"Nicht zu viel Trübsal blasen"

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"Ziel, dass wir gemeinsam weiter machen"

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Ende gut, Bronze weg!

Mit einem Sieg im Medal Race die Olympischen Bewerbe zu beenden, ist eine Riesengeschichte, am Ende nach 16 Wettfahrten aber auf den letzten Metern an einer Medaille vorbeizuschrammen, ist bitter. Ganz bitter.

Das 49er-Segel-Duo Nico Delle Karth und Niko Resch, zuletzt zweimal Gesamt-Weltcupsieger, ist vor der Südküste Englands als heißer Medaillenfavorit in die Olympischen Rennen gestartet, musste in den letzten zehn Monaten aber auch schwere Rückschläge hinnehmen. Im Herbst 2011 erlitt Steuermann Delle Karth einen Bänderriss im Knie, im Frühjahr verunglückte sein älterer Bruder Jörg bei einem Helikopter-Absturz in Afrika tödlich.

Dennoch arbeitete das Duo in den letzten Wochen nahezu rund um die Uhr für einen Erfolg bei Olympia. Am Ende stehen die Nicos mit leeren Händen da, haben bei der finalen Wettfahrt aber bewiesen, dass sie zu den besten Teams der Welt gehören.

"Lag nicht mehr in unserer Hand"

Dementsprechend präsentiert sich die Gefühlswelt der Nicos auch, als sie wieder zurück in den Olympia-Hafen von Weymouth kommen: "Freude und Enttäuschung halten sich die Waage. Wir sind ein sehr gutes Medal Race gefahren und haben uns in diesem Rennen überhaupt nichts vorzuwerfen. Der Däne, der uns die Medaille weggeschnappt hat, hat auf der letzten Kreuz gepokert, ist über links gefahren, wo es in den letzten Wettfahrten eigentlich fast nie gegangen ist. Er hat das, was er gebraucht hat, aufgeholt, und ab da lag es nicht mehr in unserer Hand."

Steuermann Delle Karth weiß aber auch: "So groß die Enttäuschung über die verpasste Medaille ist, heute haben wir sie sicher nicht verloren. Wir sind 13 von 15 Mal schlecht gestartet. Heute haben wir alles riskiert und es ist aufgegangen."

Zum Sieg im abschließenden Rennen, das mit doppelten Punkten ausgefahren wurde, meint der Tiroler: "Wir haben einen gewaltigen Start hingelegt, sind über rechts gefahren, was wir wollten, und haben uns voll auf uns konzentriert." Danach versuchte sich Delle Karth einen Überblick über die Konkurrenz zu verschaffen: "Nach der ersten Tonne habe ich geschaut, wo wer liegt. Ich habe aber auch gewusst, dass bei diesen Verhältnissen bis zur Ziellinie alles passieren kann. Ich habe natürlich aus dem Augenwinkel gesehen, was passiert und wie das Rennen abläuft."

"Nicht viel Trübsal blasen"

Das erfahrene 49er-Duo legte den Grundstein für den Sieg noch vor dem Start: "Wir haben uns, vor wir aufs Wasser gefahren sind, zusammengesetzt, haben gesagt, dass wir unser Bestes geben und unsere minimale Chance auf eine Medaille wahren wollen. Das haben wir getan und deshalb wollen wir jetzt auch nicht zu viel Trübsal blasen."

An ihre vierten Sommerspiele, 2016 in Rio, wollen die beiden noch nicht denken, wobei Delle Karth mit einem Seitenhieb verrät: "2016 ist in dem Sinn nicht so weit weg, weil der Sommer in Brasilien wärmer sein soll als in England und das Training vor den Spielen dort sicher mehr Spaß macht als hier. Aber wir haben uns mittlerweile bereits richtig gut auf den Regen eingestellt. Noch verschwenden wir keine Gedanken an Rio."

"Wir haben jetzt die Jahre extrem hart gearbeitet, das letzte Jahr war alles andere als einfach, auch die drei Jahre davor sind nicht leicht von der Hand gegangen. Man reist ständig um die Welt ist - egal bei welchem Wetter - fast jeden Tag auf dem Wasser. Unser Ziel ist es, dass wir gemeinsam weitermachen. Wie, mit welchem Plan und wann wir wieder im 49er wettkampfmäßig unterwegs sind, ist für uns derzeit völlig nebensächlich."

"Segel-Familie eine harmonische Einheit"

Viel wichtiger ist dem Duo da schon der Dank an das Team. Der gilt ihrem kroatischen Coach Ivan Bulaja, genauso wie Sportpsychologe Günter Amesberger, "aber auch unsere Teamkollegen, der Sportdirektor, bis hin zur Pressebetreuung und der Unterstützung in Sachen Meterologie haben ihren Anteil an unserem Erfolg. Österreichs Olympia-Segel-Familie bildet eine harmonische Einheit und ermöglicht uns auch als kleines Land, den Weltmächten auf dem Wasser Paroli zu bieten."

Bei den Sommerspielen in Großbritannien bleibt der OeSV dennoch ohne Medaille.

Am Donnerstag sind noch Matthias Schmid/Florian Reichstädter im Medal Race der 470er-Klasse im Einsatz. Die beiden Wiener besitzen aber keine Chance mehr auf Edelmetall. "Dennoch wollen wir uns ordentlich von Olympia verabschieden. Ins Medal Race zu kommen, ist ein toller Erfolg. Es wäre großartig, wenn wir den Abschlusssieg von Delle Karth/Resch wiederholen könnten", legt sich das Duo die Latte hoch.

Peter Rietzler aus Weymouth

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