Alex Meier Fußballgott

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Goalgetter, Vorzeige-Profi, Kultfigur - Fußballgott

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Frankfurt hat ihn wieder, seinen Fußballgott. Alexander Meier ist Führungsspieler, Goalgetter, Publikumsliebling, Kultfigur und nicht zuletzt dank seiner aktuellen Frisur so etwas wie der Zlatan Ibrahimovic des kleinen Eintracht-Fans.

Eigentlich müsse er mindestens sechs Monate pausieren, hieß es nach einer Knie-Operation im April. Beim 6:2-Sieg über Köln gab er sein Comeback und traf dabei dreimal – fünf Monate nach besagter Operation. Mensch Meier!

Während die Kollegen in Lobeshymnen ausbrachen, nahm es Meier selbst mit der ihm angeborenen norddeutschen Unaufgeregtheit: „Die Tore waren super vorbereitet, ich musste nur den Fuß oder Kopf hinhalten.“

Über HSV und St. Pauli nach Frankfurt

Dass der 32-Jährige nach seiner langen Verletzungspause gleich wieder von Beginn an spielte, vermochte den einen oder anderen zu überraschen. Armin Veh brachte aber auf den Punkt, warum es keine Alternative dazu gab. „Alex ist kein Spielertyp, den ich in den letzten zehn Minuten bringe, um ihn heranzuführen. Er muss spielen, solange es geht“, erklärte der Frankfurter Coach.

Meier ist ein Vollblutkicker und diese Qualität bringt er schon seit 2004 bei der SGE ein. Auch weil er im hohen Norden beim HSV, bei dem die Hessen am Samstag ein 0:0 holten, nicht glücklich wurde.

Als Zwölfjähriger wechselte er in die Jugend des Dinos, sein Bundesliga-Debüt feierte er aber im April 2002 für den Hamburger Rivalen FC St. Pauli – beim 0:4 gegen den HSV.

Es war eines von nur zwei Spielen im Oberhaus für die Kiez-Kicker, die am Ende der Saison den Abstieg hinnehmen mussten. Meier ging den Weg in Liga zwei mit und wurde Stammspieler, traf sieben Mal. Und wer weiß, wäre der Kult-Klub nicht direkt in die damals drittklassige Regionalliga durchgerauscht, womöglich würde man heute am Millerntor Alex Meier als Fußballgott verehren.

Aufstieg zum Fußballgott

So versuchte er es aber ein weiteres Mal beim großen HSV, erfolglos. Nur vier Einsätze verbuchte er in der Saison 2003/04, ehe er sein Heil in Frankfurt suchte.

Dem in Buchholz in der Nordheide geborenen Meier kam der Ortswechsel sehr gelegen, seiner Mutter gefiel der Gedanke anfangs aber gar nicht, erinnert sich Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen bei „Die Welt“: „Ich weiß noch, wie sie mir bei meinem Besuch sagte, dass in Frankfurt doch lauter Kriminelle seien. Deshalb äußerte sie damals Bedenken.“

Der Wechsel war aber goldrichtig, Meier schlug, zunächst als Leihspieler, ein und stieg mit der SGE auf, kam 2006 mit ihr ins Pokalfinale und spielte UEFA-Cup.

Den Grundstein zum Fußballgott legte Meier aber in der Saison 2011/12, nach seinem zweiten Abstieg. „Ich war 2011 der Meinung, dass wir Spieler es dem Verein eingebrockt haben und mithelfen sollten, es wieder gutzumachen. Deshalb bin ich geblieben, das hat die Fans wohl überzeugt, dass ich ein Eintrachtler durch und durch bin“, schildert er, warum er trotz lukrativer Angebote mit den Hessen in die 2. Bundesliga ging.

Mit 17 Toren führte er die Eintracht direkt zurück ins Oberhaus und machte sich, gemeinsam mit Nick Proschwitz und Olivier Occean, zum Torschützenkönig. Ein Titel, den der, seit dem Abgang von Eintracht-Legende Oka Nikolov, längstdienende Frankfurter vergangene Saison überraschend auch in der Bundesliga holen konnte.

Null Länderspiele

Medien, Mitspieler und SGE-Verantwortliche brachten ihn daraufhin sogar mit dem Nationalteam in Verbindung. Nicht ganz zu Unrecht, immerhin ist der 32-Jährige nicht nur einer der treffsichersten deutschen Angreifer, sondern mit einem blanken A-Team-Konto beim DFB auch eine echte Rarität.

Dass ein Bundesliga-Torschützenkönig nie für die Nationalelf spielte, gab es in der Geschichte des deutschen Fußballs bisher nur einmal: Lothar Kobluhn holte in der Saison 1970/71 als Spieler des in den Bundesliga-Skandal verwickelten Rot-Weiß Oberhausen die Torjägerkanone. Der damalige Teamchef Helmut Schön ignorierte ihn aber, auch weil ein gewisser Gerd Müller im Sturm gesetzt war.

Meier ist drauf und dran dieses Schicksal zu teilen. Joachim Löw betonte mehrfach, im Sturm auf andere Spielertypen zu setzen. Auch Meier selbst meint zum Thema Team-Einberufung: „Es ist unrealistisch.“

„Das wird mir wieder ein bisschen zu hoch gehängt. Deswegen weiß ich das auch einzuschätzen", meint er beim „Hessischen Rundfunk“. Abheben würde Meier aber, wenn der Teamchef anrufen würde. „Der Name blinkt bei mir auf dem Display nicht auf, weil ich seine Nummer nicht habe. Also kann ich ihn auch nicht wegdrücken", scherzt er.

Der Vorzeigeprofi

Während aus „Meier für Deutschland“ nichts werden wird, träumt man in Frankfurt nach der Gala gegen Köln von einem magischen Dreieck. Coach Armin Veh bot Meier gegen die Geißböcke hinter der Doppelspitze Seferovic/Castaignos auf – offensiv wie nie. Selbst Bruchhagen musste zugeben: „Als ich die Aufstellung sah, wurde mir etwas mulmig.“

Alex Meier im HSV-Trikot

Fakt ist, auf seinen verlässlichen Goalgetter kann die Eintracht nicht verzichten. In 333 Spielen für die Hessen traf Meier 122 Mal, legte weitere 52 Tore auf.

„Alex trinkt keinen Alkohol und taucht nicht im Nachtleben von Frankfurt auf. Er ist voll auf seinen Beruf fokussiert“, kennt Bruchhagen Meiers Erfolgsgeheimnis. Keiner trainiert härter und länger. „Federer übt die Vorhand auch weiter, obwohl er sie perfekt kann“, erklärt Meier. Auch wegen dieser Einstellung lieben sie in Frankfurt ihre Nummer 14, der sie den Hashtag #AMFG14 widmeten.

Karriereende bei der Eintracht?

Armin Veh wollte ihn in seiner Stuttgarter Zeit zum VfB lotsen. Meier in einem anderen Trikot, das kann man sich aber gar nicht mehr vorstellen. Ob er seine Karriere in Frankfurt beenden wird?

„Ich hoffe, dass David Beckham sein Team irgendwann fertig kriegt. Dann könnte ich bei ihm noch ein, zwei Jährchen spielen“, erklärt der bekennende USA-Fan dem „kicker“ mit einem Schmunzeln. „Aber erst einmal spiele ich, solange ich noch laufen kann bei der Eintracht.“

Und so lange werden sie ihn auch feiern und verehren - als Alex Meier Fußballgott.

 

Christoph Kristandl

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