Einen Überraschungssieger hat am Samstag der anspruchsvolle Super-G von Beaver Creek gebracht.
Der Italiener Matteo Marsaglia gewann 0,27 Sekunden vor dem Norweger Aksel Lund Svindal und 0,70 vor dem Salzburger Hannes Reichelt erstmals ein Weltcuprennen.
Der gebürtige Römer setzte damit nach dem Abfahrtsieg von Christof Innerhofer bei Weichschnee und Sonnenschein die italienische Rossignol-Erfolgsserie in Colorado fort.
Franz schockt mit Sturz
Überschattet war das von einigen sofort als grenzwertig und gefährlich skandalisierte Rennen von zahlreichen Stürzen und Ausfällen.
16 Ausfälle bei 70 Startern sorgten für einige Unterbrechungen, weshalb der Bewerb satte zweieinhalb Stunden dauerte.
Am schwersten erwischte es den Österreicher Max Franz, der neben sich neben einer starken Gehirnerschütterung auch einen Nasenbeinbruch und Abschürfungen im Gesicht zuzog.
"Er muss die Nacht zur klinischen Überwachung im Spital verbringen", so ÖSV-Ärztin Alexandra Reimann. Weitere Untersuchungen stehen an.
Hirscher sammelt Erfahrung
Schon vor dem Rennen hatte es wegen des erstmaligen Starts von Technik-Spezialist Marcel Hirscher auf der steilen Raubvogelpiste interne Diskussionen über den vom Österreicher Burkhard Schaffer anspruchsvoll gesetzten Kurs gegeben.
Nachdem der Deutsche Stephan Keppler das Rennen gleich mit einem spektakulären Sturz eröffnet hatte, ging Hirscher noch etwas defensiver zu Werk.
Der Weltcup-Titelverteidiger kam heil als 33., aber ohne Punkte ins Ziel. "Es hat sich alleine von der Erfahrung dennoch ausgezahlt. Mein Respekt vor den Abfahrern ist riesengroß", sagte Hirscher.
Gehirnerschütterung bei Franz
Hirschers Defensive war klug. Denn kurz darauf attackierte sein Freund Max Franz die Bestzeit, bezahlte aber wieder einmal schwer für seine Angriffslust.
Der junge Kärntner raste nach einer Kuppe in ein "blindes" Tor, schlug schwer mit dem Kopf auf und blieb bewusstlos liegen.
Er wurde mit einer Gehirnerschütterung und Abschürfungen nach Vail ins Krankenhaus gebracht. Schon drei Jahre davor hatte sich Franz in Beaver schwer am Knie verletzt.
Ein Römer darf jubeln
Auch danach forderte der Kurs selbst die Speed-Spezialisten voll. So auch Svindals Landsmann Kjetil Jansrud, der mit Bestzeit kurz vor dem Ziel durch einen kapitalen Fahrfehler um den möglichen Sieg gebracht wurde.
Der ging am Ende an Marsaglia und damit einen waschechten Römer. Erst mit 14 Jahren war der Sohn einer guten Tennisspielerin in die Berge nach San Sicario gezogen.
"Ich habe gewusst, dass ich es im Super-G draufhabe", jubelte der Sieger.
"War reif fürs Stockerl"
Für Insider kam der Marsaglia-Sieg wenig überraschend, denn vor zwei Wochen hat der 27-Jährige in Copper Mountain beide FIS-Super-G gewonnen und in beiden Riesentorläufen Platz zwei belegt. "Mich überrascht er gar nicht", sagte Abfahrtssieger Innerhofer.
"Er war schon im Vorjahr reif für ein Stockerl", erklärte der Südtiroler.
Warum es dann so lange gedauert hat? "Er ist der Albtraum aller Serviceleute, denn er ist schnell mal mit etwas zufrieden", so Innerhofer schmunzelnd.
"Stockerl ist mir noch nicht vergönnt"
Trotz des Schocks um Franz zeigte auch Österreichs junge Garde diesmal wieder stark auf.
Matthias Mayer ("Eine lässige Fahrt. Unten bin ich noch mal die Sommerlinie gefahren. Das Stockerl ist mir noch nicht ganz vergönnt.") wurde Siebenter.
Florian Scheiber kam einen Tag nach Rang vier in der Abfahrt im Super-G auf Platz zwölf.
Reichelt trotz Fehlern am Podest
Bester ÖSV-Fahrer war aber einmal mehr Reichelt, der hier schon zwei Mal den Super-G gewonnen hat.
"Die Fahrt war nicht schlecht, aber ich habe unten nach der Kompression viel Zeit liegen lassen", erklärte der Salzburger. Dabei hatte Reichelt am Vorabend noch mit Magenkrämpfen gekämpft.
"Aber den Hügel hier kenne ich bestens", berief sich Reichelt schmunzelnd auf seine Siege von 2005 und 2007 in Beaver Creek, wo er nun einer der erfolgreichsten Super-G-Starter ist.