Jantschers Sturm-Rückkehr: "Richtiger Zeitpunkt"

Jantschers Sturm-Rückkehr: Foto: © GEPA
 

21 Jahre alt war Jakob Jantscher, als er sich entschloss, seinen Heimatverein SK Sturm Graz zu verlassen und beim FC Red Bull Salzburg den nächsten Schritt zu versuchen.

Es war ein durchaus emotionaler Abschied - damals, unmittelbar nach dem Cupsieg 2010 gegen den SC Wiener Neustadt.

Siebeneinhalb Jahre später kehrt Jantscher als weitgereister Fußballer zu seinen Wurzeln zurück. Diesmal ist es "eine emotionale Geschichte", wie er betont - der Heimatverein in der Heimatstadt.

Aber, und das ist das vielleicht noch viel wichtigere Motiv: "Es ist der richtige Zeitpunkt."

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Turbulente Jahre

"Die letzten Jahre meiner Karriere waren durchaus turbulent - mal ein Stück hinauf, dann wieder ein Stück hinab. Jetzt ist der Zeitpunkt für die Rückkehr zu Sturm ein besonderer, aber auch der richtige. Der Verein hat sich in den letzten zwei, drei Jahren stetig weiterentwickelt. Gerade im Herbst haben sie einen hervorragenden Fußball gespielt und stehen zurecht an der ersten Position", betont Jantscher.

So gesehen könnte er auch Versäumtes nachholen. Jantscher krönte sich in Salzburg 2012 zum österreichischen Meister und auch zum Torschützenkönig. Im Jahr eins nach seinem Abschied aus Graz musste er jedoch zusehen, wie sein Ex-Klub 2011 jenen Meistertitel einfuhr, den er eigentlich in der Mozartstadt in Angriff nehmen wollte.

Auch die Stationen im Ausland verliefen wechselhaft. Erst verlieh ihn Salzburg zu Dynamo Moskau, dann folgte der Schritt zu NEC Nijmegen, wo er die Erfahrung eines Abstiegs in Kauf nehmen musste. Zwei guten Jahren in der Schweiz beim FC Luzern folgte der Schritt in die Türkei zu Rizespor, wo er sich zwar auf Anhieb in der Süper Lig etablierte, aber den nächsten Abstieg miterleben musste.

In der zweiten Liga stand er in diesem Herbst mehr oder weniger auf dem Abstellgleis und durfte nur in drei Pflichtspielen (zwei Mal Cup, ein Mal in der Liga) auflaufen.

Langfristiges Commitment

"Ich weiß natürlich, dass ich jetzt längere Zeit nicht gespielt habe. Das heißt, ich brauche Zeit, dass ich wieder auf ein gutes Fitness-Level komme. Die gebe ich mir auch und die gibt mir auch Sturm Graz", betont der 29-Jährige, der seinen Vertrag bei Rizespor im Dezember aufgelöst hat:

"Ich habe mich dann natürlich fit gehalten, aber ich bin froh, dass es jetzt eine Entscheidung gibt und ich einen längerfristigen Vertrag bei Sturm unterzeichnet habe. Ich möchte den Weg, der hier eingeschlagen wurde, mitgehen und mich natürlich sofort einbringen, ob das mit Qualität oder Erfahrung ist. Ich möchte schnellstmöglich Fuß fassen."

Längerfristigkeit ist dabei das Stichwort. Anfang Jänner feierte Jantscher seinen 29. Geburtstag. Die Zeit der fußballerischen Europa-Reise ist vorbei. Geht es nach Günter Kreissl, soll sein Neuzugang in den nächsten Jahren "zu einer wichtigen Säule" bei Sturm werden.

Der Geschäftsführer Sport betont, dass ihn Jantschers Commitment in Sachen Vertragslänge bis Sommer 2021 ebenso überascht hätte wie die Bereitschaft, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Gehaltsstruktur bei den "Blackies" zu akzeptieren.

Sturm keine Überbrückungslösung

"Er sieht Sturm Graz nicht als Überbrückungslösung an", jubelt der 43-Jährige, der deshalb auch damit leben kann, dass es mit der Spielfreigabe noch ein wenig dauern wird: "Uns ist bewusst, dass das noch ein Knoten ist, den wir lösen müssen."

"Ich für mich persönlich habe den Eindruck gewonnen, dass es das ist, was du als Spieler jetzt machen solltest", meint Jantscher und gibt zu, dass er sich zuletzt täglich mit einer Rückkehr beschäftigt hat. Konkret verhandelt wurde dann in den letzten vier, fünf Tagen.

Die Entscheidung für einen über dreieinhalb Jahre laufenden Vertrag sei eine bewusste gewesen: "Das soll auch ein Zeichen sein. Ich kenne mich hier aus, ich komme von hier. Ich kenne gewisse Spieler, ich kenne die Abläufe. Für einen Fußballer ist entscheidend, dass er sich wohl fühlt. Dann wird auch die Leistung passen. Der Verein hat einen hervorragenden Herbst gespielt, auch die Spielphilosophie wird mir zu Gute kommen. Ich komme zu einer Mannschaft, die sehr guten Fußball spielen kann, die funktioniert, die in der Tabelle ganz oben steht. Das heißt, es ist für mich als Spieler leichter, meine Qualitäten einzubringen."

Die funktionierende Mannschaft war ursprünglich eines jener Motive, warum Kreissl während dieser Winterpause nicht auf dem Transfermarkt aktiv werden wollte und auch eine Verpflichtung Jantschers noch vor wenigen Wochen explizit ausgeschlossen hatte.

Vielseitigkeit als Jantschers Plus

Ob die Ungewissheit bezüglich Philipp Zulechner, den im Spielsystem von Neo-Trainer Heiko Vogel hinzugewonnen Platz für einen Offensivspieler oder die sich nach wie vor ziehenden Gespräche mit diversen Kadermitgliedern über Vertragsverlängerungen - es sind diverse Gründe, die den Sportchef zum Umdenken bewegt haben.

Eines hat sich jedoch nicht geändert: Ein Neuzugang soll nicht bedeuten, Leistungsträgern aus dem Herbst zwingend einen Konkurrenten vor die Nase zu setzen.

"Zum Beispiel geben wir damit nicht einem verdienten Spieler wie Thorsten Röcher, der in erster Linie auf der linken Seite gespielt hat, das Signal, dass es jetzt eng für ihn wird", verdeutlicht Kreissl, der in diesem Zusammenhang die Vielseitigkeit Jantschers hervorstreicht:

"Für uns ging es darum, die Möglichkeiten von Jakob einzuschätzen, was er spielen kann. Wir trauen ihm zu, alle Offensivpositionen zu spielen - linker Flügel, rechter Flügel, aber auch halblinks oder halbrechts im offensiven Mittelfeld. Er kann uns auf ganz vielen Positionen weiterhelfen. Das ist ein ganz großes Plus von Jakob."

Ein wichtiges Signal

Was mit Jantscher und Edomwonyi auf alle Fälle gelungen ist: An Geschwindigkeit sollte Sturm weiter dazugewonnen haben.

"Von den körperlichen Komponenten her gibt es im heutigen Fußball keine wichtigere Größe als den Speed", streicht Kreissl hervor, "wir haben viele schnelle Spieler im Kader, von denen kannst du nicht genug haben. Deshalb ist es natürlich super, dass beide auch eine gute Grundschnelligkeit mitbringen."

Neben Qualität und Schnelligkeit auf dem Platz wird Jantscher jedoch auch abseits des Rasens eine wichtige Rolle zukommen. Schon als milchgesichtiger Frechdachs in jungen Jahren war er, damals gemeinsam mit seinem Kumpel Daniel Beichler, eine Integrationsfigur. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hatten und haben gerade bei Sturm immer einen enormen Stellenwert.

Eine meinungsstarke Persönlichkeit war Jantscher schon immer. Nun heißt es für ihn, als gereifter Routinier eine neue Ära zu prägen. In diesem Kontext dient er auch als wichtiges Signal, dass Sturm trotz zahlreicher auslaufender Verträge auch über diese Saison hinaus einiges vor hat.





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