NEWS

"VAR Österreich" war einmal und bleibt dennoch ein Streitpunkt

Zwei Spieltage hat es gedauert, ehe Schiedsrichter und VAR-Entscheidungen wieder im Mittelpunkt der Diskussionen stehen. Der UEFA-Schiri-Chef zieht die Reißleine:

"VAR Österreich" war einmal und bleibt dennoch ein Streitpunkt Foto: © GEPA

Die Saison ist noch jung, der Ärger bereits wieder groß.

Diskussionen und Vorwürfe über die Leistungen der Schiedsrichter und vor allem der VAR-Entscheidungen reißen auch im Spieljahr 2026/27 nicht ab. Siehe dazu auch den neuesten Beitrag der Ansakonferenz!

Die WM im Juni und Juli hat diesbezügliche Schwächen aufgezeigt und in den europäischen Ligen sind Schiris und VAR ebenfalls Dauerthema.

Weiter kein VAR in Schwedens Liga

Interessant, dass sich Schweden als einzige Top-30-Liga Europas weiterhin der Einführung des VAR widersetzt.

2024 hatten sich 18 der 32 Profi-Klubs gegen den Videobeweis ausgesprochen. Eine Entscheidung, die auch damit zusammenhängt, dass die Mehrheitsanteile sämtlicher schwedischer Vereine den Fans gehören.

"Wir gewöhnen uns daran, den VAR im internationalen Fußball zu sehen. Aber in unserer heimischen Liga wollen wir ihn nicht", wird Svante Samuelsson, Sportdirektor der schwedischen Profiligen, in einem Artikel des Wall Street Journal zitiert. "Ich glaube, diese Haltung ist heute sogar noch stärker als zuvor."

TV-Zuschauer werden verwirrt erkennen, dass nicht alle neuen VAR-Regeln, die in internationalen UEFA-Wettbewerben gelten, von jeder europäischen Liga übernommen worden sind.

In England werden Corner nicht überprüft

In England werden keine Eckbälle überprüft, in Deutschland und Spanien gibt es für "Hand vor den Mund halten" nur Gelb, in Italiens Serie A setzt es - wie bei der WM praktiziert - glatt Rot. Der VAR darf und soll den Schiedsrichter auf entsprechende Szenen aufmerksam machen.

In der österreichischen und deutschen Bundesliga sowie in Spaniens La Liga gibt es für die gleiche Aktion nur Gelb. In der Schweiz bleibt die Hand-vor-dem-Mund-Geste vorerst komplett unsanktioniert.

Der ÖFB hat mit einem Rundschreiben vom 30. Juli alle Vereine, Spielerinnen und Spieler, Vereinsvertreter sowie die Medien auszugsweise über die ab der Saison 2026/2027 geltenden Regeländerungen und Anpassungen informiert.

Als kleine Anmerkung sei vermeldet, dass dies von Seiten des ÖFB eine Woche nach dem Auftakt des Cupsbewerbs, bei dem diese Regeln natürlich auch schon gegolten haben, passierte.

VAR ist nicht der Heilsbringer des Fußballs

VAR ist nicht der Heilsbringer des Fußballs
Schweizer Ex-Referee Urs Meier
Foto: ©GEPA pictures

Im Schweizer "Blick" ist zuletzt der ehemalige Top-Referee Urs Meier zitiert worden, der die Entwicklung kritisch sieht.

"Die FIFA will Fehlentscheidungen möglichst eliminieren und die Technik auch mit Hilfe von KI vorantreiben."

Laut Meier hätten die Schiedsrichter dadurch immer weniger Einfluss auf das Spiel. "Ob das der richtige Weg ist? Ich glaube nicht, denn nur ein Mensch mit Fußballsachverstand und Menschenkenntnis kann ein Spiel leiten", sagt Meier.

DFB-VAR übersiedelt vom "Keller" in Köln nach Frankfurt

Der DFB verlegt sein VAR-Zentrum vom "Keller" in Köln auf den DFB-Campus nach Frankfurt in ein sechs Mal größeres Büro. Dies geschieht nicht ohne Absicht.

Meier vermutet in der deutschsprachigen Schweizer Tageszeitung: "Irgendwann wird auch ein Freistoß vor dem Strafraum am Bildschirm gecheckt werden."

"Der VAR ist quasi als Airbag für die Schiedsrichter eingeführt worden", meint Meier und wünscht sich, "dass er bei zehn Fällen zehn Mal und nicht nur sechs Mal funktioniert."

Deswegen ist für den ehemaligen Top-Referee klar: "Der VAR ist nicht der Heilsbringer des Fußballs."

IFAB korrigiert FIFA

Dass sich das International Football Association Board (IFAB) - die Regelhüter des Fußballs - eine Woche nach dem Ende der WM bemüßigt gefühlt hat, wegen einer unrichtigen Regelauslegung im Fall Embolo – Punkt 3 des VAR-Protokolls: Verwechslung eines Spielers – korrigierend einzugreifen, hat Meier so noch nie erlebt.

"Generell wurden die Regeln bei dieser WM nicht sauber umgesetzt", findet Meier, der bei der WM 1998 und 2002 Spiele leitete. "Für ein Zurückreißen, das normalerweise Gelb gibt, wurde nicht einmal eine Ermahnung ausgesprochen. Man ließ zu vieles durchgehen."

UEFA geht einen Schritt zurück

UEFA geht einen Schritt zurück
Foto: ©GEPA

Beim europäischen Verband hat eine Rückbesinnung eingesetzt, womöglich auch aufgrund der WM-Ereignisse - Bericht.

Ursprünglich wurde der VAR eingeführt, um klare Fehlentscheidungen, die noch Wochen oder sogar Jahre für Diskussionen sorgten, zu verhindern.

Das Wembley-Tor 1966 im WM-Finale zwischen England und Deutschland oder der Treffer von Diego Maradona durch die "Hand Gottes" 1986 im WM-Viertelfinale zwischen Argentinien und England sind heute diesbezüglich jedem Fußball-Fan ein Begriff.

Torlinientechnologie funktioniert

Was Meier gefällt? "Die Torlinientechnologie funktioniert hervorragend."

Auch die Diskussionen um Abseits-Tore sind auf ein Minimum reduziert worden.

"Alles, was schwarz oder weiß ist, funktioniert", sagt Meier und nennt einen griffigen Vergleich aus dem Auto: "Wir sind es mittlerweile auch gewohnt, dass es beim Einparken piepst. Aber wenn die Technik einmal versagt und dies nicht der Fall ist, sind wir verloren."

UEFA-Schiri-Chef zieht Reißleine

Roberto Rosetti, Schiri-Chef in der UEFA, bringt in einem Interview auf Law 5 seine Vorstellungen klar zum Ausdruck .

Im Sinne der Transparenz ist bei der UEFA für alle Fußballinteressierten auch eine neue Website CLEAR LINE - hier geht es zum Link - bereitgestellt worden, um VAR-Entscheidungen besser einordnen zu können.

"VAR Österreich" war einmal...

"VAR Österreich" war einmal...
Der steirische "Marathonmann" Alexander Harkam
Foto: ©GEPA

Die Schiri-Granden in Österreich - der Ungar Viktor Kassai und Ali Hofmann - sind übrigens den umgekehrten Weg gegangen.

Seit Ende Mai wird heimlich, still und leise "VAR Österreich" nicht mehr bespielt. Das heißt, es gibt keine Auflösungen zu strittigen Situationen mehr. So wartet WSG-Spieler Hinterseer weiter auf eine Erklärung, warum das Elfmeter-Foul in Altach aberkannt wurde.

Wurde es den Verantwortlichen zu heiß, ständig damit konfrontiert zu werden, dass viele Auflösungen nicht nachvollziehbar waren. 

Es wäre durchaus interessant gewesen, die Auflösung einiger Szenen in den ersten beiden Runden zu analysieren.

Strittige Entscheidungen in Runde 1 und 2

Bei LASK gegen GAK gab Schiri Gishamer bei einem Strafstoß keine Rote Karte, als der Angreifer zurückgerissen wurde - Stichwort Torchancenverhinderung.

Bei WAC gegen Austria sah VAR Ciochirca keinen Grund für einen Eingriff, als auf Elfmeter wegen Handspiels für Wolfsberg entschieden worden ist. Etliche Experten und Ex-Kollegen sahen den Arm sehr knapp am Körper, zudem war der Ball abgefälscht und die "Natürlichkeit des Armes" gegeben.

Offen ist auch, ob das aberkannte Tor von Wolfsberg nach VAR-Eingriff wegen eines "Fouls" im Zuge des Angriffs eine klare Fehlentscheidung war?

Wie bereits erwähnt entschied Referee Gishamer bei Altach gegen WSG Tirol aus bester Distanz und freier Sicht auf Strafstoß wegen Haltens. Dennoch holte VAR Schüttengruber den Kollegen Gishamer zum Monitor – war das eine klare Fehlentscheidung?

Hartberg gegen Sturm Graz: Strafstoß-Entscheidung von Weinberger. Der Ball wird zwar berührt, aber der Verteidiger zieht durch das Hineinrutschen mit seinem Körper den Fuß weg. Haben die gezeigten Bilder eindeutig den Referee widerlegt? VAR Kijas war offenbar dieser Meinung. 

Warten sollte ein Ende haben

Nachvollziehbar sind jedenfalls die Verärgerungen über gefühlt endlos langes Kontrollieren von Abseitsstellungen.

Wenn es offenbar für den VAR schwierig ist mit den Linien zu beweisen, ob es nun Abseits oder eben nicht war (zuletzt bei Austria gegen LASK durch VAR Semler gesehen), dann sollte doch das gelten, was am Spielfeld entschieden wurde.

Dies würde auch zu mehr Akzeptanz führen. Denn die Millimeter-Entscheidungen werden oft angezweifelt, zumal ja auch die Linien inklusive der Ballabgabe immer noch vom VAR festgelegt werden.  

Harkam im Dauereinsatz

Ein besonderes Jubiläum feiert der steirische Schiedsrichter Alexander Harkam am Sonntag.

Nachdem er zum Auftakt als Schiedsrichter bei Wolfsberg gegen Austria im Einsatz war (mit einigen strittigen Situationen), durfte in der 2. Runde als 4. Offizieller bei Austria gegen LASK auflaufen.

Aller guten Dinge sind Drei dachte sich wohl beim ÖFB jemand bei der Besetzung. Harkam ist in Runde 3 beim Auswärtsspiel der Austria in Hartberg gleich wieder als 4. Offizieller im Einsatz.

Man darf gespannt sein, ob Harkam beim Heimspiel der Austria gegen WSG Tirol neuerlich bei den Violetten auftaucht - drei Plätze wären zu vergeben: Schiedsrichter, 4. Offizieller oder VAR.

Kommentare