Wieland nach Sturm-Aufholjagd "stinksauer"

 

Die knapp 5.000 Zuseher der Bundesliga-Partie zwischen Sturm Graz und dem LASK in der Grazer Merkur-Arena rieben sich nach knapp 40 Minuten wohl verwundert die Augen. 3:0 führten die Gäste aus Linz zu diesem Zeitpunkt, hatten Spiel und Gegner fest im Griff.

Das neblig, düstere November-Wetter spiegelte sich auf den Rängen wider, auch der 1:3-Anschlusstreffer von Kelvin Yeboah kurz vor der Pause löste keine Jubelstürme aus. "Ich habe mich zu keiner Weise siegessicher gefühlt", ahnte LASK-Trainer Andreas Wieland aber bereits, was folgen könnte - ein verrücktes 3:3-Unentschieden (Spielbericht >>).

Die Stimmung änderte sich nach Wiederbeginn nämlich schlagartig: Die Corona-geplagten Grazer zeigten plötzlich ein ganz anderes Gesicht und stachelten so die Fans - die unter der Woche verkündeten, den organisierten Support vorübergehend einzustellen (mehr Infos >>) - von Minute zu Minute mehr an.

Die zweite Hälfte kann aus Sturm-Sicht somit getrost als "Fußball-Fest" bezeichnet werden - tolle Tore, elektrisierende Stimmung und eine historische Aufholjagd inklusive.

"Es war eine riesige Mentalitätsleistung, ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft", zieht Cheftrainer Christian Ilzer nach Spielende im "Sky"-Interview den Hut vor seiner Truppe. Ganz anders sein Gegenüber: "Ich bin stinksauer, dass wir das 3:0, eine komfortable Führung, aus der Hand gegeben haben."

"Ist mir schön abgerissen"

Mittendrin statt nur dabei war aufseiten der Grazer Offensiv-Mann Manprit Sarkaria, der im zweiten Saison-Duell mit dem LASK bereits sein drittes Tor erzielte. Der Anschlusstreffer des Ex-Austrianer zum zwischenzeitlichen 2:3 fiel dabei unter die Kategorie "sehr sehenswert".

Aus spitzem Winkel versenkte Sarkaria einen Freistoß via Innenstange im langen Eck und entfachte für die Aufholjagd so zusätzliche Energie.

Im Interview nach der Partie ist der Angreifer aber ehrlich und gibt zu, dass der Zufall bei seinem Treffer Regie führte: "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich den genau so wollte. Er ist mir schön abgerissen, aber ich freue mich natürlich, dass er gepasst hat."

Weil in der Schlussphase Kelvin Yeboah mit seinem zweiten Treffer den Punktgewinn perfekt machte, war die Stimmung bei den Grazern nach gelungener Aufholjagd und einem 3:3 bestens.

"Jeder weiß, Sturm Graz ist eine emotionale Mannschaft. Wir haben uns in der Kabine angefeuert und gepusht, sind mit viel Zuversicht in die zweite Halbzeit gegangen, das hat sich im Endeffekt ausgezahlt", erklärt ein breit grinsender Sarkaria das Erfolgsrezept.

"Keine mentale Watsch'n für uns"

(Text wird unter VIDEO fortgesetzt)

Die Highlights der furiosen Sturm-Aufholjagd gegen den LASK:

Etwas gedämpfter fiel die Analyse auf Seiten des LASK aus, der die sichergeglaubten drei Punkte beinahe noch komplett verschenkte.

Sascha Horvath, der die Linzer mit seinem Treffer der Marke "Tor des Jahres" 3:0 in Führung schoss, ist über den Rückfall in der zweiten Hälfte verwundert:

"Erste Halbzeit hat uns gehört, zweite Halbzeit ihnen. Wir haben erste Hälfte überragend gespielt, waren aggressiv, haben Chancen herausgespielt und dieses Mal auch Tore gemacht. Nur die letzten drei Minuten in Halbzeit eins haben wir den Faden etwas verloren, wollten dann wieder mit Vollgas aus der Pause kommen, das ist uns eigentlich auch gelungen. Sie haben dann leider trotzdem zwei Tore gemacht, deshalb haben wir halt das 3:3."

Möglicherweise sei den Linzern "etwas die Kraft ausgegangen, weil wir am Anfang so viel investiert haben". Diese Ausrede will LASK-Trainer Andreas Wieland so nicht gelten lassen: "Wir haben hier zwei Mannschaften gesehen, die zuletzt Probleme hatten. Da gab es Verletzungen und Corona-Erkrankungen hüben wie drüben. Aber es macht für mich keinen Sinn, darüber zu jammern."

Der Ausgleich nach 3:0-Führung sei für Wieland auf Nachfrage keine "mentale Watsch'n". Vielmehr habe sein Team in Halbzeit eins bewiesen, "dass wir richtig gut Fußball spielen können".

Wieland-Kritik an Wechselspielern

Wieso sein Team trotz dominanter Anfangsphase und komfortablem Vorsprung trotzdem derart ins Wanken kam, hat für den Übungsleiter andere Gründe.

"Da geht es um Mentalität, diesen Vorsprung über die 45 Minuten zu bringen. Das ist schon eine Kopfsache. In der zweiten Halbzeit war relativ klar, wie Sturm agieren wird. Da gilt es einfach, diese dummen Fehler, die wir vor und während den Standardsituationen machen, abzustellen. Dann wäre es sicher möglich gewesen, den Vorsprung über die Zeit zu bringen."

Überhaupt nicht zufrieden war Wieland mit seinen Wechselspielern, die laut seiner Aussage "die Intensität nicht halten konnten." Das werde ernste Gespräche nach sich ziehen: "Darüber müssen wir sprechen, weil der Trainer ja wechselt, um die Intensität zu halten. Das war heute nicht der Fall."

Offensiv-Krise scheint überwunden

Zumindest zwei positive Dinge können die Linzer aber neben dem Punkt aus Graz mit in die Heimat nehmen. Erstens schent die Offensiv-Krise überwunden - mit Horvath und Karamoko konnten sich erneut zwei Offensivkräfte in die Torschützenliste eintragen - und zweitens kommen endlich die eigenen Standardsituationen wieder in Schwung.

Obwohl mit Peter Michorl der etatmäßige Chef bei ruhenden Bällen Covid-bedingt fehlte, erzielten die Stahlstädter zwei Tore nach Standards.

In den verbleibenden Spielen vor der Winterpause gilt es für beide Teams nun die Kräfte zu bündeln, denn inklusive Europacup wartet bis Weihnachten ein straffes Programm. Können die beiden Teams an ihre jeweils starken Halbzeiten anschließen, scheint sowohl für Sturm als auch für den LASK bis dahin noch vieles möglich.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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