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Johannes Eggestein
Austria-Fans haben Schnauze voll: "So ein grauslicher Tag heute"
Selbst eine Führung wendet den nächsten Nackenschlag nicht ab. Tomas Zorn gab sich zur Personalie Stephan Helm diplomatisch, die Spieler bleiben hinter ihm.
Die Austria verliert im Ländle gegen Altach mit 1:2. Die Krise setzt sich damit fort - und könnte bis ins Wiener Derby nächste Woche getragen werden, wenn es unter der Woche im UNIQA ÖFB-Cup gegen Hartberg kein Erfolgserlebnis gibt.
Dabei schien eine 1:0-Führung im Schnabelholz bis zur 70. Minute der perfekte Befreiungsschlag zu sein.
Doch nach dem Ausgleich brach das Spiel der Austria vollends in sich zusammen, die späten Gegentore durch Greil (70.) und Massombo (80.) besiegelten die siebte Niederlage der laufenden Saison.
Die Lage am Verteilerkreis spitzt sich damit dramatisch zu: Gewinnt der WAC am Samstag gegen Hartberg, rutscht die Austria ans Tabellenende.
"Sonst wäre Stephan Helm heute nicht mehr Trainer der Wiener Austria"
Dabei hatte Sportvorstand Tomas Zorn vor der Partie bei "Sky" noch versucht, den Druck von der Mannschaft und dem Trainerteam zu nehmen.
Zorn betonte, dass der Verein voll hinter dem eingeschlagenen Weg und Stephan Helm stehe: "Ich muss immer schauen: Erreicht der Trainer die Mannschaft, glaubt die Mannschaft an den Trainer? Und ich als Sportvorstand tue das. Sonst wäre Stephan Helm heute nicht mehr Trainer der Wiener Austria."
"Hypothetisch, wie gesagt, man bewertet immer die Sachen aus der Ausgangslage mit dem Wissensstand, den man hat", meinte Zorn mit Blick auf nächste Woche - noch vor dem nächsten Nackenschlag. Ob die Niederlage gegen Altach diesen Wissensstand negativ beeinflusst, wird sich zeigen.
Zorn sprach von einer reinen "Ergebniskrise" und bekräftigte trotz der holprigen Wochen das Saisonziel Top 6: "Ich bin definitiv der Meinung, dass der Kader die Qualität hat, um unter den Top 6 zu spielen. Aber bringt der Kader diese Qualität jetzt auf den Platz? Definitiv nicht."
Neben den Resultaten stünden bei der Austria zudem Agenden wie die Durchlässigkeit für junge Talente und Transfer-Erlöse im Vordergrund.
Totale Kontrolle verspielt: Eggestein bedient
Auf dem Rasen folgte nach 70 Minuten jedoch das böse Erwachen. Bis zum Ausgleichstreffer hätten die Violetten, laut Torschütze Johannes Eggestein, das Match im Ländle im Griff gehabt, die Führung durch den Stürmer kurz vor dem Pausenpfiff gab die nötige Sicherheit.
Umso unverständlicher war der erneute Leistungseinbruch in der Schlussphase.
Eggestein zeigte sich nach dem Schlusspfiff maßlos enttäuscht: "Bis zum 1:1 war es ein sehr gutes Auswärtsspiel und wir hatten es im Griff. Danach verlierst du völlig die Kontrolle. Sobald wir ein Gegentor bekommen, läuft überhaupt nichts mehr. Das ist extrem frustrierend für mich und die Mannschaft."
Fischer schlägt Alarm: "Letzte 20 Minuten waren sauwild"
Noch drastischere Worte fand Kapitän Manfred Fischer. Der Anführer zeigte sich im Interview völlig niedergeschlagen und sparte keineswegs mit heftiger Selbstkritik am Auftritt des Teams in den letzten Minuten.
"Die letzten 20 Minuten waren sauwild, die hätten noch zwei Tore mehr machen können. Das ist ein riesiges Fragezeichen. Selbstverständlich haben die Fans die Schnauze voll – so ein grauslicher Tag heute. Es liegt ganz allein an uns Spielern, wir tun uns extrem schwer, Spiele zu gewinnen. Es tut mir einfach unendlich leid für den ganzen Verein", so Fischer, der seinem Trainer aber nach dem Spiel den Rücken stärkte: "So lange der Trainer da ist, stehen wir geschlossen hinter ihm."
Die mitgereisten Anhänger quittierten die erneute Niederlage nämlich, indem sie den Kickern bei der Verabschiedung den Rücken zuwandten.
Helm unter Druck: Aufarbeitung vor der Woche der Wahrheit
Cheftrainer Stephan Helm gerät durch die Wende in Altach nun endgültig unter enormen Zugzwang. Die defensiven Nachlässigkeiten kosten die Wiener Woche für Woche wichtige Zähler, während der Druck im Umfeld unvermindert wächst.
"Wir haben das Fenster defensiv leicht aufgemacht und Altach hat das gut genützt. Wir verteidigen nicht konsequent und unterstützen uns zu wenig", analysierte Helm nach dem Spiel gewohnt sachlich.
Aber auch er verschloss nicht die Augen vor der Realität: "Austria Wien ist ein großer Verein, die Kritik ist total berechtigt. Es zieht mich zwar auch runter, wie wir uns das Spiel zusammenhauen, aber ich bin voller Energie und muss vorangehen."
Ausschnaufen gibt es für die Favoritner nicht: Schon am Dienstag wartet im ÖFB-Cup-Achtelfinale das Heimspiel gegen Hartberg, ehe am Wochenende das Wiener Derby gegen Rapid ansteht – zwei Schicksalsspiele, die über die Zukunft am Verteilerkreis entscheiden dürften.