Kommentar: Warum Rapid europäisch spielen muss

Kommentar: Warum Rapid europäisch spielen muss Foto: © GEPA
 

Der SK Rapid könnte in den kommenden Tagen eine ohnehin bereits durchwachsene Saison total verpatzen.

Innerhalb von 90 Sekunden gaben die Hütteldorfer am vergangenen Wochenende beim WAC das sicher geglaubte Europacup-Ticket leichtfertig aus der Hand, nun müssen die Wiener gegen die WSG Tirol (17 Uhr im LIVE-Ticker) Überstunden verrichten.

Verlieren verboten, lautet das Credo im Westen Wiens. Denn ein Ausrutscher gegen den Qualifikationsgruppen-Triumphator würde in vielerlei Hinsicht schwer wiegen. Sich von den Wattenern einen Platz in der Qualifikation zur Conference League wegschnappen zu lassen, würde große Unruhe im Verein stiften.

Doch nicht nur: Am internationalen Startplatz hängen richtungsweisende Entscheidungen, welche ihren Schatten bereits auf die kommende Saison und darüber hinaus werfen.

Europa wäre ein wichtiges Argument für Schlüsselspieler

Emanuel Aiwu, Robert Ljubicic und Marco Grüll – dem Trio werden die größten Chancen auf einen Wechsel im Sommer zugerechnet.

Während Ljubicic sich bereits für Dinamo Zagreb und gegen Rapid entschieden haben soll, hängt die Zukunft von Aiwu und Grüll noch am seidenen Faden.

Der 21-jährige Innenverteidiger wurde erst letzten Sommer von der Admira verpflichtet. Rund 750.000 Euro ließen sich die Grün-Weißen Aiwus Dienste kosten. Der gebürtige Innsbrucker avancierte schnell zur Stammkraft, zählt zu den Dauerbrennern der Mannschaft.

Das vielseitig einsetzbare Talent hatte schon vor seinem Wechsel zum SCR Anfragen aus dem Ausland am Tisch liegen, diese werden nun wohl eher mehr als weniger geworden sein.

Mit der Chance auf eine Teilnahme an der Conference League könnten die Verantwortlichen rund um Geschäftsführer Sport Zoran Barisic dem U21-Teamspieler einen gewichtigen Grund vorlegen, noch eine weitere (Halb-)Saison im Dress der Hütteldorfer zu bestreiten.

Selbiges gilt auch für Grüll, der nach seiner Ankunft aus Ried zum absoluten Leistungsträger avancierte. Dass der Pongauer eine Offensivwaffe sein kann, bewies er bereits im Innviertel.

Einen solchen Coup haben sich aber wohl nur die kühnsten Rapid-Fans erwartet. 24 Torbeteiligungen (Anm: 15 Tore und 9 Assists) aus 49 Pflichtspielen kann der 23-Jährige vor den letzten beiden Begegnungen der Saison vorweisen, die Aktie Grüll schoss binnen eines knappen Jahres in die Luft.

Der Rekordmeister wird mit dem beidfüßigen Angriffsspieler definitiv ein großes Geschäft machen, die Frage ist nur: Wann? An Interessenten wird es kaum mangeln, gut möglich, dass der vierfache ÖFB-Nationalspieler aus mehreren Optionen wählen kann. Und Rapid wird wohl nur eine sein, wenn man es schafft, kommendes Jahr international zu spielen.

Ansonsten wird man sich daran gewöhnen müssen, Grüll und Co. nach nur einem Jahr wieder in einem anderen Trikot zu sehen.

Internationale Erfahrung ist für junge Spieler mittlerweile essenziell

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

Emanuel Aiwu, Jonas Auer, Thierno Ballo, Marco Grüll, Robert Ljubicic, Leopold Querfeld, Martin Moormann, Denis Bosnjak, Oliver Strunz und Mario Dijakovic.

Rapid hat es heuer gleich zehn Spielern ermöglicht, ihr Debüt in der Gruppenphase eines europäischen Bewerbs zu geben. Diese Spieler sammelten Erfahrungen, die sie in der Bundesliga nie und nimmer sammeln könnten.

Erfahrungen, die für die Karriere eines jeden Spielers immens wertvoll ist. Noch wichtiger ist sie für junge, aufstrebende Kicker. Denn je früher sie sich auf internationaler Bühne beweisen dürfen, desto mehr nehmen sie für den weiteren Verlauf ihrer Profi-Laufbahn auch mit.

Das beweist nicht erst das Beispiel Red Bull Salzburg. Die Wiener wissen selbst aus erster Hand, dass man daraus Profit schlagen kann. Sowohl sportlich als auch finanziell schlägt sich eine Europacup-Teilnahme schnell einmal nieder, können Spieler sich hier doch nicht nur auf Top-Niveau messen, sondern auch Scouts auf sich aufmerksam machen.

Das erhöht wiederum die internationale Reputation des Vereins, der sich diese ebenfalls zunutze machen kann.

Top-50-Klub in Europa? Aktuell nur eine Illusion

2013 startete der inzwischen ehemalige Rapid-Präsident Michael Krammer mit hoch gesteckten Zielen in seine Ära.

Er wollte die Grün-Weißen zu einem Top-50-Klub in Europa machen, geschehen ist dies jedoch nie. Zwischenzeitlich war Rapid zwar nahe dran, selbiges lässt sich aber auch über die „Mission 33“ sagen.

Denn als einer der besten 50 Klubs im europäischen Fußballverband konnten sich die Hütteldorfer nie etablieren, aktuell droht sogar der Rausfall aus den Top 100.

Nur auf Platz 96 steht der SCR. Vereine wie Bodo/Glimt, der FC Astana oder Qarabag Agdam sind besser klassiert. Eigentlich ein Armutszeugnis für den stolzen Klub, der gerade mal Österreichs drittbester Klub auf dem Kontinent ist. Serienmeister Red Bull Salzburg und der LASK liegen nämlich auf den Rängen 21 und 47.

Davon ist Rapid eben noch weit enfernt, nur mit guten Leistungen kann man die Platzierung verbessern.

Sollte Rapid zum dritten Mal in den letzten sechs Jahren den Europacup verpassen, hat das auch Auswirkungen auf den Koeffizienten und den damit verbundenen Setzungen in den verschiedenen Qualifikationsphasen bzw. Reihungen in den Lostöpfen im Falle einer Gruppenphasen-Teilnahme.

Die wertvollen Millionen

Geld regiert die Welt.

Ein alter Weisheitsspruch, der sich auch auf den SK Rapid übertragen lässt. Finanzielle Klammheit herrscht bei den Hütteldorfern zwar nicht, dennoch wird jeder Cent zweimal umgedreht.

Das zeigt sich nicht erst bei den bereits fixierten Transfers für das kommende Jahr: Sowohl Admiras Roman Kerschbaum als auch Klagenfurts Patrick Greil docken ablösefrei an.

Auch für die Wechsel von Marco Grüll und Robert Ljubicic im letzten Sommer mussten die Bankverbindungen nicht ausgetauscht werden. Emanuel Aiwu und Jonas Auer kosteten dem SCR hingegen schlappe 950.000 Euro.

Mit Ferdy Druijf, der unbedingt weiter im Grün-Weißen-Trikot spielen will, kündigt sich der erste Millionen-Transfer seit Koya Kitagawa an. 1,5 Millionen Euro wurden für den unrühmlich agierenden Japaner hingelegt, zieht Rapid die Kaufoption des von AZ Alkmaar ausgeliehen Stürmers, würde die doppelte Summe fällig werden.

Zusätzlich sind die Verluste aus den Zeiten der Corona-Pandemie weiter zu spüren. Der Geschäftsbericht 2020/21 wies zwar einen Umsatz von rund 40,5 Millionen Euro auf, doch nur aufgrund diverser Reduktionen konnte ein tatsächliches Plus von 0,7 Millionen Euro erzielt werden.

Die Selbstfinanzierung des „Körner Trainingszentrums powered by VARTA“, bei der es sich um einen „hohen einstelligen Millionenbetrag“ handeln soll, ist dabei gar nicht inkludiert.

Gerade deshalb benötigt der Playoff-Teilnehmer die Einnahmen aus einem Europacup-Antreten wie einen Bissen Brot.

Das Startgeld für die Gruppenphase der Conference League wird mit 2,94 Millionen Euro bemessen, dazu kommen Prämien aus einem Koeffizienten-Pool und einem Marketing-Pool. Pro Sieg gibt es 500.000 Euro Lohn und pro Unentschieden 166.000 Euro. Alle Gruppensieger erhalten zusätzliche 650.000 Euro, die Zweitplatzierten bekommen 325.000 Euro.

Am Beispiel des LASK: Die „Athletiker“ kämpften sich letztes Jahr über die Qualifikation in die Gruppenphase, sammelten fünf Siege sowie ein Remis. Darüber hinaus sicherten sich die Linzer den Gruppensieg. Pi mal Daumen erhielt der LASK rund 6,3 Millionen Euro, wobei die Prämien noch nicht inkludiert sind.

Außerdem dürfen die Erlöse aus den Ticket-Verkäufen mit eingerechnet werden. In einem europäischen Bewerb gibt es kaum Abende, an denen Rapids Allianz Stadion nicht zum Bersten gefüllt ist.

Die große Unruhe

Gibt es in Hütteldorf eigentlich Phasen, in denen es ruhig ist?

Wohl kaum. Besonders dann nicht, wenn Rapid eine schwache Spielzeit hinter sich hat.

Dies war zuletzt 2018/19 der Fall, als man den erstmals ausgetragenen Grunddurchgang der Admiral Bundesliga nicht unter den Top 6 abschloss und somit in die Qualigruppe musste. Noch in der Frühphase der Spielzeit musste Goran Djuricin Didi Kühbauer weichen, der Burgenländer schaffte es allerdings nicht, den Klub in die oberen Gefilde zu führen.

In Folge konnte zwar die Qualigruppe für sich entschieden werden, im Finale des Europacup-Playoffs unterlag Rapid allerdings dem SK Sturm. Danach musste Sportdirektor Fredy Bickel den Hut nehmen, Zoran Barisic kehrte zu seinem Herzensklub zurück und bekleidete fortan die Stelle des Geschäftsführer Sport.

Der inzwischen 52-Jährige sah sich daraufhin mit einem regen Transfersommer konfrontiert. Neben den Verpflichtungen von Koya Kitagawa, Maximilian Ulmann oder Filip Stojkovic wurden Mert Müldür und Boli Bolingoli für reichlich Kohle abgegeben. Barisic musste Kühbauers Transfer-Wünsche erfüllen, tat dies auch und wurde mit dem Vizemeister-Titel belohnt.

Die Parallelen zur noch laufenden Saison sind also nicht von der Hand zu weisen. Diesen Sommer werden ebenfalls wichtige Stützen den Klub verlassen. Ferdinand Feldhofer wird vermutlich auch beim Verpassen des europäischen Geschäfts weiter auf der Hütteldorfer Trainerbank sitzen, sich seinen Kader nach Belieben zusammenbasteln können.

Des weiteren würde alles und jeder im Klub hinterfragt werden. Zurecht, denn eine Europacup-lose Spielzeit darf sich Rapid nicht leisten. Vor allem darf aus SCR-Sicht und bei allem Respekt das Europacup-Ticket nicht an die WSG Tirol abgetreten werden.

Dies käme einem heftigen Schlag in die Magengrube gleich. Und würde im 14. Wiener Gemeindebezirk für stürmische Zeiten sorgen.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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