Kühbauer: "Wenn das einer weiß, dann lügt er"

 

So eine lange Auszeit und Erholungsphasen von Medienterminen werden Didi Kühbauer unter normalen Umständen nicht gegönnt.

Am Donnerstag war es wieder soweit, und der Rapid-Trainer trat gut gelaunt an die Öffentlichkeit. Schließlich rollt der Ball wieder, ab Freitag sogar wieder im "normalen" Mannschaftstraining.

Und mit dem Bundesliga-Restart-Termin am 2./3. Juni gibt es endlich wieder einen Termin, auf den man sportlich zusteuern kann. Vor dem Shutdown hatte Rapid einen Lauf und der LASK hielt Salzburg auf Distanz.

In welcher Verfassung die Mannschaften jedoch wieder in den Liga-Rhythmus starten werden, sorgt für Rätselraten bei der 49-jährigen SCR-Ikone: "Wenn jetzt einer weiß, dass er genauso zurückkommt wie vorher, dann lügt er! Ich denke, dass du das mit dieser Pause, mit diesen zwei Monaten, in denen du kein normales Mannschaftstraining führen konntest und jetzt eine Art Vorbereitung gehabt hast, aber halt im kleinen Rahmen, nicht sagen kannst."

Die kommenden zwei Wochen im gewohnten Arbeitsrhythmus werden entscheidend sein. "Ich glaube nicht, dass wer so punktuell darauf hintrainieren konnte, dass er sagt: Wir sind vom ersten Tag an da. Jeder Spieler wird alles tun, damit er zu Siegen kommt. Das ist ganz klar, aber keine Mannschaft kann sagen, dass sie alles richtig gemacht haben."

"Du kannst zwei Monate nicht wegwischen"

Die vergangenen zwei Monate habe man überstanden. Die Spieler hätten die Qualität im Training - unter den vorherrschenden Bedingungen - hoch gehalten.

Trotzdem muss man nun wieder den Schalter umlegen, um in den Wettkampfmodus zu kommen. Doch plötzlich wieder vom einen auf den anderen Tag auf hundert Prozent zu sein, hält Kühbauer für ausgeschlossen.

"Dasselbe kann es im Moment nicht sein, weil du kannst zwei Monate nicht wegwischen. Wir werden am Freitag damit beginnen, die Freude ist riesig groß, wenn wir wieder zehn gegen zehn spielen können, man ein Fußballspiel veranstalten und Abläufe machen kann – im Mannschaftsverbund, das ist sehr wichtig. Aber wie sich das dann in den nächsten Wochen zeigen wird, wird man sehen. Dass wir eine gute Mannschaft haben, ist mir klar, aber die anderen schlafen auch nicht."

Dabei wird er nicht müde, zu betonen, dass RB Salzburg einen Vorteil genießt, wenn es gleich zum Auftakt gegen Rapid geht. Schließlich haben die Mozartstädter nach dem Cup-Finale gegen Austria Klagenfurt wenige Tage davor bereits ein Bewerbsspiel in den Beinen.

"Es wird leider zu Verletzungen kommen"

Die Rückkehr in die Normalität stellt einige Tücken dar. Vor allem die Vorbereitung auf die durchgehend englischen Runden bis in den Juli hinein sorgen noch für Zweifel.

"Es wird generell eine riesige Belastung in den nächsten Wochen, da muss man wirklich mit den Kräften haushalten. Andererseits brauchst du Punkte, damit du das Ziel erreichst. Aber es wird interessant sein, zu sehen, wie die Spieler über die Runden kommen. Da muss man schon alles richtig machen – sprich von der Ernährung her, Regeneration und Verletzungen werden sicher auch dazukommen. Da hoffe ich, dass – und da spreche ich für jeden Klub – wenige Verletzungen entstehen."

Ein Thema, das große Wellen schlägt. Athletiktrainer mahnen zur Vorsicht und auch Kühbauer rückt von dieser Problematik nicht ab, sondern schlägt sich auf die Seite von LASK-Trainer Valerien Ismael, der mit vielen Verletzungen rechnet.

"Da hat er vollkommen recht. Und ich wünsche mir und hoffe, dass das Gegenteil eintritt. Aber grundsätzlich ist Fußball so, dass die Burschen schon sehr gut trainiert sind und wir gut gearbeitet haben in der Pause. Und trotzdem ist der psychische und physische Stress nicht vergleichbar mit Spielen Woche für Woche. Ich hoffe, dass wir uns beide irren und sich kein Spieler verletzt, weil das wäre das Allerschönste. Aber es wird leider zu Verletzungen kommen."

"Endlich wieder das tun, was zum Fußball dazugehört"

Das erste Mannschaftstraining in voller Besetzung, das ab Freitag erlaubt ist (der LASK sorgte durch Verstöße für einen Bundesliga-Skandal), löst Jubelströme bei Kühbauer und seinen Mannen aus.

Endlich wieder Zweikämpfe, endlich wieder Teamtraining - natürlich alles nur unter Einhaltung der vorgegebenen Maßnahmen. "Für die Spieler ist es noch wichtiger - ohne Zweikämpfe in Fünfergruppen, das kann nicht dasselbe sein wie ein Mannschaftstraining. Ich glaube, dass die Spieler sehr, sehr erfreut sind über das erste Training, wo man endlich wieder mal das tun kann, was zum Fußball dazugehört, wofür sie bezahlt werden und wofür sie ihren Beruf ausüben - mit Zweikämpfen", betont Kühbauer, der selbst danach lechzt, die Spieler in voller Aktion zu sehen.

Über allem schwebt aber natürlich nach wie vor das Damoklesschwert, wie es im Falle eines positiven Corona-Auftretens weitergehen würde.

"Wir werden alles tun, was immer gesagt wurde, dazu sind wir verpflichtet. Und wenn es so sein sollte, werden wir auch in Quarantäne gehen. Ich glaube, die Zeit, die wir jetzt erlebt haben, die wünscht man keinem – es war keine schöne Zeit. Als Österreicher nicht, und für uns als Berufssportler auch nicht. Wir werden das tun, was uns vorgeschrieben wird", bleibt Kühbauer strikt.

Kein Torjubel? "Ganz kann ich das nicht verstehen"

Nun gilt es den Fokus nach vorne zu richten und die Spieler zu Höchstleistungen zu pushen, um das große Ziel, zumindest Platz drei zu behalten, zu erreichen.

"Den Druck hat man bei Rapid, das ist ganz klar. Also hat sich für uns nichts großartig verändert. Wir wollen natürlich international spielen und das Ziel werde ich jetzt wieder ausgeben. Aber man kann nicht in die Zukunft schauen, was passiert. Wenn sich bei uns fünf, sechs Spieler verletzen, ist ein Qualitätsverlust vorhanden. Deshalb hoffe ich, dass die Spieler alle fit bleiben", will der ehemalige Mittelfeldspieler nicht zu weit vorausplanen.

Komisch wird es allemal. Ein 3-Tages-Rhythmus über längeren Zeitraum, Spiele ohne Zuschauer und kein gemeinsamer Torjubel - das kommt dem ehemaligen Spanien-Legionär dann doch ein wenig spanisch vor.

"Jubeln ist das kleinste Problem, solange wir ein Tor schießen. Aber okay, der Jubel ist Emotion pur. Ganz kann ich es nicht verstehen, weil ich ehrlicherweise der Meinung bin, dass wenn du im Spiel Zweikämpfe bestreitest und jeder Spieler an die hundert Prozent geht, dann ist es genauso. Es ist untypisch und schaut ein bisschen komisch aus, aber wir werden das tun, was vorgeschrieben ist."

Textquelle: © LAOLA1.at

Kader, Rapid II - Barisic: "Kein Spaß, wir kämpfen ums Überleben"

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare