ÖTV-Präsident über Thiem, Talente und Probleme

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Kalt-warm für Robert Groß! Der Präsident des Tennis-Verbandes (ÖTV) durchlebt zur Zeit eine Hochschaubahn der Gefühle.

Dominic Thiem ist ein großartiger Botschafter, gegen Vize-Präsident und Wiener Landes-Chef Franz Sterba läuft zum Schaden des heimischen Sports eine Strafanzeige. In Linz ist vor einem Monat ein Damen-Leistungszentrum eröffnet worden, bei den Förderungen sieht der ÖTV aber noch Luft nach oben.

Strategie-Konzepte sollen die Zukunft sichern, die Talente zu den Grand Slams reisen.

LAOLA1: Gegen Ihren Vize-Präsidenten gibt es Korruptionsvorwürfe. Ihre Meinung dazu?

Robert Groß: Dazu habe ich vorerst keine Meinung. Es gilt die Unschuldsvermutung. Wir werden dazu beitragen, dass die Dinge restlos aufgeklärt werden. Wir kennen die Geschäftsgebarungen der Landesverbände nicht. Wir werden die Behörden aber in allen Belangen unterstützen. Für das heimische Tennis ist die Sache sicher nicht optimal.

LAOLA1: Sie sind eineinhalb Jahre im Amt. Bei ihrem Antritt haben sie davon gesprochen, in drei Jahren etwas zu bewegen und weiterzuentwickeln. Wie sieht die Halbzeit-Bilanz aus?

Groß: Eigentlich kann ich sehr zufrieden sein. Wir haben mit Dominic Thiem einen Top-10-Spieler. Im Davis Cup haben wir knapp gegen die Ukraine verloren. Da ist es mein Ziel, in die Weltgruppe aufzusteigen. Bei den Damen haben wir im Fed Cup den Aufstieg in Ägypten geschafft und wollen mit Barbara Haas und Tamira Paszek zwei Spielerinnen in den Top-100 platzieren. Wobei ich deren Leistungen nur wenig beeinflussen kann. Wir haben ein Leistungszentrum in Linz installiert und stellen dabei unser Knowhow sowie die Betreuer Sybille Bammer und Jürgen Waber zur Verfügung. Ich hoffe, dass aus diesem Zentrum in Zukunft die eine oder andere Spielerin den Sprung in die Top-100 schafft.

LAOLA1: An wen denken Sie dabei?

Groß: Julia Grabher zum Beispiel. Die 20-jährige Vorarlbergerin ist im Fed Cup aktiv und hat sich dort bereits ihre ersten Sporen verdient. Wir werden da in nächster Zeit einiges erreichen. Unser Ziel ist es jedenfalls in den kommenden zwei Jahren zwei Top-100-Spielerinnen zu besitzen. Das sehe ich als realistisch an.

LAOLA1: Wie wichtig sind die beiden kommenden Top-Turniere in Wien (ATP-500) und WTA in Linz für den Verband?

Groß: Für das österreichische Tennis sind diese beiden Events enorm wichtig. Herwig Straka hat in Wien ein großartiges Feld auf die Beine gestellt, in Linz ist mit Karolina Pliskova die US-Open-Finalistin am Start. Das Zuschauer-Interesse ist da wie dort sehr positiv. Für unsere Damen Haas und Paszek, die in Linz mit Wildcards starten, hoffe ich auf eine erfolgreiche Woche.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie mit den Strukturen im Verband?

Groß: Wir haben im Tennisverband eine sehr schlanke Struktur. Wir haben keinen Sportkoordinator und Sportdirektor. Ich bin operativ im Geschäft tätig und schaue darauf, dass wir im administrativen Bereich so wenig wie möglich Ressourcen verbrauchen, dass das Geld nicht ins Büro, sondern in den Sport fließt. Wir wollen die Jungen entsprechend fördern und hoffen, dass wir Seitens des Bundessportförderungsfonds (BSFF) als zweitgrößter Fachverband des Landes mehr Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Es kann nicht sein, dass immer der Fußballbund und der Skiverband entsprechend gefördert werden, wir möchten, dass unsere Projekte vom Sportministerium ebenfalls entsprechend gefördert werden.


Tennis-Legende Thomas Muster übt herbe Kritik am rot-weiß-roten Zugang zum Sport:


"Unser Ziel ist es jedenfalls in den kommenden zwei Jahren zwei Top-100-Spielerinnen zu besitzen"

Große Ziele bei den Damen

LAOLA1: Wie haben Sie die Diskussionen über den heimischen Sommersport in und nach Rio empfunden?

Groß: Für mich war im Vorfeld bereits klar, dass Österreich keine Sommersport-Nation ist. Der Herr Schröcksnadel hat sich das wohl auch leichter vorgestellt wie es ist. Medaillen kann man nicht produzieren, das ist im Tennis ähnlich. So etwas muss passieren. Die Art und Weise wie die Sportler während und nach der Spiele kritisiert worden sind, finde ich nicht in Ordnung. Siege sind in den Sommersportarten nicht vorausprogrammierbar. Im Skifahren schaut das anders aus, da gibt es sechs Nationen und da wird enorm viel Geld investiert. Und wenn man einmal hinter die Kulissen schaut, dann erkennt man, dass es auch da nicht einfach ist, Leute wie Marcel Hirscher zu produzieren.

LAOLA1: Im Sommersport soll demnächst etwas passieren. Was wünscht sich der Tennis-Präsident?

Groß: Ich wünsche mir, dass die Gelder künftig gezielter eingesetzt werden, dass Projekte entsprechend finanziert und während der Laufzeit evaluiert werden, sowie die Priorität auf die Nachwuchsförderung gelegt wird.

LAOLA1: Allerorts wird über Probleme mit der Infrastruktur geklagt. Gilt das auch für den Tennissport?

Groß: Wir haben bezüglich Infrastruktur wenig Sorgen. Die Leistungszentren sind gut ausgestattet, in den Vereinen ist sicher da wie dort das eine oder andere zu investieren beziehungsweise sind Verbesserungen vorzunehmen.

LAOLA1: Glücksfall Dominic Thiem. Wie kann der ÖTV davon profitieren?

Groß: Wir sind dabei, mit Thiems Trainer und Mentor Günter Bresnik eng zusammen zu arbeiten und wollen diesen Boom entsprechend forcieren. Wir können Trainings mit den beiden in den Landesverbänden anbieten und erleben dabei einen großen Zulauf. Ich bin überzeugt, dass daraus und dank der Vorbild-Funktion von Thiem in den nächsten Jahren wieder das eine oder andere Talent hervorgehen wird. Wir unterstützen Thiem und die Landesverbände, um gemeinsame Aktionen durchzuführen. Bresnik hat uns weitere Aktionen mit dem heimischen Nachwuchs zugesagt.

Talente-Sichtung in der Südstadt

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LAOLA1: Was trauen Sie Thiem noch zu und wie bitter war für Sie seine Absage für Rio?

Groß: Natürlich war seine Olympia-Absage bitter, aber das war eine Entscheidung seines Managements und die ist zu akzeptieren. Bresnik hat mir aber nach Rio mitgeteilt, dass er noch genügend Möglichkeiten sieht, wo Thiem dem österreichischen Tennis helfen kann.

LAOLA1: Was sind die nächsten Projekte des ÖTV?

Groß: Wir wollen im nächsten Jahr wieder Spieler zu den Grand-Slam-Turnieren der Junioren bekommen. Wir brauchen Mädchen und Buben, die bei den großen vier Turnieren Österreich vertreten. Das ist unser nächstes großes Ziel.

Das Gespräch führte Peter Rietzler

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