"Lassen uns nicht als die Buhmänner darstellen"

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Martin Harnik und Florian Klein sind nach dem Abstieg mit keiner wohlwollenden Nachrede aus Stuttgart konfrontiert.

Am Rande des ÖFB-Camps in Laax setzen sie sich zur Wehr. "In Stuttgart ist sehr viel passiert. Da versucht sicher der eine oder andere, die Aufmerksamkeit auf andere zu lenken. Daran werden wir uns nicht beteiligen, wir wollen uns aber auch nicht als Buhmänner darstellen lassen", so Harnik.

Dem Duo wurde vorgeworfen, sich nicht mehr ausreichend mit dem Verein identifiziert zu haben.

Dass zwei Nationalspieler von sich aus ihr Erscheinen bei einem Medientermin forcieren, ist nicht unbedingt alltäglich.

Harnik und Klein ist es jedoch spürbar ein Anliegen, einige der kolportierten Dinge ins rechte Licht zu rücken. Vor allem besagte - und hinter vorgehaltener Hand geäußerte - Kritik im "Kicker" hat die beiden A-Team-Spieler getroffen.

Hier ihre Reaktionen auf dieses Nachtreten aus dem Lager des Absteigers. Zudem nehmen sie zu ihrer offenen Zukunft Stellung:

MARTIN HARNIK: "Ursprünglich wollten wir zu dem Bericht nicht wirklich Stellung nehmen, weil ja schon geschrieben wurde 'hinter vorgehaltener Hand'. Es gehört nicht zu großem Journalismus, solche Berichte zu schreiben. Da aber auch einige von euch diesen Bericht übernommen haben und die Öffentlichkeit das dementsprechend mitbekommen hat, wollen wir natürlich sagen, dass das so nicht stimmt. Ich denke, jeder, der uns persönlich kennt oder hier im Nationalteam kennengelernt hat, weiß, dass wir sicherlich keine Einstellungs- oder Identifikationsprobleme haben - erst recht nicht in einem Verein, für den man sechs Jahre gespielt hat. Das müssen wir loswerden, weil wir in ein schlechtes Licht gerückt wurden, dem wir sicherlich nicht gerecht werden."

FLORIAN KLEIN: "Mir ist es ebenfalls persönlich sehr wichtig, dass es überhaupt nicht der Fall war, dass wir uns nicht mehr mit der Mannschaft identifizieren konnten oder sie nicht unterstützt haben, auch wenn es für uns persönlich sicher ein schwieriges halbes Jahr war. Trotzdem haben wir jeden Tag alles gegeben. Dann ist es schon sehr ärgerlich, wenn solch eine Berichterstattung zustandekommt. Natürlich erkundigen sich die Fans in Stuttgart vorwiegend über die Medien. Wenn so etwas geschrieben wird, glaube ich, dass man das schon zurechtrücken muss. Bei mir gab es schon vor drei, vier Monaten den Fall, dass geschrieben wurde, ich hätte um die Freigabe gebeten, was ebenfalls gar nicht gestimmt hat. Damals habe ich mich nicht geäußert. Diesmal ist es mir persönlich wichtig, das klarzustellen, weil es überhaupt nicht stimmt."


Harnik und der Shitstorm

Speziell Harnik wurde in den vergangenen Wochen von Negativschlagzeilen verfolgt, dabei auch sein Privatleben nicht verschont. So wurde ihm vom deutschen Boulevard vorgeworfen, dass er sich mitten im Abstiegskampf einen neuen Porsche gekauft habe. Kostenpunkt: Mindestens 180.000 Euro.

Auf diesen Vorwurf habe der 28-Jährige während des Liga-Betriebs öffentlich sehr diplomatisch reagiert, um nicht "noch ein weiteres Fass" aufzumachen.

"Jetzt kann ich sagen, dass das natürlich nicht ganz ehrlich war, denn ich brauche mich nicht zu rechtfertigen, wie ich mein Geld investiere und ob ich in meiner Freizeit ein Auto abhole oder nicht. Ich denke, es steht niemandem zu, mich dafür zu kritisieren. Dass dann solch ein Shitstorm entsteht und die Leute darauf einsteigen, ist sicherlich der Situation und den Emotionen im Sport geschuldet. Aber da dürfen wir nicht hinkommen, dass man uns vorschreibt, wie wir uns verhalten sollen, denn die Bilder wurden ja nicht von mir gepostet."

"Mit dem Abstieg sind wir ganz schön gescheitert"

Dass er dem Stuttgarter Umfeld nach Vertragsende nun entfliehen kann, sei für ihn "auf keinen Fall ein Trost". Vielmehr trifft es den gebürtigen Hamburger merklich, mit welcher Nachrede der Abschied erfolgt:

"Ich glaube, ich habe sechs Jahre in Stuttgart sehr, sehr sauber gelebt und das Image eines Fußballers sicherlich nicht so verkörpert, wie es jetzt am Ende dargestellt wurde. Ich habe immer alles für den VfB gegeben, habe mit Verletzungen gespielt, im Abstiegskampf öfter meinen Kopf hingehalten und stand auch in schwierigen Zeiten immer Rede und Antwort. Ich denke, das wissen im Verein und im Umfeld auch sehr viele zu schätzen. Man ist immer ein wenig wehr- und machtlos, wenn sich Medien auf einen einschießen oder Informationen bekommen, die so in der Art und Weise nicht stimmen."


Nach einigen Jahren Abstiegskampf sei er Kritik oder Beschimpfungen zwar gewohnt, dies gehöre zum Beruf dazu: "Aber dass es einen nicht kaltlässt, ist auch klar. Denn dann würde der Bericht ja sogar stimmen, so wie er geschrieben wurde."

Natürlich habe er sich in den schweren Wochen des Abstiegskampfs Sorgen gemacht: "Nicht nur um unsere eigene Zukunft, sondern auch um jene der Mitarbeiter im Verein. Man hat ja im ganzen Umfeld diese Unruhe und teilweise Existenzangst gespürt. Dass das ganze Privatleben darunter leidet, ist auch klar. Dass man Restaurants oder Cafes nicht so gerne besucht und das Nachtleben sowieso komplett meidet, ist in so einer Situation selbstverständlich. Das Thema ist präsent, dementsprechend versucht man sich zu verhalten und nur auf die Sache zu konzentrieren, aber auch da ist es wichtig, die Balance zu finden. Am Ende ist es sicherlich nur Fußball, aber eben unser Beruf, und da sind wir mit dem Abstieg ganz schön gescheitert. Das nimmt einen schon mit."

Kleins Konkurrenzkampf mit Großkreutz

Klein erinnert sich an die Szenen nach dem letzten Heimspiel gegen Mainz, als viele Fans nach dem Schlusspfiff auf den Rasen gestürmt sind.

"Wenn man solche Szenen sieht, in denen man sich den Fans stellen muss und in den ersten zehn Minuten nur beschimpft wird, ist es natürlich nicht angenehm. Aber das ist im Fußball schon oft vorgekommen. Das ist ein bisschen die negative Seite, die auch am schwersten zu meistern ist. Aber gerade bei den Fans ist es so, dass sie vom Herzen her noch weit mehr mitfiebern als ein Spieler, denn als Fan bist du ein Leben lang beim Verein dabei. Das heißt aber nicht, dass man als Spieler den Abstieg locker hinnimmt. Keiner von uns, speziell Martin und ich, wollte sich anhaften lassen, mit Stuttgart abgestiegen zu sein. Darauf werde ich später nie gerne zurückschauen", so der Oberösterreicher.

Im Frühjahr wurde dem 29-Jährigen mit Kevin Großkreutz ein prominenter Name vor die Nase gesetzt, was sich negativ auf seine Einsatzzeit ausgewirkt hat.

"Natürlich wird sich Stuttgart von diesem Transfer etwas erhofft haben. Andererseits ist es für mich mehr oder weniger egal, warum ich nicht spiele, ich muss mit der Situation fertig werden. Ich habe das aber so angenommen, dass ich in jedem Training alles gegeben habe, sodass man mir absolut nichts vorwerfen kann. Es war einfach die Entscheidung des Trainers und des Sportdirektors. Die musste ich mehr oder weniger akzeptieren, etwas anderes kann ich nicht machen. Mir wäre es natürich lieber gewesen, wenn es anders gelaufen und ich weiter so wie in den ersten eineinhalb Jahren gespielt hätte. Aber es ist leider nicht so gekommen."

WIE GEHT ES IN ZUKUNFT WEITER?

FLORIAN KLEIN: "Mein Vertrag läuft noch ein Jahr und gilt auch für die zweite Liga. Ich werde mich damit jetzt einmal nicht beschäftigen, sondern mich voll auf die EURO konzentrieren. Das ist natürlich eine Plattform, sich zu zeigen. Diese Chance möchte ich nutzen. Erst danach werden wir diskutieren, wie es weitergeht."

MARTIN HARNIK: "Mein Berater ist schon mit dem einen oder anderen Verein in engerem Kontakt, auf Namen gehe ich natürlich nicht ein. Aber ich habe schon vor Wochen kommuniziert, dass ich da keine Eile habe. Ich möchte jetzt auch nicht pokern und nur auf eine sehr gute EM hoffen, aber ich möchte auch nichts zu schnell entscheiden, um mich irgendwie abzusichern. Ich bin der Meinung, alles kommt, wie es kommen soll. Wenn das richtige Angebot auf dem Tisch liegt, werde ich es auch wahrnehmen. Ich muss zum Zeitpunkt der Unterschrift glücklich sein. Grundsätzlich wäre es mir schon lieber, wenn es vor der EURO erledigt ist, weil man dann sicherlich eine Sache weniger im Kopf hat. Aber es spielt wie gesagt keine Rolle, wenn es nicht so kommt. Meine Frau und ich hätten auch kein Problem damit, eine Auslandserfahrung zu machen. Dazu sind wir bereit und würden uns sehr darüber freuen. Aber die Bundesliga ist natürlich auch ein Thema."

Zuerst gilt die Konzentraion ohnehin der EURO. In punkto Wohlbefinden hat das ÖFB-Team in der Vergangenheit schon bei so manchem im Verein unglücklichen Spieler Wunder bewirkt.

Darauf setzt auch das Stuttgart-Duo. Klein: "Wir sind natürlich die zwei Spieler, die nicht gerade mit dem größten Erfolg hierher kommen. Sobald man hier ist, ist ziemlich viel vergessen. Hier besteht für uns beide die Chance, wieder positive Zeiten im Fußball zu erleben, denn es war schon eine richtig schwierige Zeit, in der du immer unter Druck oder negativen Aspekten trainieren oder spielen musstest. Hier ist es genau das Gegenteil.


Peter Altmann

 

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