Knetts Ziel: Austria, Rapid oder Sturm

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Dem Fußball fehlen die Typen – eine Beschwerde die man speziell bei unseren deutschen Nachbarn, aber auch in heimischen Gefilden häufig hört.

Christopher Knett muss sich diesen Vorwurf sicher nicht gefallen lassen. Der Torhüter des FC Wacker Innsbruck entspricht gar nicht dem aktuellen Klischee eines Profi-Fußballers.

„Ich glaube schon“, entgegnet der 28-Jährige im exklusiven Gespräch mit LAOLA1 auf die Frage, ob er ein verrückter Hund ist. „Ich glaube überhaupt, dass Tormänner ein bisschen anders ticken und ich im Speziellen, gerade wenn ich am Spielfeld stehe und es um etwas geht.“

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Legendär sind in Innsbruck bereits die Bilder Knetts, als er bei der Aufstiegsfeier des FC Wacker mitten in den Fanmassen samt Sohn mit Partnerfrisur auf dem Arm ein Interview gibt.

Warum gerade Tormänner anfällig dafür sind, im positiven Sinne verrückt zu sein? „Da musst du einfach ein bisschen verrückt sein, wenn ein Stürmer auf dich zukommt und du dich aus drei Metern Entfernung abschießen lässt“, lautet die Erklärung des Wieners.

Plan B: Tätowierer

Ein weiterer Beweis dafür, dass sich Knett von den meisten seiner Berufs-Kollegen unterscheidet, zeigt sich in seinen Überlegungen für die Zeit nach seiner aktiven Karriere.

Der Tätowierer Slimheli, dem unter anderem auch Marko Arnautovic seine Haut anvertraut, hat ihm das Tätowieren beigebracht. „In der Zwischenzeit tätowiere ich selbst. Fußball steht im Vordergrund, aber als zweites Standbein für nach der Karriere, könnte ich mir das gut vorstellen“, so Knett.

Zum Üben hat er beispielsweise einem Wacker-Fan das Tivoli-Nord-Logo (der Zusammenschluss der aktiven Fanklubs) unter die Haut gestochen. Das Ergebnis präsentiert er stolz in diesem Instagram-Video:

Berühmte Wegbegleiter

Mit Arnautovic teilt sich Knett zudem nicht nur den Tätowierer, wie er verrät: „Ich kenn den Arnie selbst, bin auch mit David Alaba gut befreundet. Marko ist auf jeden Fall ein verrückter Hund.“

Kennengelernt haben sich die drei in der Jugend von Austria Wien. Wie Alaba und Arnautovic ist auch Knett in jungen Jahren ins Ausland gewechselt. Mit 16 Jahren ging es zur SG Sonnenhof Großaspach nach Deutschland, eineinhalb Jahre später weiter in die Jugendabteilung der TSG Hoffenheim. Es folgte die Rückkehr zu Sonnenhof Großaspach, ehe er 2013 zu Austria Lustenau wechselte. Zur Aufstiegssaison verschlug es Knett letztlich nach Tirol.

Eine goldrichtige Entscheidung in der Retroperspektive, im ersten Jahr holte er den Zweitliga-Titel und wurde zudem als bester Tormann der Saison ausgezeichnet. Der 1,84 Meter große Keeper verrät aber, dass es keine Liebe auf den ersten Blick zwischen Tirol und ihm war.

„Ich habe es lieben gelernt. Am Anfang war es ein bisschen beängstigend mit den ganzen Bergen, das bedrückt einen schon. Aber in der Zwischenzeit habe ich viele Freunde, auch außerhalb des Fußballs, und meiner Familie geht es gut, meinem kleinen Sohn geht es gut, der hier in den Kindergarten geht. Deswegen gefällt es uns hier sehr gut“, erzählt Knett.

Gescheiterter Union-Wechsel

Dass er nach wie vor in Tirol sein Geld verdient, war nach diesem Sommer allerdings nicht unbedingt absehbar. Gerüchte um einen Wechsel zu Union Berlin in die 2. deutsche Bundesliga hielten sich konsequent.

Knett bestätigt zwar das Angebot, die Gründe, warum der Wechsel letztlich nicht klappte, will er aber nicht verraten: „Das bleibt lieber intern.“

Aufgeschoben heißt bekanntlich nicht aufgehoben, doch mit Transfers möchte er sich momentan nicht intensiv beschäftigen: „Sag niemals nie, aber ich glaube, in der Situation, in der wir sind, wäre es falsch, darüber zu reden oder einen Vereinswechsel anzustreben. Wir haben hier eine Mission am Anfang der Saison gestartet, die wir jetzt weiterführen. ‚Wir sind gekommen, um zu bleiben‘ ist der Slogan. Wenn die Saison vorbei ist und wir die Mission erfüllt haben, dann kann man darüber reden.“


Text wird nach dem Video fortgesetzt


Knetts Vereins-Ziele

Eine Rückkehr nach Deutschland ist nicht die Priorität von Knett. Seine Ziele sind dennoch ambitioniert, denn zumindest bei einem österreichischen Topklub möchte der 28-Jährige schon noch unterschreiben.

„Ich habe klare Ziele definiert. Ausgenommen Salzburg wäre es schon ein großer Traum für die Austria, Rapid oder Sturm spielen zu dürfen“, so seine ehrliche Antwort.

Warum nicht Salzburg? „Da bin ich zu alt dafür“, so die realistische Einschätzung des 28-Jährigen.

Ein langfristiger Verbleib in Innsbruck ist aber alles andere als ausgeschlossen: „Wer sagt, dass Wacker Innsbruck nicht in den nächsten Jahren wieder ganz groß wird und ich gerne hierbleiben würde?“

Eigenwerbung in dieser Saison

Werbung in eigener Sache, um seine Ziele zu erreichen, hat Knett in dieser Saison auf jeden Fall betrieben.

„Ich glaube, in jeder Sportart und bei jedem Sportler ist es so, dass man sich verbessern will. So ist es bei mir auch. Die Saison war bis jetzt in Ordnung, aber es gibt Steigerungspotenzial“, zeigt er seinen Ehrgeiz.

Um noch besser zu werden, hat er auch Änderungen am eigenen Körper vorgenommen: „Ich habe jetzt neun Kilo abgenommen, also schaue ich gerade im athletischen Bereich, dass da was weitergeht.“

Mit Hidajet Hankic hat Knett in dieser Saison zudem eine starke Nummer zwei im Rücken. Zwischenzeitlich gab es sogar Gerüchte, Hankic könnte ihn als Stammkeeper ablösen. „Das pusht mich“, hat Knett kein Problem damit.

Erfolgsverwöhntes Publikum

Mannschaftlich gesehen wird sich der FC Wacker Innsbruck wohl mit dem unteren Playoff abfinden müssen. Im Gegensatz zu anderen Aufsteigern der letzten Jahre konnten die Schwarz-Grünen die Aufstiegseuphorie nicht richtig in die Bundesliga mitnehmen.

„Das Publikum in Tirol ist generell ein bisschen anders, es ist sehr erfolgsverwöhnt von den alten Zeiten. Wir tun unser Bestes. Wir wollten den Flow mitnehmen, aber wir haben am Anfang keine leichten Spiele gehabt, haben ein paar unglückliche Spiele gehabt. Dann ist es schwierig, da wieder rauszukommen“, so Knett.

Er visiert aber nach wie vor hohe Ziele an und glaubt an Platz sieben, der noch eine theoretische Europa-League-Teilnahme ermöglicht: „Du musst dir als Sportler und Mannschaft das höchste Ziel setzen. Wir sind nicht in die Saison gegangen mit dem Ziel, dass wir Meister werden, das wäre unrealistisch. Vor dem Playoff können wir uns zusammensetzen und Pläne schmieden. Ich denke schon, dass jeder das Ziel hat, das Höchste zu erreichen.“

Es wäre eine gute Möglichkeit, in ganz Europa zu zeigen, dass es sehr wohl noch Typen im Fußball gibt.

Textquelle: © LAOLA1.at

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