FC Wacker: So brenzlig ist die finanzielle Lage

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Vor ziemlich genau zwei Monaten teilte der FC Wacker Innsbruck auf einer Pressekonferenz mit, dass alle 14 Mitarbeiter der Geschäftsstelle gekündigt wurden.

Mit Einhaltung der Kündigungsfrist beginnt mit September daher für die Mitarbeiter der möglicherweise letzte Monat.

„Wir haben uns mit Ende August eine Deadline gesetzt, wo die ersten Mitarbeiter-Gespräche beginnen. Das ist dann ein Monat vor der endgültigen Deadline, das wissen die Mitarbeiter. Jetzt ist noch alles in der Schwebe. Natürlich können wir nicht annehmen, dass alle dabei bleiben oder in welcher Form sie dabei bleiben“, erklärt Klubmanager Felix Kozubek gegenüber LAOLA1.

Festzuhalten gilt, dass von den 14 Mitabeitern lediglich sieben Vollzeit angestellt sind, der Rest ist bereits jetzt nur als Teilzeitkraft dabei.

Um den Betrieb in der aktuellen Form weiterführen zu können, benötigen die Innsbrucker ein Budget von vier Millionen Euro jährlich. „Davon sind wir definitiv noch entfernt. Wir sind jetzt bei circa 3,2 Millionen Euro. Jetzt gilt es zu schauen, was auf Sponsoren-Ebene noch möglich ist. Da sind wir noch mit ein paar in Verhandlungen, aber es ist noch nichts unterschrieben“, erklärt Kozubek weiter.

Das ist der Plan mit den Mitarbeitern

Obwohl die Kündigungen ausgesprochen sind, hofft man beim FC Wacker auf möglichst wenige Abgänge im Büro: „Wir haben uns bei den Mitarbeitern festgelegt, dass wir so viele Köpfe wie möglich behalten. Weil jeder Kopf ist ein Know-How-Träger, jeder Kopf bringt Ideen mit und hat seine Geschichte bei Wacker Innsbruck.“

Felix Kozubek hofft noch auf weitere Sponsoren
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„Aber das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass man über Teilzeit-Geschichten reden muss. Das ist alles noch Zukunftsmusik. Das hängt von den Mitarbeitern ab. Der eine wird sagen, das ist eine super Geschichte, ich kann es mir gut vorstellen auf Halbtags zurückzugehen, weil ich eh nebenher studiere oder irgendwelche anderen Projekte habe. Der andere wird sagen, dass das nix für ihn ist, weil er Vollzeit braucht, sonst geht es nicht. Jeder Mitarbeiter hat einen Stellenwert und die sind ja nicht hier, weil wir lustig sind, sondern weil sie einen Wert für den Verein haben“, erklärt Kozubek.

In weiterer Folge wird den Fans allerdings auch nicht mehr das volle Angebot zur Verfügung stehen: „Das ist sowieso klar. Wenn ich das ganz plakativ runter breche, müssen wir von sieben Millionen auf drei Millionen runterreduzieren. Dass da nicht mehr das volle Angebot in der vollen Qualität möglich sein wird, ist eh klar. Darauf können wir uns einstellen. Das Team hackelt jetzt noch Vollgas.“

Darum gibt es noch keinen Brustsponsor

Um das fehlende Geld im Budget aufzustellen, hat der Verein bekanntlich das „Spiel gegen die Zeit“ (Alle Infos>>>) gestartet. „Stand heute sieht es so aus, dass das ‚Spiel gegen die Zeit‘ als Maßnahme super angelaufen ist. Da haben wir bald 5.000 Tickets verkauft, das sind dann quasi 100.000 Euro. Das ist für uns ein großer Sponsor“, bilanziert Kozubek zufrieden.

Aktuell ziert die Aktion auch die Brust der Spieler, auch weil noch kein „echter“ Brustsponsor gefunden werden konnte: „Es gibt Gespräche, manche sind konkreter, manche sind ein wenig weitläufiger. Ich wäre aber sehr überrascht, wenn sich in den nächsten zwei, drei Wochen etwas Großes anbahnt. Wir haben entschieden, in der Zwischenzeit lassen wir die Brust frei, tun das ‚Spiel gegen die Zeit‘ rauf, was symbolisch sehr schön ist. Man zeigt, die Fans sind jetzt am Trikot quasi der Hauptsponsor - emotional zumindest.“

Der aktuelle Brustsponsor ist das "Spiel gegen die Zeit"
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Der Klubmanager erklärt ganz offen, wieso sich die Suche nach einem Großsponsor so lange hinzieht: „Wir reden bei einem Brustsponsor schon von ungefähr 400.000 Euro bzw. rund eine halbe Million Euro, kommt drauf an, was der Sponsor alles dazu bucht. Das ist schon ein ordentlicher Patzen Geld. Wenn du einen neuen Sponsor, einen neuen Partner hast, mit dem du noch gar keine Berührungen hattest, dann dauert das auf jeden Fall ein Viertel- bis ein Halbes-Jahr Vorlauf. Das ist ein relativ normaler Prozess.“

Die Ex-Stars helfen mit

Solange also kein neuer Brustsponsor gefunden ist, soll mit dem „Spiel gegen die Zeit“ Geld in die Kassen fließen. Unterstützung bekommt man dabei auch von diversen Ex-Stars des Vereins.

Über soziale Netzwerke haben bereits Weltmeister-Trainer Jogi Löw, Ex-Goalgetter Radoslaw Gilewicz oder der russische Teamchef Stanislav Cherchessov die Aktion beworben.

„Die ersten hat man schon gesehen, ein paar haben wir noch im Köcher. Es sind ja auch noch ein paar nominiert worden. Ich habe so das Gefühl, dass auch aus anderen Sportarten bekannte Gesichter sich zu Wort melden werden“, so Kozubek vielversprechend.

Flog Ali Hörtnagl aus Politiker-Büro?

Dass das Aufstellen des Budgets mitunter ausgesprochen mühsam sein kann, ist bekannt. Die „Sportzeitung“ berichtet gar, dass Manager Ali Hörtnagl zur Vorsprache beim zuständigen Tiroler Landesrat war und angedeutet hat, bei ausbleibender finanzieller Unterstützung, im Nachwuchsbereich und bei den Damenteams einsparen zu müssen. Daraufhin soll Hörtnagl „gebeten“ worden sein, umgehend das Büro zu verlassen.

„Es ist immer wieder spannend, wie Ereignisse interpretiert werden und dargestellt werden“, will Kozubek diese Geschichte nicht bestätigen: „Fakt ist, es gab ein Gespräch zwischen Politik und unserer Vereinsführung, das ist aber keine einmalige Sache, das passiert relativ regelmäßig. Man ist als Fußballverein doch im politischen Umfeld, wenn es um Stadion, Nachwuchsförderung, Infrastrukturförderung usw. geht.“

„So wie geschrieben wird, der Ali hat gedroht und hat ein Drohbild aufgezeichnet und wurde daraufhin verwiesen - das kann ich nicht bestätigen. Das war ein ganz normales Gespräch, wo man durchgegangen ist: So viel Geld ist momentan da, was ist möglich in diesem Budgetrahmen? Wir richten uns immer danach, wie viel gerade da ist, wie gehen sicher nicht mehr in eine Vorleistung und geben 3,5 Millionen aus, wenn nur 3 Millionen da sind“, erklärt Kozubek weiter.

Dennoch müssen auch die Jugend- und Damenteams noch zittern: „Fakt ist, wenn wir es nicht schaffen, in den nächsten Monaten für finanzielle Entspannung zu sorgen, müssen wir überlegen, wo wir noch abzwacken können. Wir haben jetzt eine der günstigsten Mannschaften der Liga, die ungefähr 850.000 Euro kostet, das ist extrem wenig Geld. Stadionkosten sind fix, da fährt der Zug drüber. Die werden zum Großteil auch wieder refundiert. Und dann bleibt nur noch der restliche Verein. Da habe ich die Mitarbeiter und da habe ich die Mannschaften.“

Vorbild LASK oder Vorbild Austria Salzburg?

„Bei den Mitarbeitern haben wir schon gespart und wenn sich nicht bald etwas auftut, müssen wir andere Dinge auch überlegen. Aber das ist Zukunftsmusik für nächstes und übernächstes Jahr“, werden keine Teams spontan vom Spielbetrieb abgemeldet.

„Das ist eine generelle Frage, wohin es mit unserem Verein in den nächsten Jahren geht. Gelingt es uns, eine Stabilisierung zu erreichen, das Fundament hinbauen - ist eine Geschichte wie beim LASK möglich oder ist es eine Geschichte wie bei Austria Salzburg? In beiden Richtungen kann es gehen“, hofft Kozubek auf ein ähnliches Märchen wie beim Vizemeister und nicht auf ein Albtraum wie beim Erzrivalen.

Aus der Vergangenheit hat man beim Tiroler Traditionsverein jedoch gelernt: „Es ist nur verantwortungsvoll, wenn man das auch offen anspricht und nicht beschönigt. Denn mit beschönigen haben wir im Tiroler Fußball vor 20 Jahren schon einen ordentlichen Bauchklatscher erfahren.“

Es wird also weiter hart gearbeitet, um das fehlende Budget aufzutreiben. Ansonsten drohen weitere Einsparungen beim Verein.

Textquelle: © LAOLA1.at

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