Rapid-Talent: "Yusuf Demir kann man nicht stoppen"

 

Mit 15 und 16 Jahren bester Spieler beim prestigeträchtigen Mercedes Benz Juniorcup in Sindelfingen, mit gerade einmal 15 Jahren erstmals in der ÖFB-U17, seit wenigen Tagen U21-Teamspieler und nur drei Monate nach seinem 17. Geburtstag bereits sechs Bundesliga- und ein Cup-Einsatz plus Tor-Premiere.

Yusuf Demir ist seinem Alter voraus, hat oftmals zwei Stufen nach oben auf einmal genommen und gilt als das größte Talent des SK Rapid seit Ewigkeiten. Eigentlich ist es ein Wunder, dass der offensive Mittelfeldspieler noch immer Grün-Weiß die Treue hält.

Seit Jahren stehen die renommiertesten Vereine Europas Schlange, um das Ausnahme-Talent zu verpflichten. Doch erst im Mai 2019 entschied sich Demir für eine Vertragsverlängerung bis 2022 in Hütteldorf. Schon damals schnupperte Demir bei den Profis, durfte mittrainieren, stand mit gerade mal 16 Jahren erstmals am 24. November 2019 im Profikader und absolvierte wenige Tage später am 14. Dezember beim 3:0 bei der Admira sein Debüt. Fünf weitere Liga-Einsätze sollten folgen, ohne Demir sofort zu überfordern.

Einer, der ihn schon lange begleitet, ist der nunmehrige Rapid-II-Trainer und Ex-SCR-Kapitän und -Ikone Steffen Hofmann, wie er beim Besuch bei LAOLA1 verriet: "Yusi habe ich kennengelernt, als er noch in der U15 war. Damals war ich noch aktiv und es hat geheißen, ich soll einmal ein bisschen mit ihm plaudern. Er war sehr zurückhaltend, viel mehr als ja und nein ist nicht gekommen. Aber mittlerweile haben wir eine gute Vertrauensbasis, wir reden über sehr viele Dinge. Er ist ein unglaublicher Spieler, ein Spieler mit einer Top-Einstellung, den man eigentlich nicht stoppen kann."

Das erhoffen sich alle bei Rapid, ebenso mit Willi Schuldes - sportlicher Leiter für Rapid II, Akademie und Nachwuchs - ein weiterer langjähriger Weggefährte Demirs. Gleichzeitig ist man im Westen Wiens aber auch so realistisch, dass der begabte Kicker irgendwann den nächsten Schritt machen wird.

Weiter bei Rapid? "Dann hat er einen anderen Stellenwert"

Auf jeden Fall wird es eine richtungsweisende Saison für den frischgebackenen ÖFB-U21-Teamspieler, der nun fix zum Profi-Kader zählt und bereit ist, unter Trainer Didi Kühbauer den nächsten Schritt zu setzen.

Auf das eine oder andere Spiel bei Rapid II sollte Hofmann nicht zu viel setzen: "Das hoffe ich auch! Ich hätte ihn zwar gerne bei mir, aber ich hoffe, dass Yusuf heuer viele Spiele bei den Profis macht." Das ist zumindest der Plan von Rapid.

Ein langfristiger Plan, der früh ausgearbeitet wurde und Demir auch zur neuerlichen Vertragsverhandlung veranlasste. "Er weiß natürlich auch, was er an Rapid zu schätzen hat. Wir haben ihn doch viele Jahre begleitet mit einem persönlichen, individuellen Karriereplan. Und das hat bis jetzt auch ganz gut funktioniert."

Die grün-weißen Träume gehen sogar in die Richtung, dass Demir mit Rapid in der Champions League oder in einer Meistermannschaft aufläuft oder einen Titel holt, "ehe er dann mit 18 oder 19 in eine große Liga wechselt, weil dann kommt er dort nämlich direkt in den Profi-Kader und hat einen anderen Stellenwert. Aber er wird mit seiner Familie, seinem Management und uns die richtigen Entscheidungen treffen. Momentan ist er noch da, und wir hoffen, dass er so lange wie möglich da ist, wo auch immer er seine Tore schießt und vorbereitet."

Anekdote zeigt, wie Demir tickt

Nicht nur Schuldes rät Demir zu keinem verfrühten Wechsel, auch Hofmann sieht durchaus Vorteile darin, wenn Demir zuerst noch bei den Rapid-Profis seine Spuren hinterlässt.

"Ich hoffe sehr, dass er die nächste Saison noch zumindest zu Ende spielt bei uns, dann muss man sich eh überlegen, was passiert. Es hängt natürlich auch alles von ihm ab, wie viele Spiele er hat und welche Leistungen er bringt. Aber ich glaube, dann wird sein Weg irgendwann weitergehen", geht der bei den Fans als "Fußballgott" verehrte Hofmann von einem baldigen Standortwechsel des Youngsters aus.

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Dass Demir eine Ausnahmeerscheinung ist, war den Beteiligten schon länger bewusst. Trotzdem ist es gerade die Bodenständigkeit und die Mentalität des Offensiv-Talents, die ihn nicht abheben lassen und er sich deshalb bei Rapid noch gut behütet fühlt.

In der Vorbereitung absolvierte Demir noch ein Testspiel für Rapid II - aber keine Spur von Unzufriedenheit, weil er "unten" aushelfen musste. Im Gegenteil. Das Ergebnis ist eine Anekdote, die Schuldes von seinem Schützling schwärmen lässt und seiner Meinung nach die Person Yusuf Demir bestens beschreibt.

"Die Spieler, die von der Kampfmannschaft gekommen sind, haben nur 60 Minuten gespielt, weil sie am nächsten Tag wieder Training mit den Profis hatten. Demir wurde ausgetauscht, duscht sich und dann verletzt sich ein Spieler in der 82. Minute und wir haben schon alle Spieler drinnen gehabt. Und Yusuf, der von den Profis hinunterkommt, läuft als Frischgeduschter in die Kabine, zieht sich wieder um, läuft zur Trainerbank, stellt sich damals noch neben Zeljko Radovic hin und sagt: Trainer ich will wieder rein für die fünf Minuten."

Was Demir von den anderen unterscheidet

Diesem Wunsch gaben die Entscheidungsträger zwar nicht mehr nach, da es mit den Profis anders ausgemacht war, für Schuldes zeigten sich aber jene Charakterzüge, die er so an Yusuf Demir und seiner Herangehensweise an den Fußball schätzt.

"Das zeigt schon, dass der Junge einfach Fußball spielen will. Und das kann er sehr gut. Ich nehme an, dass das öfters bei den Profis als bei uns passieren wird." Was Demir auf den Rasen zaubert, steht für sich. Seine Einstellung macht ihn jedoch noch spannender.

Deshalb stellt sich nicht umsonst die Frage, was Demir hat, was andere (in diesem Alter) vielleicht nicht oder nie haben werden: "Er ist der erste, der auf dem Platz steht und der letzte, der geht. Er hilft mit beim Tore her- und wegtragen und alles nur, weil er so gern und viel wie möglich Fußball spielen will."

Nachwuchs-Leiter Schuldes geht noch näher darauf ein: "Er hat schon außergewöhnliche Fähigkeiten. Wenn er international gegen Gleichaltrige oder ein, zwei Jahre ältere Spieler spielt in anderen Nationalmannschaften, dann kann man es noch viel mehr vergleichen, weil jetzt sieht man ihn als 16-, 17-Jährigen bei den Erwachsenen – das ist ja eigentlich ein unfairer Vergleich. Aber wenn man ihn mit den unmittelbaren Altersgenossen sieht, dann steht er einfach drüber. Dieses Talent alleine ist es nicht, aber gepaart mit dieser positiven Besessenheit Fußball spielen zu wollen und auch Fußball als Spiel zu sehen, mit diesem Fokus - das gibt es nicht so oft."

"Ich weiß nicht, wie oft man so einen Spieler bekommt"

Stark am Ball, technisch versiert, große Übersicht, stetige Torgefahr, hohe Laufbereitschaft - Eigenschaften, mit denen der Jungstar früh in seiner Entwicklung aufzeigte und seinen Weg bis zu den Profis machte.

Nach seinen Anfängen in der Vienna-Jugend schloss sich Demir bereits 2013 den Hütteldorfern an und steht nach sieben Jahren am bisherigen Höhepunkte seiner Karriere. Bei Rapid wird man alles daran setzen, das Beste aus ihm herauszuholen und ihm in weiterer Folge eine große Karriere zu ermöglichen.

"Ich weiß nicht, wie oft man so einen Spieler bekommt", hält auch Hofmann fest, obwohl es ihm gleichzeitig in seiner Rolle als Talente-Manager unangehem ist, nur Demir hervorzuheben. "Aber wir haben nicht nur Yusuf, wir haben andere super Spieler auch, denen ich sehr viel zutraue. Die vielleicht jetzt nicht so oft genannt werden wie er, aber trotzdem hohe Qualität besitzen und uns auch noch in der ersten Mannschaft große Freude machen werden."

So weit wie Demir in dem Alter ist sonst aber noch keiner. Bleibt Demir seinem Weg und sich selbst treu, dann ist der Youngster - wie Hofmann erwähnte - einfach nicht zu stoppen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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