Die Hälfte der Saison ist vorüber, die ersten 90 Partien abgepfiffen - zumindest in der Theorie.
In der Praxis wurden erst 89 Matches über die Bühne gebracht, das wetterbedingt abgesagte Kräftemessen zwischen dem Wolfsberger AC und Sturm Graz wird erst nachgetragen.
Auch ohne diese Begegnung geben die Statistiken der ersten 18 Runden einen interessanten Einblick in den bisherigen Saisonverlauf der zehn Bundesligisten.
Wie stehen die Klubs im Vergleich zum letzten Herbst da? Wie sieht es mit ihrer Trefferquote aus? Welche Mannschaft ist die unfairste der Liga?
Die LAOLA1-Datenbank spuckt allerlei interessante Statistiken aus. Zudem werden einige Spieler genauer unter die Lupe genommen:
So beeindruckend der Salzburger Erfolgslauf sein mag, in der Vorsaison holte man in den ersten 18 Runden auswärts sogar noch zwei Punkte mehr. Insgesamt ergatterten die "Bullen" um zwei Zähler weniger als Austria Wien in der Vorsaison, sind aber dennoch konkurrenzlos - auch weil der Titelverteidiger nicht an die famosen Leistungen der Spielzeit 12/13 anschließen kann. Geradezu erschreckend ist der Rückfall von Sturm Graz vor eigenem Publikum. Im Herbst 2012 noch bestes Heimteam, hat sich die Ausbeute halbiert (von 20 auf 10). Grödig bereichert indes die Liga nur bedingt mit der Infrastruktur in der Untersbergarena, dafür mit erfrischenden Leistungen abseits der Heimat - die Salzburger rangieren in der Auswärtstabelle nur einen Punkt hinter Lokalrivalen Red Bull auf Platz zwei.
312 Mal durften die Spieler der zehn Vereine in der ersten Saisonhälfte ihren Torjubel präsentieren, das ergibt einen erfreulichen Schnitt von 3,5 Treffern. Insgesamt sind dies um satte 39 Tore mehr als im Herbst 2012/13 und um 60 Tore mehr als im Herbst 2011/12. Freilich hat Salzburgs imposante Ausbeute von 53 Treffern einen großen Anteil an diesem positiven Trend, selbiges gilt aber auch für Vertreter der unteren Tabellenhälfte. Wacker Innsbruck erzielte etwa mehr als doppelt so viele Tore wie vor einem Jahr (26 statt 12) und ist damit ebenso wie Wiener Neustadt (24 statt 14) wieder bei einem normalen Wert angelangt. Die Anzahl der Gegentreffer verdeutlichen, wo bei diesen beiden Vereinen die Probleme liegen. Auffällig: Nach Red Bull Salzburg erzielte Aufsteiger SV Grödig die zweitmeisten Tore.
SPIELER IM FOKUS: Philipp Zulechner
Was hätte man jemandem geantwortet, der im Juli behauptet hätte, dass Grödigs Philipp Zulechner nach der ersten Saisonhälfte mit 13 Treffern die Schützenliste anführen und auch sein Debüt im Nationalteam feiern würde? In der 1. Runde war der 23-Jährige noch nicht einmal beim Aufsteiger erste Wahl, nun ist der Shootingstar ein heißer Kandidat für einen Transfer zu einem heimischen Topklub oder gar ins Ausland.
Liebe Admira, das ist keine gute Kombination: Selbst benötigen die Südstädter im Schnitt am meisten Torschüsse, um einen Treffer zu erzielen - nämlich 12,5. Im Gegenzug brauchen nur die Kontrahenten von Wacker Innsbruck (6,4) weniger Torschüsse, um zum Torerfolg zu kommen - alle 6,9 Torschüsse klingelt es im Kasten der Niederösterreicher. Während bei Sturm Graz, das unter Franco Foda beinahe schon traditionell die Effektivitäts-Rangliste anführte, von dieser Kaltschnäuzigkeit nichts übrig geblieben ist, präsentierte sich Wiener Neustadt eiskalt. Alle 7,7 Schüsse ein Tor - Platz drei hinter Salzburg und Grödig.
SPIELER IM FOKUS: Jonatan Soriano
Es ist nur bedingt eine Überraschung, welcher Spieler im Schnitt die meisten Torschüsse abgibt. Jonatan Soriano nahm 4,1 Mal pro 90 Minuten das gegnerische Gehäuse ins Visier. Die Offensivstärke des Spaniers, der derzeit verletzungsbedingt fehlt, ist selbst für Salzburg kaum zu ersetzen. In absoluten Zahlen die meisten Torschüsse hat Rieds Robert Zulj mit deren 57 abgegeben, knapp vor Wacker-Stürmer Roman Wallner (55).
SPIELER IM FOKUS: Daniel Royer
Nein, Daniel Royer flankt in der Bundesliga bei weitem nicht am öftesten, dafür am effizientesten. Drei seiner 24 Flanken wurden vom Adressaten im Tor untergebracht, deren sechs führten immerhin zu Torschüssen. Eine Quote, um die Wilfried Domoraud den Austrianer mit Sicherheit beneidet. Sage und schreibe 59 Mal schlug der Admiraner den Ball in den Strafraum (1 Assist), womit er sogar die Wolfsberger "Flanken-Maschine" Manuel Kerhe (55) im Griff hatte. Im Schnitt am häufigsten, nämlich 4,8 Mal pro 90 Minuten, bringt Grödigs Sascha Boller den Ball zur Mitte.
SPIELER IM FOKUS: Richard Windbichler
In Admiras Kampf gegen den Abstieg erweist sich ihr Kapitän als unverzichtbarer Turm in der Schlacht. Der 22-Jährige war in der Hinrunde nicht weniger, als der beste Zweikämpfer der gesamten Bundesliga. Auf dem Boden hat der Abwehrspieler 68,7 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und steht damit ligaweit auf dem ersten Rang. In der Luft ließ er noch weniger anbrennen und entschied starke 81,6 Prozent der Kopfballduelle für sich. Das ist der dritte Platz in der Bundesliga - hinter Gernot Trauner (84,3 Prozent) und Michael Madl (81,8 Prozent). Dass Windbichler mit 1,83 Metern zu den kleineren Innenverteidigern der Liga gehört, soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.
Foul/Unsportlichkeit/Kritik bezieht sich auf Gelbe und Gelb-Rote Karten
SPIELER IM FOKUS: Marco Kofler
Der "Bad Boy" der Herbstsaison ist Marco Kofler. Der Wacker-Profi hat sechs Mal Gelb und ein Mal Gelb-Rot gesehen. Angesichts des Umstandes, dass der Defensivspieler nur elf Partien bestritten hat, ist dieser Wert umso beachtlicher. Um es anders auszudrücken: In lediglich vier Spielen - davon wurde er einmal in der 21. Minute ausgetauscht - wurde der 24-Jährige nicht verwarnt.
Stell' dir vor, es ist Bundesliga, und keiner geht hin. Unter diesem Motto könnte man den Herbst, der nicht zuletzt aufgrund der vielen Tore sportlich attraktiv erschien, zusammenfassen. Der Zuschauerrückgang in Österreichs höchster Spielklasse ist dramatisch - besonders beim SK Sturm, wo im Schnitt 4.000 Leute weniger antanzten. Pro Partie kamen im Vergleich zum Herbst des Vorjahres durchschnittlich 815,7 Menschen weniger. Das ergibt einen Durchschnittsbesuch von 6.293,1 pro Partie. Es ist also ein Minus von 11,5 Prozent. Lediglich RB Salzburg und der FC Wacker haben ein klares Plus zu verzeichnen, Ried ist mit marginalen Zugewinnen der dritte Verein, der in diesem Herbst mehr Fans anlockte. Aufsteiger Grödig ist aus dieser Aufzählung ausgenommen - die Salzburger haben ihre Zuschauerzahl im Vergleich zur Ersten Liga zwar deutlich gesteigert, sind aber nichtsdestoweniger das Bundesliga-Schlusslicht.
Peter Altmann/Harald Prantl