Freund gibt Personal-Update: "Das Gerüst steht!"

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Der FC Red Bull Salzburg kehrt am Dienstag nach einer ungewöhnlich kurzen, dafür vergleichsweise turbulenten Winterpause zurück.

Dominik Szoboszlais Abgang zu RB Leipzig wurde schon vor dem letzten Spiel der "Bullen" im Jahr 2020 offiziell und brachte dem Serienmeister wieder einmal eine hohe Transfersumme in einer kolportierten Höhe von 20 Millionen Euro ein. Dazu wurden unmittelbar vor dem Start in die Weihnachtsferien positive Doping-Ergebnisse von Sekou Koita und Mohamed Camara publik, den beiden Maliern droht eine Sperre.

Nicht nur deswegen befindet sich Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund am Beginn einer spannenden Transferperiode. Bei einem Pressegespräch vor dem Trainingsauftakt der "Bullen" in Taxham gibt der Sportchef der Mozartstädter ein Personal-Update und spricht auch über mögliche Transfers sowohl auf Zugangs- als auch auf Abgangsseite.

"Grundsätzlich steht der Kader. Aber ich würde nicht ausschließen, dass noch irgendwer dazukommt oder weggehen könnte. Aber das Gerüst steht", erklärt Freund.

Freund bestätigt: Ashimeru vor Abgang

Neben Szoboszlai sowie wahrscheinlich Koita und Camara werden die Salzburger im Frühjahr auch auf Majeed Ashimeru verzichten müssen. Ghanaische Medien berichteten am Montag von einem Abgang des technisch beschlagenen 24-Jährigen, der zuletzt nur eine untergeordnete Rolle spielte. Der RSC Anderlecht soll Interesse bekundet haben, Ashimeru mit Kaufoption auszuleihen.

Freund bestätigt, dass ein Abgang des Ghanaers unmittelbar bevorsteht: "Bei Majeed sind wir mit einem Verein in finalen Gesprächen. Wir werden in den nächsten zwei, drei Tagen die Vertragsmodalitäten klären. Wenn nichts mehr dazwischenkommt, wird Majeed den Verein verlassen."

Weniger konkret ist die Zukunft von Koita und Camara. Die beiden malischen Teamspieler bekamen vor einer Auswärtssreise nach Windhoek in Namibia ein Medikament gegen Höhenkrankheit vom malischen Teamarzt Adama Sangare verabreicht, das einen Wirkstoff enthielt, der auf der Verbotsliste der UEFA zu finden ist. Beide gaben nach ihrer Rückkehr nach Salzburg Ende November einen positiven Dopingtest ab.

Koita und Camara? "Jetzt liegt es bei der UEFA"

Camara und Koita beten aktuell für eine kurze Doping-Sperre
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Nach Auffliegen des Vorfalls wurde Sangare suspendiert, Koita und Camara, die im Herbst absolute Schlüsselfiguren der Salzburger waren, steht ein ungewisses Schicksal bevor. Den beiden Maliern dürfte eine mehrmonatige Sperre drohen.

"Wir haben schon ein offizielles Statement abgegeben, mehr können wir aktuell nicht dazu sagen. Es liegt jetzt bei der UEFA. Wir werden jetzt sehen, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Alles andere ist Spekulation. Wir haben so einen Fall auch noch nie gehabt", kann auch Freund noch keine genaueren Informationen geben. Grundsätzlich gilt aber: "Wir werden alles dafür tun, was in unserer Macht liegt, dass die Jungs so schnell wie möglich wieder am Platz stehen und für uns spielen können."

Koita und Camara starteten mit dem Rest des Kaders in die Wintervorbereitung, beide nehmen normal am Mannschaftstraining von Coach Jesse Marsch teil. Auch der US-Amerikaner sichert den beiden unfreiwilligen Dopingsündern volle Unterstützung zu:

"Sie sind ein Teil unserer Mannschaft, sie sind unsere Jungs. Wir müssen uns um sie kümmern und sie unterstützen. Ich hoffe, dass wir in den nächsten zwei Wochen mehr Informationen bekommen, in welche Richtung es geht. Wir hoffen auf das Beste, aber wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass sie nicht verfügbar sind."

(Text wird unter VIDEO fortgesetzt)

Bernede "eigentlich ein Neuzugang"

Bernede ist nach einem Schienbeinbruch wieder fit
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Eine Sperre der beiden Youngsters würde ein großes Loch in den Salzburger Kader reißen. Camara überzeugte im Herbst als unbekümmerter Sechser mit tollen Qualitäten in der Balleroberung, Koita scorte in dieser Bundesliga-Saison alle 55 (!) Minuten. Solch ein Torschnitt gelang seit Ligagründung noch keinem Spieler. Ob mögliche Transfers von einer Sperre der beiden Top-Talente abhängen?

Christoph Freund verneint diese Frage: "Mit 'Toni' (Antoine Bernede, Anm.) haben wir jemanden, der den Sechser sehr, sehr gut spielen kann und der schon vor seiner Verletzung einer unserer wichtigsten Spieler war. Mit dem haben wir eigentlich einen Neuzugang, der auf der Position von 'Mo' (Mohamed Camara, Anm.) spielen kann. Und vorne sind wir auch gut aufgestellt, es kommen einige Jungs nach. Es gibt keinen dringenden Handlungsbedarf. Es gibt jetzt keine genauen Informationen, wann sie wieder spielen können, aber wir planen nicht, dass wir sie 1:1 ersetzen."

Der angesprochene Bernede kam im Wintertransferfenster vor zwei Jahren aus dem Nachwuchs von Paris Saint-Germain nach Salzburg, verpasste den Großteil der vergangenen 24 Monate aber verletzt. Gleich zweimal brach sich der 21-jährige Franzose das Schienbein, nun ist er aber wieder bei voller Gesundheit. Die Vorfreude auf den hochveranlagten zentralen Mittelfeldspieler, der vor seinem Wechsel in die Mozartstadt bereits Startelf-Einsätze bei PSG bekam, ist im Salzburger Trainerteam riesengroß.

"Bernede ist jetzt fit, er hat schon zwei Wochen vor der Winterpause trainiert, gut trainiert. Er ist ein wichtiger Spieler für uns, es war so schade, dass er im ersten Spiel gegen Tel Aviv (im Champions-League-Playoff, Anm.) bereits wieder bei 100 Prozent war und dann die nächste Verletzung gekommen ist", erklärt Marsch.

"Aaronson kann der Mannschaft schnell helfen"

Aaronson trainiert erstmals mit den Salzburgern
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Doch es gab auch einen "richtigen", externen Neuzugang in den Salzburger Kader namens Brenden Aaronson. Der 20-Jährige ist eines der Aushängeschilder der goldenen Generation an US-amerikanischen Fußballer, die sich aktuell daran machen, die europäischen Ligen aufzumischen. Aaronson kommt um fünf Millionen Euro von Philadelphia Union und ist ein kreativer offensiver Mittelfeldspieler, der seine Stärken passenderweise im Pressing hat.

Das ist deshalb kein Zufall, weil mit Ernst Tanner der langjährige Salzburger Nachwuchschef als Sportdirektor in Philadelphia arbeitet. Der Deutsche gilt als Förderer Aaronsons, der den Transfer des 20-Jährigen nach Salzburg mit in die Wege geleitet hat.

Freund sagt über den US-Amerikaner: "Mit Brenden haben wir einen sehr interessanten Spieler dazugeholt, bei dem ich überzeugt bin, dass er der Mannschaft schnell helfen kann." Dies ist insofern notwendig, da die "Bullen" ohne Dominik Szoboszlai und damit ohne ein wichtiges Puzzleteil im Offensivspiel ins Frühjahr starten müssen. Gemeinsam mit Luka Sucic soll Aaronson den Abgang des Ungarns abfedern, wenngleich Marsch etwas Druck von seinem jungen Landsmann nimmt.

Aaronson ein Szoboszlai-Ersatz? "Nicht nötig"

"Aaronson ist ein Spieler, der gut adaptieren kann und bereit ist, eine große Rolle zu spielen. Aber es ist nicht nötig für Brenden, ein Ersatz für 'Szobo' zu sein. Es geht mehr darum, dass er sich in kurzer Zeit unserem Fußball anpassen kann. Tanner ist in Philadelphia und sie haben dort viel mit unserem Fußball gespielt. Also versteht er viel, er ist ein schlauer Junge und sehr reif. Aber es ist ein neues Land, eine neue Liga, eine neue Mannschaft - viele neue Dinge für ihn. Wir müssen ihm ein bisschen helfen, aber ich glaube, er ist bereit", sagt der "Bullen"-Coach über seinen neu dazugewonnen Schützling, der erst seit Sonntag in Österreich weilt.

Aaronson sowie der wegen seiner Verletzung nicht für den Champions-League-Kader berücksichtige Bernede werden zwei von drei möglichen Slots einnehmen, wenn es um das Nachmelden von Spielern für die Europa League geht. Es drängt sich also der Verdacht auf, dass Salzburg - wenn überhaupt - nur mehr maximal einmal am Transfermarkt zuschlagen wird.

"Keine Gespräche mit Grüll"

So allgemein will Sportdirektor Freund dies nicht halten, er erklärt: "International können wir drei Spieler nachmelden, mit 'Toni' und Brenden haben wir schon zwei. Also das wäre maximal ein Neuer. Aber es geht ja nicht nur ums internationale Geschäft, wir haben ja auch viele Spiele im Cup und in der Meisterschaft, da haben wir auch große Ziele. Aber wir sind gut aufgestellt, es kann auch sein, dass wir mit dieser Mannschaft das Frühjahr so durchziehen."

Recht wahrscheinlich ist dies aber nicht. Nur kurze Zeit nach dem Medientermin am Dienstag wurde bekannt, dass das isländische Top-Talent Isak Bergmann Johannesson unmittelbar vor einem Transfer nach Salzburg stehen soll (Alle Infos>>>). Eine Verpflichtung von Ried-Shootingstar Marco Grüll, der seit Herbst hartnäckig mit den "Bullen" in Verbindung gebracht wird, dürfte hingegen vom Tisch sein.

"Aktuell haben wir keine Gespräche geführt mit Marco Grüll oder der SV Ried", sagt Freund zu dieser Personalie.

Liefering-Youngsters "bereit für den nächsten Schritt"

Wieder bekommen einige Liefering-Youngsters ihre Chance
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Interne Neuzugänge gibt es aber auch in diesem Transferfenster vom FC Liefering. Mit David Affengruber, Benjamin Sesko und Maurits Kjaergaard dürfen drei weitere Jungspunde der inoffiziellen Salzburger Zweitvertretung, die in der 2. Liga in dieser Saison brandgut unterwegs ist, die Wintervorbereitung mitmachen. Auch Amar Dedic, Luka Sucic, Nicolas Seiwald und Junior Adamu sind wieder dabei.

Ein Umstand, der Christoph Freund freut: "Wir haben viele junge Spieler mit dabei, natürlich ist das Level im Kader sehr, sehr hoch. Wir werden schauen, wer es dann wirklich schafft. Aber es haben sich einige Jungs von unserem Kooperationspartner Liefering in den letzten Monaten sehr, sehr gut entwickelt."

Jesse Marsch schließt sich ihm an: "Wir haben eine super Mannschaft in Liefering, viele dieser Jungs haben eine Entwicklung gemacht. Ich glaube, es ist Zeit für den nächsten Schritt."

Marsch macht Adamu Mut

Der US-Amerikaner scheute sich bisher nicht davor, Liefering-Akteure ins kalte Wasser zu werfen. So feierten etwa Mohamed Camara, Sekou Koita und Karim Adeyemi in der Vorsaison ihr Debüt bei Salzburg unter Marsch. In dieser Spielzeit bekam Luka Sucic bereits einige Chancen, auch Nicolas Seiwald durfte sein Bundesliga-Debüt unter dem US-Amerikaner bestreiten.

Etwas Geduld müssen aktuell noch Außenverteidiger Amar Dedic sowie Liefering-Toptorjäger Junior Adamu beweisen, die beide aber immerhin im ÖFB-Cup zu einem Kurzeinsatz kamen. Für Adamu könnte die Zeit aber endlich gekommen sein. Der ÖFB-U21-Stürmer, der in zwölf 2.-Liga-Spielen zwölf Scorerpunkte sammeln konnte, könnte ein Profiteur einer möglichen Sperre von Sekou Koita sein und im Frühjahr eine Chance bekommen.

"Junior ist ein schlauer Junge. Er versteht unseren Fußball und unsere Taktik. Er ist immer torgefährlich, er hat viele Tore gemacht für Liefering und in der Youth League. Es ist eine große Möglichkeit, dass Junior uns jetzt helfen kann. Wir müssen mutig sein mit den jungen Spielern, aber das ist unsere Art", macht Marsch dem 19-Jährigen Hoffnung.

Affengruber "ein Anführer"

Auch die neu dazugekommenen David Affengruber, Benjamin Sesko und Maurits Kjaergaard dürfen sich Chancen ausrechnen. Marsch schwärmt über Innenverteidiger Affengruber: "David Affengruber ist sehr reif, er ist ein Anführer bei Liefering. Er hat sehr gut gespielt, er ist ein wichtiger Teil der Verteidigerkette. Ich hoffe, er kann uns jetzt helfen und dieses Niveau verstehen und adaptieren."

Auch Kjaergaard, ein technisch versierter Mittelfeldmann, sowie Sesko, ein großgewachsener Vollblutstürmer, bekommen Lob ab: "'Mau' und Sesko sind beides große, große Talente. Ihre Zeit kommt in der Zukunft, vielleicht ist die Zukunft schon jetzt. Es ist im Moment nicht nötig, dass sie jetzt schon alles schaffen. Mehr und mehr Zeit mit der ersten Mannschaft ist sehr wichtig, dann können sie unser Niveau besser verstehen. Aber wir glauben an alle drei Jungs, es ist nur eine Frage der Zeit."

Textquelle: © LAOLA1.at

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