Wie die WSG Tirol an Glanz gewinnen will

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Die Euphorie in Wattens war groß, als im vergangenen Juni der Aufstieg in die österreichische Bundesliga gelang.

Ein halbes Jahr später sieht die Realität in der Kristallstadt anders aus: Abstiegskampf. Mit lediglich zwölf Punkten und zuletzt sechs Niederlagen in Serie geht die WSG Tirol als Liga-Schlusslicht ins Frühjahr.

Schwache Leistungen hatten Spiele in einem fast leeren Tivoli-Stadion zur Folge, der Ruf nach Verstärkungen ist groß.

Im Interview mit LAOLA1 kann WSG-Manager Stefan Köck, der seit 2014 die Geschicke der Tiroler lenkt, das mangelnde Zuschauer-Interesse verstehen: "Ich würde mir auch schwer tun ins Stadion zu gehen." Außerdem spricht der 44-Jährige über die Auswirkungen der Namensänderung.

LALOLA1: Ein halbes Jahr Bundesliga hat die WSG bereits in den Beinen. Wie fällt Ihr Resümee aus?

Stefan Köck: Zwiespältig. In den ersten zehn bis zwölf Runden haben wir uns so präsentiert, wie wir es erwarten, die letzten Spiele waren alles andere als zufriedenstellend. Wir haben gewusst, dass es eine schwierige Saison wird und wir in der unteren Tabellenhälfte dabei sein werden. Es war eine Umstellung, weil wir die letzten Jahre sehr viel gewonnen haben und nun nicht mehr vorne mitmischen, sondern um den Klassenerhalt spielen.

LAOLA1: Vor allem gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte kassierte man zuletzt hohe Niederlagen, was vor allem im Hinblick auf die Quali-Gruppe ein Problem sein könnte.

"In der unteren Tabellenregion hat keine Mannschaft die Qualität um zu sagen: Jetzt spielen wir den Gegner schwindlig."

Stefan Köck: Das ist vollkommen richtig. In den Spielen gegen einen direkten Konkurrenten ist es so, dass meistens das erste Tor entscheidet. Dann kannst du als Mannschaft tiefer stehen und auf Konterchancen lauern. Wenn man zum Beispiel gegen Altach zuhause spielt - eigentlich ist es ein 0:0-Spiel -, aber man bekommt das erste Gegentor, dann müssen Räume geöffnet werden und da hat man als Mannschaft in der unteren Tabellenregion nicht die Qualität um zu sagen: Jetzt spielen wir den Gegner schwindlig."

LAOLA1: Fehlt es der Mannschaft an Mentalität, vor allem wenn es gegen kleinere Gegner geht?

Stefan Köck: Der Meinung bin ich nicht. Das ist im Fußball nun mal so - es geht um Erfolg und Misserfolg. Vor dem Spiel in St. Pölten kassierten wir zum Beispiel die 0:4-Heimpleite gegen Altach, da ist die Mannschaft psychisch angeknackst. Wenn du daheim so hoch verlierst und dir in der Trainingswoche irrsinnig viel vornimmst, intensiv arbeitest, dann nach St. Pölten fährst und nach 40 Sekunden 0:1 und nach 9 Minuten 0:2 zurückliegst, schlägt das schon auf die Psyche.

LAOLA1: Trainer Thomas Silberberger hat im Anschluss "Mentalitätsmonster" gefordert.

Stefan Köck: Er hat nicht unrecht, wenn er sagt, dass wir Spieler brauchen, die diesem Druck standhalten können. Das ist eine neue Situation für die meisten Spieler von uns. Trotzdem hätte ich mir die vergangenen Wochen ganz klar anders gewünscht. Aber vielleicht hat das auch einen Sinn, dass man sich der Situation bewusst wird und einen Vorgeschmack auf den Abstiegskampf bekommt.

LAOLA1: Nach so einem Negativ-Lauf wird die Kritik am Trainer lauter. Wie lange kann und wird die WSG an Thomas Silberberger festhalten?

Stefan Köck: Für mich ist der entscheidende Faktor, wie lange ein Trainer die Mannschaft erreicht und wie er mit der Mannschaft arbeitet. Ich sehe bis heute kein Zerwürfnis, sondern einen topmotivierten Trainer, der mit der Mannschaft auch harmoniert. Daher macht es auch keinen Sinn die Konzequenzen zu ziehen, wenn das erste Frühjahrs-Spiel gegen Rapid verloren geht.

LAOLA1: Es gibt das Gerücht, dass Sie Thomas Grumser (Anm.: Trainer von 2. Liga-Klub FC Wacker Innsbruck) zur WSG locken wollten.

Stefan Köck: Das hat mich köstlich amüsiert. Ich habe mit Thomas Grumser einen guten Kontakt, weil wir mehrere Jahre zusammengespielt haben. Aufgrund seiner Tätigkeit beim FC Wacker und meiner hier in Wattens ist das in den letzten Monaten weniger geworden. Es hat ein Telefonat gegeben, bei dem ich mich über einen Spieler erkundigt habe, der sich einmal bei Wacker fit gehalten hat. Da war es naheliegend, dass ich meinen Kumpel anrufe und frage wie der Spieler funktioniert. Wir haben in keiner Sekunde über ein Engagement von ihm bei der WSG gesprochen, sondern ausschließlich über den Testspieler. Thomas Silberberger war sogar eine Zeit lang beim Gespräch dabei.

LAOLA1: Die WSG hat sich nach dem Aufstieg nur punktuell verstärkt und hauptsächlich an der Erfolgsmannschaft aus der Vorsaison festgehalten. Im Nachhinein gesehen ein Fehler?

Stefan Köck: Als Verantwortlicher muss man im Vorhinein Entscheidungen treffen, danach weiß man es immer besser. Es geht aber natürlich auch um die Wirtschaftlichkeit – wenn ich ein Budget von 15 Millionen bekommen hätte, hätte ich anders agieren können. Aber wir sind letzte Saison mit einem sehr geringen Etat aufgestiegen, ich glaube das hat es in den letzten Jahren nicht gegeben.

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Es ist schwierig, wenn du die Spieler nicht mit Gelder ködern bzw. sagen kannst: 'Wir wollen aufsteigen, bitte komm' nach Wattens für ein Jahr. Bieten können wir dir zwar nicht viel, aber wir wollen aufsteigen'. Da musst du als Verein das eine oder andere Eingeständnis machen. Eines davon war, dass sich von vier Spielern im Aufstiegsfall der Vertrag verlängert und dementsprechend haben wir den Jungs das Vertrauen gegeben, sich in der Bundesliga zu beweisen. In den ersten paar Runden habe ich nicht gehört, dass wir uns getäuscht haben, als Tabellenletzter muss ich mir das jetzt gefallen lassen.

LAOLA1: In der Winter-Transferzeit hat die WSG mit Fabian Koch und Bruno Soares zwei erfahrene Verteidiger verpflichtet. Fehlte es an der nötigen Routine?

Stefan Köck: Ich bin nach wie vor von unseren Spielern überzeugt, aber dass ein 19- oder 20-Jähriger der im Sommer extrem positiv startete irgendwann ein Loch hat, ist verständlich. Im Abstiegskampf können wir uns das aber nicht leisten, daher haben wir routinierte Spieler geholt, die mit der Drucksituation umgehen können. Wie aus der Statistik mit den Gegentoren abzulesen ist, hat uns in den letzten Runden die Erfahrung gefehlt. Wir haben dort sehr gute und ordentliche Spieler, die aber eine Führung brauchen. Fabian Koch ist eine super Geschichte für uns, weil er zum einen Tiroler ist und zum anderen in über 200 Bundesligaspielen jede rechte Seite in Österreich schon sehr erfolgreich beackert hat. Er macht uns definitiv stärker. Soares hat uns an zwei Probetagen überzeugt, ist 1,94 Meter groß und bringt eine Erfahrung von über 100 Zweitliga-Spielen in Deutschland mit. Er ist auch charakterlich ein super Typ. Wir sind der Meinung, dass wenn der verletzte Cabrera zurückkommt, wir in der Defensive routinierter sind und im Abstiegskampf weniger Tore bekommen.

LAOLA1: Auch in der Vergangenheit setzten Sie bereits vorrangig auf Routiniers.

Stefan Köck: Ich lasse mich gerne von einem 22-Jährigen positiv überraschen. Diese Spieler sind aber oftmals schwer zu bekommen. Für Top-Talente in diesem Alter ist die WSG Tirol bestimmt nicht die erste Adresse, so ehrlich muss man sein. Zum anderen muss man schauen, wie viel Erfahrung der Spieler in so einer Drucksituation schon hat.

LAOLA1: Sind auch Verstärkungen in der Offensive geplant?

Stefan Köck: Das kann ich noch nicht sagen. Wir halten sehr wohl noch Ausschau nach der einen oder anderen Verstärkung. Derzeit schauen wir auch, ob uns noch ein Offensiv-Spieler verlässt. Daher stellen wir uns die Frage, ob wir noch einen Stürmer hinzuholen, um breiter aufgestellt zu sein. Aber aus heutiger Sicht gibt es noch nichts zu vermelden.

LAOLA1: Die WSG konnte zuhause lediglich vier Punkte holen. Wie sehr sehnt man sich nach einer Rückkehr ins Gernot Langes Stadion, wo man im Cup mit einem 5:1-Triumph gegen die Austria aufgezeigt hat?

Stefan Köck: Wenn man 2000 Zuschauer hat, verbreitet das in einem kleinen Stadion natürlich mehr Stimmung als in einem 17.000er, das ist legitim. Trotzdem dürfen wir uns nicht darauf versteifen, dass wir zuhause nur vier Punkte geholt haben, weil wir nicht in Wattens spielen. Am 15. Dezember gegen Mattersburg, bei 1600 Zuschauern, ist es allgemein schwer zu spielen. Es kam von mir auch intern die Ansage, dass wir darüber nicht diskutieren brauchen, denn wir haben auch Auswärtsspiele, in denen wir punkten sollten. Von dem her ist es egal, ob am Tivoli, in Wattens oder auswärts - wir müssen unsere Leistung aufs Feld bringen. Wir sind nicht der Krösus der Liga, der alles spielerisch lösen kann. Wir müssen wieder mehr über den Kampf kommen. Wenn du jedes Spiel drei oder vier Tore kassierst, hast du nicht die Qualität, dass du fünf schießt. Die hat Red Bull Salzburg, aber wir nicht.

LAOLA1: Es wurde lange Zeit über die Infrastruktur diskutiert. Wie ist der aktuelle Stand?

Stefan Köck: Unser Trainingsgelände wird umgebaut, das beginnt im Jänner. Das ist sehr erfreulich, da es für die Zukunft vom Verein ein wichtiger Punkt ist - sowohl für den Nachwuchs als auch für die Kampfmannschaft. Ob jetzt aber zukünftig etwas gebaut wird und man dort spielen könnte, weiß ich Stand heute nicht. Ich mache mir darüber auch keine Gedanken, weil ich denke nur daran, dass wir in fünf Monaten noch in dieser Liga sind.

LAOLA1: Mit der Namensänderung wollte man bewusst das ganze Bundesland auf seine Seite ziehen. Der Zuschauerschnitt beträgt rund 3000 Zuschauer, mit Tendenz nach unten. Man hat das Gefühl, so richtig ist der Funke noch nicht übergesprungen, oder?

"Wenn eine Mannschaft permanent verliert, man Eintritt zahlen und sich im Dezember ins Stadion setzen soll, würde ich mir auch schwer tun."

Stefan Köck: Das stimmt. Im ersten Spiel gegen Austria Wien habe ich die Stimmung als sehr positiv empfunden, da war auch die Leistung da. Ich kann aber keinem Zuschauer einen Vorwurf machen, wenn er gegen Altach ins Stadion geht, das meiner Meinung nach schlechteste Spiel der Hinrunde sieht und sich das dann im nächsten Spiel nicht mehr antun will. Wir haben den Auftrag, dass wir entsprechende Leistungen bringen, dann kommt der Tiroler auch ins Tivoli. Dass die Namensänderung alleine uns kein volles Stadion bringt, war klar. Das ist alles ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht. Wir steigen im Sommer auf, der FC Wacker, unser Konkurrent, steigt ab, wir machen eine Namensänderung und das Stadion ist voll – so leicht funktioniert das nicht. Wenn ich eine Mannschaft sehe, die permanent verliert, da auch noch Eintritt zahlen muss und mich vielleicht bei widrigsten Bedingungen und schlechtem Wetter im Dezember ins Stadion setzen soll, würde ich mir auch schwer tun - so ehrlich muss man sein.

LAOLA1: Letzte Saison ist der FC Wacker nach dem Aufstieg direkt wieder abgestiegen. Logisch, dass man selbiges verhindern will. Aber versuchen Sie aus den Fehlern des Nachbarn zu lernen?

Stefan Köck: Natürlich verfolgt man die Spiele und die Entwicklung des FC Wacker. Man schaut sich an, was sie gut und weniger gut machen. Aber das macht man bei anderen Vereinen auch. Ich lese immer wieder Statistiken, dass wir letztes Jahr besser als der FC Wacker waren und heuer einen Punkt schlechter sind, als sie zu diesem Zeitpunkt waren. Es nützt uns nichts, wenn wir zwei Punkte mehr oder weniger als Wacker haben. Wir müssen auf uns schauen, Ergebnisse liefern und dieser Drucksituation, wie sie in dieser Form bei uns im Verein weder Spieler, noch Funktionäre, noch meine Person oder der Trainer gehabt haben, standhalten. Es ist eine sehr schwierige Phase, das sage ich ganz ehrlich. Wir haben alles versucht, um diese Rote Laterne nicht mit in die Winterpause zu nehmen. Jetzt muss das Ziel sein, eine Mannschaft hinter uns zu halten, dass wir auch nächste Saison in der Bundesliga spielen können.

Textquelle: © LAOLA1.at

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