Widerstand, Unmut: Wie steht's ums LASK-Stadion?

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"Haben Sie schon ein Haus gebaut?", fragt LASK-Präsident Siegmund Gruber den Verfasser dieser Zeilen im LAOLA1-Interview ohne Umschweife.

Etwas überrascht über diese persönliche Erkundigung, wird verneint. Auf die Thematik wurde schon davor intensiv eingegangen, es geht um den geplanten Stadion-Neubau am Pichlinger See - der ungewollt für viel Aufsehen sorgt.

Aus Sicht des Vereinsbosses geht es in dieser Frage darum, Verständnis für ein aktuelles Problem zu schaffen, welches die Linzer nicht nachvollziehen können.

"Wenn Sie ein Haus bauen – wann und womit gehen Sie dann zum Nachbarn? Wenn Sie den Plan haben, wenn sie wissen, wie es ausschauen soll. Sonst macht es keinen Sinn. Und genau so ist das Ganze mit dem vorgesehenen UVP-Verfahren (Anm.: Umweltverträglichkeitsprüfung)."

Denn noch gibt es keinen Plan, noch ist alles in der Planung, noch wurden niemandem die Eckpfeiler des anstehenden Projektes vorgestellt - und trotzdem hagelt es Kritik, Unverständnis und Unmut. Sogar Widerstand in Form der Bürgerinitiative "Rettet den Pichlinger See" regt sich. Diese will eine Volksbefragung erzwingen und benötigt dafür 6.100 Unterschriften.

Doch LASK-Boss Gruber bleibt zuversichtlich und kann mit polemischen Argumentationen der Stadion-Gegner nichts anfangen.

45 Mio. Euro für Schmuckkästchen und Rückkehr nach Linz

Doch blicken wir noch einmal zurück. Eigentlich war der LASK ein Kind der Gugl, dem "Stadion der Stadt Linz". Doch die nicht mehr zeitgemäße Spielstätte eignete sich nicht mehr für die Heimspiele. Verkehrstechnische Probleme spielten ebenso mit, wie Terminkollissionen durch andere Großevents wie etwa Konzerte, aber vor allem die Tatsache, dass man sich mit der Eigentümersituation nicht anfreunden konnte und dadurch keinen Nutzen für sich selbst generieren konnte.

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Die Übersiedlung ins kleine, aber schmucke Paschinger Waldstadion, nun TGW-Arena, war unumgänglich. Als die Bundesliga die Lizenzbestimmungen verschärfte und keine 2-Stadion-Lösung, je nach Verfügbarkeit, mehr zuließ, richtete man sich außerhalb von Linz längerfristig ein.

Bis im Winter die LASK-Verantwortlichen mit dem Plan an die Öffentlichkeit drängten, ein eigenes Schmuckkästchen zu errichten, dass mit der geplanten Eröffnung 2022 (zum Auslauf des Pachtvertrags mit Pasching) alle Stückeln spielen soll und über die Heimspiele der Linzer hinaus zusätzliche Vorteile schaffen soll - mehr dazu etwas später.

Die Absicht: Die neue LASK-Arena, das groß angekündigte "Jahrhundert-Projekt", soll rund 45 Millionen Euro kosten und im Süden der Stadt im Naherholungsgebiet Linz-Pichling, genauer definiert am "Tagerfeld", entstehen.

Widerstand von vielen Seiten: "Das ist ja unglaublich"

Soweit der Plan. Aus 27 möglichen Standorten wurde dieser Standort als Wunschziel Nummer 1 definiert. Nun wird geprüft, ob die Umsetzung in dieser Form auch unter Berücksichtigung aller Faktoren möglich ist.

"Wir lassen aber gerade erst die Pläne zeichnen. Da legen sich Leute quer, ohne noch genaue Informationen zu haben. Das ist ja unglaublich", ärgert sich Gruber, dass sich in kürzester Zeit eine Front gegen den Neubau geformt hat.

Alle jene wollen eine Begründung, warum man sich ausgerechnet für diesen Linzer Stadtteil entschieden habe. Einigen Anbietern ist man aber im Wort, keine Details bekanntzugeben. Erst im sogenannten UVP-Verfahren muss genau dokumentiert werden, wo, wieso, weshalb und warum die Wahl auf den Pichlinger See fiel.

Noch bevor Details bekannt waren, uferte die Causa in ein Politikum aus. So erstattete der LASK sogar Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen NEOS-Gemeinderat Lorenz Potocnik, der sich von Anfang an gegen das Projekt sträubte und dadurch das Naherholungsgebiet als gefährdet sah.

"Dort gehört der LASK nicht hin" - LASK-Boss sauer

Das Hin und Her strapaziert den Geduldsfaden, auch wenn der LASK-Boss versucht, die Ruhe zu bewahren. "Die Probleme gibt es bei jedem Bau in Österreich. Wenn eine Infrastruktur geschaffen wird, sei es eine dritte Piste für einen Flughafen, eine Hochspannungsleitung oder ein Einfamilienhaus, dann wird es Gegner geben."

Verfehlungen sind sich die Linzer nicht bewusst. Laut Angaben des Klubs hält man sich an die übliche Vorgehensweise. "Ich bin der Ansicht, dass man sich in rechtlichen Verfahren zu halten hat. Das wickeln wir jetzt ab. Wir haben mit der strategischen Umweltprüfung begonnen und wenn in einem Verfahren eine Auflage kommt oder irgendetwas zu machen ist, dann werden wir das tun."

Ohne Verfahren, keine Freigabe zum Stadionbau. "Und natürlich haben auch bestimmte Parteien hier noch Parteiengehör im UVP-Verfahren. Und das finde ja ich demokratiepolitisch sehr spannend, dass jene Leute, die sich in Bürgerinitiativen organisieren, diese Verfahren einfach wegwischen. Sie wollen dem LASK gar nicht die Möglichkeit geben, dass er in ein Verfahren kommt. Sondern sie wollen schon davor aufgrund irgendwelcher spekulativer Dinge sagen: Dort gehört der LASK nicht hin!"

Querlegen ist derzeit bei den Kritikern an der Tagesordnung. Viele haben damit gar nichts zu tun, bei einem der größten Gegner habe sich sogar herausgestellt, dass dieser nicht einmal Architekt ist.

"Gibt Leute, die einfach nur irgendwas verhindern wollen"

Ein spannendes Tauziehen. Mit polemischen Aussagen will sich Gruber gar nicht weiter beschäftigen, allerdings ist er durchaus bereit, auf konstruktive Wortmeldungen einzugehen.

"Man muss mit Leuten, die seriös und argumentativ auf einen zukommen, was einbringen und Bedenken haben – diese muss man versuchen auszuräumen, in einen konstruktiven Dialog gehen. Aber Leute, die sowieso schon ihre Meinung fixfertig gefasst haben und die einfach nur irgendwas verhindern wollen aufgrund eines Justament-Standpunktes, dann sollen sie halt", stellt der 45-jährige Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder klar.

"Natürlich müssen wir den Naturschutz berücksichtigen, no na ned. Natürlich müssen wir schauen, dass wir von dem Emissionen runterkommen. Natürlich müssen wir schauen, dass wir die Taktung am Spieltag vielleicht auf 10 oder 15 Minuten von der Bahn wieder erhöht." Dass das Gebiet geschützt werden soll, kann Gruber aber nicht ganz nachvollziehen. "Das ist ein Schottersee, das ist ja nicht einmal ein Natursee. Der ist aufgeschüttet worden. Wir stellen unser Stadion zur Bundesstraße B1 hin - da ist ein riesiger Abstand. Was soll es dort geben? Wir überschneiden uns lediglich an drei Spieltagen mit Badetagen am Pichlingersee. An drei Spieltagen! Vielleicht wenn wir Europacup spielen, spielen wir noch wahrscheinlich an einem Donnerstag um 20:30 Uhr. Ich weiß nicht, wer da noch im See baden ist."

Generell bietet der LASK-Präsident an, einmal unter der Woche am Pichlingersee vorbeizuschauen, die Besucher könne man wohl an einer Hand abzählen. Auch Ausreden über die schlechte Anbindung lässt er nicht gelten. "Viele sagen: Die Gugl ist verkehrstechnisch so super angebunden. Wissen Sie, wie weit man vom Linzer Hauptbahnhof auf die Gugl rauf geht? 2 Kilometer, bergauf! Wissen Sie, wie weit der Bahnhof in Pichling von unserem neuen Stadion, wenn man den weitesten Weg berechnet, entfernt ist? 2 Kilometer. Aber nicht bergauf, sondern eben."

20.000er Stadion nicht nur für den LASK, sondern auch den ÖFB?

Trotz Gegenwehr ist er zuversichtlich, das alles seinen Weg gehen wird. Dass schon bald bis zu 20.000 Zuschauer das Stadion füllen können. Im Cup-Semifinale gegen Rapid hätte man dieses wohl sogar voll gekriegt. Das ist aber nicht die Absicht des LASK gewesen, sondern es steckt mehr hinter dem Bauvorhaben.

"Wir sind ja nicht dem Irrglauben verfallen, dass wir in die Bundesliga kommen und tagtäglich 16.000 Besucher ins Stadion kriegen. Mit 20.000 Zuschauern auf nationaler Ebene zu planen, ruht daher, dass wir versuchen wollen, ein Länderspiel-taugliches Stadion zu machen. Nämlich so, dass zum Beispiel mal die ÖFB-Frauen oder der ÖFB vielleicht selber mal bei uns Länderspiele machen", erklärt Gruber.

Der ÖFB hat für die Austragung vergleichbarer Spiele Mindestanfordungen erstellt, so müssen mindestens 16.500 Zuschauer Platz finden können. "Und diese 16.500 Zuschauer waren für uns die Benchmark, weil wir natürlich für Oberösterreich ein Stadion erbauen wollen, um vielleicht mal wieder ein Länderspiel auszutragen."

Auf der Gugl war das in den vergangenen Jahren nicht mehr möglich. Von der Größe und wirtschaftlichen Tragweite Oberösterreichs her, sieht es Gruber fast als Pflicht, in dieser Hinsicht Nachholarbeiten zu erledigen, schließlich sei es eine Watsch'n, wenn Länderspiele stattdessen in Klagenfurt, Innsbruck, Salzburg und Wien aber nicht in Linz stattfinden.

LASK verlor Fan-Generation durch 15 Jahre Odysee

Daher rührt die groß geplante Heimstätte, nicht konkret wegen dem LASK, sondern um dem internationalen Standard zu entsprechen und von Zusatzveranstaltungen im künftig eigenen Stadion zu profitieren.

Den Zuschauerschnitt zu steigern wird nämlich eine eigene, durchaus herausfordernde Aufgabe für alle Beteiligten. Mit der Rückkehr in die Bundesliga, Europacup-Erfahrungen und anhaltenden Erfolgsläufen ist die Euphorie so groß wie nie.

Trotzdem lässt sich der LASK-Präsi nicht blenden: "Dass wir jetzt nicht glauben, dass wir von heute auf morgen das Stadion füllen, das ist uns klar, weil wir müssen uns ja eine ganze Fan-Generation zurückholen."

Was er damit genau meint? "Ich kenne da welche, die sind zu den Black Wings gegangen, andere haben ein Red-Bull-Trikot angezogen. Der LASK hat fast 15 Jahre eine Odysee hinter sich, die andere Klubs in der Art und Weise nicht hinter sich gehabt haben. Wenn einer mit 12 Jahren ein Red-Bull-Trikot angezogen hat, dann ist er heute 27 Jahre alt. Dann glaube ich nicht mehr, dass ich ihn noch zum LASKler machen kann."

Mit den hoch gesteckten Zielen und der neuen LASK-Arena - sollte diese trotz Gegenwehr umgesetzt werden - könnte jedoch die nächste Generation in und um Linz schon bald wieder Schwarz-Weiß tragen.



Textquelle: © LAOLA1.at

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