Rapids akribischer Arbeiter im Hintergrund

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Thomas Hickersberger meidet das Rampenlicht.

Mediale Auftritte des 41-Jährigen haben Seltenheitswert. Er verkörpert genau das, was man den akribischen Arbeiter im Hintergrund nennt.

„Das Licht der Öffentlichkeit suche ich nicht unbedingt. Aber das ist in meiner Position gar nicht gefragt. Diese Aufgabe übernimmt der Cheftrainer“, erklärt der Assistenz-Coach des SK Rapid im Interview mit LAOLA1.

Nicht wenige in Hütteldorf sehen in Hickersberger allerdings mehr als „nur“ einen normalen Co-Trainer. Sportdirektor Andreas Müller in etwa bezeichnet den ehemaligen Verteidiger als das „Hirn, was das Taktische betrifft“.

„Er weiß über Fußball so viel Bescheid, wie wir alle nicht“

Auch Cheftrainer Zoki Barisic berichtet über seinen Mitarbeiter nur das Beste: „Er weiß über Fußball so viel Bescheid, wie wir alle nicht. Das ist manchmal sogar unheimlich. Er ist definitiv einer, der über den Tellerrand hinausschaut und verfügt über riesige Kapazitäten.“

Wie im Fußball heutzutage üblich, kann Barisic für die Betreuung der Mannschaft auf ein ganzes Trainer-Team zurückgreifen. Hickersberger ist dabei zusammen mit Carsten Jancker für das „Technisch-Taktische“ (O-Ton Barisic) zuständig. Hinzu kommen Konditionstrainer Alex Steinbichler, Video-Analytiker Stefan Oesen und Tormann-Coach Raimund Hedl.

„Meine Aufgabenbereiche sind ganz unterschiedlich. Ich bin nicht nur für Spielanalysen oder Standardsituationen verantwortlich. Alles, was der Trainer delegiert, nehme ich gerne an und versuche ich so gut wie möglich auszufüllen. Ich bin sehr froh einen Chef zu haben, der dir das Gefühl gibt, dass du Sachen einbringen kannst“, übt sich Hickersberger wie gewohnt in Bescheidenheit.

Müller: „Er arbeitet unglaublich besessen“

Rapid-Sportchef Müller drückt sich da schon euphorischer aus: „Er arbeitet unglaublich besessen, bis ins kleinste Detail. Wenn es um irgendwelche Varianten innerhalb des Spiels geht, ob bei Freistößen oder Eckbällen – er hat immer gute Ideen.“

Zoki Barisic mit den Co-Trainern Carsten Jancker und Thommy Hickersberger

Doch den Co-Trainer auf seine Tüftelein bei Standardsituationen zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Der Sohn von Ex-Teamchef Josef Hickersberger übernimmt auch viele Aufgaben im strategischen Bereich. „Er ist sehr wissbegierig, schaut sich viele Spiele im TV, aber auch vor Ort an. Für uns ist er ein Mosaiksteinchen in einem ideal besetzten Trainerteam“, so Müller.

Hickersberger hat die Spielphilosophie Rapids in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt. Der einfache ÖFB-Nationalspieler, unter Hans Krankl 2002 gegen die Slowakei (2:0) in der Schlussphase eingewechselt, weiß worauf es bei Grün-Weiß ankommt: „Wir wollen dominieren und wir wollen Ballbesitz haben, aber es muss schon zielgerichtet sein.“

Anhänger des zielgerichteten Ballbesitz-Fußballs

Genau diese Zielstrebigkeit im Angriffsdrittel wurde bei Rapid aber in letzter Zeit vermisst. Beim 0:1 gegen Altach brachten es die Hütteldorfer auf fast 70 % Ballbesitz, verpassten es jedoch ein Tor zu erzielen. Auch in den beiden Spielen gegen Helsinki wirkte Rapids Spiel zu wenig auf den Endzweck ausgelegt.

Hickersberger verteidigt jedoch den Ballbesitz-Fußball seines Teams: „Diese Extrem-Beispiele, nur auf die Fehler des Gegners zu warten, um dann schnell umzuschalten – das ist nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Stattdessen bevorzugt es Rapids Co-Trainer, wenn das eigene Team dominanten Fußball zeigt.

„Ballbesitz ist wichtig, solange er zielgerichtet ist. Ich glaube, dass die Leute sehen wollen, wie das eigene Team den Ball kontrolliert, das Spiel auch einmal verschleppt und Rhythmuswechsel einbaut. Aber man darf die Umschaltphasen natürlich nicht verpassen. Das sind die einzigen Momente, in denen der Gegner unorganisiert ist.“

„Auch als Mensch ein besonderer Typ“

Hickersberger wird von seinen Kollegen nicht nur aufgrund seiner Fachkompetenz geschätzt. „Er ist nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch ein besonderer Typ: Sehr zuvorkommend, höflich und intelligent. Ich könnte überhaupt nichts Negatives über Thommy sagen“, beschreibt Barisic seinen Assistenten.

Der dreifache Familien-Vater gilt als äußerst loyaler Co-Trainer. Eine Profi-Mannschaft hat er selbst noch nie als Chef-Coach betreut. Nachdem er von 2007 bis 2010 bei der Vienna mit Peter Stöger zusammengearbeitet hatte und bei der Admira im Nachwuchs tätig war, brachte ihn 2011 Peter Schöttel nach Hütteldorf.

Als dieser im April 2013 von der Vereinsführung entlassen wurde, hatte Hickersberger keine leichte Zeit: „Das ist eine der schwierigsten Situationen für einen Assistenztrainer, wenn jener Coach, der einen zum Verein gebracht hat, aufhört. Da habe ich schon mit mir ringen müssen.“

Keine Cheftrainer-Ambitionen

In den Gesprächen danach hätten Schöttel-Nachfolger Barisic und er aber einen guten Draht zueinander gefunden. Einer Fortsetzung seiner Arbeit bei Rapid stand nichts mehr im Wege. „Es ist eine große Ehre für mich, hier zu arbeiten. Ich bin Peter Schöttel sehr dankbar, dass er mich hierher geholt hat“, gibt sich Hickersberger wie gewohnt demütig.

Selbst Cheftrainer zu werden kann sich der aktuelle Teilnehmer am ÖFB-Trainerkurs für die UEFA Pro Lizenz momentan nicht vorstellen. „Ich bin mit meiner Situation bei Rapid richtig glücklich.“

Hickersberger steht eben nicht gerne im Rampenlicht. Das überlässt er anderen.

 

Jakob Faber / Alexander Karper

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