Winter-Check 2016/17: SKN St. Pölten

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Vom Überraschungs-Effekt des Aufsteigers war beim SKN St. Pölten keine Spur.

Von Anfang an hielten sich die Niederösterreicher im Tabellenkeller auf und überwinterten mit vier Punkten Vorsprung auf den SV Mattersburg als Vorletzter.

Ruhe herrschte im Wolfsrudel nie! Zuerst die Vertrags-Streitigkeiten mit Tomasz Wisio und Daniel Beichler, dann der Rauswurf von Karl Daxbacher und schlussendlich die Schlägerei zwischen Daniel Segovia und Alhassane Keita.

Das Ziel bleibt trotz allem der Klassenerhalt.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Cheikhou Dieng (Basakeshir) Daniel Segovia (Neftci Baku)
Babacar Diallo (Kuopio) Alhassane Keita (CS Maritimo)
Ümit Korkmaz (Rizespor/Vertrag aufgelöst) Florian Mader (WSG Wattens)
Maximilian Entrup (Rapid/Leihe) Kai Heerings (FC Homburg)
Adi Mehremic (Spartak Myjava) Tomasz Wisio (Katowice)
Lonsana Doumbouya (Inverness Caledonian Thistle) Andreas Dober (Rapid II)
Jeroen Lumu (Samsunspor)

Um dieses Ziel zu erreichen, blieb kein Stein auf dem anderen. Schon im Herbst legte man sich auf Trainer Jochen Fallmann fest. In der Transferzeit wurden dann die Verträge der zwei beteiligten der Prügel-Affäre aufgelöst, zumindest mit Segovia verlor man einen vereinstreuen Führungsspieler.

Auch Andreas Dober setzte die sportliche Führung vor die Tür, obwohl er vom Spielertyp einer wäre, der im Abstiegskampf aufrütteln kann. Weiters gingen mit Florian Mader und Kai Heerings zwei Routiniers, Jeroen Lumu kam nie richtig in St. Pölten an.

Überhaupt wirkten die Aktionen von Sportdirektor Frenkie Schinkels teilweise planlos, panisch und überhastet. Wie etwa bei Last-Minute Transfer Lonsana Doumbouya (Schinkels: "Fünf Tore in 19 Spielen sagen einiges aus. Er ist voll im Saft, hat bis vor kurzem in der Meisterschaft gespielt") oder bei der Vielzahl an geholten und vorhandenen (linken) Außenbahnspielern.

Und trotzdem könnten einige Transfers durchaus aufgehen: Die Rückholaktion von Ümit Korkmaz, der die Liga kennt, nach Österreich ist geglückt, mit Cheikhou Dieng wurde ein Aufstiegsheld zurückgeholt, der individuelle Klasse besitzt. Auch die Leihe von Maximilian Entrup kann sich auszahlen.

Interessant wird sein, wie sich Spieler wie Babacar Diallo oder Adi Mehremic in die Mannschaft einfügen. Dazu wurde in der Vorbereitung vermehrt auf eine Dreierkette in einem 3-4-3 gesetzt. Große Experimente bergen jedoch ein Risiko, denn der Abstiegskampf wird von der ersten bis zur letzten Frühjahrsrunde eiskalt.

ANALYSE: Diese drei Spieler stehen beim SKN St. Pölten im Fokus!


LAOLA1 hat die Wunschelf und Kaderbewertung des SKN St. Pölten:

TOR:

Eine klare Nummer eins gab es bisher nicht und wird es möglicherweise auch nicht geben. Im Herbst startete Christoph Riegler und durfte elf Mal in Folge in der Bundesliga das Tor hüten. Dann gab es vom einen auf den anderen Tag den Wechsel. Thomas Vollnhofer bekam seine Chance im Kasten und spielte die restlichen neun Spiele bis zur Winterpause. Auch in der Vorbereitung gaben sich die beiden Keeper die Klinke in die Hand. Gut möglich, dass an Vollnhofer festgehalten wird und er zumindest als Nummer eins ins Frühjahr startet. Dahinter schnuppert mit Felix Gschossmann ein 20-jähriger Keeper, der das Trio perfekt macht.

LAOLA1-Bewertung: Riegler und Vollnhofer haben Erfahrung und sind ungefähr auf einem Level. St. Pölten hat zumindest die Möglichkeit, gut abgesichert zu sein, sollte einer ausfallen. Damit haben sie anderen Bundesligisten schon etwas voraus.

ABWEHR:

Neue Möglichkeiten beim SKN! 26 Spieler stehen im Kader, der Konkurrenzkampf ist groß. Vor allem in der Abwehr wird es durch die in der Vorbereitung geübte 3-4-3 bzw. 3-5-2-Variante eng. Neuzugang Babacar Diallo dürfte in der Dreierkette zentral eingeplant sein, rechts könnte Michael Huber (19 Einsätze im Herbst) und links Daniel Petrovic spielen. Doch Paul Parvulescu, der in der Vorbereitung kaum zum Zug kam, und der Neue Adi Mehremic sind nah dran und könnten ebenfalls je nach Ausrichtung in der Startelf stehen. Auch Martin Grasegger steht noch zur Verfügung. Im neuen System könnten bisherige Verteidiger auch eine Linie weiter vorne zum Tragen kommen, wie Marcel Holzmann oder David Stec.

LAOLA1-Bewertung: Viel wird davon abhängen, ob Kuopio-Neuzugang Diallo der Abwehr Halt verleihen und wie Mehremic helfen kann. Die anderen haben im Herbst ja nicht unbedingt den sichersten Eindruck gemacht. Zudem fehlt mit Andreas Dober ein Anpeitscher. Spannend wird, wie die System-Umstellung funktioniert.

MITTELFELD:

Im Mittelfeld bieten sich einige Möglichkeiten. In der Zentrale sollte Kapitän Lukas Thürauer seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen, doch in der Vorbereitung war er nicht immer erste Wahl. Neben ihm hat Michael Ambichl gute Karten, die Defensive zusammenzuhalten. Varianten gibt es einige. Etwa auch mit Routinier Marco Perchtold, Manuel Martic, dem erst 20-jährigen Husein Balic oder Peter Brandl, die jederzeit bedenkenlos aufgeboten werden können. Mario Mosböck kann sowohl im offensiven Mittelfeld als auch ganz vorne eingesetzt werden. Vor allem hat man jedoch auf den Außenpositionen eine große Anzahl an Akteuren. Im 3-4-3 dürfte David Stec dafür sorgen, dass das Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive gewahrt wird, links dürfte diese Rolle Marcel Holzmann oder Adi Mehremic zukommen. Altmeister Manuel Hartl ist im offensiven Mittelfeld und ganz vorne immer für einen Einsatz gut. Auch andere Außenverteidiger können ins Mittelfeld rücken, um die Ausrichtung nicht zu offensiv erscheinen zu lassen. Ansonsten stehen Varianten mit mehr Zug zum Tor zur Verfügung, wie Christopher Drazan, der nach langer Verletzungspause wieder fit ist. Für ihn, Ümit Korkmaz, Daniel Schütz oder auch Cheikhou Dieng wird durch das 3-4-3 jedoch vermehrt ganz vorne Platz geschaffen.

LAOLA1-Bewertung: St. Pölten benötigt mehr spielerische Linie als im Herbst. Viele Spieler konnten nicht das abrufen, was sie möglicherweise imstande sind. Rechnet man die offensiven Außenbahnspieler Korkmaz und Dieng im 4-3-3 mit ein, hat man sich in dieser Hinsicht aber mit Sicherheit verstärkt.

STURM:

Im Angriff ging mit Führungsspieler Daniel Segovia und Alhassane Keita nach dessen Prügel-Affäre Qualität verloren. Von den Angreifern blieb nur Kevin Luckassen übrig, der auch in der Vorbereitung meist als zentraler Stürmer zum Einsatz kam. Bis Lonsana Doumbouya noch auf den letzten Drücker verpflichtet wurde. Ein interessanter Mann von Inverness aus Schottland. Bei ihm bleibt abzuwarten, ob er von Anfang an das Zeug zum Stamm-Angreifer hat. Mit Maximilian Entrup wurde zudem ein Stürmer von Rapid ausgeliehen, der bisher unfreiwillig aufgrund seiner Austria-Vergangenheit für mehr Wirbel abseits als auf dem Platz gesorgt hat, der jedoch als Joker bestimmt Einsatzzeit bekommen wird. Auf den Außenpositionen in der offensivsten Dreierkette ist Ümit Korkmaz links gesetzt. Der Österreich-Rückkehrer wurde in den höchsten Tönen gelobt, bringt Erfahrung und das Potenzial zum Publikumsliebling mit. Auf rechts dürfte wohl Cheikhou Dieng dort anschließen, wo er in der Aufstiegssaison aufgehört hat. Auch Daniel Schütz ist immer für einen Einsatz von Beginn an gut. Zudem steht Christopher Drazan als Alternative bereit, auch Entrup könnte außen spielen.

LAOLA1-Bewertung: Bewertet man rein die Stoßstürmer und rechnet die Außenbahnspieler im Mittelfeld mit (was im altbekannten 4-4-2 möglich wäre), fehlt es an Qualität. Luckassen hat noch nicht eingeschlagen, hinter Neuzugang Doumbouya steht ein Fragezeichen, ob er St. Pölten sofort helfen kann. Entrup ist eine Ergänzung, wohl aber nicht mehr.

TRAINER:

Jochen Fallmann gilt durchaus als Trainer der neuen, jungen Österreicher-Generation, dem einiges zuzutrauen ist. Allerdings kann der 37-Jährige auch nicht zaubern. Als Interims-Nachfolger von Karl Daxbacher ließ er gute Anzeichen erkennen, sorgte anfangs für neuen Schwung, aber so richtig viel ging noch nicht weiter. St. Pölten ließ die Trainerfrage lange Zeit offen, entschied sich dann aber doch dazu, Fallmann das Vertrauen als Cheftrainer zu schenken. Nun gilt es zu beweisen, dass er es auch als Hauptverantwortlicher drauf hat. Im Schatten von Daxbacher soll er ja durchaus schon das Moderne integriert haben, die Aufgabe ist aber nun doch eine andere. Tortzdem zeigt er sich zuversichtlich, will zu allererst den Klassenerhalt schaffen, aber eigentlich nach vorne schauen und vielleicht sogar noch einen Platz gut machen. Hohe Ziele also.

LAOLA1-Bewertung: Jochen Fallmann hat Qualitäten. Die Frage ist nur, ob die schwierige Situation für die ersten Schritte als "Chef" nicht zu überfordernd wird. Gelingt der Klassenerhalt, ist er der gefeierte Held und kann sich etwas für seine weitere Zukunft aufbauen. Geht es mit dem Abstieg jedoch schief, könnte sich Fallmann im Nachhinein gesehen keinen Gefallen getan haben.

PROGNOSE: Der SKN St. Pölten wird bis zu guter Letzt zittern müssen, alles andere wäre eine absolute Überraschung. Der große Turnaround gelang auch nach dem Trainerwechsel im Herbst noch nicht, die Unruhe ist praktisch nicht wegzukriegen. Dazu die turbulente Transferzeit mit vielen Abgängen und neuen Spielern, die möglicherweise zwar das Potenzial besitzen, jedoch auch nicht auf Anhieb funktionieren werden. Bleibt für die Niederösterreicher zu hoffen, dass man etwa mit Ümit Korkmaz und Cheikhou Dieng über mehr individuelle Qualität besitzt, um nicht alles über das Kollektiv lösen zu müssen. Ansonsten wird interessant sein, wie Trainer Fallmann die Mannschaft ausrichtet. Wie das Kaninchen vor der Schlange zu agieren, kann nicht gut gehen. Der wohl härteste Konkurrent Mattersburg hat zudem aufgerüstet. Bei St. Pölten muss sich in der Rückrunde einiges ändern. Ein guter Start und ein Lauf würde einiges leichter machen, um das Ziel Klassenerhalt nicht aus den Augen zu verlieren.

Die besten Bilder der Vorbereitung des SKN St. Pölten:

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Fünf Fragen an Trainer Jochen Fallmann:

Wer wird Meister?

RB Salzburg.

Wie bewerten Sie die Situation im Abstiegskampf?

Sehr spannend.

Wie lauten die Ziele mit Ihrer Mannschaft?

Als Erstes gilt es natürlich einmal den Klassenerhalt zu sichern. Doch wir wollen eigentlich gar nicht nach unten schauen, unser Blick muss nach vorne gerichtet sein. Wir wollen zumindest einen Platz gut machen.

Wie zufrieden sind Sie mit den Transferaktivitäten bzw. der Kaderplanung Ihres Clubs?

Ich bin sehr zufrieden - allerdings gibt es den Wermutstropfen, dass Dieng und Neo-Stürmer Doumbouya sehr spät zur Mannschaft gestoßen sind.

Was halten Sie von den jüngsten Reformen und Reformvorschlägen des Weltverbandes FIFA?

Ehrlich gesagt habe ich mich noch gar nicht sehr viel damit beschäftigt, zumal ich es letztendlich sowieso nicht beeinflussen kann, wenn etwas reformiert wird.

Textquelle: © LAOLA1.at

Österreichische Bundesliga: Transferliste Winter 2016/17

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