10 Facts: Darum braucht Bilbao keinen Messi

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Athletic Bilbao ist in gewisser Art und Weise einzigartig.

Los Leones“, die Löwen, stehen zu ihrer politischen Ideologie, verkörpern das Baskenland, setzen ungeheuren Wert auf Herkunft und Tradition.

Das La-Liga-Gründungsmitglied forciert den eigenen Nachwuchs, kam bis vor wenigen Jahren ohne Trikotsponsor aus und bezieht die Mitglieder in alle wichtigen Entscheidungen ein.

Das baskische Prinzip erreichte weltweit Anerkennung. Nun kommt der SK Rapid am 2. Spieltag der Europa League (Donnerstag, ab 21:05 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker) in Kontakt mit dem etwas anderen Verein.

LAOLA1 kennt weitere 10 Facts, die man über Athletic Bilbao wissen muss:

  • Nur Basken – keine Spanier, keine Ausländer

Die großen sportlichen Erfolge Bilbaos liegen zwar schon Jahre zurück, trotzdem weicht der 1898 gegründete Klub nicht von seiner Vereins-Philosophie ab – und diese ist durchaus beachtlich. Spieler aus anderen Regionen außer dem Baskenland sind nicht zu finden. Athletic beschränkt sich ausnahmslos auf „Einheimische“, genauer gesagt mit Herkunft aus baskischen Provinzen. Diese Ausrichtung wird strikt befolgt, auch wenn mittlerweile baskische Wurzeln der Familienangehörigen für eine Aufnahme reichen sollen. Der Fokus ist dabei vor allem auf die Jugend gerichtet, um baskische Ausnahmetalente in der eigenen Schmiede heranreifen zu lassen – die Aufnahme-Kriterien sind bekannt. Deshalb tätigte man in diesem Sommer auch keinen einzigen Transfer. Der Neffe vom einstigen spanischen Ministerpräsident Adolfo Suarez, Fernando Suarez, ging in der „SportBild“ sogar einmal so weit, zu behaupten: „Warum sollten wir unsere Prinzipien ändern? Ich spreche für alle Fans: Messi nehmen wir nicht einmal geschenkt!“ Für viele lautet das Motto: Einmal Athletic Bilbao, immer Athletic Bilbao. Denn eine große Anzahl an Spielern punktet mit jahrelanger Treue, als Vorbild gilt etwa Joseba Etxeberria, der in 15 Spielzeiten 445 Siele bestritt und 87 Tore erzielte. Mit dieser Grundausrichtung hat sich Bilbao weltweit Respekt verdient, andere Teams folgten diesem Beispiel.

  • Keine guten österreichischen Erinnerungen an heißblütige Bilbao-Fans

Die Duelle zwischen Rapids Erzrivale Austria Wien und Athletic Bilbao sind aus mehrerlei Gründen unvergessen. 2004/05 konnten die Veilchen die Basken nach einem 0:0 daheim und einem 2:1-Auswärtssieg ausschalten und ins Achtelfinale einziehen. Schon damals gab es erste Scharmützel zwischen den Fans. 2009/10 trafen beide Teams in der EL-Gruppenphase erneut aufeinander und die Feindschaft der Anhänger beider Vereine führte zu unschönen Szenen. Im Baskenland wurden die violetten Fans alles andere als herzlich begrüßt – nicht zuletzt, weil sie eine faschistische Abordnung von Real-Madrid-Fans im Schlepptau hatten. Beim zweiten Duell in Wien waren rechtsextreme Fans aus halb Europa anwesend, auf Austrias Fantribüne wurde dem früheren faschistischen spanischen Diktator Franco gehuldigt und es kam zu einem Platzsturm – eine Zäsur für die Fanszene der Austria. Keine negativen Fan-Erlebnisse hatte hingegen RB Salzburg, das 2011 die Klingen mit Bilbao kreuzte.


Die Highlights von Bilbaos Sieg gegen den FC Sevilla:
(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)


  • Kultstätte „La Catedral“ wich neuem Fußballtempel

100 Jahre pilgerten die Fans von Athletic Bilbao ins altehrwürdige San-Mames-Stadion. 1913 eröffnet, wurde die von Manuel Maria Smith entworfene Spielstätte mit 39.750 Plätzen mit den Jahren liebevoll „La Catedral“ getauft. Hier kann man durchaus eine Parallele zu Rapid ziehen, erinnert der Spitzname doch ans „St. Hanappi“. 2006 wurde ein Neubau beschlossen, 2013 wurde das neue „San Mames Barria“ hochoffiziell eröffnet. Moderner und den aktuellen Standards entsprechend fasst die neue Arena nun 53.289 Zuschauer, international – also auch gegen Rapid – sind 50.000 Plätze zugelassen. Ein Fußballtempel an alter Wirkungsstätte, der sogar zur weltweit besten Sportstätte 2015 gekürt wurde. Benannt wurde das ursprüngliche Stadion einst nach dem christlichen Märtyrer „Mamas“, der unter Kaiser Aurelianus den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurde. Diese sind nunmehr das Wappentier Bilbaos, „Leones“ werden sie genannt.

  • Mit dem Schiff zur Meisterfeier

Das Zurschaustellen eines Pokals in einem offenen Bus hat für viele Klubs international schon Tradition. Meistertitel auf einem Schiff zu begießen, können nicht viele Teams vorweisen. Bei Athletic Bilbao war es hingegen ein Brauch, die acht Titel in der Primera Division so zu feiern. Da der Verein von englischen Seeleuten gegründet wurde, verwundert die Art und Weise nur wenig. Auf dem in Richtung Meer durch die Stadt fließenden Fluss Nervon bewegte sich das Schiff zuletzt 1984 kontinuierlich in Richtung Innenstadt, die Ufer waren von euphorischen Fans gesäumt. Es war damals das zweite Mal in Folge, dass man Real und Barcelona die Grenzen aufzeigen konnte, Trainer war Javier Clemente. Doch seitdem riss der Faden. Aufgrund der Transferpolitik, von der man nicht abweicht, konnte man finanziell und sportlich nicht mehr ganz mit der Liga-Spitze mithalten. Die Glanzzeiten hatte Bilbao in den 30er Jahren mit vier gewonnenen Meisterschaften (1929/30, 1930/31, 1933/34, 1935/36), dazu kamen jene 1942/43, 1955/56 sowie jene zwei in den 80er Jahren.

  • Bilbao als Sprungbrett – von Lizarazu bis Javi Martinez

Nicht alle Spieler bleiben im sehr traditionellen System Bilbaos auf Lebenszeit treu. Einige Profis, vor allem in der jüngeren Vergangenheit, konnten schlussendlich dem Lockruf internationaler Top-Klubs nicht widerstehen. Etwa Torhüter Andoni Zubizareta, der als Baske danach beim FC Barcelona für Schlagzeilen sorgte. Oder Aitor Karanka, der bei Athletic heranreifte und nach fünf Jahren bei Real Madrid wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrte. Auch Bixente Lizarazu, der bei Bilbao der Erste aus dem französischen Teil des Baskenlandes war, wurde danach beim FC Bayern München zur Kultfigur. Ein weiteres Beispiel ist Fernando Llorente, der von 2004 bis 2013 insgesamt 262 Einsätze bestritt und 85 Tore erzielte. Der spanische Teamspieler wechselte daraufhin direkt zu Juventus Turin. Schon 2012 sorgte Bilbao mit dem Verkauf von Javi Martinez (201 Spiele/22 Tore) für die stolze Summe von 40 Millionen Euro an den FC Bayern für Schlagzeilen und den bis dahin teuersten Transfer der deutschen Bundesliga-Geschichte.

  • Treueschwur der Top-Talente - Bilbao statt Barcelona oder Man City

Wie lange derzeit aktive Spieler noch lukrativen Angeboten der internationalen Top-Klubs widerstehen können, bleibt abzuwarten. Zwei Beispiele zeigen jedoch auf, dass es für viele keinen Grund gibt, Bilbao fluchtartig zu verlassen, nur weil Millionen-Offerten ins Haus flattern. Aymeric Laporte ist mit 22 Jahren eines der talentiertesten Innenverteidiger-Talente der Welt und als französischer Baske auf dem Sprung in die „Equipe Tricolore“. Alles, was Rang und Namen hat, stand beim Bilbao-Youngster Schlange. 2015 galt er unter anderem als Wunschobjekt des FC Barcelona, 2016 wollte Manchester City den Deal abschließen. Doch Laporte verlängerte indes prompt für vier Jahre bei Bilbao, während der Klub die festgeschriebene Ablöse auf 65 Millionen Euro hochschraubte. Ebenfalls heiß begehrt ist der 22-jährige Außenbahnspieler Inaki Williams, auch „Baskotelli“ genannt. Unter anderem rannten ihm Liverpool, Arsenal und Man City die Türen ein, doch auch er entschied sich im Winter für eine Vertragsverlängerung und blieb dem Klub auch im Sommer treu.


La-Liga-Wordrap mit Bilbaos Rohdiamant Aymeric Laporte:
(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)


  • Kuriositäten – vom 23-jährigen Urgestein bis zum 35-jährigen Teamspieler

Iker Muniain ist ein Name, der mittlerweile seit vielen Jahren mit Athletic Bilbao assoziiert wird. Ein Blick auf sein Alter überrascht jedoch. Der Linksaußen ist gerade einmal 23 Jahre alt, stand aber bereits am 30. Juli 2009 gegen die Young Boys Bern erstmals in der Kampfmannschaft – im zarten Alter von 16 Jahren. Im Rückspiel avancierte er zum jüngsten Torschützen der Klubgeschichte (16 Jahre, 229 Tage), nur wenige Tage später spielte er die Austria in der Europa League schwindelig. Vergleiche mit Lionel Messi waren an der Tagesordnung, doch Muniain ging seinen eigenen Weg – in Bilbao. Auf der anderen Seite hat Athletic mit Aritz Aduriz einen wahren Spätzünder im Team. Der Stürmer musste 35 Jahre alt werden, ehe er nach 20 Toren in der vergangenen La-Liga- und 10 Treffern in der Europa-League-Saison im März reif für sein Debüt im spanischen Nationalteam war und prompt mit zur EURO 2016 durfte, wo er drei Mal zum Einsatz kam.

  • Baskisches Derby der unterschiedlichen Auffassungen

Dieses Derby hat es in sich. In der für Autonomie kämpfenden spanischen Region prallen im direkten Duell zwischen Bilbao und Real Sociedad ähnliche Philosophien aufeinander. Und doch waren diese nicht ident, schon gar nicht heutzutage. Denn der Klub aus San Sebastian setzte einst wie Athletic auf Spieler aus dem Baskenland, ließ jedoch auch Legionäre zu. Nur Spieler aus dem restlichen Spanien waren nicht eingeplant. Dieser Linie blieben die Blau-Weißen lange Zeit treu, ehe 2002 mit der Verpflichtung von Sergio Boris von Oviedo der erste spanische Nicht-Baske aufgenommen wurde. 2006/07 waren es mit Juanito, Daniel Cifuentes, Gerardo Garcia Leon, Alvaro Novo und Diego Rivas schon fünf. Während Real Sociedad somit in den letzten Jahren vom einst eingeschlagenen Weg abgekommen ist, beharrt Bilbao weiterhin auf seinen Standpunkt. Von Hass erfüllt sind diese Derbys ohnehin nicht. Von Seiten Bilbaos schlägt etwa Real Madrid, dem Symbol der spanischen Zentralmacht, mehr Abneigung entgegen.

  • Unabsteigbares Gründungsmitglied

Athletic Bilbao hat Tradition, definitiv. Neben Real Union Irun, Arenas de Getxo, Real Sociedad, Real Madrid, Atletico Madrid, FC Barcelona, Espanyol Barcelona, CE Europa und Racing Santander zählten die Löwen zu den Gründungsmitgliedern der Primera Divison bzw. La Liga im Jahr 1928. Allerdings ist Bilbao nur eines von drei Teams, das nie absteigen musste – neben Real Madrid und dem FC Barcelona. Insgesamt konnten die Rot-Weißen acht Mal den Meistertitel erringen und landen in der ewigen Rangliste auf Rang vier hinter Real (32), Barca (24) und Atletico (10). Wie bereits erwähnt, müssen die Basken jedoch schon seit 1984 auf eine Fortsetzung ihrer Meistertitel-Statistik warten.

  • Bilbao als Cup- und Europacup-Phänomen

Noch viel erfolgreicher als in La Liga war Bilbao in der Vereinsgeschichte jedoch im spanischen Cup, der Copa del Rey. 24 Pokal-Titel gehen auf die Kappe der Basken, wobei einer vom Verband nicht anerkannt wurde. Trotzdem muss man sich mit 23 Cup-Siegen nur dem FC Barcelona (28) geschlagen geben, allerdings liegt auch in diesem Bewerb der letzte Titel bereits 32 Jahre zurück. Seitdem schaffte man es jedoch weitere vier Mal ins Finale, drei Mal seit 2009. Sowohl 2009, 2012 als auch 2015 musste man sich jedoch im Endspiel dem FC Barcelona geschlagen geben. Auch im Europacup hat das Team trotz nationaler Durststrecke seit rund 30 Jahren Erfolge vorzuweisen. 2011/12 stürmte Bilbao ins Europa-League-Finale, wo man Atletico mit 0:3 unterlag. 1976/77 reichte es im UEFA-Cup-Finale gegen Juventus Turin nicht zum ganz großen Coup.

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