"Rapid erwartet sich Vorteile durch mich"

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Endlich Klarheit.

Lange wurde spekuliert, bei welchem Verein Christoph Schößwendter ab Sommer unter Vertrag stehen wird, seit kurzem steht fest: Der Innenverteidiger wechselt ablösefrei von der Admira zu Rapid Wien.

Für den 27-Jährigen ist Hütteldorf kein unbekannter Boden, bereits vor sieben Jahren stand er bei den Grün-Weißen unter Vertrag. Damals absolvierte der Salzburger kein Spiel für die Kampfmannschaft. "Es gab mehrere Gründe", erklärt der 1,93-Meter-Mann im Gespräch mit LAOLA1. Einer davon war der damalige Trainer Peter Pacult.

Beim zweiten Anlauf soll alles besser werden. Wie er auf seine Zeit bei der Admira zurückblickt, wie sieben Tore in 23 Spielen überhaupt möglich waren, warum er vor der Saison starke Zweifel hatte, wie er seine Konkurrenz beim Rekordmeister analysiert und warum Rapid ihn überhaupt verpflichtet hat, verrät Schößwendter im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es dir nach der Leisten-OP auf dem Weg zurück?

Christoph Schößwendter: Es ist schwer einzuschätzen. Eigentlich geht es mir ganz gut, in den letzten zwei Wochen ging aber nicht so viel weiter wie erwartet. Ich nehme immer Thomas Ebner her, der die selbe Verletzung und Operation hatte und fünf oder sechs Wochen später wieder gespielt hat. Ich bin jetzt in der sechsten Woche, brauche aber noch etwas. Der Heilungsverlauf ist okay, aber eher langsam.

>>> Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews <<<

LAOLA1: Geht es sich aus, dass du noch einmal für die Admira aufläufst?

Schößwendter:
Mein Ziel wäre es gewesen, diese Woche gegen Altach wieder zu spielen - das dürfte sich aber nicht ausgehen. Die drei Spiele im Mai und das Cup-Finale wären ein perfekter Abschluss.

LAOLA1:
Der Cup-Sieg wäre wohl die Krönung deiner Zeit bei der Admira, oder?

Schößwendter:
Auf jeden Fall! Im Halbfinale wäre ich ohnehin gesperrt gewesen, auch wenn ich fit wäre. Im Cup-Finale zu spielen, wäre das i-Tüpfelchen meiner dreieinhalb Jahre bei der Admira. Wenn alles perfekt läuft, kann ich mich mit einem Titel verabschieden. Etwas Schöneres kann mir nicht passieren, dem Verein wohl auch nicht.

LAOLA1: Was kommt dir in den Sinn, wenn du auf die Jahre bei der Admira zurückblickst?

Schößwendter: Das ständige Auf und Ab (lacht). Eine Watsch’n ins Gesicht, zehn Punkte Abzug – du denkst, die Saison ist gelaufen. Dann spielst du eine sensationelle restliche Saison und kannst dich relativ früh absichern. Extreme Höhen, dann wieder Rückschläge – das war in den dreieinhalb Jahren typisch.

LAOLA1: Ist das stressig oder kann man aus so einer Achterbahnfahrt lernen?

Schößwendter: Wenn ich an den Punkte-Abzug zurückdenke, da sind wir schon in der Kabine gesessen und haben uns gefragt, wie es weitergehen soll und warum das gerade dir bei deinem Verein passiert. Jetzt ist etwas Gras darüber gewachsen, im Nachhinein gesehen kann ich sagen, dass es einen abhärtet und stärker macht. Wenn man solche Situationen einmal gemeistert hat, kann nicht mehr so viel kommen, was einen aus der Bahn wirft.


LAOLA1: Mental bist du also gereift, wie hast du dich in deiner Zeit bei den Südstädtern spielerisch weiterentwickelt?

Schößwendter: Hauptsächlich habe ich mich im spielerischen Bereich sehr stark verbessert. Überhaupt in den letzten eineinhalb Jahren, quasi seit Oliver Lederer Cheftrainer ist. Ihm habe ich einiges zu verdanken. Er ist hauptverantwortlich dafür, dass ich den Fußball spiele, den ich aktuell zeige. Zweikampfstark war ich vorher auch, die Luft- und Laufduelle sowie Tacklings liegen mir einfach – da war ich immer recht gut. Was den Spielaufbau betrifft, habe ich gemeinsam mit dem Offensivdrang den größten Schritt gemacht. Das hat Oli aus mir herausgekitzelt. Diese Qualitäten sind verantworlich, dass mich Rapid verpflichtet hat.

LAOLA1: Hast du in Gesprächen gemerkt, dass dich die Torgefahr – obwohl du Innenverteidiger bist – derart begehrt macht?

Schößwendter: Ja, das ist ein riesiges Thema. Ich spreche jetzt speziell von Rapid. Sie haben gesagt, sie brauchen einen zweikampfstarken, schnellen Spieler mit gutem Stellungsspiel – auch bei Konter-Situationen. Bei Rapid hast du ein sehr dominantes Spiel mit viel Ballbesitz, da musst du Konter unterbinden und früh stoppen. Das war bei der Admira in letzter Zeit auch der Fall, weil wir im Umschaltspiel stark waren. Das war sicher ausschlaggebend für das Interesse. Im Gespräch mit Trainer Zoran Barisic ist herausgekommen, dass ich mit meiner Größe ein Typ bin, der gesucht wurde. Sie haben mit Christopher Dibon, Mario Sonnleitner und Max Hofman drei Top-Innenverteidiger, die aber alle nicht übermäßig groß sind. Man erwartet sich in gewissen Spielen durch mich Vorteile in der Defensive gegen Gegner, die mit hohen Bällen agieren – was ja gegen Rapid oft der Fall ist. Dazu soll ich auch bei Standards, speziell in der Offensive beitragen. Sie sind bei Standards schon sehr stark, wollen mit mir vielleicht aber noch etwas dazugewinnen.

"Dass es so ausartet wie in dieser Saison, ist ein Wahnsinn."

Über seine sieben Bundesliga-Tore in 23 Spielen

LAOLA1: Hättest du gedacht, dass sieben Tore in 23 Bundesliga-Spielen überhaupt realistisch sind?

Schößwendter: Ich habe jede Saison meine zwei bis drei Tore gemacht. Das ist ein guter Wert, für einen Innenverteidiger voll okay. Dass es so ausartet wie in dieser Saison, ist ein Wahnsinn. Man kann nicht erwarten, dass es jedes Jahr so sein wird. Es hat sich aber schon abgezeichnet. In der Sommervorbereitung haben wir bei der Admira mit Co-Trainer Michael Horvath großes Augenmerk auf die Standards gelegt. Die Admira war früher, in meinen ersten Jahren, bei Offensiv-Standards harmlos und in der Defensive sehr anfällig. Wir haben viel gearbeitet, um besser zu werden – das hat sich ausgezahlt. Ich habe davon profitiert, dass zwei bis drei Varianten nur für mich gemacht wurden. Ich wurde zum Beispiel freigeblockt, um in einem gewissen Raum frei zum Ball zu kommen.

LAOLA1: Und wie sieht es mit der überraschenden Saison für die ganze Mannschaft aus? Die Vorzeichen im Sommer waren ob der vielen Abgänge schlecht.

Schößwendter: Kürzlich habe ich bei der Mitgliederversammlung gesagt, dass es sich jetzt leicht redet. Ganz ehrlich, im Sommer war es schon hart. Ich weiß noch genau, dass einige Spieler nach den ersten Trainings-Einheiten im Sommer nachdenklich waren. Wir haben uns gefragt, wie das funktionieren soll. Das war genau nach dem Umbruch: Kerschbaumer weg, Windbichler weg, Auer weg, Katzer weg. Es kam nicht wirklich etwas nach, wo man davon ausgehen konnte, dass sie diese Spieler ersetzen. Da gab es schon Tage, wo man nach dem Training in der Kabine gesessen ist und gesagt hat: ‚Okay, schauen wir, dass einer irgendwie hinter uns bleibt. Das ist wohl das Höchste der Gefühle.‘ So ehrlich bin ich, auch wenn im Moment alles schön ist. Es war damals schon eine relativ harte Zeit, wir haben aber schon in der Vorbereitung gut hineingefunden und den Schwung sehr gut mitgenommen. Nach acht Runden waren wir Tabellenführer, was sowieso utopisch war.

Hier geht es weiter:

>>> Im zweiten Teil des großen LAOLA1-Interviews spricht Christoph Schößwendter über seine erste Ära bei Rapid, verrät, warum er es mit Peter Pacult nicht leicht hatte, spricht über diverse Angebote im Winter und stellt klar, dass er gleich gut oder sogar besser als die aktuellen Innenverteidiger bei Rapid sein kann <<<

Matthias Nemetz

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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