"Mad Dog" Pogatetz will sich in Berlin festbeißen

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Er ist nicht mehr der Einzige.

Seit gut einer Woche hat Christopher Trimmel beim deutschen Zweitligisten 1. FC Union Berlin mit Emanuel Pogatetz einen weiteren Österreicher zum Teamkollegen.

"Er hat Mega-Erfahrung, vor allem für unsere nicht ganz so stabile Situation. Speziell beim Verteidigen von Standards kann er sehr wichtig sein", kennt der 28-Jährige im "Berliner Kurier" die Vorzüge des Neuzugangs aus der amerikansichen MLS.

Pogatetz, der zuletzt zwei Jahre für Columbus Crew kickte, schätzt Trimmel wiederum folgendermaßen ein: "Er ist ein sehr guter Spieler und positiver Typ, vielseitig einsetzbar. Das hört er aber nicht so gern, weil er am liebsten rechts hinten spielt."

Legionärs-"Connection"

Zuvor sind sich die beiden erst einmal beim Nationalteam begegnet, im einwöchigen Trainingslager Unions in Spanien können sie sich nun besser kennenlernen.

In Oliva Nova teilen sie sich auch gleich ein Hotelzimmer, in Berlin haben sie zwei nebeneinanderliegende Spinde.

Der Steirer, der am 16. Jänner 33 Jahre alt wird, freut sich über die Österreicher-"Connection".

Gut eingelebt

Auch sonst fühlt er sich bei den Eisernen schon richtig wohl, wie er gegenüber dem vereinseigenen "AFTV" im ersten Interview nach seiner Verpflichtung berichtet: "Nach knapp einer Woche im Verein habe ich mich schon sehr gut eingelebt und bin begeistert. Die Bedingungen und die Fans sind toll. Der Zusammenhalt, der zwischen den Fans herrscht, ist beeindruckend. Ich wurde super aufgenommen", sagt er erleichtert.

"Mir wurde gleich gesagt, wir sind jetzt alle Unioner und duzen uns gleich", erzählt er grinsend im Foyer des Hotels in Spanien. "Das war eine tolle Sache."

Stark leistungsbezogener Vertrag

Auch die Betreuung, das Umfeld und die Mannschaft des Tabellendreizehnten aus der Alten Försterei selbst haben es ihm angetan. "Das Team hat es mir extrem einfach gemacht, es ist ein wirklich gutes Mannschaftsgefüge hier und dann ist es nie schwer, sich einzubringen."

Sein Ziel sei es, auch über den Sommer hinaus in Köpenick zu bleiben. "Ich bin ein erfahrener Spieler, habe in Deutschland, England, Russland usw. schon einige Stationen hinter mir. Diese Erfahrung will ich bei Union einbringen." Dass er nur einen Halbjahres-Vertrag mit einer leistungsbezogenen Option auf ein weiteres Jahr hat, stört ihn nicht.

"Umso älter man wird, umso leistungsbezogener werden Verträge. Aber das ist für mich kein Problem, ich habe Vertrauen in mich selbst. Wenn wir erfolgreich sind und ich meinen Teil dazu beitragen kann, hoffe ich, länger bleiben zu können."

Europa in puncto Taktik vorne

Nach Europa wollte er zurück, weil er sich das Leben und den Fußball in den USA anders vorgestellt hat.

"Es wird noch brauchen, bis Verständnis für den Fußball da ist. Dort geht es extrem athletisch zu, was mir entgegen kam, aber taktisch sind wir ein bisschen weiter", sagt der Hobbykoch, der gänzlich auf Kohlenhydrate verzichtet.

Wacklige Defensive

Seine Vorteile, mit denen er Union in der Rückrunde helfen will, sieht er in seiner Zweikampf- und Kopfballstärke, so wie allgemein in seinem Verhalten auf dem Platz. „Es ist sicher eine meiner Stärken, dass ich laut bin auf dem Platz und versuche, die Mitspieler zu organisieren", beschreibt der früher wenig schmeichelhaft "Mad Dog" genannte Defensivspieler seine Spielweise.

Organisation und Stabilität in der Defensive kann das Team, das in 19 Spielen 30 Gegentore hinnehmen musste, mehr als nur gut gebrauchen. Die Eisernen tun sich in dieser Saison extrem schwer, nach einer Führung auch zu gewinnnen.

Fünf Siege gab es bislang, zwei davon allerdings erst zuletzt in den beiden Rückrunden-Spielen in Düsseldorf und gegen Sandhausen. Zuvor verspielte man unglaubliche 21 Punkte nach einer Führung, gab zehnmal die Partie noch aus der Hand.

Nach Testspielen gegen die B-Mannschaft Villarreals, Videoton, Borussia Dortmund, Pardubice und Austria Salzburg läutet Union am 5. Februar mit dem Auswärtsspiel auf dem Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern das Ende der Winterpause ein.

Der große Traum

Neben seiner Vertragsverlängerung kämpft Pogatetz in den nächsten Wochen noch um etwas anders: Insgeheim träumt der 61-fache Nationalspieler, der zuletzt im Juni 2014 ein Spiel für das ÖFB-Team absolvierte, noch von der Europameisterschaft.

"Ich war zehn Jahre Stammspieler, erst mit dem Wechsel in die USA bin ich ein bisschen rausgefallen. Ich gebe mein Bestes, rechne mir durchaus Chancen aus."

 

Henriette Werner

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