LASK-Coach Wieland über Ismael, Holland & Co.

LASK-Coach Wieland über Ismael, Holland & Co. Foto: © GEPA
 

Akademie-Leiter, zweimal Co-Trainer, dazwischen ein halbes Jahr Trainer der Juniors OÖ, jetzt plötzlich Chef-Trainer beim LASK.

Der Weg von Andreas Wieland auf die Trainerbank der Linzer ist ein ungewöhnlicher. Aber doch ist er da - zumindest bis zum Winter.

Für die kommenden 18 Spiele übernimmt der 38-Jährige die Agenden des am Montag entlassenen Dominik Thalhammer und soll die ambitionierten Oberösterreicher tabellarisch wieder nach oben führen. Was darüber hinaus passiert? "Das ist überhaupt nicht in meinen Gedanken", wischt Wieland das Thema im Interview mit LAOLA1 zur Seite.

Außerdem verrät der Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz, wieso er nicht mehr über Valerien Ismael sprechen möchte, welche Meinungsverschiedenheiten es mit Ex-Chef Thalhammer gab.

Der neue LASK-Trainer vor seinem ersten Auftritt in der Conference-League-Gruppenphase bei HJK Helsinki (Donnerstag 18:45 im LIVE-Ticker) im Exklusiv-Interview:

LAOLA1: Herr Wieland hat es intern einen Bruch gegeben bzw. hat sich für Sie das schnelle Ende der Ära Thalhammer abgezeichnet?

Andreas Wieland: Ich kann das nur aus meiner subjektiven Warte sagen: Wie die Wertschätzung der Mannschaft gegenüber dem Trainer und auch wie die Verabschiedung war, da war alles okay. Harmonie wäre vielleicht übertrieben, aber es war ein intaktes Verhältnis. Auch, weil die Spieler so selbstreflektiert sind, dass sie wissen, ihre Leistungen in den letzten Wochen waren ebenfalls nicht gut genug. Keiner hat den Trainer als Alleinschuldigen gesehen, und deswegen ist es für uns alle dann doch recht schnell gegangen.

LAOLA1: Sie waren als Co-Trainer bereits in den letzten Spielen mit dabei, welche Inputs hat es von Ihnen in dieser schwierigen Phase gegeben?

Gartler, Wieland und Ex-Chef Thalhammer
Foto: © GEPA

Wieland: Von mir hat es natürlich immer Hinweise gegeben, aber Dominik Thalhammer war als Cheftrainer einfach der Letztverantwortliche. Trotzdem möchte ich betonen, dass wir eine sehr gute Zusammenarbeit, einen guten Austausch hatten, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren.

LAOLA1: Wo hat es diese Meinungsverschiedenheiten gegeben?

Wieland: Das ist einen Tag vor einem Spiel schwierig zu sagen, weil es hauptsächlich taktische Dinge waren. Da geht es beispielsweise um die Positionierung des Außenverteidigers oder den Zeitpunkt des Vertikalballes.

LAOLA1: Personell wart ihr immer auf der gleichen Linie? Wenn ich beispielsweise an James Holland denke.

Zu James: Er ist für mich von der Persönlichkeit her nach wie vor ein Führungsspieler, allerdings gibt es auf dieser Position mittlerweile größere Konkurrenz im Kader als noch vor zwei Jahren. Er kann einer Mannschaft aber in einer zentralen Rolle immer noch einen Mehrwert bringen und Stabilität geben, weil er einen riesengroßen Erfahrungsschatz hat.

Wieland über James Holland

Wieland: Ja, personell gab es eigentlich keine Unterschiede. Zu James: Er ist für mich von der Persönlichkeit her nach wie vor ein Führungsspieler, allerdings gibt es auf dieser Position mittlerweile größere Konkurrenz im Kader als noch vor zwei Jahren. Er kann einer Mannschaft aber in einer zentralen Rolle immer noch einen Mehrwert bringen und Stabilität geben, weil er einen riesengroßen Erfahrungsschatz hat. Wie oft er dann auch wirklich von Beginn an spielt, wird man sehen.

LAOLA1: Auch Dario Maresic genoss zuletzt nicht unbedingt das Vertrauen des Trainers. Darf er sich unter Ihnen wieder mehr Hoffnung auf Einsätze machen?

Wieland: Ich sehe bei Dario ein extrem großes Potenzial. Das sieht man an seinen Stationen, auch wenn die letzten zwei Jahre für ihn sehr schwierig waren. Ich weiß, dass er sehr selbstkritisch ist, seine Fehler sieht und versucht diese Schwächen auszumerzen. Wenn er weiter hart arbeitet und versucht seine Stärke wiederzufinden, wird er uns in Zukunft absolut helfen können.

LAOLA1: Ist das 3-4-3-System für Sie fix oder kann es da Veränderungen geben?

Wieland: Dieses System ist sicher die Basis-Formation, die wir über Jahre gehabt haben. Allerdings hat es schon in dieser Zeit immer wieder kleinere Veränderungen gegeben, die es auch jetzt geben kann. Beispielsweise bin ich der Meinung, dass auch das 4-3-3 sehr gut zu uns passen würde.

LAOLA1: Die vielzitierte LASK-DNA war zuletzt oft Diskussionsthema. Für viele Beobachter ist sie nicht mehr erkennbar, wie wollen Sie diese ins Spiel zurückbringen?

Wieland: Wir bauen hier auf ein Fundament auf. Viele Spieler sind schon lange da und kennen unsere Spielanlage. In erster Linie gilt es, das Spiel wieder einfacher zu machen, und dann wird man diese LASK-typischen Momente sowohl im Spiel mit als auch gegen den Ball wieder öfter sehen.

LAOLA1: Wie reagieren Sie als bisheriger Co-Trainer auf die harte Kritik, die es zuletzt immer öfter gab?

Wieland: Ich glaube, dass alle versucht haben, die Schuld bei sich selbst zu suchen. Das hat man auch bei der Verabschiedung gesehen. Die Kritik war hart, teilweise berechtigt, aber dass die Fans nach den Ergebnissen zuletzt ihre Meinung kundtun, kann man schon verstehen.

LAOLA1: Die Erwartungshaltung im und um den Verein ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Wie geht man damit um?

Wieland: Das ist ein großes Thema. Wir haben in den letzten Jahren sehr erfolgreiche Zeiten gehabt. Es heißt dann oft erster Salzburg-Jäger und so weiter, aber mit Sturm Graz, Rapid und auch dem WAC gibt es große Kontrahenten, die wirklich gute Arbeit leisten. Da ist jedes Spiel eine riesengroße Herausforderung. Trotzdem glaub ich, dass wir nicht dorthin gehören, wo wir aktuell stehen, und es wird unsere Aufgabe, dass wir uns da herauskämpfen.

Wieland, Ismael in Lissabon
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LAOLA1: Das Ismael-Jahr war bis zu den Corona-Trainings, dem folgenden Punkteabzug und der schwachen Meisterrunde ein wirklich erfolgreiches. Bei seinem Abschied wurde Ihnen die Rolle des schwarzen Peters zugeschoben, der seinen Abgang initiiert haben soll. Was sagen Sie heute dazu?

Wieland: Wenn der Berater (Anm. von Ismael) ein PR-Mensch ist, dann kann so etwas passieren. Er hat sein Bauernopfer gefunden, das war leider ich. Aber 16 Monate später ist sicher nicht mehr die Zeit darüber zu sprechen. Damals wäre es interessant gewesen, ein Interview zu geben oder mich zumindest zu fragen, aber jetzt muss ich mich mit der Situation abfinden, sie akzeptieren, werde sie aber nicht mehr kommentieren.

LAOLA1: Sie waren jetzt zwei Mal Co-Trainer, beide Cheftrainer sind weg, Sie noch da.

Wieland: Das ist sehr plakativ. Grundsätzlich war ich ja dazwischen auch nicht da. Ich war in einer anderen Funktion im Verein, habe dann die Juniors (Anm. FC Juniors OÖ) übernommen und bin jetzt, auf Wunsch von Dominik, wieder Co-Trainer geworden. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Dominik nichts Negatives über mich sagen wird, bei Valerien Ismael, den ich als Trainer und Menschen sehr schätze, weiß ich das nicht.

(Interview wird unter Tweet fortgesetzt)

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LAOLA1: Gab es das persönliche Ziel, irgendwann Cheftrainer des LASK zu werden?

Wieland: Ich habe damals das Angebot bekommen, Akademieleiter zu werden. Das war für mich, auch aufgrund der Historie und der damaligen Situation des Klubs, eine extrem spannende Aufgabe. Cheftrainer zu werden, hatte ich damals aber überhaupt nicht im Kopf. Auch der Weg zu den Profis ist eher so passiert, als mich Ismael fragte, ob ich als Co-Trainer unter ihm arbeiten will.

LAOLA1: Können Sie sich vorstellen, länger als bis zum Winter Cheftrainer zu bleiben?

Wieland: Das ist überhaupt nicht in meinen Gedanken. In dieser Situation müssen wir von Spiel zu Spiel schauen, gute Leistungen bringen, Tore erzielen und Tore verhindern. Alles andere ist unwichtig. Es geht jetzt nicht um die Person Andreas Wieland, sondern mit dem Verein dorthin zu kommen, wo er hingehört.

LAOLA1: Es gab bereits Gerüchte, Ferdinand Feldhofer könnte Sie als Trainer beerben. Ist der Schritt zurück ins zweite Glied eine Option.

Wieland: Zuerst einmal müsste man den Ferdinand Feldhofer fragen, ob er überhaupt mit mir arbeiten will. Aber grundsätzlich, auch wenn das nur ein Gerücht ist: Es geht um den LASK, nicht um Wieland oder Feldhofer. Wenn der Verein das als die beste Situation erachtet, wäre es für mich kein Problem wieder Co-Trainer zu werden.

Es geht um den LASK, nicht um Wieland oder Feldhofer. Wenn der Verein das als die beste Situation erachtet, wäre es für mich kein Problem wieder Co-Trainer zu werden.

Wieland über seine Zukunftspläne

LAOLA1: Was muss passieren, dass Sie im Winter nach diesen 18 Spielen zufrieden sind?

Wieland: Zufrieden bin ich dann, wenn wir es schaffen wieder stabile Leistungen auf den Platz zu bringen. Das kann ich nicht an Punkten festmachen, aber eine Rangverbesserung gehört da natürlich dazu. Wir müssen sicher über diesen ominösen Strich wandern, hinter Salzburg ist es für mich dann bis zum Dritten extrem umkämpft.

LAOLA1: Zum Abschluss: Was zeichnet den Trainer Andreas Wieland aus?

Wieland: Ich bin ein sehr impulsiver, intensiver Trainer, der in jeder Lage versucht, der Mannschaft zu helfen und sie zu pushen. Außerdem hoffe ich, dass ich gut darin bin, Dinge zu Ende zu denken. Was ich sicher habe, und das haben auch die beiden letzten Tage gezeigt, ist ein gutes Verhältnis zum gesamten Trainerteam, und da gilt es jetzt, alles für den LASK in die Waagschale zu werfen.

LIVE-Ticker zum LASK-Gastspiel in Helsinki >>

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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