FAK: Was seit Stögers Abgang 2013 schiefging

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Am 28. Mai 2013 durfte zum bisher letzten Mal ein Wiener Verein am Rathausplatz einen Titel feiern. Durchaus mit Erstaunen lauschten die rund 15.000 Anhänger der Austria damals dem Lied "Du bist mein Star", mit dem dessen Freundin Uli Kriegler Meistertrainer Peter Stöger huldigte.

Einige Tage vorher hatte der Wiener inmitten der Titelfeierlichkeiten in der Generali Arena die „Peter bleib bei uns“-Rufe der Fans mit einem heute noch legendären „Gusch jetzt!“ bedacht, um zu seiner Rede anzusetzen. Kurz darauf wurde das Konterfei des Meistermachers mit dem Ausspruch sogar auf T-Shirts gedruckt.

Der violette Freudentaumel fand kurz darauf ein jähes Ende, als das Cup-Finale gegen Regionalliga-Klub Pasching überraschend verloren wurde. Es folgten bislang ungebrochene Jahre der Salzburger Dominanz, die gerade einmal von einem Cup-Titel des SK Sturm unterbrochen wurde.

Und die Austria? Sie schwankte irgendwo zwischen großen Ambitionen und Mittelmaß. Dabei hätte alles anders kommen können. Stöger bot nach dem Meistertitel an, sich auf den Posten des Sportvorstands zu setzen und seinen Co-Trainer Manfred Schmid zum Chefcoach zu befördern. Der damalige FAK-Boss Wolfgang Katzian lehnte ab.

Saisonen im Überblick:

Saison Meisterschaft Cup Europacup
2013/14 4. Aus in Runde 2 (Kalsdorf) CL-Gruppenphase
2014/15 7. Niederlage im Finale (Salzburg) -
2015/16 3. Aus im Halbfinale (Salzburg) -
2016/17 2. Aus im Viertelfinale (Admira) EL-Gruppenphase
2017/18 7. Aus im Achtelfinale (Rapid) EL-Gruppenphase
2018/19 4. Aus im Viertelfinale (GAK) -

Mittlerweile steht nicht mehr der Gewerkschafter Katzian, sondern der ehemalige Wirtschaftskapitän Frank Hensel an der Spitze des Vereins und mit dem Deutschen hat auch ein etwas rauerer Wind in der FAK-Geschäftsstelle Einzug genommen.

Rund neun Monate nach seiner Amtseinführung hat der 61-Jährige das umsetzen können, was ihm eigener Aussage zufolge seit seiner Inthronisierung vorgeschwebt ist: Peter Stöger ist zurück beim FK Austria Wien, bildet mit Markus Kraetschmer ein Vorstands-Duo.

Doch was ist schiefgelaufen in den sechs Jahren, die Stöger nicht in Wien-Favoriten gewerkt hat? Nicht wenig, wenn man sich die Bilanz dieser Zeit ansieht. Die Austria war ebenso oft Siebenter wie in den Top-3 der Tabelle, Neo-Coach Christian Ilzer ist der achte Trainer, der sich am violetten Ruder versuchen darf und internationale Teilnahmen sind nicht die Regel.

Dabei begann die Post-Stöger-Ära durchaus vielversprechend. Mit Nenad Bjelica übernahm ein Mann, der davor beim WAC eine beachtliche Saison hingelegt hatte, das Traineramt und durfte sich darüber freuen, dass der Meisterkader gehalten werden konnte. Nicht zuletzt dem Insider-Wissen des Kroaten sei Dank, dass der FAK Dinamo Zagreb ausschalten und sensationell in die Gruppenphase der UEFA Champions League einziehen konnte.

Die Trainer:

Saison Trainer
2013/14 Nenad Bjelica
Herbert Gager (ab Mitte Februar)
2014/15 Gerald Baumgartner
Andreas Ogris (ab Mitte März)
2015/16 Thorsten Fink
2016/17 Thorsten Fink
2017/18 Thorsten Fink
Thomas Letsch (ab Ende Februar)
2018/19 Thomas Letsch
Robert Ibertsberger (ab Mitte März)
2019/20 Christian Ilzer

Mit fünf Punkten aus sechs Spielen legten die Violetten eine gute Gruppenphase hin, doch in der Meisterschaft blieben sie hinter den Erwartungen zurück. Die Stimmung verschlechterte sich zunehmend, Bjelica fand nie einen Draht zu den Meinungsmachern innerhalb des Teams, die sich mit der ruppigen Art des neuen Trainers nie anfreunden konnten, dem Duo Stöger/Schmid nachweinten.

Auch innerhalb der Mannschaft kam es zu Unstimmigkeiten, Teamkollegen wurden verdächtigt, andere wegen nächtlicher Ausflüge beim Trainer zu verpetzen, in der Kabine gab es nach einem Vorfall bei einem Training sogar einmal eine blutige Nase.

Anfang der Rückrunde zogen die Verantwortlichen die Reißleine und setzten Herbert Gager interimistisch auf die Bank. Der Coach hatte im Herbst mit seiner U19-Auswahl in der UEFA Youth League für Furore gesorgt, verpasste mit den Profis letztendlich aber einen internationalen Startplatz.

Im Nachhinein betrachtet war das Segen und Fluch zugleich. Von den damaligen Nachwuchs-Helden konnten sich mit Dominik Prokop und Goalie Osman Hadzikic nämlich nur zwei Spieler längerfristig bei den Profis etablieren.

Sascha Horvath suchte, tendenziell schlecht beraten, nach langen Diskussionen um seine Vertragsverlängerung das Weite, Spieler wie Peter Michorl und Dejan Ljubic, die den Veilchen aktuell gut zu Gesicht stünden, versuchten es mangels Perspektive anderswo.

Punkteschnitt der Trainer in Pflichtspielen:

Rang Trainer Punkteschnitt
1. Herbert Gager 1,69
2. Thorsten Fink 1,60
3. Thomas Letsch 1,49
4. Gerald Baumgartner 1,45
5. Nenad Bjelica 1,31
6. Andreas Ogris 1,23
7. Robert Ibertsberger 1,09

Bei den traditionell stark spielenden Amateuren, die inzwischen als Young Violets in der HPYBET 2. Liga auflaufen – der Aufstieg ist einer der positivsten Punkte der vergangenen Jahre –, wurde indes zu lange an den Youth-League-Kickern von damals und anderen nicht mehr ganz so jungen Spielern festgehalten.

Obwohl schon recht bald klar war, dass Kicker wie Alexander Frank, Stefan Jonovic, Petar Gluhakovic, Michael Blauensteiner, Marco Stark und später etwa Toni Vastic und Marko Pejic nicht das Zeug haben, um die Profis in absehbarer Zeit tatsächlich zu verstärken, verstellten sie jüngeren Spielern mit Potenzial die Plätze.

Diese Erkenntnis haben inzwischen auch die Verantwortlichen selbst gewonnen, schon in der vergangenen Saison wurden vermehrt ganz junge Talente in der zweiten Mannschaft eingesetzt, für die kommende Saison wurde der Kader noch einmal verjüngt.

Denn der Übergang aus dem angesehenen Nachwuchs in die Kampfmannschaft klappt seit Jahren nicht wie gewünscht. Seit Stögers Abgang 2013 – es muss erwähnt werden, dass sich der damalige Meistertrainer in der Erfolgssaison selbst nicht als ganz großer Förderer der Jungend betätigt hat – haben nur zwölf Spieler unter 20 Jahren ihr Bundesliga-Debüt für die Austria gefeiert.

Es handelt sich um Sascha Horvath, Niels Hahn, Alexandar Borkovic, Marko Kvasina, Vesel Demaku, Michael Endlicher, Dominik Fitz, Dominik Prokop, Bernhard Luxbacher, Osman Hadzikic, Patrick Pentz und Sterling Yateke.

Das mag auch daran gelegen haben, dass es die Austria verabsäumt hat, eine einheitliche Spielidee zu implementieren. Im Sommer 2014 übernahm mit Gerald Baumgartner ein Anhänger der Red Bull’schen Pressingschule das Ruder, konnte das Team aber nie für seine Philosophie begeistern und musste Mitte März für Andreas Ogris, der interimistisch übernahm, Platz machen.

2015 wurde Thorsten Fink als neuer Trainer installiert. Der Deutsche war zweieinhalb Saisonen am Werk und verpasste der Austria in dieser Zeit etwas, das ihr in den Jahren davor und danach abgegangen war: einen Wiedererkennungswert.

Dumm nur, dass der Ballbesitzfußball mit dem abkippenden Sechser Raphael Holzhauser als Schlüsselfigur bei der violetten Anhängerschaft so überhaupt keinen Anklang fand. Mit den Plätzen drei und zwei sowie zwei EL-Gruppenphasen in Folge war die Ära Fink von den Zahlen her zwar durchaus erfolgreich, doch das behäbige Spiel der Veilchen war den Fans einfach zuwider.

Dass mitten in der Saison 2017/18 mit Thomas Letsch just ein Coach, der für Pressing und detaillierte Taktik-Vorgaben, die nicht von heute auf morgen implementiert werden können, die Saison retten sollte, war einer der letzten Fehler von Sportdirektor Franz Wohlfahrt.

Der ehemalige ÖFB-Tormanntrainer war von einer namentlich hochkarätigen Task Force zum idealen Nachfolger für Sportvorstand Thomas Parits auserkoren worden. Der Burgenländer ging in Pension und ganz so sicher waren sich in der Führungsriege des FAK dann doch nicht alle, ob Wohlfahrt die richtige Wahl sei – immerhin wurde der „nur“ Sportdirektor, nicht aber Vorstand.

Wohlfahrts Arbeit war geprägt von vielen Transfer-Experimenten, von denen sich ein Großteil als Flops herausstellen sollte – expemplarisch seien die Namen Ognjen Vukojevic, Mohammed Kadiri, Heiko Westermann, Jin-hyeon Lee und Ibrahim Alhassan genannt. Als nachhaltige Verstärkungen stellten sich nur wenige Spieler wie etwa der irgendwie immer umstrittene Holzhauser, Kayode, der für viel Geld an Man City verkauft wurde, und Lucas Venuto heraus.

Es darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass Wohlfahrt zu derlei Experimenten auch gezwungen war. Denn der teilweise Neubau des Stadions sorgte dafür, dass das Budget für die Kampfmannschaft knapp bemessen war. Es war ein Fehler in der Kommunikation des Vereins, den Sparkurs nie explizit als solchen zu titulieren. Transferzeit für Transferzeit zeigten sich die Fans enttäuscht von den unspektakulären Einkäufen.

Zuschauer-Entwicklung in der Bundesliga:

Saison Zuschauerschnitt
2013/14 8.171
2014/15 6.747
2015/16 7.163
2016/17 7.921 (Happel-Stadion)
2017/18 6.803 (Happel-Stadion)
2018/19 9.997

Dass die Runderneuerung der violetten Heimstätte für die Zukunft des Klubs unumgänglich und ein wahrer Meilenstein in der Geschichte der lange Zeit heimatlosen Veilchen war, ist indes unbestritten.

Im vergangenen Sommer wurde Wohlfahrt dann seines Amtes enthoben. Kurz davor wurde der langjährige Akademie-Chef Ralf Muhr zum Technischen Direktor befördert, weil aber die Personalie Wohlfahrt nicht nachbesetzt wurde, war er de facto Sportdirektor.

Praktisch mit einem Jahr Verspätung wird das, was damals angekündigt wurde, in einer etwas anderen Struktur umgesetzt. Mit Sportvorstand Stöger, Sportdirektor Muhr und Sportkoordinator Alexander Bade teilt sich ein Trio die Aufgaben, die davor Muhr alleine innehatte.

Angesichts der enttäuschenden vergangenen Saison ist in der öffentlichen Wahrnehmung auch ein wenig untergegangen, dass Muhr in den vergangenen Monaten viele Prozesse neu aufgesetzt hat, im sportwissenschaftlichen und im Scouting-Bereich große Umwälzungen vorgenommen hat.

Doch die Euphorie, die durch die Neueröffnung des Stadions entstehen hätte sollen, kam nie wirklich zustande. Weil die Sommertransfers wieder einmal nicht einschlugen, die Ergebnisse wieder einmal nicht passten.

Die violetten Anhänger haben sich in den vergangenen sechs Jahren nie an die sportliche Berg- und Talfahrt, die wesentlich mehr Täler als Gipfel zu bieten hatte, gewöhnt. Auch sie werden das Gefühl nicht los, dass man auf vielen Ebenen viele Dinge anders, besser machen hätte können.

Nun liegt es nicht zuletzt an der Qualität von Stögers langfristigen Strategien (Alle Infos >>>), um die Veilchen zumindest wieder einmal vom Rathausplatz träumen zu lassen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Peter Stöger: "Machen nicht in der Sekunde einen Quantensprung"

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