Blau-Weiß Linz steht vor einem Scherbenhaufen

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Ein Kommentar zur aktuellen Situation beim FC Blau-Weiß Linz von unserem 2. Liga-Redakteur Michael Graswald.

Dass die Fans von Blau-Weiß Linz zu den treuesten der HPYBET 2. Liga gehören, ist bekannt. Jene Meldungen, die Anhänger und Mitglieder aber in dieser Woche über ihren Verein lesen mussten, dürften auch sie fassunglos zurückgelassen haben. Doch kommen sie auch wirklich überraschend?

Auch neutralen Beobachtern dürfte klar gewesen sein, dass Blau-Weiß Linz finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Zudem ist die Konkurrenz in Oberösterreich nicht gerade klein. Finanzkräftige Sponsoren suchen die Nähe zum LASK, der durch Europacup-Abende mittlerweile internationaler Werbeträger ist. Auch die SV Ried zieht, aufgrund des größeren sportlichen Erfolgs, Geldgeber an - was bleibt da für Blau-Weiß übrig?

Die blau-weißen Chaostage suchen trotzdem ihresgleichen. Bilanz für die Lizenzierung? Nicht an die Bundesliga übermittelt. Vorstand? Geschlossen zurückgetreten. Trainer Gogo Djuricin? Beurlaubt. Dazu ein angeblicher Schuldenberg von 900.000 Euro. Ein Ende des Profi-Fußballs steht im Raum.

Von 95.000 zu 900.000 Euro

Zwar hat der Klub die kolportierte Schuldenlast nicht bestätigt, dass die Berichte aber nicht an den Haaren herbeigezogen sein dürften, liegt nahe. "Da wir uns nicht in der Lage sehen, persönliche Haftungen für Kredite zu übernehmen, um den fehlenden Finanzbedarf für den Profifußball zu bewältigen, werden wir bei der nächsten Mitgliederversammlung vor Weihnachten zurücktreten", heißt es in einer Stellungnahme des Vorstands.

Bereits im Herbst 2018 sorgten die Verantwortlichen von Blau-Weiß für eine kuriose Situation. Trotz sportlichen Erfolgs wurde freiwillig auf das Ansuchen um die Bundesliga-Lizenz verzichtet - aufgrund finanzieller Altlasten. Im Februar bezifferte Sport Vorstand David Wimleitner diese in einem LAOLA1-Interview auf 95.000 Euro (Alle Infos >>>). Wie in einem Jahr aus knapp 100.00 fast eine Million Euro Schulden werden konnten, ist rätselhaft.

Sollte sich die Zahl von 900.000 Euro tatsächlich bewahrheiten, war es das wohl mit Zweitliga-Fußball bei Blau-Weiß. Eine Summe in dieser Größenordnung ist für einen Zweitligisten schlicht nicht zu stemmen.

Dabei träumte man vor nicht allzu langer Zeit beim Stahlstadtklub noch von der großen Bühne Bundesliga, die Agenda 2027 sollte es möglich machen.

Agenda 2027 gescheitert

"Der Verein machte zwar große, und auch richtige Schritte, aber die Finanzkraft wuchs nicht mit."

Mit diesem motivierten Zehnjahresplan, der im Februar 2017 präsentiert wurde, sollte sich Blau-Weiß zu einem etablierten Bundesligaklub entwickeln. Nur zweieinhalb Jahre später steht der Verein nun vor einem Scherbenhaufen und ungewisser Zukunft.

Die Professionalisierung wurde zwar kontinuierlich vorangetrieben, doch anscheinend zu rasant. Vor der Saison wurde mit Tino Wawra ein neuer Sportdirektor installiert, vor gerade einmal vier Wochen der ehemalige Manager der SV Ried, Stefan Reiter, als neuer Geschäftsführer präsentiert - das alles verursachte zusätzliche Kosten. Dazu die große Ankündigung, dass der Klub ein eigenes Stadion im Donaupark erhält.

Auch diese neue Spielstätte hätte bundesligatauglich sein sollen. Sie soll zwar trotzdem gebaut werden, aber in einem viel kleineren Ausmaß und auch nicht ausgelegt für die Bundesliga.

Vom Traum, spätestens 2027 erstklassig zu sein, verabschiedet sich Blau-Weiß also bereits sieben Jahre vor der Deadline. Denn jener Agendapunkt, der besagt, dass mittel- und langfristig das Budget geschäftsmäßig verdoppelt werden solle, fällt den Verantwortlichen nun auf den Kopf. Sie sind an diesem Ziel krachend gescheitert.

Der Verein machte zwar große, und auch richtige Schritte, aber die Finanzkraft wuchs nicht mit. "Der Vorstand ... ist sich allerdings auch bewusst, dass mit der aktuellen wirtschaftlichen Struktur langfristig kein Profibetrieb zu führen ist" - ein Schuldeingeständnis der Verantwortlichen, das nach Naivität und Blauäugikeit klingt.



Schaden für Liga enorm

Welche Ausmaße die "Akte Blau-Weiß" noch nimmt, ist derzeit nicht abzusehen. Ein Lizenzentzug oder freiwilliger Rückzug aus der 2. Liga aber durchaus denkbar. Somit würde es, nach dem SC Wiener Neustadt, auch im zweiten Jahr der 16er Liga mit ihren aufgeweichten Lizenzbestimmungen einen Absteiger geben, der aus nicht-sportlichen Gründen seinen Hut nehmen müsste - ein echter Imageschaden für die Liga.

Der Schaden für die Liga wird den BW-Verantwortlichen wohl herzlich egal sein. Für sie gilt es nun, sich auf die Suche nach Geldgebern zu begeben. Diese dürften, vor allem nach den Chaostagen dieser Woche, nicht gerade Schlange stehen. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger kündigte jedenfalls umgehend an, "keinen Fußballklub zu retten".

Und so könnte es noch vor Weihnachten zu endgültigen Entscheidungen oder Ankündigungen kommen. Am 18. Dezember ist Mitgliederversammlung. Dann werden zumindest die treuesten Fans endlich Gewissheit über die Zukunft ihres Vereins haben.

Den Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern, Spielern und Partnern wird der Klub nachkommen, alle Löhne plus Weihnachtsgeld werden pünktlich überwiesen, teilt der Verein mit. Das wird die Betroffenen zwar freuen, an ein ruhiges Fest ist aber rund um Blau-Weiß Linz im Jahr 2019 nicht zu denken.




Textquelle: © LAOLA1.at

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