Korkmaz: "SCR muss wissen, was er will"

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Ümit Korkmaz dürfte seine Zelte in der Türkei abbrechen.

Obwohl der 30-Jährige noch bis 2017 bei Rizespor unter Vertrag steht, sieht es so aus, als würde er noch in diesem Transferfenster wechseln. "Die Tendenz geht eher dahin, dass ich mir in diesem Sommer eine neue Herausforderung suche", erklärt er im LAOLA1-Interview.

Wohin die Reise geht, ist noch unklar: "Rizespor wird mir keine Steine in den Weg legen. Mein Berater Max Hagmayr und ich sind derzeit in Gesprächen mit anderen Vereinen."

Wie er über eine Rückkehr zu Rapid denkt, er das Abschneiden des ÖFB-Teams bei der EURO analysiert, die Anschläge in der Türkei sein Leben verändert haben und warum er Rizespors Vorgehen nicht versteht, verrät Ümit Korkmaz im Talk:

LAOLA1: Wir treffen dich in Wien an. Genießt du den Heimaturlaub?

Ümit Korkmaz: Ja, ich halte mich hier fit. Einerseits trainiere ich mit Ante Gale (Technik und Koordination), andererseits mit Box-Profi Marcos Nader (Ausdauer und Kraft). Boxen ist ein toller Ausgleich zum Fußball und macht richtig Spaß. Ich würde mir wünschen, dass mehr Kinder und Jugendliche zum Fußball- oder Boxtraining gehen, anstatt auf der Straße herumzulungern. Du betätigst dich körperlich, hältst dich fit und kommst so gar nicht in die Versuchung von Drogen.


LAOLA1: In der vergangenen Saison hast du nur neun Spiele für Rizespor absolviert. Warum lief es nicht nach Wunsch?

Korkmaz: Letztes Jahr kam ein neuer Trainer, der plötzlich ganz andere Vorstellungen hatte. Ich habe nie wirklich eine Chance erhalten. Ich wurde höchstens eingewechselt um frischen Wind zu bringen, wenn es kritisch wurde. Dann kamen kleinere Verletzungen dazu. Meistens, wenn man mehr will und mehr tut, um in die Mannschaft zu kommen, tut man sich weh. Weil man zu viel vom Körper verlangt. Mit neun Einsätzen bin ich nicht zufrieden, ich hätte mir mehr erwartet. Als ich zu Rizespor gekommen bin, habe ich gleich fünf Mal getroffen, eine gute Saison gespielt und eine Vertragsverlängerung um drei Jahre erhalten. In der Türkei wird die Mannschaft komplett umgestellt, wenn ein neuer Trainer kommt. Aus Österreich oder Deutschland kannte ich es eher so, dass man einen Trainer holt, der zur Mannschaft passt.

LAOLA1: Willst du dich bei Rizespor durchbeißen oder sehen wir dich bald bei einem anderen Klub?

Korkmaz: Dazu kann ich im Moment nichts Konkretes sagen. Ich habe noch ein Jahr Vertrag, mal sehen wie es weitergeht. Die Tendenz geht eher dahin, dass ich mir in diesem Sommer eine neue Herausforderung suche.

LAOLA1: Wird Rizespor dich halten oder darfst du bei einem passenden Angebot wechseln?

Korkmaz: Sie werden mir keine Steine in den Weg legen. Mein Berater Max Hagmayr und ich sind derzeit in Gesprächen mit anderen Vereinen. Meine Zukunft ist also offen – man darf aber nicht vergessen, dass ich noch bei Rizespor unter Vertrag stehe. So lange werde ich alles für diesen Klub geben.

LAOLA1: Du hast vor kurzem gesagt, deine Karriere in Österreich beenden zu wollen. Ist das nach wie vor dein Wunsch?

Korkmaz: Ja, absolut! Ich habe vor, zum Schluss in Österreich zu spielen. Egal, bei welchem Verein das sein wird.

LAOLA1 hat Ümit Korkmaz beim Training mit Profi-Boxer Marcos Nader besucht. Die besten Bilder:

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LAOLA1: Das heißt, es muss nicht unbedingt Rapid sein?

Korkmaz: Da kommt es auf verschiedene Faktoren an. Ich durfte fast vier Jahre bei Rapid spielen und habe es genossen. Das ist der beste Verein in Österreich, ich will mich aber nicht auf Rapid festlegen und etwas anderes ausschließen. Ich weiß nur, dass ich meine Karriere in Österreich beenden will. 

LAOLA1: Bei Rapid wird immer mehr auf junge Spieler gesetzt. Denkst du, besteht an jemandem einem 30-Jährigen Interesse?

Korkmaz: Das kommt auf das Konzept an, das kann nur Rapid beantworten. Der Klub muss wissen, was er will. Will man junge Spieler hochziehen und verkaufen oder will man Meister werden? Das weiß ich nicht. Zu meiner Zeit war ich der jüngste Spieler, fast alle anderen waren über 28 Jahre alt – und wir sind Meister geworden.

LAOLA1: Was sagst du zur Entwicklung bei den Grün-Weißen mit dem neuen Stadion?

Korkmaz: Ich durfte das Projekt schon sehen, bevor es gebaut wurde. Das Stadion ist sehr schön, endlich eine passende Arena für die zahlreichen Zuseher. So ein toller Klub sollte in so einem genialen Stadion spielen.

LAOLA1: Die EURO verlief für Österreich nicht nach Wunsch. Was sagst du zum Abschneiden des ÖFB-Teams?

Korkmaz: Ich war ehrlich gesagt enttäuscht. Die Qualifikation lief sehr gut – ich dachte, Österreich kann jeden Gegner besiegen. Eine Endrunde ist aber eben etwas Anderes. Ich habe es selbst 2008 miterlebt, bei Turnieren wird anders gespielt.

LAOLA1: Kann man das Team von 2008 mit jenem von 2016 überhaupt vergleichen?

Korkmaz: Das ist schwer zu sagen. Zu meiner Zeit waren die meisten Spieler älter als ich, es war nicht so eine junge Mannschaft. Der Großteil der Spieler über 28 Jahre alt, dazu gab es ein paar ganz routinierte Spieler. Ich hätte jetzt auch gerne einen gestandenen Spieler gesehen, der vielleicht einmal auf den Tisch haut. Es waren vielleicht schon zu viele junge, talentierte Spieler dabei. Die fehlende Routine kann zum Problem werden.

"Ich hätte jetzt auch gerne einen gestandenen Spieler gesehen, der vielleicht einmal auf den Tisch haut. Es waren vielleicht schon zu viele junge, talentierte Spieler dabei. Die fehlende Routine kann zum Problem werden."

Über das ÖFB-Team bei der EURO

LAOLA1: Die Türkei wurde zuletzt durch Terroranschläge und einen Putschversuch erschüttert. Hat sich dadurch das Leben verändert?

Korkmaz: Ich lebe jetzt seit zweieinhalb Jahren in der Türkei und bekomme das eigentlich nur vor dem Fernseher mit. Es ist einfach sehr, sehr traurig – für mich gibt es keine Erklärung dafür. Viele Leute denken, dass diese Leute nach dem Koran handeln. Aber das ist falsch. Im Koran steht so etwas nicht, das kann ich als Moslem versichern. Da geht es gar nicht um Moslems oder Christen, ein Mensch darf einfach keinen anderen Menschen töten. Und schon gar nicht auf so hinterhältige und falsche Art und Weise. Diese Menschen interpretieren den Islam falsch.

LAOLA1: Spürst du in Rize die Angst der Menschen vor weiteren Anschlägen?

Korkmaz: Nicht unbedingt, weil in Rize zum Glück noch nichts passiert ist. Wenn wir mit der Mannschaft nach Istanbul fliegen, ruft meine Mutter vorher immer an. Sie sagt dann, ich soll große Plätze und Menschenmengen vermeiden. Du hast es aber im Hinterkopf, in einem Einkaufszentrum schaust du automatisch öfters nach links und rechts. Man kann ohnehin nicht wissen, wann und wo es passiert. Unlängst hat es Nizza getroffen – was soll das? Und genau dadurch werden alle Moslems beschuldigt und in ein schlechtes Licht gerückt.

LAOLA1: Ist die Situation in der Türkei ein Grund für dich, die Sachen zu packen und in ein anderes Land zu wechseln?

Korkmaz: Natürlich hat man Angst, wenn man solche Sachen hört. Aber wir sind Profi-Fußballer und ziehen unser Ding durch. Ich hoffe, ich muss so etwas nie selbst erleben. Wir dürfen aber nicht einfach aufgeben oder Angst zeigen. Das wäre das falsche Zeichen, weil man den Terroristen dadurch zeigen würde, dass sie gewonnen haben.

 

Matthias Nemetz

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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