Barisic: "Kein Spaß, wir kämpfen ums Überleben"

 

Rapid-Sportdirektor Zoran Barisic ist als ruhiger Zeitgenosse bekannt, der immer für Späße aufgelegt ist - das verbindet ihn unter anderem mit seinem langjährigen Freund und SCR-Trainer Didi Kühbauer.

In den vergangenen Wochen ist ihm das Lachen aber vergangenen. Die Corona-Krise hat ihre Spuren hinterlassen, die Planungs-Sicherheit ist noch immer gleich Null.

Mit dem Start des Mannschaftstrainings am Freitag und dem beschlossenen Bundesliga-Restart am 2./3. Juni gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer, dass alles gut ausgeht.

Doch Barisic findet deutliche Worte, dass noch lange nicht alles überstanden ist: "Ich sage es noch mal in aller Deutlichkeit: Wir kämpfen ums Überleben! Das ist jetzt kein Spaß oder die richtige Zeit, etwas zu polemisieren. Das muss man in aller Deutlichkeit und Klarheit kommunizieren. Wir sind am Kämpfen und sicher nicht die einzigen in Österreich. Wir werden die Ärmel hochkrempeln, in die Hände spucken und alles dafür tun, dass es uns in Zukunft wieder gut geht."

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

"Nach wie vor eine schwierige Situation"

Seine Aussagen basieren auf mehreren Grundlagen, auf welche er beim ersten offiziellen Medientermin angesprochen wurde.

Die derzeitige wirtschaftliche Situation ist bekannt, die Einbußen kein Geheimnis. Die Rückkehr zur Normalität wird es vorerst nicht geben, Geisterspiele bleiben das nötige Übel, um zumindest irgendwie wieder Fußball spielen zu können.

Man müsse laut dem Geschäftsführer Sport nach den Maßnahmen wieder zum Ursprung zurückgelangen und sich Schritt für Schritt an den Meisterschafts-Restart heranarbeiten.

"Natürlich wollen wir so hoch wie möglich stehen in der Tabelle, aber ich glaube, dass uns diese Phase gezeigt hat, dass es viel wichtigere Dinge als den Fußball gibt. Das Wichtigste ist, und da geht es nicht nur uns so, sondern fast allen Klubs: Wir kämpfen schon um den Fortbestand des Vereins und des Profi-Fußballs. Es ist nach wie vor eine schwierige Situation, wenn man bedenkt, dass wir Geisterspiele haben. Zum Glück haben wir diese zumindest. Das ist besser als jeder Abbruch, vor allem was das Wirtschaftliche betrifft. Wir klammern uns an jeden Strohhalm fest und versuchen uns da hochzuziehen. Es ist einfach notwendig, um den Profi-Fußball zu retten."

"Rapid ist am meisten betroffen von der Krise"

Was das Ausbleiben der Fans und der Einnahmen eines ausverkauften Stadions betrifft, stoßen "Zoki" als auch Trainer Kühbauer ins selbe Horn.

Barisic betont explizit: "Die aktuelle Situation erschwert es uns, für die Zukunft seriös weiterzuplanen. Weil wir ja nicht wissen, wie es weitergeht und wann wieder mit Fans gespielt wird. Gerade wir bei Rapid leben ja von unseren Fans. Man kann davon ausgehen, dass wir halt schon gerade der Klub sind, der am meisten betroffen ist von dieser Krise."

Und Kühbauer meint dazu passend: "Für uns ist das ein absolut riesiges Problem, wenn man das Stadion sieht, weiß, dass wir im oberen Playoff sind, wir immer volles Haus gehabt hätten und die Fans uns helfen würden. Uns trifft es sicher am härtesten, aber wir müssen auch mit dieser Situation klar kommen, dass es nun einmal so ist, wie es ist. Es tut mir um den Fan leid, aber leider gibt die Situation nichts anderes her."

Doch nicht nur in dieser Hinsicht blickt man ungewiss in die Zukunft. Auch die Kaderplanung als Kerngebiet von Barisic und ein möglicher Aufstieg von Rapid II bereiten Kopfzerbrechen.

Barisic macht sich um Kaderplanung keine großen Sorgen

"Ich habe nie über Kaderplanungen gesprochen, was die Zukunft betrifft", versucht der 49-jährige Wiener, sich anfangs noch bedeckt zu halten. Die schwierige Situation lässt dann aber auch ihn plaudern.

Transfers sind dabei kein Thema, sondern viel mehr, wie man die angespannte Situation mit dem vorhandenen Personal übersteht und wie man die Saison trotz auslaufender Verträge fertig spielen kann.

"Ein riesengroßer Vorteil ist, dass wir eine richtig tolle Mannschaft haben, die sich in dieser Saison bis jetzt sehr gut entwickelt hat und sich sehr viele Spieler individuell weiterentwickelt und den nächsten Step gemacht haben. Da haben wir Werte geschaffen. Parallel dazu haben viele junge Spieler aus unserem Nachwuchs den Anschluss an die Kampfmannschaft gesachafft. Ich glaube, dass wir da einen Riesen-Pott an Talenten haben. Was das Sportliche betrifft, bin ich trotz der Situation sehr zuversichtlich", gesteht Barisic.

Bis auf Nicholas Wunsch (Knie-OP), Lion Schuster (Mittelfußbruch nach Waldlauf) und Mateo Barac (Muskelzerrung) sind alle Spieler fit, der Pool an nachrückenden Youngstern groß.

"Es ist möglich, dass es ein Vorteil ist, eben weil wir sehr viele junge Spieler haben, die seit längerer Zeit am Trainingsprozess teilnehmen und schon das ein oder andere Spiel gespielt haben. Das kann ein sehr positiver Aspekt sein", so Barisic.

"Keine Rosinen rauspicken"

Allerdings steht er noch vor der Hürde, Gespräche mit jenen Spielern zu führen, deren Verträge eigentlich mit Ende Mai bzw. Ende Juni auslaufen. Dazu zählt unter anderem Kapitän Stefan Schwab, dessen Vertragsverlängerung in der Corona-Krise etwas ins Hintertreffen geriet. Die aktuelle Saison zieht sich nun nach dem Restart in den Juli hinein und bedarf einer Nachjustierung.

In dieser Hinsicht kündigt er an: "Wir werden mit den Spielern Gespräche über eine Verlängerung bis zum Meisterschaftsende führen. Da kann man nicht hergehen und sich die Rosinen rauspicken, dass man mit dem einen verlängert und mit dem anderen nicht. Wir haben schon den Wunsch und das Ziel, mit allen, deren Verträge auslaufen, bis zum Ende der Saison zu verlängern."

Deni Alar und Andrija Pavlovic würden nach ihren Leihen nach Hütteldorf zurückkehren - auch diese Varianten sind noch nicht geklärt. Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt. Dabei spielt auch Rapid II eine große Rolle.

Die Amateure kämpften bis zum Abbruch in der Regionalliga Ost um den Aufstieg - das erklärte Ziel war nach mehreren Jahren des Anlaufs der Aufstieg in die HPYBET 2. Liga - doch das hat plötzlich keine Priorität mehr.

Aufstieg von Rapid II "aus wirtschaftlichen Gründen fahrlässig"

Denn sportlich wird es keinen Aufsteiger geben, gut möglich ist es jedoch, dass sich ein Verein einer oberen Liga auflösen muss und dieser Platz aus der Ostliga nachbesetzt werden könnte.

Auf diese Gedankenspiele lässt sich Barisic aber gar nicht ein, da ein Aufstieg von Rapid II derzeit vor allem wirtschaftlich für noch mehr Probleme sorgen würde.

"Die Möglichkeit des Nachrückens überlegen wir derzeit überhaupt nicht. Alleine aus wirtschaftlichen Gründen wäre es fahrlässig, wenn wir da in der 2. Liga spielen müssten. Das wäre wirtschaftlich gesehen ziemlich schwer zu stemmen. Wenn es sein soll, dass wir noch ein Jahr Ostliga spielen müssen, dann werden wir das tun. Schließlich geht es um die Entwicklung von Spielern für die Kampfmannschaft - egal, in welcher Liga."

Viel Arbeit und bisher nicht bekannte Abläufe müssen nun abgearbeitet werden. Barisic wird aber trotz der herausfordernen Wochen mit Sicherheit wieder zum Lächeln zurückfinden.

Textquelle: © LAOLA1.at

Risiko! Rapid und Austria warnen vor Verletzungsrisiko

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