Oliver Glasner: "Ich reagiere zu emotional"

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Am Dienstag (19:12 Uhr - LIVE im LAOLA1-Ticker) kehrt Oliver Glasner nach zweieinhalb Jahren erstmals wieder nach Ried zurück.

Für die Sportvereinigung spielte der frühere Verteidiger 569 Mal (410 Mal in der Bundesliga) und holte zwei Mal den Cup-Titel, ehe 2011 nach einer schweren Kopfverletzung Schluss war. Über den Umweg Salzburg, wo der heute 43-Jährige Roger Schmidt in der erfolgreichsten Zeit der Red-Bull-Ära assistierte, startete Glasner seine Chef-Trainer-Karriere wiederum bei der SV Ried.

Nach einer Saison in der Bundesliga wechselte der Oberösterreicher zum Erzrivalen LASK in die zweite Liga, wenig überraschend wurde es emotional ("Man wollte mich fertigmachen").

Glasner hatte nach dem Rieder Bundesliga-Abstieg 2003 auch schon eine Saison für den LASK gespielt, kehrte aber ein Jahr später wieder zurück und avancierte zum Rieder Urgestein.

Mit dem LASK stieg Glasner 2017 auf, seine Arbeit wird geschätzt. Zuletzt sagte Oliver Lederer: "Der LASK hat für mich mit Oliver Glasner den zur Zeit interessantesten Trainer in Österreich."

Die Fußball-Redaktion von LAOLA1 schließt sich diesem Urteil an, im aktuellen Trainer-Ranking liegt er hinter Ralph Hasenhüttl, Peter Stöger und Adi Hütter auf Rang vier (Hier zum Ranking).

Im Interview spricht Glasner über seine Entwicklung als Trainer, die Rückkehr nach Ried und den Posten des ÖFB-Teamchefs.

LAOLA1: In der neuen Ausgabe des LAOLA1-Trainer-Rankings belegen Sie hinter Ralph Hasenhüttl, Peter Stöger und Adi Hütter Rang vier. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Oliver Glasner: Ein Kollege aus unserem Trainerstab hat mir das geschickt und ich habe mich schon sehr gefreut, auch wegen der Beurteilung. Ich habe unlängst in einem Interview gesagt, dass für mich die größte Anerkennung eines Trainers ist, wenn man sieht, wie er spielen will und eine Handschrift erkennt. Als Beispiele sehe ich da Ralph Hasenhüttl, Peter Stöger, Jürgen Klopp oder Pep Guardiola. Wenn ich bei euch lese, ich hätte eine Spielidee und die sieht man, dann freut mich das. Das bestätigt meine Arbeit, aber ich sehe mich auch verpflichtet, so weiter zu machen und nach vorne zu schauen.

LAOLA1: Haben Sie im Frühjahr bereits nach vorne geblickt? Stichworte Defensive und Dreierkette.

Glasner: Ich bin prinzipiell einer, der viel Wert auf die Defensive legt, rührt wahrscheinlich auch aus meiner Vergangenheit als Spieler. Es gibt immer verschiedene Überlegungen, aber im Prinzip ist alles recht banal und simpel. Ich sehe mich als logisch denkenden Menschen. Was die Defensive angeht, will ich zunächst schauen, dass der Gegner nicht in meinen Sechzehner kommt, denn hier fallen 90 Prozent der Tore. Deswegen haben wir versucht, hoch zu attackieren. Auch mit dem Hintergedanken, schnell im gegnerischen Sechzehner zu sein. Dann geht es auch darum, rund um den Sechzehner gut zu verteidigen. Da gab es immer wieder die Idee der Dreierkette und perspektivisch haben wir auch Gernot Trauner deswegen verpflichtet.

LAOLA1: Wenn die Spielidee sitzt, was ist danach zu tun? Geht es darum, die Verhaltensweisen zu adaptieren sowie die Spieler individuell zu verbessern?

Glasner: Das ist treffend analysiert. Wenn man sich beim LASK die vergangenen beiden Jahre genau ansieht, dann haben wir immer wieder adaptiert. Es geht darum: Welche Spieler haben wir? Wir hatten vergangene Saison mit Rene Gartler und Fabiano zwei ganz starke Spieler im Strafraum und sind auch viel über die Flügel gekommen – da hatten wir mit Paulo Otavio und Reinhold Ranftl auch zwei prädestinierte Außenverteidiger dazu. So schauen wir immer, dass wir uns weiterentwickeln. Es gilt auch, die neuen Spieler zu integrieren und auf ein entsprechendes Level zu bringen. Aktuell ist es so, dass Details entscheiden, ob wir etwa gegen Salzburg verlieren oder nicht. Das freut mich einerseits, andererseits geht es darum, in diesen Details besser zu werden, noch weniger Fehler zu machen, noch bessere Entscheidungen zu treffen. Wir schauen einfach, dass wir nie stehen bleiben. Unser Motto lautet: "Ich will jeden Tag besser werden!".

LAOLA1: Wie schauen Sie selbst, dass Sie nicht stehen bleiben? Woher holen Sie sich Inputs, um im stressigen Alltag eines Bundesliga-Trainers nicht stehen zu bleiben?

Glasner: Ich habe ein tolles Trainerteam, mit dem ich mich permanent austausche. Es ist keine One-Man-Show, sondern ein Team. Mit Michael Angerschmid, Michael Berktold, Ronny Brunmayr oder auch Jürgen Werner gibt es ein tolles Umfeld. Werner Zöchling kenne ich schon seit 20 Jahren, mit ihm arbeite ich im Bereich Persönlichkeits- und Teamentwicklung zusammen, so wie es auch Peter Stöger tut. Er gibt mir immer wieder Feedback. Ich schaue auch bei den besten Klubs und Trainern, was man vielleicht mitnehmen könnte. Als Beispiel: Bei Stoke City spielt mit Kevin Wimmer der Sohn unseres Tormann-Trainers. Deswegen schauen wir uns da oft auch einmal die Tore an. Beim 2:7 gegen Manchester City lief etwa Kyle Walker vor dem 1:0 vom eigenen Sechzehner bis zur gegnerischen Grundlinie im Vollsprint, überholte dabei zehn Spieler und legte das Tor auf. Das ist keine fußballerische Qualität. Da nimmt einer die Füße in die Hand und investiert alles, um den Gegner davon zu laufen. Auf solche Dinge achte ich und denke, dass man sie zum LASK transportieren kann. Nicht wenn Lionel Messi fünf Gegenspieler ausspielt und den Ball ins Kreuzeck schießt. Das kann ich von meinen Offensivspielern nicht verlangen. Aber ich kann von ihnen verlangen, dass sie in beide Richtungen 50-Meter-Sprints machen können und vor allem wollen.

Rene Gartler trifft an seinem Geburtstag:

LAOLA1: Das muss man vermitteln können. Wie wichtig ist die soziale Komponente als Trainer?

Glasner: Die Mannschaft und der Betreuerstab ist meine zweite Familie, mit der ich sehr viel Zeit verbringe. Wir gehen sehr offen und ehrlich miteinander um. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es den Spielern. Wenn mir etwas passt, lobe ich sie. Für mich steht immer der Mensch im Vordergrund. Wenn jemand ein privates Problem hat, kann er immer zu mir kommen und wird auch immer frei bekommen. Das ist wichtiger als Fußball und das wissen meine Spieler. Manchmal muss man wie bei den eigenen Kindern auch mit den Spielern schimpfen, weil man das Gefühl hat, das es gerade wichtig ist. So war es nach dem 2:4 bei der Admira. Das heißt aber nicht, dass ich sie nicht mag, sondern dass ich glaube, dass es ihnen hilft und gut für ihre weitere Karriere ist und vor allem dem Klub hilft. Der LASK steht über allem. Ich treffe nie eine Entscheidung, die für Oliver Glasner oder für einen einzelnen Spieler gut ist, sondern für den LASK.

LAOLA1: Wie haben Sie sich seit Ihrem ersten Bundesliga-Jahr bei der SV Ried 2014/15 verändert?

Glasner: Ich hoffe, dass ich mich weiterentwickelt habe. Ich bin ein Mensch, der viel reflektiert. Ich mache das, wovon ich glaube, dass es richtig ist, aber im Nachhinein stelle ich auch immer wieder fest, dass es eine falsche Entscheidung war. Das gestehe ich mir ein und versuche, daraus zu lernen. Ich bin mir aber sicher, dass ich heute ein anderer Trainer bin als damals und hoffe, dass ich 2020 wiederum ein anderer und besserer Trainer sein werde.

LAOLA1: Nennen Sie ein Beispiel: Wo sehen Sie bei sich konkret Verbesserungspotenzial?

Glasner: Ich reagiere auf der Trainer-Bank sicher immer noch zu emotional. Das ist mir auch bewusst, gelingt mir aber noch nicht so, das entsprechend zu ändern. Ich werde aber nie so stoisch sein wie Carlo Ancelotti, auf der anderen Seite versuche ich in Zukunft besonnener zu sein als jetzt.

Dieses Spiel geht nicht spurlos an mir vorbei, das ist auch absolut okay. Ich habe nur den Wunsch, dass es ordentlich und fair über die Bühne geht. Es wird sicher kleinere Teile geben, die mir meinen Wechsel noch übel nehmen, aber ich hoffe, dass alles im Rahmen bleibt. Meine Familie wird auch im Stadion sein.

LAOLA1: Apropos Emotion: Wie war Ihre Reaktion auf die Cup-Auslosung?

Glasner: Ich habe mir gedacht, dass es irgendwann kommen musste. Eigentlich habe ich ja gehofft, dass wir in dieser Saison vier Mal aufeinandertreffen würden, leider ist Ried aber abgestiegen.

LAOLA1: Wie emotional wird die Rückkehr sein? Die handelnden Personen haben sich ja verändert.

Glasner: Zu denen habe ich auch ein gutes Verhältnis. Mit Fränky Schiemer habe ich selbst noch zusammen gespielt, Lassaad Chabbi kenne und schätze ich als Trainer noch aus Lustenauer Zeiten. Ich habe mit allen ein professionelles Verhältnis, auch mit Roland Daxl und anderen Mitarbeitern, die schon länger dort sind. Dieses Thema ist Vergangenheit. Aber natürlich hat das Spiel eine Brisanz, mit 55 Ruhepuls werde ich nicht ins Stadion gehen. Für das habe ich auch viel zu viele Jahre dort verbracht und zu viele Erfolge gefeiert. Dieses Spiel geht nicht spurlos an mir vorbei, das ist auch absolut okay. Ich habe nur den Wunsch, dass es ordentlich und fair über die Bühne geht. Es wird sicher kleinere Teile geben, die mir meinen Wechsel noch übelnehmen, aber ich hoffe, dass alles im Rahmen bleibt. Meine Familie wird auch im Stadion sein.

LAOLA1: Die Fans hinter den Trainerbänken sind nah dran. Stört Sie das beim Coachen?

Glasner: Nein, eigentlich nicht, denn wenn die Partie gestartet ist, bin ich total im Fokus. Da merke ich sehr wenig und da steht auch meine Mannschaft im Vordergrund, da bin ich zweitrangig.

Glasner gewann mit Ried 1998 und 2011 den Cup
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LAOLA1: Wie bewerten Sie die bisherige Saison der SV Ried?

Glasner: Wir kennen die Spieler, wir wissen, wie Lassaad spielen lässt. Umgekehrt ist es ebenso, so gesehen wird es keine großen Überraschungen geben. Für mich war auch von Anfang an klar, dass sie ganz oben mitspielen würden. Der Anfang war vielleicht holprig, aber das hat auch mit dem Umbruch zu tun. Der Kader ist mit guten Spielern zusammengestellt, auch eine gute Mischung. Ich denke, am Ende werden sich auch Ried und Wacker Innsbruck durchsetzen und fix aufsteigen.

LAOLA1: Da sind Sie schon einen Schritt voraus und um den Kreis mit dem Trainer-Ranking zu schließen: Könnten Sie sich vorstellen zu einem späteren Zeitpunkt ÖFB-Teamchef zu werden?

Glasner: Ich bin ein stolzer Österreicher und so wie es als Spieler das Größte ist, für sein Land im A-Team zu spielen – das blieb mir leider verwehrt – so ist aus meiner Sicht auch der Teamchef-Job der begehrenswerteste. Aber alles zu seiner Zeit. Ich bin jetzt vier Jahre Trainer, 43 Jahre alt und das wäre jetzt weder für mich, noch für das Nationalteam gut. Irgendwann in ferner Zukunft ist es ein Posten, der mich unglaublich stolz machen würde.

LAOLA1: Nur für das Protokoll: Gab es Kontakt mit dem ÖFB?

Glasner: Nein.

LAOLA1: Sie haben noch Vertrag bis 2019, wohnen mit Ihrer Familie weiterhin im Innviertel. Ist Ihr Ziel das Ausland oder könnten Sie sich ein langfristiges Engagement beim LASK vorstellen? A la Sir Alex Ferguson? Zumal beim LASK vom Potenzial her noch einiges drin ist und auch ein neues Stadion gebaut werden soll.

Glasner: Für mich ist das Wichtigste, dass ich einen Job mache, der eine Herausforderung ist und Spaß macht. Das habe ich mir gegen Ende meiner aktiven Karriere geschworen. Ich will etwas bewegen. Ob das beim LASK ist – deswegen habe ich mich damals auch für dieses Projekt entschieden – oder irgendwann woanders ist, weiß ich nicht. Aber ich will jeden Tag gerne in die Arbeit fahren, gemeinsam Spaß und ein Ziel vor Augen haben. Gemeinsam alles versuchen, um das Ziel zu erreichen, das ist mir das Wichtigste. Der Fußball ist so schnelllebig: Was die Zukunft betrifft, habe ich aufgehört, Pläne zu schmieden.

Textquelle: © LAOLA1.at

Das LAOLA1-Ranking der österreichischen Fußball-Trainer

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