Kalajdzic: "Akademien sind eintönig"

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Im Winter wäre Sasa Kalajdzic fast beim SK Rapid gelandet.

"Vielleicht war es nach meinen Verletzungen und bei dem Druck, der bei Rapid herrscht, im Winter für beide Seiten nicht so schlecht, dass es nichts geworden ist", sagt der 21-Jährige im LAOLA1-Interview.

Ein Wechsel von der Admira nach Hütteldorf wäre in diesem Sommer eine Sensation, denn nach dem bärenstarken Frühjahr, das der Wiener hingelegt hat, klopfen zahlreiche Vereine aus dem Ausland an. Der VfB Stuttgart gilt aktuell als Favorit auf eine Verpflichtung des Stürmers, doch auch der 1. FC Köln und Union Berlin sollen Interesse zeigen.

Rund zwei Millionen Euro Ablöse stehen im Raum. Nicht schlecht für einen, der vor drei Jahren noch in der vierthöchsten Spielklasse gekickt hat. "Ich glaube, ich kann mich überall durchsetzen, wenn ich gesund bin und meine Leistung abrufe", sagt der 2-Meter-Hüne.

Der U21-Teamstürmer spricht außerdem über seine fehlende Akademie-Ausbildung, die wichtigen ersten Minuten eines Spiels und seine erste Profi-Saison als "kleiner Fisch" bei der Admira.

LAOLA1: Bist du schon aufgeregt vor deinem ersten Turnier, der U21-EM?

Sasa Kalajdzic: Ja, schon. Ich kann es kaum erwarten, will unbedingt zeigen, was ich kann. Ich will mit dieser Mannschaft unbedingt erfolgreich sein.

LAOLA1: Mit welchem Ziel fahrt ihr nach Italien?

Kalajdzic: Jeder will sich von seiner besten Seite zeigen. Wir wollen so viel erreichen, wie nur möglich. Das geht aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen, wenn jeder an den Spieltagen sein Optimum herausholt. Die Gruppengegner sind vom Namen her über uns zu stellen, wir gehen als Underdog in dieses Turnier, nehmen diese Rolle aber gerne an. Wir wollen die anderen ärgern, wollen ihnen zeigen, was Österreich kann.

"Baumeister hatte dann doch irgendwie eine andere Art als Gregoritsch, er war sehr locker, ist mehr über den Schmäh gekommen"

LAOLA1: Was macht euren Teamchef aus?

Kalajdzic: Er ist sehr diszipliniert, sehr emotional, manchmal auch sehr laut. Er ist ein guter Mensch, charakterlich sehr in Ordnung, ich verstehe mich sehr gut mit ihm.

LAOLA1: Erinnert er dich an Ernst Baumeister?

Kalajdzic: Man kann sie von der Generation her schon vergleichen, aber Baumeister hatte dann doch irgendwie eine andere Art, er war sehr locker, ist mehr über den Schmäh gekommen. Die Disziplin und die Emotionalität unterscheiden sie.

LAOLA1: Nerven die Fragen zu Serbien mittlerweile?

Kalajdzic: Eigentlich schon, ja. Das ist doch derzeit alles Spekulation. Wenn es dazu kommen sollte, will ich mich dazu auch äußern. So ist es nur leere Luft, da bringt es nichts, etwas zu sagen. Für mich ist es jedenfalls schön bei der U21-EM, gegen mein Heimatland spielen zu dürfen, ein besonderes Spiel. Aber ich werde dieses Match nicht anders angehen, nur weil es Serbien ist. Ich werde 100 Prozent abrufen, alles geben.

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LAOLA1: Du hast im Frühjahr in zwölf Spielen sieben Tore und fünf Assists gemacht. Was war da los?

Kalajdzic: Das war richtig gut! Ich habe noch ein paar Chancen vernebelt, es wäre sogar mehr möglich gewesen. Insgesamt bin ich mit der Saison aber zufrieden, vor allem angesichts der Umstände – ich bin von zwei schweren Verletzungen zurückgekommen. Ich bin der Mannschaft dankbar, dass sie mich aufgebaut und mir geholfen hat. Ich wurde vom Team sehr gut in Szene gesetzt. Im Endeffekt sind die Scorerpunkte für mich persönlich zwar schön, wichtig ist aber, dass die Admira den Klassenerhalt geschafft hat.

LAOLA1: Abgesehen von deinen Verletzungen gab es dieses Transfer-Theater mit Rapid im Winter, es gibt dieses Dauer-Thema, ob du künftig für Serbien oder das ÖFB-Team spielst. Wie hast du es geschafft, dich in den letzten Wochen und Monaten auf den Fußball zu konzentrieren?

Kalajdzic: Die Themen kommen ja nicht von mir, sie kommen von den Medien und anderen Leuten. Ich denke, ich kann das nicht so schlecht ausblenden. Wenn ich am Platz stehe, ist mir das Rundherum egal. Wenn man viel Freizeit hat, liest man dann aber schon viel und denkt auch viel nach. Im Endeffekt habe ich das gut rübergebracht.

LAOLA1: Hast du dich von der Admira eigentlich schon verabschiedet?

Kalajdzic: Nein. Ich habe mich in den Urlaub verabschiedet.

"Rapid hätte nicht davon ausgehen können, dass es gut funktioniert – das zu bezahlen für einen Spieler, der verletzt war…"

LAOLA1: Hält dich dein Manager auf dem Laufenden, was Anfragen anderer Vereine angeht oder willst du erst nach der U21-EM wieder etwas von ihm hören?

Kalajdzic: Ursprünglich hatte ich ihm gesagt, dass ich mich voll auf die Admira und den Klassenerhalt fokussieren möchte, was er voll und ganz respektiert hat. Danach habe ich einige Sachen gehört. Aber solange es nichts Konkretes ist, ist das nur leere Luft. Natürlich kommen jetzt wieder Gerüchte auf. Teilweise bin ich informiert.

LAOLA1: Ist die Zeit reif für deinen nächsten Schritt?

Kalajdzic: Vielleicht war es nach meinen Verletzungen und bei dem Druck, der bei Rapid herrscht, im Winter für beide Seiten nicht so schlecht, dass es nichts geworden ist. Rapid hätte nicht davon ausgehen können, dass es gut funktioniert – das zu bezahlen für einen Spieler, der verletzt war… Ich konnte der Admira helfen und mir selbst helfen, indem ich zu alter Stärke zurückgefunden habe. Zum Sommer: Ich glaube nicht, dass es jetzt zu früh für einen Wechsel wäre. Wenn es der richtige Verein ist und das Gesamtpaket passt, ist der nächste Schritt schon möglich. Wenn nicht, dann passiert es halt nicht. Ich laufe nicht beim nächstmöglichen Angebot weg.

LAOLA1: Wann würde es für dich passen? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit du den nächsten Schritt machst?

Kalajdzic: Ich will nicht zu viel sagen, weil dann wieder zu viel spekuliert wird. (grinst) Es muss sportlich und perspektivisch eine gute Option sein. Natürlich möchte ich in eine Liga gehen, die als Spielertyp zu mir passt. Sprachen kann ich ja einige, und ich bin auch bereit neue Sprachen zu lernen. Ich glaube, ich kann mich überall durchsetzen, wenn ich gesund bin und meine Leistung abrufe.

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LAOLA1: Du hast vor drei Jahren noch in der Wiener Liga gespielt, jetzt bist du rund zwei Millionen Euro wert.

Kalajdzic: Es ist schon ein komisches Gefühl. In dieser Zeit ist viel passiert. Es ist relativ schnell gegangen. Als ich bei Donaufeld war, habe ich gehofft, dass ich dort irgendwie zum Spielen komme. Dann habe ich gehofft, dass ich bei den Admira Juniors Spielzeit bekomme. Ich habe gehofft, dass es so passiert, aber Hoffen und die Umsetzung sind zwei verschiedene Dinge. Ich hätte mir nie gedacht, dass das alles so passieren könnte. Ich bin extrem glücklich und sehr dankbar. Ich bin froh, dass es so gekommen ist, ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.

LAOLA1: Ist das Leben als Profi-Fußballer so, wie du es dir damals erträumt hast?

Kalajdzic: Wenn man jung ist, denkt man immer anders. Einige Dinge sind so, wie ich es mir vorgestellt habe, andere gar nicht.

LAOLA1: Was denn?

Kalajdzic: Als ich klein war, dachte ich, dass man in Österreich oft nur einmal am Tag trainiert, in Deutschland zwei Mal jeden Tag und in England noch öfter, weil die dort körperlich so stark sind. Aber in Wahrheit wird in England und Deutschland viel Wert auf Regeneration gelegt, weil dort ja viele Spiele am Programm stehen. Ich dachte auch, dass ich fast jeden Tag in der Kraftkammer sein werde. Und ich dachte, dass man als Profi Unsummen verdient. Das gibt es zwar schon, aber ich bin noch nicht soweit. Aber daran denke ich gar nicht.

LAOLA1: Was wäre passiert, wenn dich Ernst Baumeister damals bei den Admira Juniors nicht zum Stürmer gemacht hätte?

Kalajdzic: Vielleicht hätte ich ja als Sechser oder Achter trotzdem mit dem Toreschießen begonnen, man kann es nie wissen. Ich bin aber froh, dass das so passiert ist. Mittlerweile fühle ich mich im Angriff viel wohler – ich habe viele Freiheiten, kann zum Tor ziehen. Und ich liebe es, manchmal das Eins-gegen-Eins zu suchen. All diese Dinge sollte man in einer defensiveren Rolle eher nicht tun. Ich will Tore schießen, meine Mitspieler in Szene setzen, schönen Fußball spielen, kombinieren – diese Faktoren sind für mich wichtig.

"Damals war ich noch ein kleiner Fisch und konnte nicht so viel riskieren, weil ich wusste, dass Christoph Knasmüllner, Lukas Grozurek oder Max Sax wohl wütend werden, wenn sie keine Bälle bekommen"

LAOLA1: Gibt es Situationen, in denen du merkst, dass dir die Akademie-Ausbildung fehlt?

Kalajdzic: Jein. Als ich zur Admira gekommen bin, habe ich schon einen Unterschied gemerkt. Aber irgendwann habe ich mich an das Niveau angepasst. Ich höre von vielen Leuten, dass es in den Akademien mittlerweile sehr eintönig ist. Es wird viel Wert auf ein System gelegt, ich unterdessen hatte meine Freiheiten. Als Zehner bei Donaufeld konnte ich viel ausprobieren, kreativ sein, dribbeln, es war kein Problem, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Als Spieler, der nicht aus der Akademie kommt, hat man etwas anderes. Ich will jetzt gar nicht sagen, dass Akademien schlecht sind, man wird dort gut vorbereitet, langsam an den Profi-Fußball herangeführt. Aber ich denke schon, dass es auch im Amateurbereich sehr gute Spieler gibt – nur manche von ihnen bekommen eine Chance. Ich habe sie genutzt.

LAOLA1: Mit Thomas Goiginger vom LASK gab es in der abgelaufenen Bundesliga-Saison noch einen zweiten Spieler, der nie in einer Akademie war und ähnliche Qualitäten im Eins-gegen-Eins mitbringt.

Kalajdzic: Wir sind schon unterschiedliche Spielertypen, aber ich weiß, was du meinst. Seine Entwicklung ist beeindruckend, ich habe den größten Respekt vor seinen Leistungen, ein spannender Spieler. Er ist auch ein Typ, der sich die Kugel nimmt und einfach mal Risiko nimmt, etwas probiert. Wenn solche Dinge dann aufgehen, steigt das Selbstvertrauen und es läuft alles wie von alleine.

LAOLA1: Wie wichtig ist für dich Selbstvertrauen für dein Spiel?

Kalajdzic: Sehr wichtig! Ich versuche immer, am Anfang sehr sicher zu spielen, meine ersten hohen Bälle zu gewinnen und gut zu behaupten, die ersten Pässe an den Mann zu bringen. Wenn die ersten zwei, drei Pässe gut kommen, traust du dir immer mehr zu. Irgendwann kommst du dann an einen Punkt, wo du dir sagst: "Jetzt geht alles auf." Es gibt so Spiele, wo ich das Gefühl habe, dass mir mein Gegner nichts antun kann, dass wir gewinnen werden, egal, wer da vor mir steht. Früher war das ein wenig anders.

LAOLA1: Wie denn?

Kalajdzic: In meinem ersten Profi-Jahr bei der Admira unter Damir Buric und dann unter Ernst Baumeister gab es noch Spieler, die einen Namen hatten. Damals war ich noch ein kleiner Fisch und konnte nicht so viel riskieren, weil ich wusste, dass Christoph Knasmüllner, Lukas Grozurek oder Max Sax wohl wütend werden, wenn sie keine Bälle bekommen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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