Onisiwo: "Lederer gab mir ein Versprechen"

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Karim Onisiwo hat ein harte Zeit hinter sich.

Monatelang zog sich sein Rechtsstreit mit Mattersburg, bis der Flügelspieler als vertragsloser Spieler im Jänner zu Mainz wechseln durfte. "Natürlich war das eine psychische Belastung", erzählt der 24-Jährige.

Die Burgenländer verweigerten ihm trotz Ausstiegsklausel einen Sommer-Transfer, woraufhin er Klage einreichte. "Der Sportdirektor gab mir ein Versprechen, das er dem Präsidenten weitergeben hätte sollen", äußert sich Onisiwo zur Causa.

Mittlerweile scheinen die Probleme überwunden. Im Februar traf die Spielgenehmigung der FIFA bei Mainz ein. Nachdem der Wiener Flügelflitzer nun auch eine Verletzung auskuriert hat, kommt er bei den "05ern" zu regelmäßigen Kurzeinsätzen. 

Im LAOLA1-Interview spricht Onisiwo über die veränderten Anforderungen an ihn. Außerdem erklärt er, warum er David Alabas Hilfe für eine mögliche Nominerung in den EM-Kader des ÖFB-Nationalteams nicht annehmen würde.

 

LAOLA1: Wie hast du dich in Mainz eingelebt?

Karim Onisiwo: Ganz gut. Mit jeder Woche gewöhne ich mich besser an die Bundesliga und das Tempo. Ich bin auf einem guten Weg.

LAOLA1: Zunächst lief es bei deiner neuen Station nicht ganz nach Wunsch. Du hast dir eine Zehenverletzung zugezogen. Was ist da passiert?

Onisiwo: Ich habe einen Schlag auf den rechten Zehenballen bekommen. Es ist ein Ödem entstanden, deswegen konnte ich nicht auftreten. Genau als die Spielgenehmigung eintraf, kam mir diese Verletzung dazwischen. Deswegen habe ich erst gegen Dortmund mein Debüt bestritten.

LAOLA1: Seitdem hast du drei weitere Kurzeinsätze bekommen. Wann sehen wir dich erstmals in der Startelf?

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Onisiwo: Nach fünf Monaten Pause bin ich froh, regelmäßig im Kader dabei zu sein. In der Bundesliga herrscht eine ganz andere Qualität und ein größerer Konkurrenzkampf. Ich will mich von Woche zu Woche steigern. Wenn ich so weitermache, denke ich schon, dass ich bald von Anfang an spielen werde.

LAOLA1: In Österreich hast du mit deinen Dribblings die ganze Bundesliga auseinander genommen – ist es in Deutschland schwerer, an den Gegenspielern vorbeizukommen?

Onisiwo: Ja, natürlich! In Deutschland sind ganz andere Kaliber unterwegs. Das ist ein Riesensprung. Ich habe insgesamt noch nicht so viele Minuten gespielt. Deswegen kenne ich nicht die ganze Liga, aber natürlich ist es schwerer, an den Spielern vorbeizukommen. Da braucht man mehrere Ansätze.

LAOLA1: Beim Nationalteam hast du im Herbst verraten, dass der taktische Unterschied zwischen dem ÖFB-Team und Mattersburg groß ist. Hast du nun in Mainz dieselbe Erfahrung gemacht?

Onisiwo: Ja, schon. In Mattersburg haben wir nicht ein solches Pressing und Umschaltspiel gespielt. Hier verlangt der Trainer ganz andere Sachen von den Außenbahnspielern. Wenn man von der österreichischen Liga kommt, muss man viel dazulernen. Das Trainerteam hilft mir dabei, sie geben mir viele Tipps.

"Wenn man von der österreichischen Liga kommt, muss man viel dazulernen."

Karim Onisiwo

LAOLA1: Musstest du dein Spiel umstellen? Bist du beispielsweise angehalten, nicht immer ins Dribbling zu gehen, sondern manchmal auch den Sicherheitspass zu wählen?

Onisiwo: Bei uns wird das Spielfeld in drei Abschnitte geteilt. Im letzten Drittel kann man immer Risiko gehen. Da fordert der Trainer sogar Dribblings von uns, auf der Seite überhaupt. Natürlich ist der Sicherheitspass auch manchmal gefragt, aber vorne geht es um die Dribblings.

LAOLA1: Wie ist das Feedback von Coach Martin Schmidt?

Onisiwo: Zu Beginn war es ein bisschen schwierig. Da habe ich gebraucht, um reinzukommen. Aber mittlerweile geht es ganz gut. Bei manchen Übungen muss ich noch ein bisschen wacher sein. Ansonsten hoffe ich, dass er zufrieden ist (lacht).

LAOLA1: Was kritisiert der Coach noch an dir?

Onisiwo: Nicht so viel, aber es gibt ein paar Kleinigkeiten. Beim Umschaltspiel soll ich zum Beispiel gleich den Weg in die Tiefe suchen. Das war bei Mattersburg nicht so. Die Laufwege sind ganz anders. Ich soll – wie auch beim Nationalteam – ganz breit stehen und erst am Schluss zur Mitte ziehen. Das habe ich früher anders gemacht.

LAOLA1: Wie wichtig war Julian Baumgartlinger für dich? Welches Standing hat er in Mainz?

Onisiwo: Ein sehr gutes. Er hat mich beim Trainingslager in der Schweiz empfangen, als ich zur Mannschaft gestoßen bin. Das war ein super Wiedersehen, nachdem wir uns bereits beim Nationalteam getroffen haben. Er führt die Mannschaft sehr gut und ist ein echter Ruhepol. Wenn etwas nicht passt, spricht er das offen an. Er bringt genau jene Ausgewogenheit mit, die ein Kapitän braucht.

"Natürlich war es auch psychisch eine Belastung"

LAOLA1: Das Hick-Hack um deinen Vertrag muss seit dem letzten Sommer eine konstante Belastung für dich gewesen sein. Umso bemerkenswerter sind deine hervorragenden Leistungen im Herbst. Wie hast du diese Monate erlebt?

Onisiwo: Die ganze Sache ist im Hintergrund schon lange gelaufen, bevor die Medien das Thema aufgegriffen haben. Natürlich war es auch psychisch eine Belastung, obwohl mein Anwalt und mein Berater sehr viel erledigt haben. Ich habe versucht, mich auf die Spiele zu konzentrieren. Immer schafft man das auch nicht. Es wäre unmenschlich, wenn du in dem einen oder anderen Training nicht darüber nachdenken würdest, wenn davor gerade wieder etwas passiert ist. Zumeist ist mir das aber gut gelungen.

LAOLA1: Du hast dein Gehalt, das du von Mattersburg erhalten hast, stets prompt zurücküberwiesen. Wie ist es möglich, für einen Verein alles zu geben, mit dem man in so einem Streit steht?

Onisiwo: Gute Frage. Sportdirektor Franz Lederer hat mir ein Versprechen gegeben, das er dem Präsidenten weitergeben hätte sollen. Aber ich will jetzt nicht in Details gehen. Ich habe mir ganz einfach gedacht, das hat nichts mit der Mannschaft zu tun. Die Jungs waren alle korrekt zu mir. Wir haben weiterhin Gas gegeben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun gehabt.

LAOLA1: Wie hast du in dieser Zeit überhaupt dein Leben finanziert?

Onisiwo: Ganz normal. Ich habe natürlich schon einiges zusammengespart und hatte keine großen Ausgaben. So bin ich ganz gut über die Runden gekommen.

LAOLA1: Glaubst du, hätte dich Mainz auch verpflichtet, wenn du nicht ablösefrei gewesen wärst?

Onisiwo: (lacht) Das weiß ich nicht. Das müssen andere Leute beantworten.

 

Mattersburg-Berufung gegen Urteil? "Ich glaube, dass das alles felsenfest ist."

Karim Onisiwo

LAOLA1: Mattersburg hat gegen das Urteil des Arbeitsgerichtes Berufung eingelegt. Muss Mainz im Nachhinein vielleicht noch Ablöse bezahlen?

Onisiwio: Ich glaube, dass das alles felsenfest ist. Ich bin als freier Spieler zu Mainz gewechselt. Ich habe auch mit Christian Heidel (Mainz-Manager, Anm.) darüber gesprochen. Er denkt genauso, dass das alles unter Dach und Fach ist.

LAOLA1: Mattersburg gilt generell als Verein, der nur selten umworbene Spieler zu anderen Klubs ziehen lässt.

Onisiwo: Sowie Farkas und Bürger beispielsweise?

LAOLA1: Genau. Und das in einer Zeit, in der immer mehr Vereine Transferablösen als wirtschaftliche Einnahmequelle nutzen. Ist die Denkweise der Mattersburger überhaupt noch zeitgemäß?

Onsiwio: Es ist in jedem Fall eine andere Philosophie, als viele andere Klubverantwortliche sie heutzutage fahren. Aber es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, ob dies nun gut oder schlecht ist. Darüber kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden.

"So eine Freundschaft benutzt man ja nicht, um ins Nationalteam zu kommen. Das will ich schon aus eigener Kraft schaffen."

Alaba als EM-Helfer für Onisiwo?

LAOLA1: Kommen wir zu einem erfreulicheren Thema – im Herbst warst du erstmals im Nationalteamkader. Die letzten Testspiele kamen nach deiner Verletzung etwas zu früh für dich. Hast du trotzdem noch Kontakt mit Marcel Koller?

Onisiwo: Direkt habe ich keinen Kontakt mit ihm. Die fünfmonatige Verletzungspause hat mich für den Nationalteamkader aber wohl eher uninteressant gemacht. Da haben einfach Spielpraxis und Trainingseinheiten gefehlt. Aber ich denke, wenn ich weiterhin meine Einsätze bekomme und Gas gebe, besteht eine Chance auf die EM.

LAOLA1: Was musst du in den restlichen Saisonspielen leisten, um den Sprung in den EURO-Kader zu schaffen?

Onisiwo: Ich denke, dass man mit guten Trainingseinheiten viel bewirken kann. Die Trainer sind ja auch im Austausch. Auch wenn es nur Kurzeinsätze sind, muss ich in den Spielen alles geben.

LAOLA1: David Alaba kennst du aufgrund der Freundschaft eurer Eltern schon lange. Glaubst du, wird er beim Teamchef ein gutes Wort für dich einlegen?

Onisiwo: (lacht) Nein, über so etwas denke ich überhaupt nicht nach. So eine Freundschaft benutzt man ja nicht, um ins Nationalteam zu kommen. Das will ich schon aus eigener Kraft schaffen. In meiner Karriere ist mir das bisher immer so gelungen und so will ich das auch weiterhin machen.

 

Das Interview führte Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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