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"Ich kann es nicht, es ist permament da"

LAOLA1 Foto: ©

„Griaß eich, wieder einmal!“

So begrüßt Marcel Hirscher im Rahmen einer Pressekonferenz seines Kopfsponsors Raiffeisen die anwesenden Gäste. Passend zum Ski-Zirkus findet diese im Zirkus Roncalli vor dem Wiener Rathaus statt.

Der Salzburger steht mitten in der Vorbereitung auf die neue Weltcup-Saison, nur fünf Wochen trennen ihn und die Konkurrenz vom ersten Rennen des Jahres am 26. Oktober.

„Ich bin definitiv entspannter. Ich habe nicht den Stress, dass ich das Gefühl habe, ich muss jeden Tag auf Schnee stehen“, zeigt sich der 25-Jährige weniger verbissen als in der Vergangenheit.

Sorgen macht er sich auch trotz einer größeren Schnee-Pause im Sommer nicht. Schließlich sei das Trainingslager in Südamerika höchst zufriedenstellen verlaufen: „Ich konnte von 17 Tagen 16 auf Schnee trainieren.“

Warum er im Riesentorlauf keinen Zweikampf mit Ted Ligety erwartet, was er von Marlies Schilds Rücktritt hält, seine Beziehung zu Laura Moisl und warum er lieber keine zu hohen Erwartungen hat, erklärt der dreifache Gesamtweltcup-Sieger im LAOLA1-Gespräch.

MARCEL HIRSCHER

… ÜBER DAS TRAININGSLAGER IN SÜDAMERIKA:

Das Trainingslager war heuer wesentlich besser, als letztes Jahr. Wir hatten vom Wetter her sehr gute Bedingungen. Mein Programm konnte ich wie gewünscht abspulen, in 17 Tagen 16 Schneetage - zwölf davon Riesentorlauf, vier Slalom. Jeder Tag brachte gute Erkenntnisse mit sich, das war der Sinn und Zweck.

… ÜBER DIE ERKENNTNISSE, DIE ER GEWONNEN HAT:

(schmunzelt) Wie es immer ist, allzu viel kann ich nicht verraten. Mit dem Set-Up ist es jetzt besser, ich habe einige Erkenntnisse gewonnen. Es waren sehr gute Bedingungen, wenn man so einen intensiven Block machen kann, geht immer viel weiter. Es waren aber drei sehr harte Wochen, da darf man nicht jammern. Es war intensiv, aber geil.

… OB ER WEITER IST, ALS IM VERGLEICH ZU DEN VORJAHREN:

Ich bin definitiv entspannter. Ich habe nicht den Stress, dass ich das Gefühl habe, ich muss jeden Tag auf Schnee stehen.

… ÜBER DIE ANZAHL AN TRAININGSFREIEN TAGEN IM SOMMER:

Zehn Tage. Obwohl, auch da habe ich ein bisschen trainiert. Ich kann einfach nicht anders. Ich kann mich nicht beruhigt ins Bett legen und sagen, jetzt gehe ich fort und mache nichts. Ich kann es einfach nicht, es ist permanent da. Ich bin Profi und habe das verinnerlicht.

… ÜBER SEINE ERWARTUNGEN AN DIE KOMMENDE SAISON:

Mit Erwartungen ist es immer schwer. Wenn ich zu hohe Erwartungen habe, könnte die Enttäuschung umso größer sein, also gehe ich es ruhig an. Ich kann aber nicht sagen, dass ich das Ski fahren über den Sommer verlernt habe. Die Frage ist: Wie viel haben meine Konkurrenten dazugelernt? Es ist immer dasselbe, in fünf Wochen (Ski-Auftakt in Sölden/Anm.)  haben wir den ersten Check. Für mich wäre es toll, wenn ich annähernd so mitfahren kann, wie ich es in den letzten Saisonen gemacht habe. Ich kann jetzt natürlich gescheit reden, aber wir alle werden die Antworten erst haben, wenn die Rennen sind.

… ÜBER DIE WM 2015 IN BEAVER CREEK:

Im Slalom bin ich als Titelverteidiger sicher dabei, das fühlt sich schon mal sehr gut an. Man weiß, man hat das Privileg, dass man hinfahren darf. Bei einer WM geht es immer nach dem Motto „Alles oder nichts“. Es ist nicht mein Wunsch, nur hinzufahren, um zuzuschauen. Das ist natürlich tiefgestapelt, aber es wäre auch hoch gestochen, zu sagen, ich möchte drei Medaillen machen.

… ÜBER DIE CHANCE AUF DEN HISTORISCHEN VIERTEN GESAMTWELTCUP-SIEG IN SERIE:

Das wäre natürlich brutal cool. Das wollen aber andere auch. Schlussendlich werden wir im Frühjahr wissen, ob das Projekt funktioniert hat. Es ist aber mitunter schon ganz oben auf der Liste meiner Wünsche. Es werden immer mehr Herausforderer, die sich gegenseitig die Punkte wegnehmen.

… OB ES IM RIESENTORLAUF WIEDER ZUM ZWEIKAMPF MIT TED LIGETY KOMMT:

Hm… Das wäre cool, wenn es so wäre. Für uns alle war die Reglementänderung eine riesige Herausforderung, auch für die Skifirmen. Das Feld schiebt sich jetzt wieder enger zusammen. Ich fühle mich gut auf den Ski und habe Freude am Ski fahren. Ob ich die Sekunde oder halbe Sekunde zu Ted aufholen konnte, weiß ich aber nicht.

… ÜBER DIE UNGEWOHNT LANGE SKI-PAUSE IM SOMMER:

Das habe ich gemacht, um auf meine Fitness zu achten. Ich wollte das im Sommer durchziehen. Es werden immer mehr Termine und Verpflichtungen. Jetzt bin ich bei meinem Kampfgewicht. Im Winter geht davon durch das viele reisen, das schlechte Essen, die vielen Rennen und den ganzen Stress schnell viel verloren. In Summe habe ich an Schneetagen aber nicht weniger, als im Vorjahr.

… ÜBER DEN RÜCKTRITT VON MARLIES SCHILD:

Vor Marlies ziehe ich den Hut. Was sie erreicht hat – man braucht es gar nicht aufzählen – und wie sie es geschafft hat mit Verletzungen umzugehen und ihr Ding durchzuziehen, ist beeindruckend. Sie hat einen sehr positiven Eindruck gemacht, ihr Rücktritt wirkte sehr stimmig. Ich wünsche ihr alles Gute. Man entbehrt im Skisport einiges, das Privatleben ist oft hinten anzustellen, darauf freut sie sich sicher.

… ÜBER SEINE BEZIEHUNG ZU LAURA MOISL:

Ich dachte eigentlich nicht, dass ich sieben Jahre lang mit ihr zusammen sein werde. Aber wir haben uns gesucht und gefunden. Sie macht auch ihr Ding, arbeitet als Grafik-Designerin und macht ihr Studium fertig. Ich hätte es mir nicht gedacht, aber es passt sehr gut.

… ÜBER DEN STAND BEI DEN MATERIALTESTS:

Es ist viel abgesteckt. Man redet bei einem Ski ja nicht über die Länge, ob 1,65 Meter oder 1,95 Meter. Es geht um Aufbauten und Einzüge, nicht einmal ich weiß, was es da alles gibt. Wir konnten es jetzt eingrenzen und wissen, wo wir uns bewegen. Wir sind da jetzt schon sehr gut aufgestellt.

… ÜBER DEN DREH ZU SEINEM NEUEN WERBESPOT, BEI DEM ER AUF EINER SLACKLINE ZWISCHEN ZWEI LIFT-STÜTZEN BALANCIERT:

Es hat mir den Atem geraubt. Als ich ans Set gekommen bin, habe ich mir gedacht: „Die sind ja komplett deppert.“ (lacht) Das hat zu Beginn meine Möglichkeiten überschritten und war ein unglaublicher Tag. Am nächsten Tag hatte ich einen Muskelkater, wie ich ihn schon lange nicht hatte. Es war ein neues Level, ich habe das noch nie in so einer Form betrieben. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Es wäre gelogen, wenn ich sage würde ich hatte keine Angst.

 

 

Aufgezeichnet von Matthias Nemetz und Peter Rietzler

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