Via "Eis-Cordoba" zu Olympia

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Zwölf Teams nehmen am olympischen Eishockey-Turnier teil. Nur die neun besten Nationen der Welt und drei Qualifikanten kämpfen bei den Winterspielen um Gold.

Trotz dieser Hürde ist die letzte Teilnahme Österreichs noch nicht so lange her: 2014 gelang in Sotschi der Einzug in die Viertelfinal-Qualifikation. Obwohl das Turnier mit dem "Sauf-Skandal" vor allem durch eine Negativ-Schlagzeile in Erinnerung blieb, ist es durch die geglückte Qualifikation mit einem der größten ÖEHV-Erfolge der letzten Jahrzehnte verbunden.

Immerhin gelang sie am 10. Februar 2013 in Deutschland - gegen Deutschland.

Mit LAOLA1 erinnert sich Thomas Raffl an das Turnier zurück. Der Routinier bestritt am Wochenende sein 100. Länderspiel und wird in den nächsten Tagen als Leitfigur mit der aktuellen ÖEHV-Generation versuchen, den Erfolg in Bratislava gegen die Slowakei, Belarus und Polen zu wiederholen (alle Spiele im LIVE-Stream>>>).

Ein Auftakt, der Gold wert sein sollte

Die Voraussetzungen für das Turnier in Bietigheim-Bissingen waren andere als jetzt. Früher fand die Olympia-Qualifikation im Februar statt, die aktuell anstehende Aufgabe steigt im August.

Ebenso gibt es Parallelen: In einer Vierergruppe mit Deutschland, Italien und den Niederlanden galt Österreich bestimmt nicht als Top-Favorit auf das einzige Olympia-Ticket, zumal die vermeintlich stärkste Mannschaft damals wie heute Heimvorteil genoss.

Thomas Raffl 2013
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"Vieles kann man ähnlich sehen. Wir hatten eine schwere Gruppe, haben die Ziele damals auf einen kurzen Zeitraum gesteckt und von Spiel zu Spiel geblickt. Das hat sich als richtig herausgestellt", erinnert sich Raffl.

Das Turnier begann nämlich mit einem Sieg über Italien. Eine Nation, die sich traditionell meist auf Augenhöhe mit dem ÖEHV befindet. Ein Doppelpack von Daniel Oberkofler und ein weiterer Treffer des nunmehrigen Black-Wings-Managers Gregor Baumgartner sorgten bis zehn Minuten vor dem Ende für eine 3:1-Führung, ehe Vincent Rocco der Anschluss gelang - aber die rot-weiß-roten Nerven hielten ebenso wie das 3:2.

Feuerwerk gegen die Niederländer

Es war ein zweierlei richtungsweisender Sieg. Einerseits, weil "bei so einem Turniermodus der Start immer enorm wichtig ist. Das war damals ausschlaggebend: Dass wir richtig viel Selbstvertrauen mitnehmen konnten", weiß Raffl.

Andererseits, weil die Italiener einen Tag später Deutschland sensationell 2:1 nach Verlängerung schlugen und damit die Tabellenkonstellation schufen, die Österreichs Turniersieg später ermöglichte.

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

"Man darf sich nur auf sich konzentrieren - was dann passiert, steht in den Sternen", war das für den Salzburg-Stürmer ein erneuter Beweis.

Die Pflichtaufgabe Niederlande erledigten Raffl und Co. 24 Stunden später mit einem 6:1 erwartet souverän. Schon nach knapp 18 Minuten stand es 5:0, wobei sich auch Raffl in die Schützenliste eintrug, das Gegentor fiel erst kurz vor Ende.

"Es war nominell der schwächste Gegner, trotzdem: Bei uns ist jedes Spiel gleich angegangen worden. Das war damals der Teamspirit in der Mannschaft", denkt Raffl zurück.

"...weil es einfach Österreich ist!"

Damit war es angerichtet: Am letzten Spieltag benötigte Deutschland, zuvor ebenfalls gegen die Niederlande siegreich, gegen Österreich einen Erfolg nach 60 Minuten. Dem ÖEHV-Team genügte hingegen ein Punkt.

Und die Deutschen gaben sich trotz des Ausrutschers gegen Italien siegessicher. DEB-Verteidiger Constantin Braun meinte auf die Frage, warum Österreich bezwungen wird, gar lapidar: "Weil es einfach Österreich ist! Wir sind Deutschland, die sind Österreich. Die letzten Jahre haben wir sie immer geschlagen, warum sollten wir diesmal damit aufhören?"

Auf das "warum" gab es zwar keine Antwort, die Einschätzung sollte sich aber als falsch herausstellen. Raffl kommt ins Schwärmen: "Ich habe das Spiel vor Augen, als ob es gestern gewesen wäre: Wir haben gewusst, uns reicht ein X, waren aber ein Tor hinten. In den letzten Minuten hat Markus Peintner den Ausgleich erzielt."

Es folgten nervenaufreibende Minuten, von der Linie gekratzter Puck inklusive - aber der Favorit brachte keinen mehr ins Netz. Das Spiel war nicht vorbei, die Quali aber geschafft. Und während die Deutschen samt dem Großteil der 4.517 Fans lange Gesichter aufsetzten, lagen Österreichs Spieler aufeinander.

"Wir haben einfach nicht aufgehört. Mit so einem Tor so kurz vor Schluss werden nochmal ganz andere Energien frei. Dafür muss man natürlich das Mannschaftsklima haben", so Raffl.

Dass das Spiel noch 2:3 verloren ging, blieb eine Randnotiz, die Österreichs Medien nicht von den aufgelegten Schlagzeilen über das "Eis-Cordoba" abhielten.

Sind die Voraussetzungen diesmal sogar besser?

Ein Jahr später präsentierte sich das ÖEHV-Team gegen Finnland, Kanada und Norwegen gar nicht schlecht, der Sieg über die Norweger besorgte sogar eine gute Ausgangsposition für die Viertelfinal-Qualifikation.

Dass sich die Kombination "Eishockey" und "Olympia" trotzdem durch die Negativ-Schlagzeilen des "Sauf-Skandals" vor dem kläglichen 0:4-Aus gegen Slowenien ins Gedächtnis brannte, ist die traurige Seite der Geschichte.

Wiederholt sich das Bild von 2013?
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Mit einer erneuten Olympia-Qualifikation, die ähnlich überraschend wäre wie 2013, könnte das aktuelle ÖEHV-Aufgebot die Assoziation aber verblassen lassen. Und Thomas Raffl hat sogar Argumente, warum das gelingen kann.

"Im Februar ist man in einem Spielrhythmus. Wenn du Mannschaften wie die Slowakei hernimmst, die aus KHL- und NHL-Spielern besteht, haben die im Februar Monate Spielpraxis auf höhem Niveau in den Beinen. Jetzt ist es für alle gleich. Das könnte auf unserer Seite stehen."

Letzten Endes geht es wie 2013 gegen Top-Nationen, aber neben Raffl wissen mit Bernhard Starkbaum, Thomas Hundertpfund und Martin Schumnig noch drei weitere Spieler, wie eine Olympia-Quali gelingt.

"Die Chance ist immer da, es ist ein Turnier-Modus, wo du an drei Tagen gewinnen musst. Du musst mit gesundem Respekt, aber nicht mit Angst reingehen. Das Talent, welches wir in der Mannschaft haben, hat Österreich nicht alle Jahre."

2013 war es da. Ob es 2021 da ist, wird sich in wenigen Tagen weisen.

Olympia-Qualifikation 2021 im LIVE-Stream bei LAOLA1:

Donnerstag (19:15 Uhr): Österreich - Slowakei>>>

Freitag (15:15 Uhr): Österreich - Belarus>>>

Sonntag (13:30 Uhr): Österreich - Polen>>>

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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