Meistertitel? Sturms Mission impossible

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"Ehrlich gesagt, kann man Salzburg schon zum Meistertitel gratulieren", findet Peter Zulj.

Eine Aussage, die der Mittelfeldspieler in der ersten Emotion nach der 2:4-Heimniederlage des SK Sturm Graz gegen die "Bullen" getätigt hat, die aber vermutlich auch einen Tag nach dem Bundesliga-Gipfeltreffen kaum jemand bestreiten wird.

Binnen vier Frühjahrs-Spielen wurde aus einem Punkt Vorsprung des Winterkönigs ein Rückstand von zehn Zählern auf den Serienmeister, der alle vier Partien für sich entscheiden konnte, während der Verfolger beim 1:1 bei Rapid seinen einzigen - mageren - Punkt erobern konnte.

Während die Leistung gegen Salzburg den Sturm-Vertretern Hoffnung macht, herrscht ob der Serie an negativen Ergebnissen natürlich Ernüchterung vor.


Für Hierländer fehlt der Killerinstinkt

Zum Beispiel bei Stefan Hierländer: "Das ist sehr frustrierend. Wir waren in der Winterpause einen Punkt voran und wollten natürlich vorne ein Wörtchen mitreden. In den ersten zwei Spielen waren wir einfach zu unentschlossen, der Killerinstinkt hat uns gefehlt. Genau wie gegen Salzburg - wenn man 1:0 in Führung geht, darf man nicht solche Fehler machen, auch wenn es keine großen Fehler waren. Aber es waren Fehler, die Salzburg ausnutzt. Deswegen ist es sehr bitter, dass wir jetzt zehn Punkte Rückstand haben. Das ist schon ein richtiges Brett, das aufzuholen."

Ganz aufgeben will der Kärntner jedoch noch nicht: "Ich zahle jetzt mal ins Phrasenschein: Aufgeben tut man einen Brief. Es ist so, man muss bis zum Ende kämpfen, es sind noch viele Punkte zu vergeben. Aber es wird natürlich schwer, Salzburg noch einzuholen."

Genau genommen ging die ergebnistechnische Negativserie nicht erst beim Frühjahrs-Auftakt in Mattersburg los, sondern startete bereits beim Abschiedsspiel von Franco Foda, das bei Austria Wien mit 0:1 verloren ging. Dies war übrigens der einzige Sieg der Veilchen in den vergangenen acht Liga-Auftritten - ein Negativlauf, der wiederum Trainer Thorsten Fink inzwischen den Job gekostet hat.

Die Mission impossible

Ebenfalls eine Altlast, sogar in der Zeit vor Fodas letzter Amtszeit beginnend, sind die schlechten Starts ins Frühjahr. Das sechste Jahr in Folge legten die "Blackies" einen verlängerten Winterschlaf hin, was Günter Kreissl etwas ratlos zurücklässt.

Mangels Erklärungsansätzen muss sich der Sportchef in Galgenhumor flüchten: "Vielleicht gibt es esoterische Ansätze und irgendwer bearbeitet uns mit einer Voodoo-Puppe."

Durchaus ernst ist es Kreissl indes mit seiner "neuen" Zielsetzung: "Ein guter Frühjahrs-Start im nächsten Jahr. Das ist das Ziel und bleibt es jetzt einmal für die nächsten zwölf Monate."

Für dieses Frühjahr war der Meistertitel natürlich nicht das offizielle Ziel. Dies wäre angesichts der finanziellen Übermacht Salzburgs auch schwierig auszugeben. "Aber es ist natürlich bitter, denn wir hatten vor, möglichst lange um alles mitzukämpfen. Das ist jetzt fast eine Mission impossible. Man soll nie nie sagen, aber es wird schwierig", meint Kreissl.

Sturm als fairer Verlierer

Dass der vage Titel-Traum bereits Ende Februar mehr oder weniger geplatzt sein würde, hätten wohl die größten Zweckpessimisten in Graz nicht für möglich gehalten.

Dennoch macht die dritte Frühjahrs-Niederlage auch Hoffnung. "Es war ein Spitzenspiel. Wir konnten die ganz klar aufstrebende Form vom Rapid-Spiel bestätigen. Dass das Ergebnis natürlich nicht das ist, was wir wollten, brauchen wir nicht reden", meint Kreissl.

Weshalb der 43-Jährige nach der Niederlage auch "zerrissen" sei - einerseits die Enttäuschung aufgrund der Vorentscheidung in der Meisterschaft, andererseits: "Was mich bestätigt, ist, dass die Mannschaft jetzt zwei Mal hintereinander absolut Charakter gezeigt und gefightet hat. In manchen Phasen hatte sie sehr gute Aktionen, in den letzten zwei Spielen haben sich auch immer wieder Einzelspieler sehr gut präsentiert. Ein Spitzenspiel zu verlieren, tut immer weh, aber es geht weiter."

Bei aller Aufregung während der Partie verzichtete man im Sturm-Lager darauf, die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen, sondern erwies sich als fairer Verlierer.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig gegen den Ball gemacht. Dann hat Salzburg die individuelle Klasse, wo man sagen muss, das spielt auch nicht jede Mannschaft so. Das ist ein Spitzenteam, das das eiskalt ausgenutzt hat. Sie haben gute Spieler, eine gute Mannschaft. Da muss man auch mal eingestehen, dass Salzburg besser war", betont Hierländer.

Eine schwierige Situation

Sturm könne laut Meinung des Allrounders jede Mannschaft der Liga schlagen, nur müsse man dafür zu 100 Prozent Leistung bringen. Gegen Salzburg sei es wieder um den einen oder anderen Prozent-Punkt zu wenig gewesen.

Dass man trotzdem von einer Leistungssteigerung sprechen kann, ist für Hierländer nur ein schwacher Trost: "Es tut auch gegen Salzburg sehr weh zu verlieren. Eine Niederlage ist immer eine Niederlage - egal gegen wen."


Für Sturm würde es nun heißen, die Hausaufgaben zu machen: "Wir müssen alle an uns arbeiten, denn wie man sieht, schläft die Konkurrenz nicht. Wir haben andere Ansprüche, eigentlich wollen wir vorne mitspielen. Nur ein Punkt aus vier Spielen ist eine schwierige Situation für uns. Gegen den LASK wird es auch nicht einfach."

Die Linzer zählen zu den Verfolgern von Sturm. Recht klar nehmen aber vor allem die Admira und Rapid mit fünf beziehungsweise sechs Punkten Rückstand den zweiten Platz der Steirer ins Visier.

Sturm muss sich Rang zwei verdienen

Die Tabelle interessiert Hierländer derzeit jedoch herzlich wenig: "Wir sind zehn Punkte zurück, also brauchen wir eh nicht mehr auf die Tabelle schauen. Wir müssen Spiele gewinnen - darum geht es im Fußball und um nichts anderes."

Für Kreissl bleibt es für das restliche Frühjahr weiterhin das Ziel, das Maximum herauszuholen: "Wenn das Maximum Platz zwei ist, dann nehmen wir das gerne. Wir müssen uns für das, was wir in den letzten zwei Spielen geleistet haben, bald einmal auch mit Resultaten belohnen."

Dass mit den Gastspielen beim LASK und bei der Admira zwei Kräftemessen mit Mannschaften, die in Schlagdistanz zu Sturm liegen, folgen, ist dem Geschäftsführer Sport dabei durchaus recht:

"Denn in Wahrheit musst du es dir am Ende verdienen, das heißt, du wirst irgendwann einmal gewinnen müssen, um Mannschaften abzuhängen. Nur dann hast du es dir verdient. Das sind gute und herausfordernde Aufgaben, denen man sich stellen muss."

Textquelle: © LAOLA1.at

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