Stürmer Templ plötzlich Abwehrchef von BW Linz

Stürmer Templ plötzlich Abwehrchef von BW Linz Foto: © GEPA
 

Als Florian Templs Name beim Heimspiel von Blau-Weiß Linz gegen die WSG Wattens plötzlich auf der Innenverteidiger-Position auftauchte, hielten es viele Experten noch für einen Fehler.

Doch es entsprach der Wahrheit. Die Verletzten-Misere der Linzer ist dafür verantwortlich, dass der gelernte Stürmer Templ, der für den SV Mattersburg 45 Bundesliga-Einsätze (fünf Tore) absolvierte, plötzlich zum Abwehr-Chef mutierte.

Der 30-Jährige selbst findet sogar Gefallen an seiner neuen Rolle, ist doch mit ihm in der Abwehr der Erfolg zu den arg ins Straucheln geratenen Stahlstädtern zurück gekehrt.

Und auch der Ex-Bundesliga-Profi ist nach der schweren Phase im Herbst glücklich, wieder zur ersten Elf zu gehören.

"Ich habe aber meine Kollegen vorher gewarnt, dass es mir vielleicht am Anfang nicht zu 100 Prozent gelingt, alles richtig zu machen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie mich rausreißen müssen."

Templ über seine Premiere

LAOLA1: Weißt du, was man normalerweise über Stürmer im eigenen Strafraum sagt?

Templ: Klar, normalerweise gilt, dass sie sich so weit wie möglich vom eigenen Tor fernhalten sollen.

LAOLA1: Wie kam es dann dazu, dass du vom Stürmer zum Innenverteidiger wurdest?

Templ: Das ist eigentlich unserer groben Personalnot geschuldet, die wir aktuell mit uns mitschleppen. Die Verletzungen nehmen bei uns im Moment leider gar kein Ende mehr. Irgendwann habe ich dann im Training im Scherz gesagt, dass ich bald hinten spielen muss, wenn das so weiter geht. Dann trat der Fall wirklich ein.

LAOLA1: Mehr Notnagel geht quasi gar nicht.

Templ: Es ist wirklich so, wir hatten keine andere Möglichkeit mehr. Gut, wir hätten von unserem Amateurteam einen jungen Spieler hochziehen können. Aber es wäre, egal was wir gemacht hätten, ein Risiko gewesen. Der Trainer hat dann das Risiko gewagt, mich in die Verteidigung zu stellen. Ich habe dann natürlich im Training dort gespielt und fühlte mich auch gleich wohl.

LAOLA1: Aber es ist sicher ein Unterschied, ob man es im Training, oder in einem Bewerbsspiel spielt.

Templ: Ja, natürlich, das ist ein Riesen-Unterschied. Mein Vorteil ist halt, dass ich auch im Angriff viel über die Zweikampfstärke komme, versuche meinen Körper einzusetzen. Alles Dinge, die auch ein Innenverteidiger tun muss. Aber beim ersten Spiel gegen Wattens war es natürlich ungewohnt, auf einmal das ganze Feld vor sich zu haben, da war ich am Anfang auch unsicher. Ich habe aber meine Kollegen vorher gewarnt, dass es mir vielleicht am Anfang nicht zu 100 Prozent gelingt, alles richtig zu machen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie mich rausreißen müssen.

LAOLA1: Also hatten deine Kollegen keine Bedenken?

Templ: Ich glaube schon, dass sie sich auch unsicher waren. Es wusste ja wirklich niemand, ob das Experiment auch funktioniert. Aber das hat sich dann für alle relativ schnell gelegt. Ich habe auch gemerkt, dass mein Team schnell Vertrauen in mich hatte, was vor allem das rausspielen von hinten betrifft. Ich bin Offensivspieler und versuche deshalb auch mutig aus der Abwehr das Spiel nach vorne zu bringen.



LAOLA1: Im Herbst seid ihr ja die Überraschungsmannschaft schlechthin gewesen, warum ging der Frühjahrsstart so extrem daneben?

Templ: Eigentlich will ich keine Ausreden suchen, aber ich bin mir sehr sicher, dass es einfach auf die Verletzungsmisere zurückzuführen ist. Das hat in der Vorbereitung schon angefangen, da waren wir teilweise nur 14, 15 fitte Spieler. Das merkt man dann natürlich. Wir waren einfach körperlich nicht auf dem Level, das wir benötigen. Und dann spielst du zum Rückrundenstart gegen Teams, die sich voll reinwerfen, weil sie den Abstieg verhindern wollen. Und jeder redet dir ein, dass du dort gewinnen musst. Klar, wir dürfen nicht 0:5 in Klagenfurt untergehen. Man sieht aber auch jetzt, dass das keine schlechte Truppe ist. Und dann kommst du einfach in einen Strudel, auch vor dem Hintergrund, dass du im Herbst eben viel gewonnen hast. Es spielt sich dann unheimlich viel im Kopf ab.

LAOLA1: Geht es auch im Kopf herum, dass es, überspitzt ausgedrückt, für euch um nicht mehr viel geht, dadurch, dass nicht um die Lizenz angesucht wurde?

Templ: Auch, wenn wir immer wieder von vielen Leuten darauf angesprochen werden, aber das lassen wir nicht als Ausrede zählen. Das wussten wir auch im Herbst schon früher und haben trotzdem noch viele Spiele gewonnen. Außerdem spielt ja jeder auch für seine Zukunft.

Templ beweist Defensiv-Qualitäten
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LAOLA1: Der schwache Start führte auch dazu, dass Thomas Sageder als Trainer zurücktrat. Wie wurde diese Entscheidung in der Mannschaft aufgenommen?

Templ: Es war ein richtiger Schock, für uns alle. Auch für mich, obwohl ich in meiner Karriere doch schon viel erlebt habe. Thomas war unser Leader, er war der, der uns zu diesem tollen Herbst geführt hat. Er hat uns immer nach vorne gepeitscht, zu neuen Top-Leistungen. Aber an dieser Stelle muss man auch Ernö Doma ein Kompliment aussprechen und einfach Respekt haben vor seiner Leistung. Wir haben nach dem Abschied von Thomas richtig gut gearbeitet. Ernö hat einen großen Anteil, dass wir zuletzt wieder erfolgreich waren. Er hätte es einfach nur irgendwie zu Ende bringen müssen, aber er hat uns seine eigenen Ideen vermittelt. Er will über die spielerische Lösung kommen, das mussten wir erst verinnerlichen, aber zuletzt hat es gut geklappt.

LAOLA1: Ausgerechnet als es gut lief im Herbst, warst du mehr oder weniger außen vor. Hättest du dir mehr Chancen gewünscht?

Templ: In gewisser Weise natürlich. Aber ich bin ein sehr realistischer Mensch. Es spielt hat der Stürmer, der die Tore schießt und Canillas hat das hervorragend gemacht. Also war es logisch, dass er spielt. Ich bin aber immer fair und gut behandelt worden.



"So würde ich das nicht sagen. Jeder im Verein weiß, was er an mir hat. Um das zu wissen, brauche ich gar keine Kapitänsbinde - auch wenn es mich natürlich gefreut hat. Ich übernehme gerne Verantwortung für mein Team. Aber das kann ich auch ohne Kapitänsamt machen."

Über sein Standing im Klub

LAOLA1: Es gab aber beispielsweise auch das Spiel bei den Young Violets, als ihr 1:3 zurückgelegen seid, du wurdest eingewechselt, hast zwei Tore gemacht, ihr habt 6:3 gewonnen, aber du wurdest von Trainer Sageder bereits wieder vorzeitig ausgetauscht.

Templ: Die Auswechslung hatte aber andere Gründe. Wie gesagt, zu Beginn der Saison war ich schon angefressen, dass ich nicht gespielt habe. Dann aber war es so, dass wir unheimlich erfolgreich waren und da habe ich schon Verständnis, dass man dann nicht ungezwungen recht viel ändert.

LAOLA1: Welche Gründe hatte diese Auswechslung dann?

Templ: Die betreffenden Personen wissen es, dabei würde ich es auch gerne belassen.

LAOLA1: Wie ist eigentlich dein Standing bei den Fans?

Templ: Ich denke ganz okay, wieso?

LAOLA1: Du hast immerhin eine LASK-Vergangenheit.

Templ: Naja, das kommt immer wieder einmal, das ist ganz normal. Das kann ich schon auch verstehen. Aber ich möchte unseren Fans auch ein großes Lob aussprechen. Sie haben uns immer verteidigt und unterstützt, auch als wir scheiße gespielt haben. Natürlich gibt es dann Spruchbänder, die wir als Spieler nicht so gut finden, aber sie haben absolut das Recht angefressen zu sein, wenn wir schlecht spielen. Wir sind es ja selber auch.

LAOLA1: Jetzt warst du im letzten Match beim FAC sogar Kapitän, eine Genugtuung für dich nach der schweren Phase im Herbst?

Templ: So würde ich das nicht sagen. Jeder im Verein weiß, was er an mir hat. Um das zu wissen, brauche ich gar keine Kapitänsbinde - auch wenn es mich natürlich gefreut hat. Ich übernehme gerne Verantwortung für mein Team. Aber das kann ich auch ohne Kapitänsamt machen. Wie gesagt, jeder weiß, wofür ich stehe, welche Rolle ich innerhalb der Mannschaft spiele und was ich leisten kann. Ich spüre absolut das Vertrauen - das war aber auch bei Thomas Sageder schon so.

LAOLA1: Hand aufs Herz, ist die Position als Innenverteidiger für dich persönlich eine, auf der du dir deine Zukunft vorstellen kannst?

Templ: Das wird sich zeigen. Wenn man ehrlich ist, hat jede Position ihre Vor- und Nachteile. Ich fühle mich hinten im Moment sehr wohl. So lange es für das Team gut und erfolgreich ist, spiele ich sehr gerne hinten. Der Erfolg ist für mich ausschlaggebend. Aber logisch, am Ende entscheidet sowieso der Trainer.

LAOLA1: Erfolgreich war es bisher, man kann sagen, dass du da hinten der Stabilisator bist. Zwei Spiele mit Florian Templ als Verteidiger und vier Punkte, den Negativ-Trend gestoppt.

Templ: Sehe ich auch so. Aber das liegt natürlich nicht nur an meiner Person, das ist auch ganz klar. Es ist schön, dass wir wieder erfolgreich unsere Spiele bestreiten. Schon gegen Wattens, vor allem aber zuletzt beim FAC bin ich der Meinung, dass wir eine gute Leistung gezeigt haben.

LAOLA1: Zum Abschluss eine fast logische Frage: Gibt es bei dir schon Pläne, wie es nach dieser Saison weitergeht?

Templ: Ich habe noch ein Jahr Vertrag bei Blau-Weiß, also stellt sich für mich die Frage zum aktuellen Zeitpunkt in der Form gar nicht. Aber klar ist auch, dass es einen neuen Trainer geben wird, der seine eigenen Ideen mitbringt. Wenn er dann sagen würde, dass er mich nicht braucht, muss ich mir Gedanken machen.

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