Red Bull Salzburg: "Überragender Abend"

Red Bull Salzburg: Foto: © GEPA
 

Zuerst Atletico Madrid, dann der FC Barcelona - Red Bull Salzburg kann beide Testspiele gegen die spanischen Giganten als vollen Erfolg verbuchen. Nicht nur, dass die Begegnungen die Zuschauermassen in die Red Bull Arena lockten, auch der sportliche Wert ist nach zwei Siegen aus zwei Spielen hoch einzuschätzen.

La-Liga-Meister Atletico schlug man 1:0, die Katalanen wurden mit 2:1 besiegt (Spielbericht >>>) - dabei wurden allerdings zahlreiche Top-Chancen und somit ein klarer Erfolg liegengelassen. Dennoch ist man sich in der Mozartstadt einig, dass in dieser Saison Großes entstehen kann.

Für den Führungstreffer zeichnete sich der erst 18-jährige Luka Sucic verantwortlich. Sein Hammer aus rund 25 Metern war zweifelsohne ein Treffer der Marke Tor des Jahres. Es war aber auch ein besonderer Moment, wie der Kroate nach dem Spiel gegenüber "Servus TV" meint: "Barca ist mein Lieblingsverein. Wenn man gegen den trifft, ist das besonders. Es war ein überragender Abend."

Jaissle: "Jungs haben die PS auf die Straße gebracht"

Salzburg-Coach Matthias Jaissle kann seinem Schützling nur zustimmen: "Es war, wie für meine Jungs auch, ein sehr erfolgreicher Abend. Gerade mit den Fans im Rücken hat man wieder gesehen, dass die Jungs die PS auf die Straße gebracht haben. Es war einfach schön zu sehen, wie mutig sie agieren – selbst gegen so eine Topmannschaft."

Der mutige Auftritt seiner Mannschaft habe ihn "extrem überzeugt", sagt Jaissle. Doch nicht nur ihn, auch die Fans in der Salzburger Arena und auch rund um die Welt zeigen sich von der Leistung der "Bullen" erstaunt.

War vor der Saison noch von der vielleicht größten Chance, die Mozartstädter endlich vom Thron zu stoßen, die Rede, ist sich nun so gut wie jeder einig, dass sie wohl noch dominanter durch die Liga stolzieren werden, als es in den letzten Jahren nicht ohnehin der Fall war.

Dabei sind gerade erst drei Pflichtspiele absolviert, dazu kommen die Testspiel-Siege gegen Atletico und Barcelona. Vermutlich auch deshalb tritt Jaissle auf die Euphoriebremse. "Es sind immer Nuancen, die so ein Spiel entscheiden. Eine Topmannschaft wie der FC Barcelona bestraft einen dann, wie beim Gegentreffer, auch sofort."

"Über 90 Minuten eine richtig gute Partie"

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Der 33-jährige Deutsche sieht vor allem im Umschaltverhalten und der Defensivarbeit noch Aufholbedarf: "Wenn man nicht synchron gegen den Ball attackiert, entstehen Fehlerketten. Daran müssen wir noch arbeiten, dass wir den richtigen Auslöser finden und dann alle gemeinsam unterwegs sind. Wenn man nicht im Kollektiv verteidigt, dann wird es schwer."

Es sei aber auch klar, dass man die "Blaugrana" nicht über 90 Minuten vom eigenen Tor fernhalten könne", erklärt der Chefbetreuer. Letzten Endes überwiegt dann doch das Positive: "Es war über 90 Minuten eine richtig gute Partie."

Richtig gute Partien lieferten vor allem Noah Okafor und beide Torhüter ab. Okafor avancierte zwar früh im Spiel zum Chancenwucher, als er gleich zwei hundertprozentige Chancen aus kurzer Distanz ungenützt ließ, der Schweizer brachte sich aber in anderen Teilen des Spiels ein, zeigte offensiv seine Gefährlichkeit und empfahl sich für weitere Einsätze.

Auch Nico Mantl, der im Gegensatz zum vergangenen Bundesliga-Spiel gegen die SV Ried wieder von Beginn an ran durfte, zeigte eine konstante und ruhige Leistung, war in brenzligen Situationen zur Stelle. Bei einem Abschluss von Memphis Depay in der 34. Minute wäre er aber genauso chancenlos gewesen. Dafür stellte Philipp Köhn sein Können mit einer Glanzparade gegen Alejandro Balde unter Beweis.

"Vielleicht pusht es die Jungs, wenn sie nicht wissen, wer die Nummer eins ist"

"Ja, das war eine schöne Parade von Köhn. Aber für mich als Trainer zählt nicht nur das Spiel, ich sehe die Jungs in der täglichen Arbeit und das bewerte ich regelmäßig mit meinem Team. Sie haben es heute beide gut gemacht. Für die Entscheidung, wer am Wochenende im Tor steht, lasse ich auch die Trainingseindrücke wirken", lässt sich Jaissle nicht in die Karten blicken.

Der Deutsche kündigte bereits nach dem Kantersieg gegen Ried an, dass es keine fixe Nummer eins gebe. Daran hält der Deutsche auch weiter fest, sieht darin sogar Vorteile: "Vielleicht pusht es die Jungs, wenn sie nicht wissen, wer die Nummer eins und Nummer zwei ist. Mein Wunsch ist dadurch, dass sie sich gegenseitig pushen, sich anstacheln und noch rascher entwicklen, wie es ohnehin der Fall ist."

Es habe ohnehin jeder von ihnen "seine Vorteile und Potenziale, die er verbessern muss. Wir haben zwei hervorragende Keeper in jungen Jahren, die brauchen jetzt Zeit für die Entwicklung. Wer von ihnen die Nummer eins ist, ist sekundär", betont Jaissle.

Jaissle fiebert Bröndby entgegen

Nun richtet sich der Fokus auch langsam in Richtung Champions-League-Playoff. Der Gegner ist mit Bröndby IF bekannt, das Hinspiel findet in knapp zwei Wochen statt. Der Salzburg-Coach fiebert den Partien gegen seinen Ex-Klub bereits entgegen.

"Ich habe mich sehr über das Los gefreut – zum einen, weil ich eine erfolgreiche Zeit bei Bröndby hatte, zum anderen, dass wir uns jetzt gut vorbereiten können. Wir wissen jetzt endlich, wer uns in den Playoffs gegenübersteht und darauf gilt es sich nun zu fokussieren. Es geht jetzt Schlag auf Schlag, das ist gut."

Der ehemalige Co-Trainer der Dänen will den Kontrahenten wiederholt nicht unterschätzen: "Ich sehe die Partie auf Augenhöhe. Ich kenne Bröndby, ich weiß, wofür sie stehen. Sie versuchen, ähnlich wie wir zu agieren. Sie sind vielleicht nicht gut in die Saison gestartet, es gibt aber keinen Grund, sie deshalb zu unterschätzen. Letztes Jahr sind sie absolut verdient Meister geworden, auf eine beeindruckende Art und Weise. Es wird sicher ein harter Fight."

Koeman: Salzburg "hat verdient gewonnen"

Für die Gruppenphase der UEFA Champions League kann der FC Barcelona schon planen, die Katalanen qualifizierten sich mit dem dritten Endrang in La Liga souverän. Für den neuen Klub von Yusuf Demir geht es nun darum, weiter zur Form zu finden.

Da kommen "schwere Spiele", wie Trainer Ronald Koeman nach der Niederlage betont, genau richtig. Der Niederländer hat die Gründe für die Pleite schnell ausgemacht: "Physisch gesehen, befinden wir uns derzeit auf einem anderen Level als Salzburg, da sie schon in der Meisterschaft spielten. Sie haben in zwei Halbzeiten, zwei unterschiedliche Mannschaften spielen lassen, daher wussten wir, dass es schwierig wird - Und das war es auch."

Dem früheren Weltklasse-Verteidiger missfiel allerdings auch der Charakter des Spiels, meint: "Es war nicht wirklich ein Freundschaftsspiel, sie haben uns oft mit Fouls gestoppt." Insgesamt sei es aber ein gutes Spiel gewesen, "sie haben am Ende auch verdient gewonnen, da sie die besseren Chancen hatten."

Demir? "Wenn er so weitermacht,..."

Einer, der anders als zuletzt wenig am Spiel mitwirken durfte, war Rapid-Leihgabe Demir. Der Youngster saß von Beginn an auf der Bank, wurde erst nach 72 Spielminuten und unter großem Applaus der Fans im Stadion eingewechselt. Der Österreicher glänzte daraufhin jedoch, nahezu jeder Angriff lief über den 18-Jährigen.

Koeman, ein Befürworter des Wieners, macht ihm nach dem Spiel auch Chancen auf einen dauerhaften Platz im Profi-Kader der Katalanen: "Wenn er so weitermacht, dann wird er vermutlich im ersten Kader stehen."

"Wir wussten, dass er ein guter, junger Spieler mit großem Talent ist. Und wir mögen gute, junge Spieler mit großem Talent. Sie sind die Zukunft des Vereins. Wenn er weiter gut arbeitet, kriegt er seine Spielminuten", schließt der Niederländer ab.

Klingt vielversprechend, für eine Prognose ist es allerdings noch zu früh. Dennoch ist klar: In Barcelona ist man vom Linksfuß sichtlich angetan. Vielleicht kehrt er auch im kommenden Herbst wieder zurück, wenn sich Red Bull Salzburg für die Champions League qualifiziert und in der Gruppenphase auf den FC Barcelona trifft.

Ein weiteres Fußball-Fest wäre angerichtet.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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