"Die Referees sind zu aggressiv zu Jimmy“

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

„Eigentlich habe ich mir immer gedacht, dass ich Uros mitnehme, falls ich einmal zu einem anderen Klub wechseln sollte“, grinst James Jeggo.

Jetzt ist Uros Matic seinem „Brother from another Mother“ mit seinem Wechsel zum FC Kopenhagen zuvorgekommen.

Ein Blitz-Transfer, der den Australier erstens schmerzt und zweitens überrascht: "Wir waren nicht nur am Feld ein Duo, sondern haben auch abseits des Platzes viel unternommen. Dass uns Uros nun abhanden kommt, ist sportlich und menschlich schade. Wir werden uns aber auf jeden Fall gegenseitig besuchen."


>>>Ried gegen Sturm - ab 16 Uhr im LAOLA1-LIVETICKER<<<


Auch Matic plagt der Trennungsschmerz: „Jimmy ist vom ersten Tag an zu mir gekommen und hat gefragt, wie er mir helfen kann. Wir sind auch privat gute Freunde geworden. Ich bin traurig, dass sich unsere Wege trennen.“

BMW oder Audi?

„Jimmy“ muss in Zukunft also ohne seinen kongenialen Partner auskommen – auf und abseits des Spielfelds. Keine gemeinsamen Playstation-Duelle mehr – Jeggo mit dem FC Liverpool und Matic natürlich mit dem FC Chelsea, dem Arbeitgeber seines Bruders Nemanja. Keine gemeinsamen Unternehmungen mehr mit den jeweiligen Lebenspartnerinnen.

Und vor allem – nach dem Herbst-Finish in Ried - keine gemeinsamen Auftritte mehr auf dem Rasen, wo sich Matic und Jeggo gesucht und gefunden hatten.

„Wir sind nicht derselbe Typ Spieler, aber die Kombination aus Jimmy und Uros ist die richtige. Wer der bessere Spieler ist, kann man nicht vergleichen. Das ist, als würdest du fragen, was besser ist: BMW oder Audi?“, sagt Matic.

Matic als Difference Maker

Der Serbe avancierte zu einer Art Difference Maker für Jeggo. In den ersten sechs Monaten nach seiner Übersiedlung nach Graz vergangenen Winter spielte der 24-Jährige nicht einmal eine Nebenrolle in den Planungen von Trainer Franco Foda.

Mit der Verpflichtung von Matic im Sommer wurde schlagartig alles anders. Das Duo harmonierte auf Anhieb, Foda ließ sie gemeinsam auflaufen und nach einer erfolgreichen Hinrunde gelten sie als das „Herzstück“ (O-Ton Günter Kreissl) des Sturm-Spiels.

"Er half mir in den ersten Spielen, in der Mannschaft zu bleiben. Dadurch habe ich an Selbstvertrauen gewonnen."

Jeggo über Matic

„Uros war unglaublich wichtig für mich“, sagt Jeggo, „jeder weiß, dass ich in den ersten sechs Monaten nie gespielt habe. Im ersten Spiel dieser Saison gegen Salzburg habe ich die Chance bekommen. Die musst du nutzen und versuchen, dich im Team zu halten. Der Fakt, dass er neben mir war, half mir in den ersten Spielen in der Mannschaft zu bleiben. Zusammen funktionierten wir wirklich gut. Dadurch habe ich an Selbstvertrauen gewonnen und mich etabliert.“

Die Arbeitsteilung zwischen den beiden sei ideal gewesen: „Es ist leicht, neben Uros zu spielen. Ich habe in meiner Karriere schon mit anderen Spielern zusammengespielt, mit denen es nicht so einfach war. Das macht einem das Leben schwerer, wohingegen Uros mein Leben viel einfacher gemacht hat. Wir waren ein gutes Paar: Er übernimmt viel Verantwortung mit dem Ball, um das Team ins Spielen zu bekommen. Er ist spielerisch so gut, das nimmt Druck von mir. Ich kann mich darauf fokussieren, in einer guten Position zu sein und falls wir den Ball verlieren sollten, ihn wiederzuerobern und Uros in einer guten Position wiederzugeben. Alleine der tägliche Anschauungsunterricht im Training, wie er den Ball bewegt oder beschützt, hat mich weitergebracht. Das sind Sachen, die ich in mein Spiel einbringen kann.“

Gelbflut: Matic sieht Schuld bei Schiris

Worte, die für Matic wie Understatement klingen („Jimmy ist selbst ein guter Spieler. Er brauchte nur eine Chance“). Er stand seinem Kumpel jedoch stets mit Rat und Tat zur Seite. Tipps, die in Zukunft fehlen werden.

"Manchmal bin ich richtig wütend auf ihn geworden. Jimmy muss das ändern."

Matic über Jeggos Emotionalität

Vor allem in einem Aspekt ortet Matic bei Jeggo Verbesserungspotenzial: „Er ist manchmal viel zu emotional. Nach einigen Fehlpässen kommt er am nächsten Tag zum Training und ist traurig. Macht er dort einen Fehlpass, ist er wieder traurig. Also manchmal bin ich richtig wütend auf ihn geworden. Im Fußball passiert doch alles viel zu schnell. Jeder vergisst, was gestern war. Du verlierst ein Spiel, aber wenn du danach ein paar gewinnst, erinnert sich niemand mehr daran. Jimmy muss das ändern. Er ist ein guter Spieler, aber er sollte sich nicht drei, vier Tage lang mit solchen Situationen aufhalten und emotional sein.“

Schützend zur Seite springt er dem Australier jedoch in der Frage der Gelben Karten. Acht Verwarnungen hat Jeggo im Laufe der Herbst-Saison kassiert. Spielt er zu aggressiv?

„Ganz ehrlich: In meinen Augen spielt nicht er zu aggressiv, sondern die Referees sind zu aggressiv zu Jimmy. Mir kommt vor, die Schiedsrichter machen Meetings untereinander und Jimmy ist ihr Ziel. Verfolgt das einmal in den nächsten Spielen. Er bekommt wirklich oft Gelbe Karten für nichts! Okay, vier oder fünf waren wegen zu harter Tackles. Aber die anderen wirklich nur, weil er Jimmy ist.“

Angriff auf den Titel

Klare Ansagen, die abgehen werden bei den „Blackies“. In Österreich, und speziell in Graz, soll ja bisweilen Understatement regieren, wenn es um sportliche Zielsetzungen geht. Die beiden Legionäre verfolgten diesbezüglich eine andere Denkweise. Ein Mindset, das möglicherweise der ganzen Mannschaft gut getan hat.

Jeggo verrät: „Nach seinem Wechsel habe ich mit Uros gesprochen und ihn gefragt, warum er nach Graz gekommen ist. Er hat geantwortet, er will versuchen die Liga zu gewinnen.“

Gedankenspiele, die bei Schwarz-Weiß nach den vergangenen Jahren zu diesem Zeitpunkt niemand gewagt hätte. Aber: „Die letzte Saison war natürlich nicht gut, also haben sich die Leute gesagt, vielleicht versuchen wir in dieser Saison nur in die Top-4 zu kommen. Aber Uros war letzte Saison nicht hier und ich habe nicht gespielt, also waren wir dadurch nicht belastet. Wir haben eher die Einstellung: Warum nicht? Weshalb sollten wir nicht ein bisschen weiter oben angreifen können? Am Anfang der Saison weißt du natürlich nie. Aber wenn du speziell gegen die großen Klubs gut abschneidest, bekommst du Selbstvertrauen. Noch ist es zu früh, wir haben erst Halbzeit und noch viel Arbeit vor uns. Wir müssen viele Dinge besser machen. Aber bislang ist es nicht so schlecht gelaufen.“

Den finalen Angriff auf diese hohen Ziele muss Jeggo nun im Alleingang wagen. Wer auch immer in Zukunft sein Partner in der Schaltzentrale des SK Sturm sein wird, er wird ein schweres Erbe antreten.

Playstation und Scout

„Jimmy“ ist jedoch zuversichtlich, dass es auch mit einer neuen Lösung – ob intern oder extern – klappen wird: "Ein Schlüssel zum heurigen Erfolg ist auch, dass jeder Spieler für den anderen da ist. Und das wird auch jetzt so sein. Wir haben mit Piesinger, Lovric, Horvath und Hierländer auch andere Spieler, die auf dieser Position spielen können."

Auf persönlicher Ebene wird Matic für Jeggo jedoch schwer zu ersetzen sein, vor allem wenn es um FIFA-Duelle geht.

„Seine Freundin sagt mir immer, dass Jimmy nur Playstation spielt und Fußball schaut. Er kennt wirklich alle Spieler. Ich glaube, er wird einmal Scout“, plaudert Matic grinsend aus dem Nähkästchen.

Wobei Jeggo die Playstation-Sache wirklich ernst zu nehmen scheint. Denn Fehler an seinem ansonsten perfekten Partner findet er auf Nachfrage nur einen:

„Mein größtes Problem mit Uros ist, dass er mich zuletzt bei FIFA besiegt hat. Er findet, dass ich zu emotional bin. Okay, das mag sein. Aber nach dieser Niederlage war ich wirklich emotional.“


Textquelle: © LAOLA1.at

Rapid-Trainer Damir Canadi über Rückkehr nach Altach

Zum Seitenanfang»

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare