Wie der Vater, so der Sohn

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"Etwas Besonderes, dass er es geschafft hat"

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Auch wenn man zehnmal bei Olympischen Spielen gewesen ist, verliert man die Einmaligkeit jedes einzelnen Ereignisses nicht aus den Augen.

"Es ist", sagt deshalb Österreichs Segel-Legende Hubert Raudaschl, "eine große Freude für mich und etwas Besonderes, dass er es geschafft hat."

Er ist Sohn Florian, der ab nächsten Sonntag bei den Sommerspielen vor Weymouth um eine Topplatzierung im Finn mitkämpfen wird. Papa Hubert drückt von daheim aus die Daumen.

Große Fußstapfen

Die Tochter hat ihm vor ein paar Monaten ein Enkelkind geschenkt, der Sohn tritt bei Olympia in seine Fußstapfen und er selbst feiert am 26. August den 70. Geburtstag.

Die freudigen Ereignisse halten Hubert Raudaschl jung, jenen Mann, der 1968 in Mexiko im Finn und 1980 im Star jeweils olympische Silbermedaillen gewonnen hat sowie zahlreiche große internationale Erfolge für sich verbuchte.

Vom Surfer zum Segler

Dass der nun 34-jährige Florian eine Olympia-Teilnahme schaffen wird, daran hat der Vater immer geglaubt.

"Ich habe immer gesagt, wenn das Boot nicht auseinanderfällt und er nicht krank wird, dann klappt es. Er war zuletzt knapp daneben, Gott sei Dank ist er nun dabei", sagte der ältere Raudaschl im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Der jüngere wollte eigentlich Windsurfer werden.

"Bis 19, aber dann war mal nicht genug Wind und ich habe zum Segeln angefangen, ohne es Papa zu sagen. Er hat es erfahren und mir sofort ein Boot hingestellt", blickte Florian zurück.

"Macht es besser als ich"

Auch beruflich hält er die Tradition aufrecht, 2004 übernahm er die Segelmacherei.

"Florian macht es besser als ich, er hatte eine ideale Ausbildung in Neuseeland und Australien. Er hat schon als 13-Jähriger gesagt, dass er das machen will. Er hat die Begeisterung dafür und die Begabung. Sonst ginge es nicht", weiß Hubert Raudaschl den Familienbetrieb in guten Händen.

Künstlerische Ader

Hubert Raudaschl widmet sich der Porträt- und Landschaftsmalerei, die Heimat am Wolfgangsee und die Adria, wohin er zum Segeln reist und an Regatten teilnimmt, hält er in Öl fest.

Kürzlich hatte er eine Ausstellung, bei der Vernissage hielt der Künstler und frühere Spitzensegler Christian Ludwig Attersee, ein Wegbegleiter von Kindestagen an, die Laudatio.

Lange nur ein Hobby

"In meinem Leben waren die Prioritäten immer zuerst die Familie, dann der Beruf, dann der Sport", sagte Raudaschl Senior, und beim Junior ist es nicht anders.

Deshalb war das Segeln auch viele Jahre lang nur ein Hobby, so intensiv wie heuer hat er sich noch nie dem Sport gewidmet. Möglich ist das auch, weil er sich die Geschäftsführung mit einem Freund teilt.

Der Vater hat sein Büro noch und hilft auch mit, wenn er gebraucht wird, übernimmt Telefonate mit Kunden oder erledigt Besorgungen.

"Vater will alles wissen"

Ist Florian Raudaschl auf Regatta, dann ruft er einmal in der Woche daheim an und erzählt, wie es läuft.

"Der Vater will alles wissen, die Mutter freut sich, wenn ich gut wieder heimkomme", erzählte Florian.

"Es würde mich nicht überraschen, wenn er bei Olympia besser ist, als ich die letzten dreimal war (Ränge 13, 20 und 15/Anm.). Wenn es optimal läuft, kann er ins Medal Race kommen", traut Hubert Raudaschl, der Ehrenbürger von St. Gilgen, dem Nachkömmling ein Top-10-Ergebnis in England zu.

Olympia-Rekord wird eingestellt

Dass seine Bestmarke von zehn Olympia-Teilnahmen (neun als Aktiver, eine als Ersatzmann) heuer vom kanadischen Springreiter Ian Millar eingestellt wird, stört ihn nicht.

"Das wird sicher noch öfter passieren, speziell von Schützen und Reitern. Hugo Simon hätte das sicher auch packen können, aber wegen der Quarantänebestimmungen und der Rücksicht auf die Pferde war er nicht immer dabei."

Dass es allerdings nochmals ein Segler schaffen wird, glaubt Österreichs Segel-Legende nicht.

"Zumindest nicht, wenn die Politik bleibt, dass es keine Kielboote mehr gibt, sondern man die modernen Hightech-Boote haben will."

Im Vorjahr segelte er übrigens beim Business Cup in Dalmatien gegen den Sohn, verlernt hat er nichts, denn am Ende lag der Filius nur knapp voran.

"In meinem Alter freut man sich, wenn man aufrecht gehen kann. Den Sohn zu schlagen, ist nicht mein Ehrgeiz."

Segeln ist nicht alles

Wer aber glaubt, dass sich im Hause Raudaschl alles nur ums Segeln dreht, der irrt.

Mutter Gabriele Raudaschl segelt nicht, sie hat durchgesetzt, dass am Mittagstisch das Thema Familie Vorrang hat.

"Wer zu uns heim kommt, merkt nicht, dass wir einen Sport betreiben. Es stehen keine Pokale rum. Das einzige, das mir einfällt, ist der Eintrag vom Guinnessbuch der Rekorde, der bei uns am Klo hängt", verriet Florian.

Jener Vermerk, dass Hubert Raudaschl mit zehn Olympia-Teilnahmen das internationale Ranking anführt.

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