind, die schon die nötige Gelassenheit mitbringen und auch den Fußball sehr, sehr gut kennen. Im Wesentlichen geht es bei solchen Schwierigkeiten darum, sich auf jene Dinge zu fokussieren, die man wirklich beeinflussen kann: Also professionell mit der Mannschaft zu arbeiten – und das sehr gut zu machen. Gelassenheit und Ruhe sind Eigenschaften, die dabei durchaus helfen.

"Ich verfolge natürlich weiterhin jene Bereiche, die ich im ÖFB mitgestaltet habe. Den internationalen Stellenwert des österreichischen Trainers zu erhöhen, war bereits 2009 die Vision. Es ist schön für mich zu sehen, wenn Leute wie Oliver Glasner, Adi Hütter, Peter Stöger oder Damir Canadi den Sprung geschafft haben."

LAOLA1: Nach Ihrem Abschied vom ÖFB haben Sie in einem LAOLA1-Interview gesagt, dass das Ausland ein Wunsch von Ihnen ist. Dieser Wunsch wurde erfüllt. Erfüllt er auch Ihre Erwartungen?

Janeschitz: Für mich war es absolut die richtige Entscheidung. Um bei der Schiff-Metapher zu bleiben, habe ich damals gemerkt, dass es an der Zeit ist, den sicheren Hafen zu verlassen, um mich einfach selber weiterzuentwickeln. Ich war hier in der Schweiz nicht gänzlich unbekannt, aber es geht dann halt darum, sich wieder zu bestätigen, sich mit professioneller Arbeit zu zeigen. Für mich war es ein wichtiger Schritt. Ich fühle mich absolut wohl hier, sowohl was den Verein als auch das Leben betrifft. Es ist ein toller Klub mit riesigem Potenzial in einer Stadt mit besonderem Flair. Natürlich gibt es einen Unterschied zur Großstadt Wien, aber Basel ist sehr international und liegt günstig im Dreiländereck. Die Schweiz ist wie Österreich ein sehr lebenswertes Land. Außerdem war es schon als Leiter der Trainerausbildung immer meine Vision, mehr österreichische Trainer ins Ausland zu bringen.

LAOLA1: Was zuletzt gelungen ist.

Janeschitz: Ich verfolge natürlich weiterhin jene Bereiche, die ich im ÖFB mitgestaltet habe. Den internationalen Stellenwert des österreichischen Trainers zu erhöhen, war bereits 2009 die Vision. Es ist schön für mich zu sehen, wenn Leute wie Oliver Glasner, Adi Hütter, Peter Stöger oder Damir Canadi den Sprung geschafft haben. Aber es gibt auch weitere. Zuletzt hatten wir beispielsweise einen Österreicher im Nachwuchs von Ajax Amsterdam (Danijel Zenkovic, seit Sommer Co-Trainer in Hartberg; Anm.d.Red.), auch bei Union Berlin sind zwei Österreicher im Trainerteam (Michael Gspurning und Markus Hoffmann; Anm.d.Red.). Das sind Dinge, die das, was wir mit der Erneuerung der Trainerausbildung begonnen haben, auch bestätigen. Es ist schön, gegen Damir Canadi mit Nürnberg zu testen oder mit Oliver Glasner als Wolfsburg-Trainer zu telefonieren.

LAOLA1: Unter Sportdirektor Peter Schöttel wurde die Trainerausbildung adaptiert. In die richtige Richtung?

Janeschitz: Ich sehe es so, dass das, was wir an Entwicklung angestoßen haben, im Grunde fortgesetzt wird. Dass sie an der einen oder anderen Stellschraube drehen, ist sehr gut und gehört zur Entwicklung dazu. Nach den vielen Jahren, die man mitgestaltet hat, bin ich nach wie vor mit vielen in Kontakt, auch mit Dominik Thalhammer bin ich immer wieder im Austausch. Es war ja eine sehr erfolgreiche Zeit, deswegen ist es wichtig, dass man im Kontakt bleibt.

"Mein Verhältnis zu Marcel ist einfach so gut, dass es für mich schon klar war, dass ich nicht Nein sage, wenn er mich irgendwohin mitnehmen möchte."

LAOLA1: Durch die Zusammenarbeit beim ÖFB verbinden Sie inzwischen schon viele Jahre mit Marcel Koller. War es für Sie klar, dass sie sich weiter ihm anschließen möchten, oder gab es die Überlegung, einen eigenen Weg einzuschlagen?

Janeschitz: Mein Verhältnis zu Marcel ist einfach so gut, dass es für mich schon klar war, dass ich nicht Nein sage, wenn er mich irgendwohin mitnehmen möchte. Der FC Basel ist eine Top-Adresse, da war natürlich schnell Begeisterung und Euphorie da. Es ist dann recht schnell gegangen, innerhalb von drei, vier Tagen waren meine Sachen gepackt und wir haben voll losgelegt.

LAOLA1: Bei Marcel Koller hat man als Teamchef immer wieder gemerkt, dass ihm die tägliche Arbeit mit den Spielern fehlt. Ist er so gesehen jetzt in seinem Element?

Janeschitz: Beides sind tolle Aufgaben, aber man merkt natürlich Unterschiede. Die Intensität ist bei einem Klub natürlich viel, viel größer. Du bist noch viel ergebnisabhängiger, wochenweise kann es ein riesiges Wellental sein. Es ist natürlich auch anders, weil man viel öfter mit den Spielern am Platz steht.

LAOLA1: Das Duell mit dem LASK ist für den FC Basel natürlich wichtig, aber genauso zählt die Liga. Dort ist in den letzten zwei Jahren Young Boys Bern enteilt. Wie realistisch ist es, in dieser Saison wieder dorthin zu kommen, wo man aus Basel-Sicht hingehört?

Janeschitz: Wir wollen den Abstand natürlich verringern. Das ist uns im zweiten Halbjahr schon ganz gut geglückt. Der FC Basel hatte über lange Jahre eine dominierende Rolle, vergleichbar mit Red Bull Salzburg in Österreich. Jetzt ist YB dazugekommen, diese zwei Klubs haben definitiv das größte Potenzial. Für uns ist das sicher ein weiteres Ziel. Die internationale Qualifikation bis Dezember ist geschafft, jetzt wollen wir näher an YB herankommen.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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