"Wir haben nicht nur Marc Janko"

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Der Countdown läuft! Das ÖFB-Team ist in Frankreich eingetroffen, der Ankick des ersten EM-Spiels gegen Ungarn rückt immer näher.

Ein Moment, auf den das Nationalteam seit Jahren hingearbeitet hat.

An Momente wie diese soll sich das rot-weiß-rote Fußball-Volk gewöhnen können, wenn es nach Marc Janko geht.

"Was ich mir wünschen würde, ist ganz einfach, dass wir probieren, dieses Level in den nächsten zehn, 15, 20 oder 30 Jahren einigermaßen zu halten oder vielleicht sogar zu verbessern. Die Österreicher sollen sich wieder nachhaltig mit dem Fußball identifizieren können", erklärt der Goalgetter im LAOLA1-Interview.

Zu dieser Zukunftsvision gehört auch ein adäquates Nationalstadion: 

LAOLA1: Der Turnier-Start rückt näher. Die Europhorie in Österreich ist riesig. Ist es schwer, damit umzugehen?

Janko: Überhaupt nicht schwer. Denn im Endeffekt ist es positiv, dass gerade solch eine Euphorie herrscht. Das wollten wir ja auch alle über die Jahre erreichen. Wir probieren auch bewusst, die Euphorie nicht im Keim zu ersticken, sondern versuchen einfach, uns nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen und das realistisch einzuordnen. Wenn wir dann wirklich Erfolg haben oder in der Tat das erreichen sollten, was manche Leute sich erträumen, dann nehmen wir das gerne mit. Dann sind wir die Ersten, die sich in Feierlaune begeben. Aber wir wissen, dass es sehr, sehr schwer wird.

LAOLA1: Wie sehr haben euch dieses Von-Spiel-zu-Spiel-Denken und die dazugehörigen Sprachregelungen die letzten Jahre erleichtert?

Janko: Ich weiß nicht, ob es uns so viel erleichtert hat. Auf jeden Fall legt man sich dann weniger Druck auf. Da gebe ich dir recht, das ist vielleicht in gewisser Weise eine Erleichterung. Aber wir hatten in all den Jahren eigentlich immer die Maxime, dass wir Erfolg haben und jedes Spiel gewinnen wollen. Nur wirkt es einfach anders, wenn du schon vor dem Spiel sagst: „Das nächste Spiel gewinnen wir fix. Und wenn wir das nicht gewinnen, ist das und das der Fall.“ So erzeugst du eine ganz andere Stimmung, ein ganz anderes Bild in der Öffentlichkeit. Wir sind nach wie vor sehr bescheiden in unseren Aussagen, und ich glaube, wir tun alle gut daran, dass wir das auch weiterhin so machen. Wenn sich der Erfolg einstellt, freuen wir uns ja trotzdem. Es ist nur für den Fall, dass es mal nicht so laufen sollte, einfacher. Dann ist die Enttäuschung in der Öffentlichkeit nicht so groß, weil sie es vielleicht ein bisschen besser einschätzen kann.

"Bei einem Turnier hast du innerhalb weniger Tage drei Finalspiele. Das entscheidet über Sein oder Nicht-Sein. Das ist eine ganz neue Drucksituation, die viele von uns noch nicht erlebt haben. Deswegen ist es schwer vorauszusagen, wie wir das verarbeiten werden."

Marc Janko

LAOLA1: Das heißt, nach innen hat sich weniger geändert als nach außen?

Janko: Ich denke schon, ja.

LAOLA1: Das Thema Turniererfahrung wird kontrovers diskutiert. Wird das über- oder unterbewertet?

Janko: Das weiß ich nicht. Ich habe in meiner Karriere noch keine Turniererfahrung bei solchen Großereignissen. Es ist auf jeden Fall eine Extremerfahrung – und auch eine total andere, als es die Quali gewesen ist. Denn in der Quali ist es so, dass du im Idealfall zehn Tage hast, um dich auf ein Spiel, bei dem es um wichtige Punkte geht, vorzubereiten. Bei einem Turnier hast du innerhalb weniger Tage eigentlich drei Finalspiele, die du im Idealfall gewinnen musst. Das entscheidet über Sein oder Nicht-Sein. Das ist eine ganz neue Drucksituation, die viele von uns noch nicht erlebt haben. Deswegen ist es schwer vorauszusagen, wie wir das verarbeiten werden.

LAOLA1: Hilft es, dass ihr von der Altersstruktur zwar noch lange nicht am Zenit seid, aber mittlerweile schon deutlich erfahrener?

Janko: Erfahrung ist ja nie schädlich. Das tut immer gut, in allen Lebenslagen, und auch in dieser Thematik.


 LAOLA1: Du spielst seit zehn Jahren im Nationalteam, dein Debüt war im Mai 2006. Sind die aktuellen Erfolge noch viel mehr wert, wenn man auch die bisweilen schwierige Phase miterlebt hat?

Janko: Man weiß sie zumindest viel mehr zu schätzen. Wenn man auch schon andere Zeiten durchlebt hat, genießt man das vielleicht ein Stück weit mehr, ist sich bewusst, was das bedeutet, welche Tragweite das auch hat. Das ist eine schöne Sache.

LAOLA1: Dieses Team besteht aus so vielen verschiedenen Charakteren, dennoch kommt dieser Familien-Gedanke glaubhaft rüber. Wie schwer war es, so zusammenzuwachsen, oder ist der Erfolg diesbezüglich der beste Turbo?

Janko: Erfolg ist natürlich ein angenehmer Faktor, den man hilfreich zur Seite gestellt bekommt. Auf der anderen Seite haben wir uns nie gesagt, dass wir jetzt zusammenwachsen sollen, sondern es hat sich einfach so ergeben. Es wurden auch von Marcel Koller und unserem Sportpsychologen Thomas Graw gezielte Meetings installiert, in denen gewisse Sachen angesprochen wurden. All diese Dinge hatten in diesem Prozess Schritt für Schritt ihren Erfolg. So ist jene Einheit zusammengewachsen, als die wir heute auf dem Platz stehen.

LAOLA1: Du hast in einem Interview gesagt, du hast einen ähnlichen Humor wie Marko Arnautovic.

Janko (lacht): In gewissen Sachen!

"Das ist viel Situationskomik. Ich kann jetzt keinen Witz erzählen, den wir beide gut finden."

Über Schmähs mit Arnautovic

LAOLA1: Wie darf man sich das vorstellen, wenn Marko Arnautovic und Marc Janko Schmäh führen?

Janko: Das ist viel Situationskomik. Ich kann jetzt keinen Witz erzählen, den wir beide gut finden. Das hat einfach mit Situationen zu tun, die man witzig findet und passend und pointiert kommentiert.

LAOLA1: Du wirst jetzt wahrscheinlich nicht unterschreiben, wenn ich behaupte: Wenn du nicht da wärst, hätte Österreich ein gewisses Problem. Warum tut man sich ein bisschen schwer, Stoß-Stürmer zu entwickeln?

Janko: Zuallererst möchte ich darauf hinweisen, dass Rubin Okotie in der vergangenen Quali mit seinen entscheidenden Toren gegen Russland und Montenegro einen sehr wichtigen Beitrag geleistet hat. Wir haben nicht nur Marc Janko, sondern auch viele andere gute Spieler. Es ist immer wahnsinnig schwierig, sich über einen selber zu äußern, welche Qualitäten ich ins Team einbringe. Ich freue mich, dass ich in der EM-Quali und auch davor in der WM-Quali mit meinen Toren meinen Teil zum Erfolg beitragen konnte. Alles andere überlasse ich lieber den Experten.

LAOLA1: Dass Rubin einen großen Anteil hatte, bestreitet niemand. Aber an das internationale Level, das du erreicht hast, kommt momentan kein anderer Stürmer heran. Ist es vielleicht auch schwierig, weil sich die Position gewandelt hat und es nicht mehr nur reicht, der Goalgetter zu sein, sondern auch die defensiven Aufgaben umfangreicher geworden sind?

Janko:  Wie gesagt tu ich mir ein bisschen schwer, das zu beurteilen, denn ich möchte natürlich nicht andere irgendwie in den Schatten stellen oder ihnen die Qualität absprechen. Das sollen andere Leute beurteilen. Es ist für mich auch schwer zu beurteilen, was hinten nach kommt. Jeder Spieler hat seine eigene Geschichte, jeder Spieler hat seine eigenen Qualitäten. Vielleicht liegst du ja ganz falsch und im nächsten halben Jahr kommen vier, fünf neue Super-Stürmer aus dem Nachwuchs ins A-Team. Dann hat sich das Thema erledigt. Ich würde es mir wünschen.

LAOLA1: Wann wirst du deine Zukunftsentscheidung bezüglich Nationalteam treffen? Ist das eine Bauchsache nach der EM, oder weißt du es eh schon?

Janko: Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Ich freue mich in erster Linie über die EURO-Teilnahme mit Österreich und probiere, das Turnier so gut es geht zu genießen, mit der Mannschaft Erfolg zu haben und so weit wie möglich zu kommen. Was danach passiert, werden wir alle sehen.


LAOLA1: Was würdest du dir wünschen, dass der österreichische Fußball aus diesem Hoch des Nationalteams mitnimmt? Ein Nationalstadion? Dass die Bundesliga wieder Auftrieb erfährt?

"Als Spieler würde ich mir natürlich wünschen, dass wir früher oder später ein richtig modernes Nationalstadion hätten."

Marc Janko

Janko: Es wurden teilweise schon richtige Ideen in den Raum geworfen. Ein neues Nationalstadion würde dem ÖFB gut zu Gesicht stehen. Ich habe leider zu wenig Hintergrund-Information, wie der Stand der Dinge ist, woran es vielleicht scheitert oder welche Punkte man diskutieren sollte. Aber ich als Spieler würde mir natürlich wünschen, dass wir früher oder später ein richtig modernes Nationalstadion hätten. Ich sage jetzt nicht, das Ernst-Happel-Stadion ist schlecht, aber es ist auf jeden Fall schon ziemlich in die Jahre gekommen, wenn ich es mit anderen Stadien vergleiche, in denen ich bisher gespielt habe. Aber das ist keine Voraussetzung für die Mannschaft, um Erfolg zu haben. Das sind Nebengeräusche, bei denen man gerne eine Entwicklung sehen würde. Was ich mir wünschen würde, ist ganz einfach, dass wir probieren, dieses Level in den nächsten zehn, 15, 20 oder 30 Jahren einigermaßen zu halten oder vielleicht sogar zu verbessern. Die Österreicher sollen sich wieder nachhaltig mit dem Fußball identifizieren können. Wenn sie auf Urlaub fahren, sollen sie nicht nur sagen können, wir sind die Skifahrer, sondern auch gute Fußballer.

LAOLA1: Die Voraussetzungen dafür sind so günstig wie lange nicht. Es kommt guter Nachwuchs nach. Siehst du dennoch Gefahr, dass es eine Eintagsfliege bleibt?

Janko: Nein, ich sehe keine Gefahren, aber es ist mir – und ich denke auch allen anderen – bewusst, dass es auf keinen Fall eine einfache Aufgabe ist. Aber ich glaube, dass die Voraussetzungen mittlerweile geschaffen wurden, dass es so weitergehen kann.


LAOLA1: Lass uns zum Abschluss zu deinen persönlichen Zukunftsplänen kommen. Siehst du dich irgendwann eher als Trainer, als Sportdirektor oder abseits vom Fußball?

Janko: Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ich jemals Trainer werden möchte. Wobei ich schon mit vielen Ex-Spielern geredet habe, die genau das Gleiche wie ich gedacht haben und mittlerweile an der Seitenlinie wiederzufinden sind. Also ich sage zu keiner Position niemals nie. Vielleicht wird alles ganz anders kommen, als ich mir das jetzt vorstelle.

LAOLA1: Aber der Fußball soll weiter eine Rolle in deinem Leben spielen?

Janko: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich wünsche es mir irgendwo auch, dem Fußball zumindest zum Teil erhalten zu bleiben, weil ich diesen Sport einfach über alles liebe und ihm unglaublich viel zu verdanken habe. Außerdem meine ich, dass ich mich in diesem Metier auch ein bisschen auskenne, viel erlebt habe und viele Erfahrungen weitergeben kann. In welcher Form auch immer werden wir dann sehen.

Das Gespräch führte Peter Altmann



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