Auf den Trainer-Typ steht Rapid-Sportchef Bickel

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Bis zu 50 Namen sollen also auf Fredy Bickels Liste gestanden sein.

Kaum vorstellbar, dass sich so viele Trainer für den Job beim SK Rapid aufdrängen. Am Montag bei der Präsidiumssitzung legt der Sportchef somit die reduzierte Fassung mit zehn Favoriten vor.

Der Schweizer ist ein alter Hase im Geschäft und hat sowohl bei Young Boys Bern als auch dem FC Zürich schon mehrere Trainer installiert.

Bevorzugt: Aufstrebende Trainer mit Hang zur Jugend-Förderung, die er bestenfalls schon gut kennt.

Nicht zufällig schrieb die "Aargauer Zeitung" erst kürzlich, nachdem Bickel selbst Noch-Basel-Trainer Urs Fischer in Stellung brachte: "Weil Bickel gerne mit Menschen zusammenarbeitet, die er gut kennt."

Gewisse Regelmäßigkeiten sind bei seinen bisherigen Trainer-Anstellungen zu erkennen. Auch, dass es sich beim einen oder anderen um einen guten Kumpel oder ehemaligen Weggefährten handelte.

LAOLA1 zeigt, auf welche Trainertypen Rapids-Sportchef bisher stand:

YOUNG BOYS BERN (2. Ära, 1. Jänner 2013 bis 13. September 2016)

ADI HÜTTER:
(seit 7.9.2015, 606 Tage, 75 Spiele, 1,85 Punkte)

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Bickels heißester Fang aus österreichischer Sicht - und sein bisher letzter in der Schweiz. Hütter wurde am 7. September 2015 als neuer starker Mann präsentiert und ist seither über 600 Tage erfolgreich im Amt. Ein großer Verdienst des heutigen Rapid-Sportdirektors, für den Hütter nach Uli Forte erst der zweite Coach war, der nicht die Schweizer Staatsbürgerschaft trug. YB-Präsident Werner Müller lobte damals: "Er ist ein junger Trainer mit klaren Absichten." Für Sportchef Bickel war der Vorarlberger von Anfang der Trainersuche an ein Top-Kandidat. "Im gegenseitigen Austausch sind wir zum Schluss gekommen, dass es passt und wir mit ihm in die Zukunft gehen wollen." Hütter galt bei Salzburg als aufstrebender Trainer mit klarer Philosophie - der in der Mozartstadt jedoch nicht mehr länger nur für Leipzig ausbilden wollte und nach und nach Leistungsträger verlor. "Auch sein System passt perfekt zu mir, hohes Pressing und ständige Offensive - so macht Fussball Spaß", meinte Top-Talent Denis Zakaria über Hütter. Bickel ließ sich bei der Bestellung Zeit und von Hütter überzeugen. Dass er sich auf seinem Weg nicht von Nationalität, Klub-Verbundenheit etc. abbringen lässt, stellte er schon damals unter Beweis. Weshalb Hütter erneut auf Bickels Liste stehen soll. Dieser hat sich jedoch bei seiner ersten Auslands-Station einiges aufgebaut, strebt nach Höherem. Da erscheint selbst die Tatsache, dass ihn sein ehemaliger Vertrauter überzeugen kann, eher unwahrscheinlich.

HARALD GÄMPERLE:
(interimistisch, 6.8.2015 bis 6.9.2015, 31 Tage, 7 Spiele, 1,29 Punkte):

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Wie bei Rapid mit Goran Djuricin wählte Bickel auch bei den Young Boys eine interne Übergangslösung, bis Hütter als Nachfolger von Uli Forte installiert wurde. Gämperle, der schon zuvor als Co-Trainer aktiv war, rückte zum Saisonstart 2015/16 für ein Monat ins erste Glied. Nach sieben Spielen und einem Punkteschnitt von 1,29 Punkten machte er Platz für Hütter und steht diesem wieder als Assistent zur Seite.

ULI FORTE:
(1.7.2013 bis 5.8.2015, 765 Tage, 94 Spiele, 1,69 Punkte):

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Mit Hütter und davor Forte setzte Bickel auf junge Trainer, die bereits Erfolge vorzuweisen hatten und ihr Können mit jungen Nachwuchsspielern bewiesen haben. Bickel holte den damals 39-Jährigen nach nur einem Jahr von den Grasshoppers Zürich. Mit dem Cupsieg und Platz 2 empfahl er sich für höhere Aufgaben, beim Angebot der Young Boys konnte sein Klub nicht mehr mithalten. Dieser unterzeichnete einen Dreijahresvertrag und sollte nach einer verpatzten Saison mit Platz 7 neuen Schwung bringen. "Sein Wille, seine Lebensfreude und seine Bereitschaft zur Teamarbeit auf und neben dem Platz sprachen für Forte", begründete der YB-Sportchef damals. Forte war Bickels erster ausländischer Trainer, obwohl der Italiener als Secondo in der Schweiz geboren wurde. Der neue Mann wurde auf Anhieb Dritter und das Jahr darauf Zweiter. Doch zum Saisonstart 2015/16 zog Bickel nach drei Remis und dem Aus in der CL-Quali gegen AS Monaco die Reißleine - für viele unverständlich. Doch Meinungsverschiedenheiten sollen sich schon wochenlang gezogen haben, Forte wurde als Einzelkämpfer dargestellt. Der Entlassene rechnete danach mit Bickel via Medien ab, dieser meinte "man habe sich auseinandergelebt".

BERNARD CHALLANDES:
(8.4.2013 bis 30.6.2013, 83 Tage, 10 Spiele, 1,10 Punkte)

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Ein guter Freund von Bickel, der nach dem Aus von Martin Rueda interimistisch aushelfen durfte. Bickel vertraute auf einen ehemaligen Weggefährten, mit Challandes zusammen holt er 2009 mit dem FC Zürich den Meistertitel. Trainer, mit denen Bickel schon Erfolg hatte, haben scheinbar einen Stein im Brett.

MARTIN RUEDA:
(1.7.2012 bis 7.4.2013, 280 Tage, 41 Spiele, 1,46 Punkte)

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Ähnliche Situation wie bei Canadi: Rueda war schon da, als Bickel als Sportchef installiert wurde. Die beiden konnten sich vorerst gut arrangieren, aber wie bei Rapid war der Trainer nach rund vier Monaten weg, nachdem das Ziel, die Qualifikation für die Europa League, ernsthaft in Gefahr geriet.

FC ZÜRICH (23. März 2005 bis 31. Dezember 2012)

ROLF FRINGER:
(1.7.2012 bis 26.11.2012, 148 Tage, 19 Spiele, 1,21 Punkte)

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Während Fringer Ende November 2012 gefeuert wurde, entschied sich Bickel für den Weg zurück zu YB Bern. Die Installation von Urs Meier, der vom Interims- zum Chefcoach aufstieg und das Jahr darauf den Schweizer Cup holte, geht nicht mehr auf seine Kappe. Er hatte noch das missglückte Gastspiel des ehemaligen Nati-Trainers Rolf Fringer zu verantworten, der auf die zwei Interims-Versuche mit Harald Gämperle und Urs Fischer folgte. Der Austro-Schweizer holte mit dem FC Aarau (1993) und den Grasshoppers (1998) Meistertitel, das lag aber lange zurück. Zwischenzeitlich galt er als meistgefeuerter Trainer der Schweiz. Vor seiner Zeit in Zürich führte er jedoch den FC Luzern zurück zum Erfolg. Er schaffte den Klassenerhalt, führte das Team in die Europa League, musste dann aber unverständlich Murat Yakin weichen. Deshalb schlug Bickel zu, präsentierte ihn bereits im März, obwohl er erst im Sommer seinen Job antrat. Und nach wenigen Monaten scheiterte, da er den Klub nicht auf Kurs brachte.

URS FISCHER:
(19.4.2010 bis 12.3.2012, 693 Tage, 78 Spiele, 1,64 Punkte)

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Fischer hat es Bickel zu verdanken, dass ihm dieser 2010 die Chance gab, sich als Cheftrainer zu empfehlen. Nach Langzeit-Trainer Bernard Challandes wurde mit Fischer ein aufstrebender Mann installiert, der den Verein FC Zürich von der Jugend an intus hatte und schlussendlich von der U21 zu den Profis befördert wurde. Einer, der den Weg vorgezeichnet hat, einer der jahrelang gute Arbeit geleistet hat. Sein weiterer Werdegang ist bekannt: Mit dem FC Thun spielte er in der Europa League, u.a. gegen Rapid. Mit dem FC Basel wurde er nun zwei Mal in Folge Meister, hat noch die Chance auf den Cup-Sieg - wird aber trotzdem mit Saisonende vor die Tür gesetzt. Für viele unverständlich, doch angeblich passt die neue Basel-Identifikation mit dem Kind des FC Zürich nicht zusammen. Bei Zürich legte der Verwaltungsrat ein Veto ein, da er sich Sorgen um die Entwicklung der Mannschaft machte, Bickel hielt immer zu ihm. Deshalb wundert es nicht, dass Bickel von Fischer nur in höchsten Tönen spricht und ihn sogar bei Rapid ins Spiel bringt. "Ich würde auch nicht davor zurückschrecken, einen Schweizer Trainer zu holen", meinte er im "Blick" und zu Fischer: "Ich habe eine sehr hohe Meinung von ihm. Seine Teams sind immer sehr gut organisiert. Ich glaube, er würde gut nach Österreich passen. Die "Aargauer Zeitung" stimmte ihm zu: "Weil Bickel einen Trainer braucht, der authentisch ist und seiner intelligenten, aber etwas weichen Mannschaft eine gewisse Härte vermittelt. Weil Bickel beim FCZ bis zuletzt gegen Fischers Entlassung gekämpft hat. Und dass Fischers Assistent Markus Hoffmann aus Österreich stammt, ist auch kein Hindernis." Was dagegen spricht: Rapid wird nach dessen erfolgreicher Zeit beim FC Basel sicher nicht der einzige Interessent in Europa sein.

BERNARD CHALLANDES:
(13.6.2007 bis 19.4.2010, 1041 Tage, 138 Spiele, 1,64 Punkte)

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Es war Teil 1 der Zusammenarbeit mit jenem Trainer, den Bickel Jahre später interimistisch auch zu YB Bern holte. Es war eine erfolgreiche Zeit, mit dem Meistertitel 2009, die jedoch mit viel Skepsis begann. Schließlich musste Lucien Favre nach zwei Meistertiteln in Folge ersetzt werden, Spieler wie Gökhan Inler, Xavier Margairaz und Blerim Dzemaili drängten sich für höhere Aufgaben auf. Viele staunten nicht schlecht, als Bickel den damals schon 57-Jährigen aus dem Hut zaubert, der die Schweizer U21 trainierte und 2002 ins EM-Halbfinale im eigenen Land führte. Also einer, der es verstand, mit der Jugend zu arbeiten. Ein Weg, den Bickel einschlagen musste, nachdem die Stars den Abflug machten. "Furchtlos nach vorne, leidenschaftlich, kombinationssicher", beschrieb Challandes die Spielweise - Eigenschaften, die sich Bickel derzeit auch bei Rapid wünscht. Doch weniger als ein Jahr nach dem Meistertitel war Schluss. In der "Neuen Zürcher Zeitung" wurde Bickel zitiert: "Es belastet mich zutiefst, und es ist unfair, dass es den Trainer getroffen hat." Er sprach von der schwierigsten Entscheidung der letzten zwanzig Jahre, die wie so oft auf die Kappe von Vereins-Boss Ancillio Canepa ging, der die EL-Qualifikation flöten gehen sah. Dass Challandes ein guter Mann war, beweist die Tatsache, dass der FC Basel ihn zum Chefscout machte.

LUCIEN FAVRE:
(1.7.2003 bis 30.6.2007, 1460 Tage, 163 Spiele, 1,85 Punkte)

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Beim FC Zürich startete die große Karriere von Lucien Favre. Der Trainer war allerdings schon knapp zwei Jahre da, als Bickel zum Verein stieß. Der jetzige Rapid-Sportchef war wenige Tage im Amt, als sich mit dem Cupsieg ein Riesen-Erfolg einstellte, in den beiden Saisonen darauf wurde jeweils der Meistertitel eingefahren. Favre und Bickel - das funktionierte. Noch immer hält er große Stücke auf die damalige Zusammenarbeit. Er formte viele Spieler zu Schweizer Nationalspielern, baute ein Grundgerüst für den anhaltenden Erfolg auf, ehe er das Angebot von Hertha BSC Berlin 2007 nicht ausschlagen konnte. "Ich denke an Zürich zurück, es war zunächst schwierig, dann kam der Cup, die zwei Meistertitel, dann der Job bei der Hertha in der Hauptstadt. Als Schweizer konnte ich eine solche Offerte nicht ausschlagen, auch wenn es damals schwer war, mich zu überzeugen", meinte Favre in der "NZZ". Weitere Stationen bei Gladbach und nun OGC Nizza sind bekannt.

YOUNG BOYS BERN (1. Ära, 20. Jänner 2001 bis 30. Juni 2002)

MARCO SCHÄLLIBAUM:
(1.9.1999 bis 30.6.2003, 1398 Tage, 55 Spiele, 1,33 Punkte)

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Bickel durchlief von 1992 bis 1999 unterschiedliche Funktionen bei den Grasshoppers Zürich - vom Buchhalter über den Pressechef zum Technischen Direktor bis hin zum Assistent des Sportchefs. In seiner ersten, kurzen Amtszeit bei den Young Boys Bern trat er erstmals in den Vordergrund. Unter seiner Ägide als CEO gelang die Rückkehr in die höchste Spielklasse, die Super League, sowie die Europacup-Teilnahme. Für Marco Schällibaum trug er in seiner Rolle somit keine Verantwortung - dieser war schon da und blieb über seinen Abschied hinaus. Anzumerken ist jedoch, dass dieser als Kumpel Bickels gilt, die gemeinsame Zeit hat sich scheinbar eingeprägt. Doch erst beim FC Zürich und in seiner zweiten Ära bei YB musste Bickel beweisen, welches Händchen er für Trainer hat.

Textquelle: © LAOLA1.at

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