Astra und der reiche Mann

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Salzburg, Celtic, Dinamo Zagreb und Astra Giurgiu. Astra wer? Der nächste Europa-League-Gegner der "Bullen" ist die große Unbekannte der Gruppe D.

Den Verein gibt es zwar schon seit 1921, lange Zeit dümpelte er jedoch in der sportlichen Bedeutungslosigkeit vor sich hin. Diese Saison schaltete der AFC Astra Giurgiu, wie der Klub mit vollem Namen heißt, in der EL-Quali aber völlig überraschend Olympique Lyon aus.

Astras Aufstieg ist eng mit Präsident Ioan Niculae verbunden. Niculae ist seines Zeichens reichster Mann Rumäniens und investiert in den Fußball. Das war es aber schon mit den Parallelen zu Salzburg-Boss Didi Mateschitz.

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Niculae ist eine streitbare Figur, er pöbelt gerne und geriet schon öfters mit dem Gesetz in Konflikt. Selbst österreichische Behörden hatten schon das Vergnügen. Auch der Verein hat seit der Übernahme Niculaes eine im wahrsten Sinne bewegte Geschichte hinter sich. Aber der Reihe nach.

Namensänderungen ...

Wir schreiben das Jahr 1996. Der FC Astra ist noch nicht in Giurgiu, sondern in der 130 km nördlich gelegenen Industrie-Stadt Ploiesti beheimatet und wird vom Geschäftsmann Ioan Niculae übernommen.

Damals fusionierte Astra Ploiesti gerade aus finanziellen Gründen mit Danubiana Bukarest und ging als Danubiana Ploiesti in seine erste Zweitliga-Spielzeit. Ein Jahr später erhielt Ploiesti das "Astra" im Namen zurück.

1998 gelang der erstmalige Aufstieg in die höchste Spielklasse. Dort hielt sich Astra bis 2003, als sich der Verein mit Petrolul Ploiesti zusammenschloss.

... und ein Umzug

Niculae gründete Astra schließlich 2005 neu. Zwei Namensänderungen und einige Ab- und Aufstiege später entschloss sich der Klub-Boss 2012 schlussendlich für einen Umzug nach Giurgiu.

Astra-Fans bei einem Duell vs. Petrolul Ploiesti

Bis auf die "Giurgiu-Russe-Freundschaftsbrücke", die über die Donau führt und Rumänien mit der bulgarischen Grenzstadt Russe verbindet, bietet die 60.000-Einwohner-Stadt wenige Sehenswürdigkeiten. Wie es der Zufall so will, stammt aber Niculae aus der Gegend um Giurgiu.

"Es gab (Anm.: betreffend eines Stadionausbaus) zu viele Schikanen von den Behörden in Ploiesti", so die recht simple Begründung des 60-Jährigen gegenüber "Digisport".

Der reichste Mann Rumäniens

Bereits in der ersten Saison in Giurgiu spielte Astra in der ersten Liga, sportlich war der Verein aber trotzdem noch ein unbeschriebenes Blatt.

Ganz im Gegensatz zu seinem Präsidenten. Niculae gründete in den 90er-Jahren den Agrar- und Düngemittelkonzern "Interagro" und avancierte bis heute zum reichsten Mann Rumäniens.

Laut "Forbes" (Stand: September 2014) häufte Niculae ein Vermögen von 1,1 Milliarden Dollar (870 Millionen Euro) an.

Mit dem Gesetz im Konflikt

Niculae ist allerdings alles andere als unumstritten. So wird der Vater von drei Kindern beschuldigt, Informant der Securitate (Anm: rumänischer Geheimdienst während der Zeit des Kommunismus) gewesen zu sein.

Als Geschäftsmann wurde er schon unter anderem wegen Geldwäsche und Betrugs strafverfolgt. 2013 geriet er in die Schlagzeilen, weil "Interagro" angeblich jahrelang Rabatte auf Gas-Transfers von rumänischen Politikern erhielt.

Auch österreichische Behörden durften schon die Bekanntschaft mit dem Namen Niculae machen. Die Gratis-Zeitung "Heute" berichtete im Oktober des vergangenen Jahres von Niculaes Donaukreuzfahrtschiff "Steaua Deltei", das in der Bundeshauptstadt festgehalten wurde.

Grund dafür sollen nichtbezahlte Tankrechnungen in Höhe von 280.000 Euro gewesen sein.

Er legt sich mit allen an

Auch im Fußballgeschäft gehört Niculae, vorsichtig formuliert, zu den auffälligeren Figuren. Er hat sich in Rumänien den Ruf eines Pöblers "erarbeitet".

Erst letzte Woche machte er nach einer Niederlage seiner Truppe gegen CFR Cluj mit Verbal-Attacken gegen den Unparteiischen, der zwei Astra-Spieler ausschloss, auf sich aufmerksam. Die Folge waren 2.300 Euro Strafe und eine sechsmonatige Sperre.

Oft sind es jedoch die eigenen Mitarbeiter, die zum Opfer der Launen ihres Präsidenten werden. So kann es durchaus Sätze wie "unfähige, impotente Idioten" in Richtung der Astra-Spieler hageln. 2012 feuerte Niculae seinen damaligen Trainer Bogdan Stelea vor laufenden Kameras. Wutanfall natürlich inklusive.

Ein rumänisches Spitzenteam ...

Allen Eskapaden zum Trotz ist Astra unter Niculae zumindest auf nationaler Ebene auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft. Auf dem Transfermarkt agiert der kommende Gegner der Salzburger überraschend ruhig und setzt auf ein eingespieltes Team.

Die Mannen von Trainer Daniel Isaila sind amtierende Vizemeister sowie Pokalsieger und werden sich heuer mit Petrolul Ploiesti und Steaua Bukarest den Titel ausmachen. Schon die Premieren-Spielzeit in Giurgiu (2012/13) wurde auf Rang vier beendet, was gleichbedeutend mit einem internationalen Startplatz war.

Trotzdem mussten die Fans bis zu dieser Saison auf europäischen Fußball in Giurgiu warten. Da das Stadion erst um mehrere Millionen Euro adaptiert werden musste, um UEFA-Kriterien zu entsprechen, wich Astra in die 65 Kilometer entfernte Hauptstadt Bukarest aus.

Mittlerweile kann das 8.500 Zuschauer fassende Stadion "Marin Anastasovici" durchaus als Schmuck-Kästchen bezeichnet werden.

Keine Chance mehr: Alexandru Matel

... mit Infrastruktur-Problemen

Dass dadurch nicht alle Infrastruktur-Probleme gelöst werden konnten, muss Salzburg am eigenen Leibe erfahren.

Weil in Giurgiu sowohl Übernachtungs- als auch Trainingsmöglichkeiten Mangelware sind, bereiten sich die "Bullen" in Bukarest auf das Spiel vor.

Eine Begegnung, bei der vor allem die Hausherren nach der 1:5-Auftaktniederlage in Zagreb gegen Dinamo unter Druck stehen. Trotzdem wird der FC Astra auf einen seiner talentiertesten Spieler freiwillig verzichten.

Alexandru Matel, bis zum Sommer etatmäßiger Rechtsverteidiger und Nationalmannschaftskandidat, weigerte sich, seinen bis Juni 2015 laufenden Vertrag zu verlängern. Weil das dem Präsidenten gar nicht schmeckte, trainiert der 24-Jährige seitdem alleine. Typisch Niculae eben.



Máté Esterházy

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